Zueignung (Typoskript, 1947) Zueignung an Karl Jaspers (Sechs Essays, 1948)
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Zueignung An Karl Jaspers, Heidelberg.1
Zueignung an Karl Jaspers1
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Lieber Verehrtester, haben Sie Dank, dass1 Sie mir erlaubt haben, dies Buechlein2 Ihnen zu widmen und Dank dafuer3, dass4 ich das, was ich bei seinem Erscheinen in Deutschland zu sagen habe, Ihnen sagen darf.
Lieber Verehrtester, haben Sie Dank, daß1 Sie mir erlaubt haben, dies Büchlein2 Ihnen zu widmen und Dank dafür3, daß4 ich das, was ich bei seinem Erscheinen in Deutschland zu sagen habe, Ihnen sagen darf.
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Denn es faellt1 ja heute einem Juden nicht leicht, in Deutschland zu veroeffentlichen2, und sei er ein Jude deutscher Sprache. Angesichts dessen was geschehen ist, zaehlt4 die Verfuehrung5, seine eigene Sprache wieder schreiben zu duerfen6, wahrhaftig nicht, obwohl dies die einzige Heimkehr aus dem Exil ist, die man nie ganz aus den Traeumen7 verbannen kann. Aber wir Juden sind nicht oder nicht mehr Exilanten und haben zu solchen Traeumen8 schwerlich ein Recht. Gleich wie sich unsere Vertreibung ausnimmt und verstanden wird im Rahmen deutscher oder europaeischer9 Geschichte, die Tatsache der Vertreibung selbst konnte erst einmal gar nicht anders als uns in unsere eigene Geschichte zurueckverweisen10, in der Vertreibung sich nicht als etwas Einmaliges und Einzigartiges, sondern gerade als etwas Bekanntes und Wiederholtes darstellte.
Denn es fällt1 ja heute einem Juden nicht leicht, in Deutschland zu veröffentlichen2, und sei er ein Jude deutscher Sprache. Angesichts dessen,3 was geschehen ist, zählt4 die Verführung5, seine eigene Sprache wieder schreiben zu dürfen6, wahrhaftig nicht, obwohl dies die einzige Heimkehr aus dem Exil ist, die man nie ganz aus den Träumen7 |Arendt-III-001-00000004 verbannen kann. Aber wir Juden sind nicht oder nicht mehr Exilanten und haben zu solchen Träumen8 schwerlich ein Recht. Gleich wie sich unsere Vertreibung ausnimmt und verstanden wird im Rahmen deutscher oder europäischer9 Geschichte, die Tatsache der Vertreibung selbst konnte erst einmal gar nicht anders als uns in unsere eigene Geschichte zurückverweisen10, in der Vertreibung sich nicht als etwas Einmaliges und Einzigartiges, sondern gerade als etwas Bekanntes und Wiederholtes darstellte.
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Zwar hat auch dies sich schliesslich1 als eine Illusion herausgestellt. Die letzten Jahren2 haben uns Dinge gelehrt, die wir keineswegs aus unserer Geschichte als etwas sich Wiederholendes belegen koennten3; wir sind mit einem entschlossenen Versuch der Ausrottung noch nie konfrontiert worden und wir haben natuerlich5 mit einer solchen Moeglichkeit6 auch nie im Ernst gerechnet. Gegenueber7 der Vernichtung eines Drittel8 des juedischen9 Volkes in der Welt und nahezu drei10 Viertel der europaeischen11 Judenheit nehmen sich die vor Hitler von den Zionisten prophezeihten12 Katastrophen wie Stuerme13 im Wasserglas aus.
Zwar hat auch dies sich schließlich1 als eine Illusion herausgestellt. Die letzten Jahre2 haben uns Dinge gelehrt, die wir keineswegs aus unserer Geschichte als etwas sich Wiederholendes belegen könnten3; wir sind mit einem entschlossenen Versuch der Ausrottung noch nie konfrontiert worden,4 und wir haben natürlich5 mit einer solchen Möglichkeit6 auch nie im Ernst gerechnet. Gegenüber7 der Vernichtung eines Drittels8 des jüdischen9 Volkes in der Welt und nahezu dreier10 Viertel der europäischen11 Judenheit nehmen sich die vor Hitler von den Zionisten prophezeiten12 Katastrophen wie Stürme13 im Wasserglas aus.
