Rahel Varnhagen. Eine Biographie (Typoskript 1933, Berliner Fassung) | Rahel Varnhagen. Eine Biographie (Typoskript 1956, New Yorker Fassung) | Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik (1959) | Aus dem Judentum kommt man nicht heraus (Vorabdruck) | Paria und Parvenu: Rahel Varnhagen und die Assimilation der deutschen Juden |
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Rahel Varnhagen. Eine Biographie [Berliner Fassung] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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I. Kapitel.
Benachteiligtsein. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Im Jahre 1771 wird Rahel Levin in Berlin geboren: der Vater ein jüdischer Juwelenhändler, wohlhabend, klug und ungebildet, die Mutter ohne eigene Kontur, anlehnungsbedürftig, in ständiger Angst vor der Tyrannei des Mannes, Mutter von fünf Kindern. Das Haus schon fast traditionslos geworden - wenn auch die äusseren Gebräuche noch gehalten werden, noch nicht assimiliert. Der Scharfsinn ist nur der Scharfsinn des Erwerbs; man kennt weder Bildung noch Talmudwissen. Geistigkeit wird repräsentiert in Mendelssohn. Man kennt ihn und seine Freundschaft mit Lessing, auf die man stolz ist, man kennt den Nathan, - Lessings Bild hängt an der Wand -. Wissen soll den Kindern gegeben werden, man engagiert einen Hauslehrer, der sehr mittelmässig ausfällt. Merkwürdige Aufgabe, diesen Kindern, deren Eltern von nichts etwas wissen, Bildung zu vermitteln. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahel hat nichts gelernt, sie kann keine »Antworten lernen«, sie bleibt eine »Ignorantin«. Die uralte Hochschätzung des Wissens, die dem Ghettojuden allein noch die Würde seiner Existenz garantierte und unabhängig machte von der Schätzung der nicht-jüdischen Umwelt, weil in diesem Wissen die Auserwähltheit des Volkes und der Sinn seines Unglücks verborgen war; das Vorbild Mendelssohns, dem es allein schon durch eine Bildungsassimilation gelungen ist, einen Namen zu bekommen, nicht totgeschwiegen zu werden, nicht verachtet zu sein, - beides macht die Ignoranz zu einem Stigma des Benachteiligtseins. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Der Vater ist klug, er ist witzig und er ist unumschränkter Herr des Hauses. Er ist launisch bis zur völligen Unberechenbarkeit, seine Ausbrüche sind nicht Strafe für etwas Wohlverdientes, sondern unvorhersehbare Ereignisse. Diese Ereignisse sind psychologisch |2 durchschaubar, sie sind nur Launen und frisieren sich zu Geschehnissen auf. Sie sind zwar mächtig, aber nicht undurchsichtig. Der Vater ist nur rücksichtslos. Aber das Kind kann nicht destruieren. Es ist an die Autorität gebunden; ist diese unberechenbar, so muss es sich doch fügen. Für das Kind sind auch Launen Ereignisse, denen man sich fügen muss, wie Schicksalsschlägen. Und vielleicht ist es auch gleichgültig, woher der Schlag kommt und wichtig nur das eine: dass man lernt, dass es keine Rücksicht gibt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rücksicht. Aber Rücksicht worauf? Auf das, was sie ist, natürlicherweise ist, auf alles, was Entwicklung an den Tag bringen kann, auf jede naturhafte Sensibilität der Seele, auf die bestimmte einmalige Anordnung des Seelischen gerade in ihr; auf ihre Reaktionen, auf ihre Nerven, auf ihre Organe. Es gibt keine Zärtlichkeit für dieses Kind, das so zart ist, dass es gleich nach der Geburt in Baumwolle gepackt werden musste, um nur am Leben zu bleiben. Die Natur wird zurückgeworfen und Rahel wird »wie eine Pflanze, die nach der Erde hinein treibt: die schönsten Eigenschaften werden die widrigsten«. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel Varnhagen
Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Für Anne seit 1921 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | We tell you, tapping on our brows, The story as it should be, - As if the story of a house Were told or ever could be; We’ll have no kindly veil between Her visions and those we have seen, - As if we guessed what hers have been, Or what they are or would be. Meanwhile we do no harm; for they That with a god have striven, Not hearing much of what we say, Take what the god has given; Though like waves breaking it may be, Or like a changed familiar tree, Or like a stairway to the sea Where down the blind are driven. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Edwin Arlington Robinson | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Vorwort | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Das Manuskript dieses Buches war bis auf die letzten beiden Kapitel fertig, als ich Deutschland 1933 verließ, und auch die beiden letzten Kapitel sind vor mehr als zwanzig Jahren geschrieben. Ich beabsichtigte ursprünglich, dem Buch einen ausführlichen Anhang und Anmerkungsapparat beizugeben, in welchem ein Teil des ungedruckten Brief- und Tagebuchmaterials, das sich im Varnhagen-Archiv der Handschriften-Abteilung der Preußischen Staatsbibliothek befand, veröffentlicht werden sollte. Das Varnhagen-Archiv, das außer dem Rahel-Nachlaß sehr reiche Bestände aus dem Romantiker-Kreis besaß1, ist während des Krieges zusammen mit anderen wertvollen Handschriften in eine der östlichen Provinzen Deutschlands ausgelagert worden und nicht wieder nach Berlin zurückgekehrt; über seinen Verbleib ist meines Wissens nichts bekannt. So ist es mir unmöglich, meinen damaligen Plan auszuführen, und ich habe mich statt dessen begnügen müssen, aus meinen alten Exzerpten, Fotokopien und Abschriften das mitzuteilen, was mir auch ohne nochmalige Vergleichung mit den Originalen als einigermaßen gesichert erscheint. Besonders bedauerlich ist, daß auf diese Weise der vollständige Text der Briefe von Gentz an Rahel, von denen in den |II-001-Lebensgeschichte-1959-00000006 vorliegenden Veröffentlichungen sehr interessante und für die Vorurteilslosigkeit der Zeit sehr bezeichnende Teile der Biedermeier-Moral zum Opfer gefallen sind, wieder nicht publiziert werden kann; in meinen Abschriften finden sich nur diejenigen Ergänzungen, die ich für meine Darstellung brauchte. Für die Darstellung selbst ist der größte Verlust der umfangreiche Briefwechsel zwischen Rahel und Pauline Wiesel, der Geliebten des Prinzen Louis Ferdinand, der einhundertsechsundsiebzig Briefe von Pauline an Rahel und hundert Briefe von Rahel an Pauline umfaßte. Sie waren die wichtigste Quelle für Rahels Leben nach ihrer Heirat mit Varnhagen, und auf sie vor allem stützen sich die zuweilen recht radikalen Korrekturen an dem gängigen Rahel-Bild der Literatur, die sich in meiner Biographie finden. Dieser Briefwechsel ist kaum je benutzt worden, weil Varnhagen, der die meisten Briefe der Rahel in seiner leserlichen Handschrift abgeschrieben (diese Abschriften bildeten einen Teil des Varnhagen-Archivs) und so zum Druck bereits vorbereitet hatte, von den Briefen an Pauline nur siebzehn kopierte; die späteren Bearbeiter des Nachlasses dürften dieses Material wohl schon darum nicht benutzt haben, weil Handschriften und Orthographie beider Frauen schwer leserlich waren. Eine Auswahl aus dieser Korrespondenz hat Carl Atzenbeck in seinem Briefband Pauline Wiesel veröffentlicht. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Abgesehen von den bekannten Publikationen der Rahel-Briefe, die in der Bibliographie aufgezählt sind, stützt sich die Darstellung auf ein recht umfangreiches, nicht gedrucktes Material. Hierhin gehören auch zahlreiche Korrekturen und Ergänzungen der Briefe und Tagebucheintragungen, die Varnhagen in den drei Bänden Buch des Andenkens 1834 veröffentlicht hat.2 Die große Eigenmächtigkeit Varnhagens in der Veröffentlichung oder Vorbereitung des Rahelschen Nachlasses, die in manchen, nicht häufigen Fällen auch vor Interpolationen und Vernichtung oder Verstümmelung von Briefen nicht zurückscheute3, durchgängig korrigierte, wesentliche Abschnitte ausließ und Personennamen so |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000007 verschlüsselte, daß der Leser absichtlich irregeführt wurde, ist bekannt genug.4 Das hat nicht hindern können, daß sich Varnhagens Auffassung der Rahel, seine Platt- und Schönmalerei wie seine absichtlichen Verfälschungen ihres Lebens nahezu unumstritten durchgesetzt haben. Was die letzteren betrifft, so ist für uns vor allem von Belang, daß die Auslassungen und irreführenden Verschlüsselungen von Namen in nahezu allen Fällen dazu dienen sollten, Rahels Umgang und Freundeskreis weniger jüdisch und mehr aristokratisch zu machen und Rahel selber in einem konventionelleren und dem Geschmack der Zeit genehmeren Licht erscheinen zu lassen. Für das erstere ist charakteristisch, daß Henriette Herz immer als Frau von B. oder Frau von Bl. erscheint, auch an den Stellen, wo Rahel sich nicht weiter ungünstig über sie äußert; daß Rebecca Friedländer, die sich als Schriftstellerin Regina Frohberg nannte, stets mit der Chiffre Frau von Fr. bezeichnet ist; für das letztere, daß die wenigen Briefe und Briefauszüge an Pauline Wiesel als Tagebuchnotizen frisiert oder an eine Frau von V. gerichtet erscheinen, so daß die Rolle, die diese Freundschaft in Rahels Leben spielte, aus den Dokumenten herausredigiert ist. