Darum kommt1 es auch augenblicklich2 nicht so3 sehr darauf an4, was die Mehrzahl der Menschen jeweilig5 gerade denkt, und sei es die Mehrzahl des eigenen Volkes. Erst einmal muessen sich die Wenigen6, die es in allen Voelkern gibt, versuchen miteinander zu verstaendigen. Dafuer8 ist es |4 wichtig, dass diese Wenigen9 sich nicht krampfhaft an ihren eigenen,10 nationalen Vergangenheiten festhalten,11 Vergangenheiten, die doch nichts erklaeren12 (denn Auschwitz ist so wenig aus deutscher wie aus juedischer13 Geschichte zu erklaeren14); dass15 sie wissen16, dass dies vielleicht17 die Sintflut ist18 und wir alle19 dem Noah in seiner Arche gleichen moegen20; und dass sie schliesslich auch noch die Dankbarkeit dafuer aufzubringen vermoegen21, dass22 es eben doch verhaeltnismaessig23 viele Noahs gibt, die auf den Weltenmeeren herumschwimmen und versuchen, ihre Archen so nah wie moeglich24 aneinander heranzusteuern. | Ist der Boden der Tatsachen zu einem Abgrund geworden, so ist der Raum, in den man sich begibt, wenn man sich von ihm entfernt, ein gleichsam leerer Raum, in welchem1 es nicht mehr Nationen und Völker gibt, sondern nur noch Einzelne, für die es2 nicht mehr3 sehr erheblich ist4, was die Mehrzahl der Menschen jeweils5 gerade denkt, und sei es die Mehrzahl des eigenen Volkes. Für die notwendige Verständigung zwischen diesen Einzelnen6, |Arendt-III-001-00000008 die es heute7 in allen Völkern und allen Nationen der Erde gibt,8 ist es wichtig, daß sie lernen,9 sich nicht krampfhaft an ihren eigenen nationalen Vergangenheiten festzuhalten -11 Vergangenheiten, die doch nichts erklären12 (denn Auschwitz ist so wenig aus deutscher wie aus jüdischer13 Geschichte zu erklären14); daß15 sie nicht vergessen16, daß sie nur zufällig Überlebende einer Sintflut sind,17 die in dieser oder jener Form jeden Tag wieder über uns hereinbrechen kann,18 und daß sie daher19 dem Noah in seiner Arche gleichen mögen20; daß sie schließlich der Verführung zur Verzweiflung oder zur Menschenverachtung nicht nachgeben21, sondern dankbar sind dafür, daß22 es eben doch verhältnismäßig23 viele Noahs gibt, die auf den Weltenmeeren herumschwimmen und versuchen, ihre Archen so nah wie möglich24 aneinander heranzusteuern. |