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Dies aber ist ja nun keineswegs geeignet, solch eine Veroeffentlichung1 leichter oder besser verstaendlich2 zu machen. Mir scheint es offenbar zu |2 sein, dass3 die Mehrheit beider Voelker4, des deutschen wie des juedischen5, sich unter einem Juden, der in Deutschland zu Deutschen oder, wie in meinem Falle, auf diesem Wege zu Europaeeren6 sprechen will, schwerlich etwas anderes vorstellen kann als einen Lumpen oder einen Narren. Dies hat mit der Frage von Schuld oder Verantwortlichkeit noch gar nichts zu tun. Ich spreche lediglich von dem Boden der Tatsachen, wie er sich mir darstellt, weil man von ihm sich nie entfernen sollte, ohne zu wissen, was man tut und warum man es tut.
Dies aber ist ja nun keineswegs geeignet, solch eine Veröffentlichung1 leichter oder besser verständlich2 zu machen. Mir scheint es offenbar zu sein, daß3 die Mehrheit beider Völker4, des deutschen wie des jüdischen5, sich unter einem Juden, der in Deutschland zu Deutschen oder, wie in meinem Falle, auf diesem Wege zu Europäern6 sprechen will, schwerlich etwas anderes vorstellen kann als einen Lumpen oder einen Narren. Dies hat mit der Frage von Schuld oder Verantwortlichkeit noch gar nichts zu tun. Ich spreche lediglich von dem Boden der Tatsachen, wie er sich mir darstellt, weil man von ihm sich nie entfernen sollte, ohne zu wissen, was man tut und warum man es tut.
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Keiner der folgenden Aufsaetze1 ist, wie ich hoffe, ohne Bewusstsein2 der Tatsachen unserer Zeit und ohne Bewusstsein3 des juedischen4 Schicksals in unserem Jahrhundert geschrieben. Aber in keinem, glaube und hoffe ich, habe ich mich auf diesen Boden der Tatsachen gestellt, in keinem habe ich die von diesen Tatsachen geschaffene Welt als notwendig und unzerstoerbar5 akzeptiert. Solche gewollte Unbefangenheit des Urteils und bewusste6 Distanz von allen Fanatismen, wie verlockend diese auch sein mochten und wie erschreckend auch Vereinsamung in jedem Sinne als Folge drohte, haette7 ich nie leisten koennen8 ohne Ihre Philosophie und ohne die Tatsache Ihrer Existenz, die mir in den langen Jahren, da mich die rabiaten Umstaenden9 von Ihnen ganz und gar entfernten, sehr viel deutlicher wurden als zuvor.
Keiner der folgenden Aufsätze1 ist, wie ich hoffe, ohne Bewußtsein2 der Tatsachen unserer Zeit und ohne Bewußtsein3 des jüdischen4 Schicksals in unserem Jahrhundert |Arendt-III-001-00000005 geschrieben. Aber in keinem, glaube und hoffe ich, habe ich mich auf diesen Boden der Tatsachen gestellt, in keinem habe ich die von diesen Tatsachen geschaffene Welt als notwendig und unzerstörbar5 akzeptiert. Solche gewollte Unbefangenheit des Urteils und bewußte6 Distanz von allen Fanatismen, wie verlockend diese auch sein mochten und wie erschreckend auch Vereinsamung in jedem Sinne als Folge drohte, hätte7 ich nie leisten können8 ohne Ihre Philosophie und ohne die Tatsache Ihrer Existenz, die mir in den langen Jahren, da mich die rabiaten Umstände9 von Ihnen ganz und gar entfernten, sehr viel deutlicher wurden als zuvor.
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Was ich bei Ihnen gelernt habe und was mir in den folgenden Jahren half, mich in der Wirklichkeit zurechtzufunden1, ohne mich ihr zu verschreiben, wie man sich frueher2 dem Teufel verschrieb, ist, dass3 es nur auf die Wahrheit ankommt und nicht auf Weltanschauungen, dass4 man im Freien leben und denken muss5 und nicht in einem noch so schoen6 eingerichteten »Gehaeuse«,7 und dass8 die Notwendigkeit in jeder Gestalt nur der Spuk ist, der uns locken moechte9, eine Rolle zu spielen, anstatt zu versuchen, irgendwie ein Mensch zu sein. Was ich persoenlich10 nie vergessen habe, ist Ihre so schwer beschreibbare Haltung des Zuhoerens11, jene dauernd zur Kritik bereite Toleranz, die von Skepsis gleich weit entfernt ist wie vom Fanatismus,12 und schliesslich13 nur die Realisierung dessen ist, dass14 |3 alle Menschen Vernunft haben und dass15 keines Menschen Vernunft unfehlbar ist.