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Es hat immer etwas Mißliches, wenn ein Autor über sein eigenes Buch spricht, auch wenn seine Entstehung ein halbes Menschenleben zurückliegt. Da aber die Darstellung aus einem in der Biographien-Literatur ungewohnten Aspekt entstanden und geschrieben ist, darf ich mir vielleicht doch einige erläuternde Bemerkungen erlauben. Ich hatte niemals die Absicht, ein Buch über die Rahel zu schreiben, über ihre Persönlichkeit, die man psychologisch und in Kategorien, die der Autor von außen mitbringt, so oder anders interpretieren und verstehen kann; oder über ihre Stellung in der Romantik und die Wirkung des von ihr eigentlich inaugurierten Goethe-Kultes in Berlin; oder über die |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000008 Bedeutung ihres Salons in der Gesellschaftsgeschichte der Zeit; oder über ihre Gedankenwelt und ihre »Weltanschauung«, sofern sich eine solche aus ihren Briefen konstruieren lassen sollte. Was mich interessierte, war lediglich, Rahels Lebensgeschichte so nachzuerzählen, wie sie selbst sie hätte erzählen können. Warum sie selbst sich, im Unterschied zu dem, was andere über sie sagten, für außerordentlich hielt, hat sie in nahezu jeder Epoche ihres Lebens in sich gleichbleibenden Wendungen und Bildern, die alle das umschreiben sollten, was sie unter Schicksal verstand, zum Ausdruck gebracht. Worauf es ihr ankam, war, sich dem Leben so zu exponieren, daß es sie treffen konnte »wie Wetter ohne Schirm« (»Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.«5) und weder Eigenschaften noch Meinungen - über die ihr begegnenden Menschen, über die Umstände und Zustände der Welt, über das Leben selbst - dazu zu benutzen, sich selbst einigermaßen zu schützen. Hierzu gehört, daß sie nicht wählen und nicht handeln kann, weil Wahl und Handeln bereits dem Leben zuvorkommen und das reine Geschehen verfälschen würden. Was ihr zu tun verblieb, war ein »Sprachrohr« des Geschehenen zu werden, das Geschehene in ein Gesagtes umzuwandeln. Dies gelingt, indem man in der Reflexion sich selbst und anderen die eigene Geschichte immer wieder vor- und nacherzählt; dadurch wird sie zum Schicksal: »Es hat ein jeder ein Schicksal, der da weiß, was er für eines hat.« Die einzigen Eigenschaften, die man hierzu haben oder in sich mobilisieren muß, sind eine nie nachlassende Wachheit und Schmerzfähigkeit, um treffbar und bewußt zu bleiben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Das romantische Element, das in diesem Unterfangen steckt, hat Rahel selbst sehr klar bezeichnet, als sie einmal sich den »größten Künstlern« verglich und meinte: »Mir aber war das Leben angewiesen.« Das Leben so zu leben, als sei es ein Kunstwerk, zu glauben, daß man aus seinem eigenen Leben durch »Bildung« eine Art Kunstwerk machen könne, ist der große Irrtum, den Rahel mit ihren Zeitgenossen teilte, oder vielleicht auch nur das Selbstmißverständnis, das unausweichlich war, wollte sie ihr Lebensgefühl - die Entschlossenheit, das Leben und die Geschichte, die es den Lebendigen diktiert, wichtiger und ernster zu nehmen als die eigene Person - in den Kategorien ihrer Zeit verstehen und aussprechen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Die Darstellung also folgt, wiewohl sie sich naturgemäß einer anderen Sprache bedient und nicht nur in Variationen von Zitaten besteht, mit |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000009 größtmöglicher Genauigkeit den Reflexionen der Rahel und tritt auch dann nicht aus deren Rahmen, wenn anscheinend so etwas wie Kritik an Rahel geübt wird. Die Kritik entspricht der Rahelschen Selbstkritik, und da sie, von modernen Minderwertigkeitsgefühlen unbeschwert, mit Recht von sich sagen konnte, daß sie nicht eitel nach Beifall strebe, »den ich mir nicht selbst gebe«, hatte sie es auch nicht nötig, »Schmeichelvisiten bei sich selbst abzulegen«. Ich kann hier natürlich nur davon sprechen, was ich beabsichtigte; wo immer mir dies Beabsichtigte nicht geglückt ist, mag es dann so aussehen, als ob von irgendeiner höheren Warte über Rahel geurteilt würde; dann ist mir eben das, was ich eigentlich wollte, mißlungen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ähnliches gilt für die behandelten Personen und die Literatur der Zeit. Sie ist durchgängig aus ihrem Aspekt gesehen, und es wird kaum ein Autor erwähnt, von dem es nicht sicher oder zumindest wahrscheinlich ist, daß sie ihn gekannt und daß das, was er geschrieben hat, von Bedeutung für ihre eigene Reflexion geworden ist. Schwieriger schon ist, daß das gleiche auch für die Judenfrage gilt, die für Rahels Schicksal ihrer eigenen Meinung nach entscheidend war. Denn in diesem Falle ist ihr Verhalten und ihre Reaktion maßgebend geworden für Verhalten und Seelenverfassung eines Teils des gebildeten deutschen Judentums und hat daher eine begrenzte geschichtliche Bedeutung bekommen, auf die aber dies Buch gerade nicht eingeht. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Das deutschsprachige Judentum und seine Geschichte ist ein durchaus einzigartiges Phänomen, das auch im Bereich der sonstigen jüdischen Assimilationsgeschichte nicht seinesgleichen hat. Die Umstände und Bedingungen dieses Phänomens zu erforschen, das sich unter anderem in einem geradezu bestürzenden Reichtum an Begabungen und wissenschaftlicher und geistiger Produktivität äußerte, wird eine historische Aufgabe ersten Ranges sein, die aber natürlicherweise erst heute in Angriff genommen werden kann, nachdem die Geschichte der deutschen Juden zu Ende ist. Die vorliegende Biographie ist zwar schon mit dem Bewußtsein des Untergangs des deutschen Judentums geschrieben (wiewohl natürlich ohne jede Ahnung davon, welche Ausmaße die physische Vernichtung des jüdischen Volkes in Europa annehmen würde); aber die Distanz, in der das Phänomen im ganzen erscheint, habe ich damals, kurz vor Hitlers Machtübernahme, nicht gehabt. Sieht man dies Buch als einen Beitrag zur Geschichte der deutschen Juden, so darf man nicht übersehen, daß hier nur ein Aspekt der Problematik der Assimilation |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000010 behandelt ist, nämlich die Art und Weise, in der das Sich-Assimilieren an das geistige und gesellschaftliche Leben der Umwelt sich konkret in einer Lebensgeschichte auswirkte und so zu einem persönlichen Schicksal werden konnte. Andererseits darf nicht vergessen werden, daß der behandelte Stoff durchaus ein historischer ist und daß heute nicht nur die Geschichte der deutschen Juden, sondern auch ihre spezifische Problematik eine Sache der Vergangenheit ist. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Es liegt in der Natur der gewählten Methode, daß bestimmte Beobachtungen psychologischer Art, die sich aufzudrängen scheinen, kaum erwähnt und überhaupt nicht kommentiert werden. Der moderne Leser wird schwerlich umhin können, sofort zu bemerken, daß Rahel weder schön noch attraktiv war, daß alle Männer, mit denen sie in einem Liebesverhältnis gestanden hat, erheblich jünger waren als sie selbst; daß ihrer außerordentlichen Klugheit und leidenschaftlichen Ursprünglichkeit keinerlei Gaben zur Verfügung standen, durch die sie das Erfahrene hätte transformieren und objektivieren können; schließlich, daß sie eine typisch »romantische« Existenz war und daß das Frauenproblem, nämlich die Diskrepanz zwischen dem, was Männer von Frauen »überhaupt« erwarteten und dem, was sie geben konnte oder ihrerseits erwartete, in den Verhältnissen der Zeit vorgezeichnet und nahezu unüberbrückbar war. Meine Darstellung, die hiervon nur das Nötigste, das in den faktischen biographischen Zusammenhang gehört, erwähnt, konnte auf all dies keine Rücksicht nehmen, da es sich gerade darum handelte, nicht mehr wissen zu wollen, als was Rahel selbst gewußt hat, und ihr kein anderes Schicksal aus vermeintlich überlegenen Beobachtungen anzudichten, als sie bewußt gehabt und erlebt hat. Die moderne Indiskretion, die versucht, dem anderen auf die Schliche zu kommen, und mehr zu wissen wünscht oder zu durchschauen meint, als er selbst von sich gewußt hat oder preiszugeben gewillt war, wie der zu dieser Art Neugier gehörende, m. E. pseudowissenschaftliche Apparat von Tiefenpsychologie, Psychoanalyse, Graphologie usw. sind hier bewußt vermieden. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Daß ich mich entschloß, dies Manuskript aus der Schublade zu nehmen, in der es schließlich nach manchen Irrfahrten friedlich gelandet war, ist ausschließlich der Anregung und großzügigen Hilfe des Leo-Baeck-Instituts (Jerusalem - London - New York) geschuldet, das eine englische Ausgabe der Biographie in London veranlaßte mit einem Anhang bisher unveröffentlichter Briefe und Tagebuchstellen der Rahel. Nachdem |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000011 |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000012 |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000013 aber das Buch in Übersetzung erschienen war, mochte ich es auch nicht mehr in seiner Originalfassung unveröffentlicht lassen. Und da ich hoffe, daß im heutigen Deutschland ein mehr als nur wissenschaftlich-akademisches Interesse an der Geschichte und Physiognomie des deutschen Judentums besteht, habe ich der deutschen Ausgabe eine Auswahl von Briefen der Rahel beigegeben und auf den Anhang verzichtet. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Es ist natürlich nahezu unmöglich, ein fünfundzwanzig Jahre altes Manuskript, das noch nicht zum Druck fertiggestellt war, in philologisch einwandfreier Weise mit dem nötigen Anmerkungsapparat und Quellennachweisen herauszugeben. Und wenn es möglich wäre, so würde es mehr Zeit und Mühe kosten, als sachlich zu verantworten wäre. Aber soweit es möglich ist, hat Frau Dr. Lotte Köhler es geleistet. Sie hat die Zitate in meinem Text fast alle nochmals kontrolliert. Sie hat auch aus meinen alten Notizen die Bibliographie, so gut es gehen wollte, zusammengestellt und die Zeittafel hinzugefügt. Dabei konnte die Rahel-Literatur, die zu einem großen Teil aus Zeitschriftenartikeln und Essays in Sammelwerken besteht, von uns hier in Amerika nicht berücksichtigt werden. Schließlich hat sie mit mir zusammen die Auswahl der Rahel-Briefe in dem zweiten Teil dieses Buches besorgt und all die Briefe, welche nur in der Varnhagenschen Redaktion vorlagen, also in dem dreibändigen Buch des Andenkens von 1834, nach meinen Notizen aus dem Varnhagen-Archiv korrigiert. Ich brauche nicht zu sagen, daß ich ihr danke. Ohne ihre Hilfe hätte ich gar nicht daran denken können, dies Manuskript doch noch zu veröffentlichen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | New York, Herbst 1958 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Welche Geschichte! - Eine aus Ägypten und Palästina Geflüchtete bin ich hier und finde Hilfe, Liebe und Pflege von Euch! ... Mit erhabenem Entzücken denk’ ich an diesen meinen Ursprung und diesen ganzen Zusammenhang des Geschickes, durch welches die ältesten Erinnerungen des Menschengeschlechts mit der neuesten Lage der Dinge, die weitesten Zeit- und Raumfernen verbunden sind. Was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war, eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möcht’ ich das jetzt missen.« So berichtet Varnhagen von Rahels Totenbett. Dreiundsechzig Jahre hat sie gebraucht zu lernen, was 1700 Jahre vor ihrer Geburt begann, zur Zeit ihres Lebens eine entscheidende Wendung und hundert Jahre nach ihrem Tode - sie starb am 7. März 1833 - ein vorläufiges Ende nahm. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Schwer mag es sein, seine eigene Geschichte zu kennen, wenn man 1771 in Berlin geboren wird und diese Geschichte schon 1700 Jahre früher in Jerusalem beginnt. Kennt man sie nicht, und ist man auch nicht geradezu ein Lump, der jederzeit Gegebenes anerkennt, Widriges umlügt und Gutes vergißt, so rächt sie sich und wird in ihrer ganzen Erhabenheit zum persönlichen Schicksal, was für den Betroffenen kein Vergnügen ist. Rahels Geschichte wird zwar nicht kürzer, weil sie sie vergessen hat, und nicht originaler, weil sie in voller Ahnungslosigkeit alles wie zum ersten Male erfährt. Aber einprägsamer wird Geschichte, wenn sie als individuelles Schicksal einmal - wie selten - rein sich auswirken kann; wenn sie auf einen Menschen trifft, der sich nicht hinter Eigenschaften und Talenten verkriechen, nicht unter Sitten und Konvention verbergen kann wie unter einem Schirm bei schlechtem Wetter; wenn man zusehen kann, wie sie dem kleinen Schlemihl von Mensch, dem das alles höchst unerwartet kommt, einiges von ihrer Bedeutung einpaukt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | »Was ist der Mensch ohne seine Geschichte? Produkt der Natur | »Was ist der Mensch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Schwer mag es sein, seine eigene Geschichte zu kennen, wenn man 1771 in Berlin geboren wird und diese Geschichte schon 1700 Jahre früher in Jerusalem beginnt. Kennt man sie nicht und ist man auch nicht direkt ein Lump, der jederzeit Gegebenes anerkennt, Widriges umlügt und Gutes vergisst, so rächt sie sich und wird in ihrer ganzen Erhabenheit zum persönlichen Schicksal, was für den Betroffenen kein Vergnügen ist. Rahels Geschichte wird zwar nicht kürzer, weil sie sie vergessen hat, und nicht originaler, weil sie in voller Ahnungslosigkeit alles wie zum ersten Mal erfährt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Aber einprägsamer wird Geschichte, wenn sie selber als individuelles Schicksal einmal rein sich auswirken kann; wenn sie auf einen Menschen trifft, der sich nicht hinter Eigenschaften und Talenten verkriechen, nicht unter Sitten und Konvention zu verbergen vermag wie unter einem Schirm bei schlechtem Wetter; wo man dann sehen kann, wie sie dem kleinen Schlehmihl von Mensch, dem das alles |2 höchst unerwartet kommt, einiges von seiner Bedeutung einpaukt. »Welche Geschichte ! - Eine aus Ägypten und Palestina Geflüchtete bin ich hier und finde Hilfe, Liebe, Pflege von Euch!.. Mit erhabenem Entzücken denke ich an diesen meinen Ursprung und diesen ganzen Zusammenhang des Geschickes, durch welches die ältesten Erinnerungen des Menschengeschlechtes mit der neusten Lage der Dinge, die weitesten Zeit- und Raumentfernungen verbunden sind. Was so lange Zeit meines Lebens mir die grösste Schmach, das Leid und Unglück meines Lebens war, eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möchte ich das jetzt missen.« (So berichtet Varnhagen von ihrem Totenbett) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Die deutsche Geschichte kennt nur ein einziges Beispiel wirklicher Identität von Natur und Geschichte: »Als ich | Die deutsche Geschichte kennt nur ein einziges Beispiel wirklicher Identität von Natur und Geschichte: »Als ich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Vor solcher Identität, solchem | Vor solcher Identität, solchem | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Juden konnten damals in Berlin aufwachsen wie Kinder wilder Völkerstämme. Auch Rahel hat nichts gelernt, nicht ihre eigene Geschichte, nicht die des | Juden konnten damals in Berlin aufwachsen wie Kinder wilder |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000017 Völkerstämme. Auch Rahel hat nichts gelernt, nicht ihre eigene Geschichte, nicht die des | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Leider bleibt sie nicht reich. Als der Vater stirbt, übernehmen die Söhne das Geschäft, sichern der Mutter einen Lebensunterhalt und wollen die beiden Schwestern schleunigst verheiraten. Was bei der jüngeren Schwester gelingt, scheitert bei Rahel, die ohne eigenes Vermögen auf den Lebensunterhalt der Mutter und nach deren Tod auf die sehr zweifelhafte | Leider bleibt sie nicht reich. Als der Vater stirbt, übernehmen die Söhne das Geschäft, sichern der Mutter einen Lebensunterhalt und wollen die beiden Schwestern schleunigst verheiraten. Was bei der jüngeren Schwester gelingt, scheitert bei Rahel, die ohne eigenes Vermögen auf den Lebensunterhalt der Mutter und nach deren Tod auf die sehr zweifelhafte | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Schönheit kann eine Macht sein bei Frauen, und Judenmädchen werden manchmal nicht nur ihrer Mitgift wegen geheirtaet. Aber mit Rahel hat die Natur keine grossen Umstände gemacht. Sie hat etwas »unangenehm Unansehnliches, ohne dass man besonders auffallende Difformitäten gleich entdeckte.« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahels böse Jugend wird durch das, was kommt, weder dementiert noch rückgängig gemacht, höchstens bestätigt. An die Stelle des Hauses, in dem das Kind unter der Tyrannei des Vaters leidet und der jüngeren Schwester gegenüber benachteiligt wird, tritt die Gesellschaft, zu der die Jüdin erschwerten Zutritt hat. Eine jüdische Umwelt gibt es für diese Generation kaum mehr. Es gibt zwar noch andere Juden, die in derselben Situation sind; aber diese Situation gerade soll ja überwunden werden, also auch die Solidarität mit andern Juden. Da der Staat sich noch nicht entschliessen kann, die Juden in ihrer Gesamtheit zu emanzipieren, muss jeder Einzelne versuchen, allein aus dem Judentum irgendwie herauszukommen. Damit wird als Jude Geborensein zum persönlichen Problem, das jeder persönlich lösen muss. Lösung heisst: in die »Welt« hinein kommen, von der Gesellschaft anerkannt sein. Die Gesellschaft wird zur Welt überhaupt. Der Zutritt zur Umwelt in der Zeit der Aufklärung und in der Stadt Friedrich des Grossen nicht einfach unmöglich; man kann Zutritt erlangen, ja man kann in dieser Welt leben, aber man ist und bleibt in ihr benachteiligt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Schönheit | [keine Entsprechung vorhanden] | Schönheit | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Jüdinsein heisst damals: nicht mehr im Ghetto, aber ohne Bürgerrecht leben, nicht mehr an die Tradition gebunden sein, aber die Arbeit der Assimilation noch vor sich haben. In dieser Schwebe, vis à vis de rien, die natürliche Umgebung verachtend, aber in eine neue noch kaum eingedrungene, lebt der Jude jenseits alles dessen, was das Leben an Ruhe und Sicherheit zu geben vermag. Die fremde Welt zwar scheint in der Aufklärung und nach der Französischen Revolution zum ersten Mal für den Juden offen zu stehen; er kann hinein, aber wo ist der Platz, an den er sich stellen kann, an den er gehört? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Die Forderung einer »bürgerlichen Verbesserung der Juden« wird |5 in | Die Forderung einer »bürgerlichen Verbesserung der Juden« wird in | Die Forderung einer »bürgerlichen Verbesserung der Juden« wird in | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahels Leben ist an die Weigerung, an die Minderwertigkeit ihrer Geburt von vornherein fixiert. Was kommt, ist nur Bestätigung, »Verblutung«. Also jeden Anlass der Bestätigung meiden, nicht handeln, nicht lieben, sich nicht mit der Welt einlassen. Das einzige, was die absolute Weigerung frei zu lassen scheint, ist das Denken. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Die Freiheit der Vernunft ist nur die Freiheit von der Autorität. Die Vernunft wird zur Richterin, und sie richtet bei Lessing selbst über die Wahrheit der Offenbarung. Etwas Menschliches ist zum Richter erhoben, etwas, das jederzeit anrufbar ist, jederzeit in der Verfügung des Menschen steht. An der Vernunft |8 wird menschliches Handeln und Fühlen gemessen, gemäss der Vernunft kann es sich jederzeit ändern. Die Vernunft kann die Vergangenheit verurteilen; die Zukunft, die Möglichkeit des Menschen bleibt unberührt. Als Jüdin geboren sein ist ein Unglück, aber man kann sich ändern und es ungeschehen machen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Wie kann man die Wirklichkeit unwirksam machen? Wie kann man das wirklich Gewesene und selbst durch Vernunft nicht mehr zu Ändernde, revidieren? Wie verschafft man sich die Freiheit von der Vergangenheit? Ist Freiheit wirklich Freiheit der Mög- lichkeit, so muss die Vergangenheit in die Möglichkeit zurückverwandelt werden können. (Nur wenn dies wirklich gelingt, hat »die Mordaxt« noch nicht »an ihrer Wurzel genascht«.) Diese Rückverwandlung leistet die Reflexion. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Die Vernunft kann von den Vorurteilen der Vergangenheit befreien und sie kann die Zukunft des Menschen leiten. Nur leider genügt das offensichtlich nicht: sie kann nur individuell befreien und nur die Zukunft von Robinsonen liegt in ihrer Hand. Das | Die Vernunft kann von den Vorurteilen der Vergangenheit befreien und sie kann die Zukunft des Menschen leiten. Nur leider genügt das offensichtlich nicht: sie kann nur individuell befreien | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Wie kann man die Gegenwart unwirksam machen? Wie kann man die menschliche Freiheit so ungeheuer erweitern, | Wie kann man die Gegenwart unwirksam machen? Wie kann man die menschliche Freiheit so ungeheuer erweitern, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Macht und Autonomie sind gesichert gegen das Aussen, das sie dauernd zu zerstören droht. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Aus Facta mach ich mir gar nichts | »Aus Facta mach ich mir gar nichts | »Aus Facta mach ich mir gar nichts | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Herrschen tut allein die Vernunft, deren Wahrheit einsehbar ist, jederzeit jedem zur Einsicht gebracht werden kann. Die Wahrheit der Geschichte ist abhängig von den Menschen, die an sie glauben; aber sie wie ihre Bezeugung gehen vorüber und sind nicht immer präsentierbar. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Vielleicht kann man das Benachteiligtsein leugnen, vielleicht braucht man sich von ihm nicht überzeugen zu lassen, wenn man sich gar nicht erst auf es einlässt. Im reinen Selbstdenken gibt es keine Benachteiligungen, und alles Denken hat Rahel nicht zu überzeugen vermocht, dass sie eine Jüdin sei. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Rahels Kampf gegen die Fakten, vor allem gegen das Faktum als Jude geboren zu sein, wird sehr schnell zu einem Kampf gegen sich selbst. Sich selbst | Rahels Kampf gegen die Fakten, vor allem gegen das Faktum | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | So lange Don Quichotte noch auszieht, die wirkliche Welt in eine mögliche, erträumte, illusionistische zu verzaubern, ist er nur ein Narr und vielleicht ein glücklicher | Solange Don Quichotte noch auszieht, die wirkliche Welt in eine |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000024 mögliche, erträumte, illusionistische zu verzaubern, ist er nur ein Narr und vielleicht ein glücklicher | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
58 | ||||
Die Allmacht der Meinung und der Lüge hat eine Grenze, über die hinaus nichts mehr veränderbar ist | Die Allmacht der Meinung und der Lüge hat eine Grenze, über die hinaus nichts mehr veränderbar ist | Die Allmacht der Meinung und der Lüge hat eine Grenze, über die hinaus nichts mehr veränderbar ist | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Verhältnisse und Sitten in ihrer Allgemeinheit sind für den | Verhältnisse und Sitten in ihrer Allgemeinheit sind für den | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Nichts | Nichts | Nichts | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | So sieht es in der Vierundzwanzigjährigen aus, die noch nichts eigentlich erlebt hat, deren Leben noch ohne jeden persönlichen Inhalt | So sieht es in der Vierundzwanzigjährigen aus, die noch nichts eigentlich erlebt hat, deren Leben noch ohne jeden persönlichen Inhalt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Im Warten auf die konkrete Bestätigung, die | Im Warten auf die konkrete Bestätigung, die | Im Warten auf die konkrete Bestätigung, die | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Sie lernt viele Menschen kennen. Die »Dachstube« in der | Sie lernt viele Menschen kennen. Die »Dachstube« in der | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Verstanden werden ist das eigentliche Glück des Gesprächs. Das Imaginäre ihrer Existenz, das Imaginäre ihrer Leiden will durch diese Bestätigung Realität erhalten. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Sie ist vom Schicksal geschlagen, benachteiligt, ohne dass ein bestimmter Schlag gerade sie gemeint hätte. Sie ist unglücklich, aber das Unglück selbst ist nicht offenbar, der »Schmerz ist grösser als der Anlass«, er ist »reifer präpariert« (Burgsdorff), er hat gleichsam alle Erfahrungen schon vorweg genommen, er hat aus der Möglichkeit schon seine Intensität gesogen und scheint der Wirklichkeit entbehren zu können. »Ein langer Schmerz hat sie erzogen« und »es ist wahr, dass eine Spur des erlittenen Schicksals an Ihnen sichtbar ist, dass man das früh gelernte Schweigen und Verbergen in Ihnen sieht« (Burgsdorff). | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Indiskretion und Schamlosigkeit sind | Indiskretion und Schamlosigkeit sind | Indiskretion und Schamlosigkeit sind | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Zum Tugendbund, der Ende der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts in Berlin gegründet wurde, gehören vor allem Wilhelm von Humboldt, Carl de Laroche, Dorothea Veit und Henriette Herz. Schon der sogenannte »Damentee« von 1790, den Brinckmann ins Leben gerufen hatte, und dem ein weiterer Kreis zugehört - Spalding, Humboldt, Alexander von Dohna, Ancillon, Gentz - ist kein Bund mehr, sondern ein Salon; das heisst, es besteht zwischen den einzelnen Teilnehmern keine weitere Verpflichtung. Im Tugendbund ist man nicht nur zur rückhaltlosen Aufdeckung seiner selbst verpflichtet, sondern zur »Aufdeckung alles dessen, was uns von andern vertraut wird«. Die Begründung für diese Indiskretion ist eine doppelte, einmal »dass jene Personen, die uns ein Geheimnis anvertrauen, es ihnen ebensogut anvertrauen würden, wenn sie sie so genau kennte, wie sie uns kennten, und zwei-tens, dass wir die Verbindlichkeit eingegangen sind, so viel uns möglich ist, Menschenkenntnis zu vermehren« (Baron von Humboldt |19 ). Der Glaube an die Austauschbarkeit der hörenden Personen zeigt, in welcher Abstraktheit das Sich-Aussprechen verbleibt; zeigt, wie andererseits der Hörer jederzeit bereit ist, nur als Tugendhafter überhaupt, nicht als ein Bestimmter zu gelten. In seiner Tugendhaftigkeit verliert der Hörer sein Gesicht und wird so anonym, wie es die Rousseauische »Nachwelt« ist. Die Aussprache ist kein Gespräch, in dem einer dem andern etwas anvertraut; sie ist nur noch der »Erguss der Seelen« überhaupt. Gegen diese Austauschbarkeit der Personen revoltiert Caroline von Humboldt, Humboldt scheidet aus dem Kreis aus, der rasch zerfällt. Was von ihm bleibt, sind »lumpige Tugendübungen« (Schlegel); aber über den Kreis hinaus bleibt die Indiskretion als Interesse am interessanten Menschen, das Interesse an psychischen Komplikationen und menschlichen Verwicklungen. Die Interessantheit des Menschen ist zu steigern, wenn man ihn in interessante Situationen versetzt. Dieses Variieren leistet die Phantasie; sie besteht in der Reflexion über sich selbst wie über interessante Menschen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Wie die Reflexion die | Wie die Reflexion die | Wie die Reflexion die | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Die Indiskretheit der Stimmung verträgt nicht die Ablösung von der Person. In der Lucinde ist die Welt des Zaubers zu einer Welt des Scheins geworden. Das einzige, was der Offenheit |21 der Stimmung bleibt, ist die Faszination des Augenblicks, das Gespräch. Den Zauber des Gesprächs muss der junge Schlegel so gut besessen haben, wie ihn Rahel besass, von der Gentz einmal sagt, sie wäre romantisch gewesen, bevor noch das Wort erfunden war. Rahel wird zum »Konfident«, weil sie den Freunden erst zum Bewusstsein bringt, was alles zu vertrauen sein kann. Sie »versteht« - »das war meine Mitgift bei meiner Geburt«. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Brinckmann ist schwedischer Gesandter in Berlin; er ist vor allem bekannt aus seinem Briefwechsel mit Schleiermacher und später mit Gentz. Die Briefe sind voll von der Schilderung der Bekannten und von Weibergeschichten. Er ist niemals sehr engagiert, er will nur jede kennen lernen. Er ist schmiegsam |22 und hat die Begabung der Höflichkeit; er lebt von einem zum andern, ist gebildet ohne Mittelpunkt. Er reflektiert, - in ausgesprochener Abhängigkeit von Schleiermacher, dessen Schüler er sich selbst nennt - auch philosophisch; sein Ansatzpunkt bleibt immer im Psychologischen und seine Grübeleien ohne Konsequenz. Die Frauen werden als psychologisch wichtiges, weil unerforschtes Gebiet entdeckt. Das Interesse am Menschen wird zum psychologischen Interesse an einem neuentdeckten Typus Mensch. Brinckmann ist ein »Menschengrübler ... dem die Weiber solches Hauptstudium sind«. Die Frau spielt die doppelte Rolle des psychologischen Rätsels und der Versteherin. So wird Rahel die »Freundin ohne Beiwort und Zusatz«; sie ist psychologisch am schwersten zu verstehen, sie ihrerseits scheint alles verstehen zu können. Ihre Briefe sind nur ein verlängertes Gespräch. »Sie kam, sprach und siegte - mit dem Munde oder mit der Feder, denn beides war ihr eins, und so bieten uns ihre mündlichen Überlieferungen, wie ihr schriftlicher Nachlass, wohl eine köstliche Sammlung von gewichtigen Kernsprüchen, von blitzfeurigem Witz und geflügelten Worten der begeisterten Denkerin, nur kein gemeisseltes Kunstwerk.« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Dies | Dies | Dies | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Unter den »Lobern« sind für eine Zeit die wichtigsten Brinckmann und Burgsdorff. Brinckmann, schwedischer Gesandter in Berlin, ist bekannt aus seinen Briefen an Schleiermacher und Gentz, Briefe vollgeschrieben mit der Schilderung von Bekannten, mit Klatsch und Weibergeschichten. Dieser höchst durchschnittliche und sehr typische Sohn seiner Zeit ist schmiegsam und hat die Begabung der Höflichkeit; er lebt von einem zum anderen, ist gebildet ohne Mittelpunkt. Er reflektiert - in ausgesprochener Abhängigkeit von Schleiermacher, dessen Schüler er sich nennt - auch philosophisch; sein Ansatzpunkt bleibt immer im Psychologischen und seine Grübeleien ohne Konsequenz. Die Frauen werden als psychologisch wichtigstes, weil unerforschtes Gebiet nicht erst von ihm entdeckt . Das Interesse an Menschen degeneriert in der Zeit allgemein zu einem psychologischen Interesse an einem neuentdeckten Typ Mensch. Brinckmann ist nur ein »Menschengrübler« unter vielen, »dem die Weiber solches Hauptstudium sind« (Brinckmann). Rahel eignet sich | Unter den »Lobern« sind für eine Zeit die wichtigsten Brinckmann und Burgsdorff. Brinckmann, schwedischer Gesandter in Berlin, ist bekannt aus seinen Briefen an Schleiermacher und Gentz, Briefe | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Burgsdorff lernt | Burgsdorff lernt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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Diese wenigen Namen sollen nur exemplarisch belegen, welcher Art ihre Freundschaften waren: weder Brinckmann noch Burgsdorff noch Veit lieben sie. Bei ihnen allen ist es schwer, sich vorzustellen, wie sie überhaupt in eine Liebessituation | Diese wenigen Namen sollen nur exemplarisch belegen, welcher Art ihre Freundschaften waren: weder Brinckmann | Diese wenigen Namen sollen nur exemplarisch belegen, welcher Art ihre Freundschaften waren: weder Brinckmann noch Burgsdorff | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Veit hat als erster Freund und als Bundesgenosse im Kampf mit der fremden Welt eine | Veit hat als erster Freund und als Bundesgenosse im Kampf mit der fremden Welt eine | Veit hat als erster Freund und als Bundesgenosse im Kampf mit der fremden Welt eine | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Neben diesem Leben mit den Freunden läuft ein anderes, inoffizielles | Neben diesem Leben mit den Freunden läuft ein anderes, inoffizielles weiter, | Neben diesem Leben mit den Freunden läuft ein anderes, inoffizielles weiter, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | I. Durch Heirat | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Den Freunden gegenüber äussert sie sich in Allgemeinheiten dieser Art, die zwar als solche wahr sind, aber doch das eigentlich Quälende verbergen; den Brüdern schreibt sie alles, das kleinste Détail, an dem ihre krankhafte Reizbarkeit sich stösst. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Erst glaubt sie, der Wechsel der Umgebung könne helfen: die Reise nach Breslau 1794 ist der Gegenbeweis. (»Und was bin ich nicht von jeher für ein Schlemihl; mit Haltern muss ich reisen, mit dem niemand reist ...« usw.). Sie wechselt das Milieu nicht, kommt in die kleinjüdische Atmosphäre ihres Onkels, sieht sich aus purer Neugier eine jüdische Hochzeit an, diesen Dingen schon so entfremdet, dass dies eine Art Sensation für sie werden kann. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Die nächste Reise aber gelingt. Sie fährt im August 1795 nach Teplitz, dem Treffpunkt der gebildeten Welt. Sie lernt Burgsdorff kennen, den Prince de Ligne und die Gräfin Pachta, die erste wirkliche Freundin, um deretwillen sie dort bleibt. Dann fährt sie weiter nach Karlsbad und trifft Goethe. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Goethe und das Leben sind ihr eins - ein ganzes langes Leben lang. »Goethe ist der Vereinigungspunkt für alles was Mensch heisst« - und so bleibt es bis ans Ende. Ihn lesen, ihn verstehen, ihn deuten und zitieren, |26 zu ihm flüchten und ihn beschwören, scheint die einzige Art dem Leben gewachsen zu bleiben. Die Begegnung mit ihm, auf die sie immer gewartet hat, auf die sie letztlich ihr ganzes Leben lang vergeblich warten soll, bleibt ohne alle Konsequenzen. Es gibt keine Briefe von Goethe an sie, nur ein paar sehr schöne, sehr treffende Worte über sie und ihre Originalität, Worte, die sicher geeignet waren, einen Moment lang alles Andere vergessen zu lassen, eine ungeheure Bestätigung, die grösste, die man damals erhalten konnte. Dennoch bleibt Goethe für sie letzten Endes stumm. Das was sie geben kann, »Verstehen«, kann er nicht brauchen. Veit hat sie gelehrt, dass sie etwas tun kann in der Welt, der Einzige, für den sie gern alles täte, braucht sie nicht. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Für ihn ist sie bestimmt nicht geboren. Bei aller Anerkennung: für ihn hätte sie niemals geboren zu werden brauchen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Viele Jahre später, Rahel ist fast schon eine alte Frau, ist sie mit Goethe noch einmal zusammengetroffen. Goethe kam in Frankfurt zu ihr, machte ihr eine Morgenvisite; sie war weder frisiert noch angezogen, als er gemeldet wurde. Aus Angst, ihn warten zu lassen, ging sie in irgendeinem alten Hauskleid zu ihm ins Zimmer. Er blieb zehn Minuten, man sprach über Gleichgültiges, dann ging er. Darauf zog sie sich ihr bestes Kleid an und kämmte sich. Sie hat ihn nie wieder gesehen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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II. Kapitel.
Zurückgestossenwerden. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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1. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Im Winter des Jahres 1795 sieht Rahel aus ihrer Theaterloge den Grafen Karl von Finckenstein. Sie lernt ihn kennen und ist bald darauf mit ihm verlobt. | Im Winter des Jahres 1795 sieht Rahel aus ihrer Theaterloge den Grafen Karl von Finckenstein. Sie lernt ihn kennen und ist bald darauf mit ihm verlobt. | Im Winter des Jahres 1795 sieht Rahel aus ihrer Theaterloge den Grafen Karl von Finckenstein. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
96 | ||||
Rahel will aus dem Judentum heraus. Wenn sie den Grafen heiratet, wird sie Gräfin Finckenstein werden. | Rahel will aus dem Judentum heraus. Wenn sie den Grafen heiratet, wird sie Gräfin Finckenstein werden. | Rahel will aus dem Judentum heraus. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahel will aus dem Judentum heraus; | Rahel will aus dem Judentum heraus; | Rahel will aus dem Judentum heraus; | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
99 | ||||
Herder identifiziert als erster in Deutschland ausdrücklich die jetzigen gegenwärtigen Juden mit ihrer Geschichte und mit dem | Herder identifiziert als erster in Deutschland ausdrücklich die jetzigen gegenwärtigen Juden mit ihrer Geschichte und mit dem | Herder identifiziert als erster in Deutschland ausdrücklich die jetzigen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
100 | ||||
Für den einzelnen Juden, der ohnehin nicht mehr an seine Religion im traditionellen Sinne gebunden ist, fällt erst jetzt, da es sinnlos geworden ist, den »ewigen Gehalt« zu retten, die letzte Bindung fort. Gleichzeitig ist ihm die Illusion genommen, er brauche nur auf seine Vergangenheit zu verzichten, um so zu sein wie alle anderen. Herder hat seine Situation ja gerade aus der Vergangenheit verstanden und gedeutet. Die Vergangenheit kann nur noch vergessen werden durch die Technik Einzelner. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
101 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Juden bringen der neuen von Herder wesentlich | Juden bringen der neuen von Herder wesentlich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
102 | ||||
Ein solcher Einzelfall ist Henriette Herz. Auf den ersten Blick ist ihre Situation | Ein solcher Einzelfall ist Henriette Herz. Auf den ersten Blick ist ihre Situation | Ein solcher Einzelfall ist Henriette Herz. Auf den ersten Blick ist ihre Situation | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
103 | ||||
Aber | Aber »Götter der Welt! Wie kann man bei so wenig Leben leben bleiben!« Als sie | Aber »Götter der Welt! Wie kann man bei so wenig Leben leben bleiben!« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
104 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Ein solcher Einzelfall ist Dorothea Schlegel. Sie, die jüngste Tochter von Moses Mendelssohn könnte man mit | Ein solcher Einzelfall ist Dorothea Schlegel. Sie, die jüngste Tochter von Moses Mendelssohn | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
105 | ||||
Rahel kann nicht lernen, sie betont schon Veit gegenüber ihre »Ignoranz« und dass sie sich nicht ändern könne, »man müsse sie so aufbrauchen«. Keine Tradition hat ihr etwas übermittelt, in keiner Geschichte war ihre Existenz vorhergesehen. Ungebunden schlechthin, weil in keine Bildungswelt hineingeboren, vorurteilslos, weil scheinbar keiner vor ihr geurteilt hat, gleichsam in der paradoxen Situation des ersten Menschen, ist sie gezwungen, sich alles so anzueignen, als ob es ihr zum ersten Mal begegnete. Sie ist angewiesen auf Ursprünglichkeit . Herder hat einmal expressis verbis Vorurteilslosigkeit von dem »gebildeten Juden« verlangt. Das Freisein von allen Inhalten ist bei Henriette Herz umgeschlagen für schlechthin alles: alles wird erlernbar. Ihre Ungebundenheit wird zu einer sinnlosen Begabtheit für alles. Da Rahel auf ihrer Ignoranz besteht, dokumentiert sich in ihr wirklich die Freizügigkeit und Unfixiertheit an eine bestimmte, historisch gegebene Welt; daher stammt ihre schlagende Art, Dinge, Menschen, Situationen zu beschreiben. Alles präsentiert sich ihr gleichsam zum ersten Mal. Für nichts hat sie eine angelernte Formel bereit. Ihr Witz, der schon das junge Mädchen gefürchtet sein liess, ist nur die völlig unbeschwerte Art zu sehen. Sie lebt in keiner bestimmten Ordnung der Welt, sie weigert sich, eine Ordnung der Welt zu lernen; sie kann das Entfernteste |34 im Witz zusammenbringen, sie kann im Zusammenhängendsten die Zusammenhanglosigkeit aufdecken. Dies rühmen ihre Freunde als Originalität, dies empfinden ihre Feinde als Stillosigkeit, als Unordnung, als unmotivierte Lust am Paradox. Ihre Art sich auszudrücken, ist vielleicht wirklich stillos, denn sie hat kein Vorbild, keine Tradition und kein strenges Bewusstsein davon, welche Worte zueinandergehören und welche nicht. Aber sie ist wirklich »originell«, sie wird nie einem gewöhnten Ausdruck zuliebe eine Sache verdecken. Bei aller Originalität, bei aller Eroberungssucht dokumentiert sich in Rahel nicht nur die Vorurteilslosigkeit, sondern zugleich auch die Leere dessen, der restlos auf Erfahrungen angewiesen ist, der für jede Meinung das ganze Leben braucht. Sie ist zu jung, um Erfahrungen zu haben, zu isoliert, um zu wissen, wo das Leben sie treffen könnte. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
106 | ||||
Dorothea lernt nicht die Welt kennen, sondern Schlegel, sie gehört nicht zu der Romantik, sondern zu Schlegel, sie wird nicht zum Katholizismus bekehrt, sondern zu Schlegels Glauben. Ihm möchte sie »einen Tempel errichten«. Ihre Liebe ist völlig unreflektiert, nur der reflektorische Ausdruck | Dorothea lernt nicht die Welt kennen, sondern Schlegel, sie gehört nicht zu der Romantik, sondern zu Schlegel, sie wird nicht zum Katholizismus bekehrt, sondern zu Schlegels Glauben. Ihm möchte sie »einen Tempel errichten«. Ihre Liebe ist völlig unreflektiert, nur der reflektorische Ausdruck | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
107 | ||||
Dorothea Schlegel hat das Leben einmal getroffen, als sie Schlegel traf, als er sie liebte. Aber sie hat ihr Leben sofort wieder aufgegeben in der Verewigung dieses einen Augenblicks. Ihr Leben ist unerzählbar, weil es keine Geschichte hat, weil es obstinat auf | Dorothea Schlegel hat das Leben einmal getroffen, als sie Schlegel traf, als er sie liebte. Aber sie hat ihr Leben sofort wieder aufgegeben in der Verewigung dieses einen Augenblicks. Ihr Leben ist unerzählbar, weil es keine Geschichte hat, weil es obstinat auf | Dorothea Schlegel hat das Leben einmal getroffen, als sie Schlegel traf, als er sie liebte. Aber sie hat ihr Leben sofort wieder aufgegeben in der Verewigung dieses einen Augenblicks. Ihr Leben ist unerzählbar, weil es keine Geschichte hat, weil es obstinat auf | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Solche Gesellschaftsassimilation durch Heirat gab es verhältnismässig viel. Man kann Rahels Verlobung mit Finckenstein als den Versuch einer solchen Gesellschaftsassimilation ansehen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