Was ich bei Ihnen gelernt habe und was mir in den folgenden Jahren half, mich in der Wirklichkeit zurechtzufinden1, ohne mich ihr zu verschreiben, wie man sich früher2 dem Teufel verschrieb, ist, daß3 es nur auf die Wahrheit ankommt und nicht auf Weltanschauungen, daß4 man im Freien leben und denken muß5 und nicht in einem noch so schön6 eingerichteten »Gehäuse,«7 und daß8 die Notwendigkeit in jeder Gestalt nur der Spuk ist, der uns locken möchte9, eine Rolle zu spielen, anstatt zu versuchen, irgendwie ein Mensch zu sein. Was ich persönlich10 nie vergessen habe, ist Ihre so schwer beschreibbare Haltung des Zuhörens11, jene dauernd zur Kritik bereite Toleranz, die von Skepsis gleich weit entfernt ist wie vom Fanatismus und schließlich13 nur die Realisierung dessen ist, daß14 alle Menschen Vernunft haben und daß15 keines Menschen Vernunft unfehlbar ist.
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Damals war ich manchmal versucht, Sie nachzuahmen bis in den Gestus des Sprechens hinein, weil dieser Gestus fuer1 mich symbolisch geworden war fuer2 einen sich unmittelbar verhaltenden Menschen, fuer3 einen Menschen ohne Hintergedanken. Dabei habe ich schwerlich gewusst4, wie schwer es einmal werden wuerde5, Menschen ohne Hintergedanken zu begegnen und dass7 eine Zeit kommen wuerde8, da gerade dies, was so offenbar von Vernunft und heller,9 aufhellender Aufmerksamkeit diktiert war, wie vermessener ruchloser Optimismus aussehen koennte11. Was schliesslich ist inzwischen natuerlicher und selbstverstaendlicher geworden, als jedem Deutschen, der uns begegnet, mit der Frage aufzulauern: Wen von uns hast Du ermordet?12
Damals war ich manchmal versucht, Sie nachzuahmen bis in den Gestus des Sprechens hinein, weil dieser Gestus für1 mich symbolisch geworden war für2 einen sich unmittelbar verhaltenden Menschen, für3 einen Menschen ohne Hintergedanken. Dabei habe ich schwerlich gewußt4, wie schwer es einmal werden würde5, Menschen ohne Hintergedanken zu begegnen,6 und daß7 eine Zeit kommen werde8, da gerade dies, was so offenbar von Vernunft und heller aufhellender Aufmerksamkeit diktiert war, wie vermessener,10 ruchloser Optimismus aussehen könnte11.
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[keine Entsprechung vorhanden]
Denn zu den Tatsachen, zu der Welt, in der wir heute leben, gehört ja auch jenes fundamentale Mißtrauen zwischen den Völkern und den Einzelnen, das durch das Verschwinden der Nazis nicht verschwunden ist und nicht verschwinden konnte, weil es sich auf ein überwältigendes Material an Erfahrung stützen und berufen kann. So ist es heute für uns Juden in der Tat fast unmöglich, einem Deutschen, der uns begegnet, nicht mit der Frage aufzuwarten: Was hast Du in den zwölf Jahren von 1933 bis 1945 getan? Und hinter dieser Frage steht beides: ein quälendes Unbehagen, daß man von einem Menschen etwas so Unmenschliches verlangt, wie die Rechtfertigung seiner Existenz, und der lauernde Verdacht, ob man nicht gerade mit einem konfrontiert ist, der entweder in einer Mordfabrik angestellt war oder der, wenn er etwas von den Ungeheuerlichkeiten des Regimes erfuhr, der Meinung war: wo gehobelt wird, fallen Späne. Daß man für das erstere kein geborener Mörder und für das zweite kein gedungener Helfershelfer, ja nicht einmal ein überzeugter Nazi zu sein brauchte, ist gerade das Beunruhigende und Aufreizende, das so leicht dazu verführt zu generalisieren.