110 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Was nun Rahel betrifft, so kann sie keine »Antworten lernen« wie Henriette Herz. Sie bleibt Zeit ihres Lebens eine | Was nun Rahel betrifft, so kann sie keine »Antworten lernen« wie Henriette Herz. Sie bleibt Zeit ihres Lebens eine Ignorantin | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
111 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Daher stammt ihre schlagende Art, Dinge, Menschen, Situationen zu beschreiben. Ihr Witz, der schon das junge Mädchen gefürchtet sein | Daher stammt ihre schlagende Art, Dinge, Menschen, Situationen zu beschreiben. Ihr Witz, der schon das junge Mädchen gefürchtet sein | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
112 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Um sich an ein sogenanntes Genie zu hängen, war sie vermutlich zu klug, sicher auch zu neugierig | Um sich an ein sogenanntes Genie zu hängen, war sie vermutlich zu klug | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
113 | ||||
Die Finckensteins sind eine der ältesten | Die Finckensteins sind eine der ältesten | Die Finckensteins sind eine der ältesten | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
114 | ||||
Das Haus des Grafen Finckenstein gehört zu den Ständen des Kurmärkischen Kreises, | Das Haus des Grafen Finckenstein gehört zu den Ständen des Kurmärkischen Kreises, der Hardenberg und Stein in den Jahren der Reformen unter Führung des alten Finckenstein und Ludwig August von der Marwitz mit allen Mitteln bekämpfte. Der Adel hatte »seit |39 fast über hundert Jahren politisch so gut wie nichts mehr zu bedeuten gehabt« (Hardenberg); die Aufklärung | Das Haus des Grafen Finckenstein gehört zu den Ständen des Kurmärkischen Kreises, der Hardenberg und Stein in den Jahren der Reformen unter Führung des alten Finckenstein und Ludwig August von der Marwitz mit allen Mitteln bekämpfte. Der Adel hatte »seit fast über hundert Jahren politisch so gut wie nichts mehr zu bedeuten gehabt« (Hardenberg); die Aufklärung | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
115 | ||||
Finckenstein kommt aus beruflichen Gründen nach Berlin. Er geht dorthin wie in die Verbannung. In dem bürgerlichen Berlin, wo | Finckenstein kommt aus beruflichen Gründen nach Berlin. Er geht dorthin wie in die Verbannung. In dem bürgerlichen Berlin, wo | Finckenstein kommt aus beruflichen Gründen nach Berlin. Er geht dorthin wie in die Verbannung. In dem bürgerlichen Berlin, wo | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
116 | ||||
Rahel ist mit Finckenstein verlobt, eine Heirat | Rahel ist mit Finckenstein verlobt, eine Heirat | Rahel ist mit Finckenstein verlobt, eine Heirat | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahel | Rahel | Rahel | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Welch ein aussichtsloser Kampf! Die Standesrücksichten scheinen ihr nur die Fessel, aus der sie ihn, aus der er sich befreien soll. Glaubt sie denn ernstlich, sie kann ihn ganz zu sich ziehen, ihm alles ersetzen, ihm die Familie sein, so mit ihm sein, | Welch ein aussichtsloser Kampf! Die Standesrücksichten scheinen ihr nur die Fessel, aus der sie ihn, aus der er sich befreien soll. Glaubt sie denn ernstlich, sie kann ihn ganz zu sich ziehen, ihm alles ersetzen, ihm die Familie sein | Welch ein aussichtsloser Kampf! Die Standesrücksichten scheinen ihr nur die Fessel, aus der sie ihn, aus der er sich befreien soll. Glaubt sie denn ernstlich, sie kann ihn ganz zu sich ziehen, ihm alles ersetzen, ihm die Familie sein | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahel hat verspielt. Die | Rahel hat verspielt. Die | Rahel hat verspielt. Die | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
121 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 3. Kapitel
Hinein in die Welt - durch Liebe | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
122 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | II. Durch Liebe | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
123 | ||||
2. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
124 | ||||
»Gestern vormittag, den 20. Mai 1811 war Finckenstein bei mir . Er frug nach niemand. Auch nicht wie es mir | »Gestern vormittag, den 20. Mai 1811 | »Gestern vormittag, den 20. Mai 1811 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
125 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Nur ein Zauberring und alles hätte wieder von vorn anfangen können. Wer ist er denn, der er doch nichts ist? Meint sie denn wirklich ihn, wenn sie sagt, sie sei ihm treu geblieben, so wie er ist, trotz ihrer Kenntnis von ihm? Oder ist er nur zufällig, er, »le premier qui a voulu que je l’aime | Nur ein Zauberring | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
126 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
127 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
128 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
129 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
130 | ||||
Hätte sie ihn gleich geheiratet, hätte sie darauf verzichtet, ihn zu lieben, seine Liebe ernst zu nehmen, so wäre diese Begegnung kein »Zufall« gewesen; sie wäre den Weg der Schwestern Meier, den Weg der meisten Jüdinnen ihrer Generation gegangen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
131 | ||||
Als er zu ihr kommt, ist er nicht Nichts, sondern Graf von Finckenstein, ein Bestimmter, dessen Leben durch Geburt in einem | Als er zu ihr kommt, ist er nicht Nichts, sondern Graf von Finckenstein, ein Bestimmter, dessen Leben durch Geburt in einem | Als er zu ihr kommt, ist er nicht Nichts, sondern Graf von Finckenstein, ein Bestimmter, dessen Leben durch Geburt in einem | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
132 | ||||
Er aber, als er im Zufall | Er aber, als er im Zufall | Er aber, als er im Zufall | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
133 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
134 | ||||
Seine Flucht nach Madlitz | Seine Flucht nach Madlitz | Seine Flucht nach Madlitz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
135 | ||||
Sie versucht ihn zu zwingen, | Sie versucht | Sie versucht | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
136 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Aber was ist denn Wirklichkeit? Will sie den Bruch ernsthaft? Die vier Jahre des Liebens und Geliebtwerdens, des Leidens und der Unsicherheit - ist das nicht auch Wirklichkeit? | Aber was ist denn Wirklichkeit? Will sie den Bruch ernsthaft? Die vier Jahre des Liebens und Geliebtwerdens, des Leidens und der Unsicherheit - ist das nicht auch Wirklichkeit? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
137 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Aber später, wenn sie eine alte Frau sein wird, dann wird auch der Bruch so sehr eingegangen sein in die Geschichte ihrer Liebe, dass sie den Unterschied an Wirklichkeit schwerlich noch wird entdecken können. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
138 | ||||
»Es wäre ein rasender | »Es wäre ein rasender | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
139 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
140 | ||||
»Ich will Dich | »Ich will Dich | »Ich will Dich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
141 | ||||
Es ist noch nicht das Ende. Finckenstein antwortet »in derselben Stunde, als ich Deinen Brief erhielt«. Er entschuldigt sich einfach mit dem »schalen Treiben hier«, mit dem »dumpfen, verstockten Zustand«, in welchen ihn ihre Abwesenheit, die Abwesenheit »alles dessen was ich liebe und aller Liebe, versetzt hatte«. |51 Nun soll alles wieder gut sein. Es ist das Ende, aber er merkt es nicht. Es ist so gründlich das Ende, dass sie nicht einmal mehr etwas dazu tun kann. Sie kann ihn weder fortschicken noch zu sich holen, nur ihn gewähren lassen. Er kommt nach Berlin, er will sie sehen, aber er »kann nichts für sie tun«. Ihr bleibt nichts übrig, als anzufangen, die Wahrheit zu sehen und die Wahrheit zu sagen, ihr »Los in dem Spiegel zu sehen«. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
142 | ||||
Er | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
143 | ||||
»Möchte die ewige Gerechtigkeit mir vergönnen, | »Möchte die ewige Gerechtigkeit mir vergönnen, | »Möchte die ewige Gerechtigkeit mir vergönnen, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
144 | ||||
Das ist nun wirklich das Ende. Was noch folgt, sind Wiederholungen |54 | Das ist nun wirklich das Ende. Was noch folgt, sind Wiederholungen | Das ist nun wirklich das Ende. Was noch folgt, sind Wiederholungen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