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[keine Entsprechung vorhanden]
So etwa sieht heute der Boden der Tatsachen aus, auf den beide Völker geworfen sind. Auf der einen Seite steht die von den Nazis geplante und bewußt durchgeführte Komplizität des gesamten deutschen Volkes; auf der anderen Seite steht der in den Gaskammern erzeugte blinde Haß des gesamten jüdischen Volkes. Diesem fanatischen Haß kann sich der einzelne Jude so wenig entziehen wie der einzelne Deutsche jener von den Nazis über ihn verhängten Komplizität, so lange sich nicht beide entschließen, den Boden solcher Tatsachen zu verlassen.
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[keine Entsprechung vorhanden]
Dieser Entschluß, den Boden der Tatsachen ganz und gar zu verlassen und sich um die Gesetze, die sie dem Handeln diktieren wollen, ganz und gar nicht mehr zu kümmern, ist ein schwerer Entschluß, der aus der Einsicht stammt, daß in der Vergangenheit etwas geschehen ist, was nicht einfach schlecht oder unrecht oder |Arendt-III-001-00000007 grausam war, sondern was unter keinen Umständen hätte passieren dürfen. Dies war so lange noch anders, als sich die Nazi-Herrschaft in gewissen Grenzen hielt und man als Jude sein Verhalten nach den Regeln einrichten konnte, die unter den Umständen gewöhnlicher und bekannter Feindschaft zwischen zwei Völkern gelten. Damals konnte man sich auf den Boden der Tatsachen noch verlassen, ohne deshalb unmenschlich zu werden; man konnte etwa sich als Jude wehren, weil man als Jude angegriffen war. Nationale Begriffe und nationale Zugehörigkeiten hatten noch einen Sinn, sie waren noch ursprüngliche Elemente einer Realität, innerhalb deren man sich bewegen konnte. Innerhalb solch einer trotz aller Feindschaft noch intakten Welt reißt auch die Möglichkeit der Mitteilung zwischen den Völkern und Einzelnen nicht einfach ab, und es entsteht nicht der stumme und ewige Haß, der uns unweigerlich ergreift, wenn wir uns den Konsequenzen der von den Nazis geschaffenen Tatsachen unterwerfen.
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Von diesem Boden der Tatsachen her, auf den1 die Massen beider Voelker geworfen sind, gibt es allerdings keine Moeglichkeit fuer einen Juden wieder2 zu Deutschen zu sprechen, selbst wenn er nur die Europaeer unter ihnen anreden will3. Auf diesem Boden gibt es Mitteilungsmoeglichkeit ueberhaupt nicht mehr. Denn4 der Boden der Tatsachen, auf dem es sich noch so sicher vor einem Jahrzehnt stand5, als man behaupten konnte, dass man6, da man als Jude angegriffen war7, man8 sich auch vor allem als Jude wehren muesse,9 ist inzwischen zu dem Abgrund geworden,10 der Auschwitz heisst. Nach dieser Katastrophe kann jeder,11 der sich seine Handlungen nur von12 der Tatsache seiner nationalen Zugehoerigkeit vorschreiben laesst13, nur in diesem Abgrund landen, in dem man notwendigerweise14 weiter Vernichtung betreiben wird15 wie man in Auschwitz Leichen fabrizierte.
Aber1 die Fabrikation von Leichen hat mit Feindschaft nichts mehr2 zu tun und ist mit politischen Kategorien nicht mehr zu fassen3. In Auschwitz hat sich4 der Boden der Tatsachen in einen Abgrund verwandelt5, in den jeder hineingezogen werden wird6, der nachträglich versucht7, sich auf ihn zu stellen. Hier9 ist die Realität10 der Realpolitiker, von11 der sich die Mehrzahl12 der Völker immer und natürlicherweise bezaubern lassen13, zu einem Ungeheuer geworden, das uns nur antreiben könnte,14 weiter Vernichtung zu betreiben15 wie man in Auschwitz Leichen fabrizierte.
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Darum kommt1 es auch augenblicklich2 nicht so3 sehr darauf an4, was die Mehrzahl der Menschen jeweilig5 gerade denkt, und sei es die Mehrzahl des eigenen Volkes. Erst einmal muessen sich die Wenigen6, die es in allen Voelkern gibt, versuchen miteinander zu verstaendigen. Dafuer8 ist es |4 wichtig, dass diese Wenigen9 sich nicht krampfhaft an ihren eigenen,10 nationalen Vergangenheiten festhalten,11 Vergangenheiten, die doch nichts erklaeren12 (denn Auschwitz ist so wenig aus deutscher wie aus juedischer13 Geschichte zu erklaeren14); dass15 sie wissen16, dass dies vielleicht17 die Sintflut ist18 und wir alle19 dem Noah in seiner Arche gleichen moegen20; und dass sie schliesslich auch noch die Dankbarkeit dafuer aufzubringen vermoegen21, dass22 es eben doch verhaeltnismaessig23 viele Noahs gibt, die auf den Weltenmeeren herumschwimmen und versuchen, ihre Archen so nah wie moeglich24 aneinander heranzusteuern.
Ist der Boden der Tatsachen zu einem Abgrund geworden, so ist der Raum, in den man sich begibt, wenn man sich von ihm entfernt, ein gleichsam leerer Raum, in welchem1 es nicht mehr Nationen und Völker gibt, sondern nur noch Einzelne, für die es2 nicht mehr3 sehr erheblich ist4, was die Mehrzahl der Menschen jeweils5 gerade denkt, und sei es die Mehrzahl des eigenen Volkes. Für die notwendige Verständigung zwischen diesen Einzelnen6, |Arendt-III-001-00000008 die es heute7 in allen Völkern und allen Nationen der Erde gibt,8 ist es wichtig, daß sie lernen,9 sich nicht krampfhaft an ihren eigenen nationalen Vergangenheiten festzuhalten -11 Vergangenheiten, die doch nichts erklären12 (denn Auschwitz ist so wenig aus deutscher wie aus jüdischer13 Geschichte zu erklären14); daß15 sie nicht vergessen16, daß sie nur zufällig Überlebende einer Sintflut sind,17 die in dieser oder jener Form jeden Tag wieder über uns hereinbrechen kann,18 und daß sie daher19 dem Noah in seiner Arche gleichen mögen20; daß sie schließlich der Verführung zur Verzweiflung oder zur Menschenverachtung nicht nachgeben21, sondern dankbar sind dafür, daß22 es eben doch verhältnismäßig23 viele Noahs gibt, die auf den Weltenmeeren herumschwimmen und versuchen, ihre Archen so nah wie möglich24 aneinander heranzusteuern.
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»Wir leben«, wie Sie in Genf sagten, »als ob wir pochend vor den Toren staenden1, die noch geschlossen sind. Bis heute geschieht vielleicht im ganz Intimen, was so noch keine Welt begruendet2, sondern nur dem Einzelnen sich schenkt, was aber vielleicht eine Welt begruenden3 wird, wenn es aus der Zerstreuung sich begegnet.«
»Wir leben«, wie Sie in Genf sagten, »als ob wir pochend vor den Toren ständen1, die noch geschlossen sind. Bis heute geschieht vielleicht im ganz Intimen, was so noch keine Welt begründet2, sondern nur dem Einzelnen sich schenkt, was aber vielleicht eine Welt begründen3 wird, wenn es aus der Zerstreuung sich begegnet.«
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In dieser Hoffnung und mit diesem Willen scheint es mir ganz gerechtfertigt, dies Buch in Deutschland erscheinen zu lassen, und sei es nur deshalb, weil Sie dort leben. Denn1 in Ihrer Existenz und in Ihrer Philosophie zeichnet sich2 das Modell eines Verhaltens ab, in dem Menschen wieder3 miteinander reden koennen4, und sei es unter den Bedingungen der Sintflut. New York, Februar 1947. Hannah Arendt5
In dieser Hoffnung und mit diesem Willen scheint es mir ganz gerechtfertigt, dies Buch in Deutschland erscheinen zu lassen. Jedenfalls zeichnet sich1 in Ihrer Existenz und in Ihrer Philosophie das Modell eines Verhaltens ab, in dem Menschen miteinander reden können4, und sei es unter den Bedingungen der Sintflut.
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[keine Entsprechung vorhanden]
New York, Mai 1947. Hannah Arendt