145 | ||||
III. Kapitel.
Weiterleben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
146 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 4. Kapitel
Vorbei | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Was ich nicht bekommen habe, kann ich vergessen; was mir aber geschehen ist, kann ich nicht vergessen; behüt Gott jeden, dies zu verstehen.« | »Was ich nicht bekommen habe, kann ich vergessen; was mir aber geschehen ist, kann ich nicht vergessen; behüt Gott jeden, dies zu verstehen.« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
148 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Vorbei • Wie kann man weiterleben?1799-1800 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
149 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Wünsche, die nicht das Schicksal vorzeichnet, die nur Phantasie gewordener Ausdruck halb-kindischer Glücksprätentionen sind, Träume der Jugend, sie mögen noch so charakteristische Komplementärbilder von Unerfülltheit, Unzufriedenheit, noch so berechtigte Proteste gegen Entwicklungshemmungen oder Freudemangel sein, zerflattern, zerstieben beim ersten | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
150 | ||||
Rahel hat nicht geglaubt, | Rahel hat nicht geglaubt, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
151 | ||||
Rahel ist eine Bestimmte geworden; aber sie hat keine bestimmten Eigenschaften erworben | Rahel ist eine Bestimmte geworden; aber sie hat keine bestimmten Eigenschaften erworben | Rahel ist eine Bestimmte geworden; aber sie hat keine bestimmten |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000062 Eigenschaften erworben | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
152 | ||||
Nur das vollständige Glück und das vollständige Unglück lassen das Leben im Ganzen erscheinen, weil beide die Hoffnung nicht kennen. »Wer jemals wirklich unglücklich war, der kann nicht wieder glücklich werden: wer jemals recht glücklich war, der sollte nicht wieder unglücklich werden; sonst fehlte ihm das deutliche | Nur das vollständige Glück und das vollständige Unglück lassen das Leben im Ganzen erscheinen, weil beide die Hoffnung nicht kennen. »Wer jemals wirklich unglücklich war, der kann nicht wieder glücklich werden: wer jemals recht glücklich war, der sollte nicht wieder unglücklich werden; sonst fehlte ihm das deutliche | Nur das vollständige Glück und das vollständige Unglück lassen das Leben im Ganzen erscheinen, weil beide die Hoffnung nicht kennen. »Wer jemals wirklich unglücklich war, der kann nicht wieder glücklich werden: wer jemals recht glücklich war, der sollte nicht wieder unglücklich werden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
153 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel hat keine Hoffnung mehr. Abgewiesen ist ihre Liebe, ausdrücklich | Rahel hat keine Hoffnung mehr. Abgewiesen ist ihre Liebe, ausdrücklich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
154 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Es ist als habe das Schicksal sie nur gestreift, um ihr alles was sie betrifft, was sie fassen kann, mit einem einzigen Schlage einzuhämmern, als habe es sie nur berührt, um sie zu beschimpfen, sie bis zu der Erkenntnis zu demütigen, | Es ist | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
155 | ||||
Aber hat sie denn so ausgezeichnet werden wollen? Ist nicht das, was ihr geschehen ist, nichts als »Unrecht«, die ungerechte Bestätigung ihres Benachteiligtseins? Gewiss ist ihr Unrecht geschehen, gewiss war das Zurückgestossenwerden die Bestätigung ihres Benachteiligtseins, aber die Bestätigung offenbart mehr als nur das, was sie bestätigt. Als Rahel nur benachteiligt war, sah sie nur sich und die schlechte Welt, den »Schlamm«. Als sie zurückgestossen wurde, als etwas Bestimmtes ihr widerfuhr, da zeigte sich ihr das Leben. Dass das Leben sie dabei unglücklich machte, ist dafür gleichgültig. »So lange wir nicht auch das Unrecht, welches uns geschieht und uns die kühlen brennenden Tränen auspresst, auch für recht halten, sind wir noch in der dicksten Finsternis, ohne Dämmerung.« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
156 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
157 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Das was ihr geschehen ist, ist mehr als nur der Schmerz, den sie vielleicht festhalten könnte, täglich und stündlich, um das | Das | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
158 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel kennt keine Heimat in der Welt, in die sie sich vor dem Schicksal zurückziehen könnte; sie hat ihm nichts entgegenzusetzen. Ihr bleibt nichts übrig, als die »Wahrheit zu sagen«, Zeugnis abzulegen, die »vortreffliche Ernte der Verzweiflung« einzusammeln. Und wie sie früher schmiegsam sein | Rahel kennt keine Heimat in der Welt, in die sie sich vor dem Schicksal zurückziehen könnte; sie hat ihm nichts entgegenzusetzen. Ihr bleibt nichts übrig, als die »Wahrheit zu sagen«, Zeugnis abzulegen, die »vortreffliche Ernte der Verzweiflung« einzusammeln. Und wie sie früher schmiegsam sein | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
159 | ||||
In | In | In | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
160 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Nur dann, wenn alles vorbei ist, | Nur dann, wenn alles vorbei ist, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
161 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
162 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | In der »gebildeten Persönlichkeit« meint Brinckmann mehr als drei Jahrzehnte später nach Rahels Tod das Gemeinsame zu erkennen, das die außerordentlich verschiedenen und disparaten Existenzen der Besucher des Dachstübchens zusammenhielt. Das Wort war damals schon, als Brinckmann es an Varnhagen schrieb, ein Klischee und läßt kaum erkennen, wie weit die Möglichkeiten gespannt waren und wie sehr alle, die zu ihr kamen, nur durch sie selbst, ihre Originalität, ihren Witz und ihre lebendige Ursprünglichkeit zusammengehalten wurden. In die Jägerstraße kamen die Prinzen und Fürsten des Herrscherhauses, der Prinz Louis Ferdinand, der von Rahel meinte, sie sei »eine moralische Hebamme, und accouchierte einen so sanft und schmerzlos, daß selbst von den peinlichsten Ideen dadurch ein sanftes Gefühl zurückbliebe«, mit seiner Geliebten, der Pauline Wiesel, aber auch mit seinem Schwager, dem Fürsten Radziwill; es kamen Minister und Diplomaten, der Geheime Staatsrat Stägemann (der zwanzig Jahre später sich weigerte, Rahel, die nun Frau von Varnhagen war, zu empfangen), der schwedische Gesandte Brinckmann, Peter von Gualtieri, der zur Gesellschaft des Hofes gehört, nie etwas geschrieben hat, und von Rahel zu den »vier Eitlen« gerechnet und sehr geschätzt wurde, denn »er war eines höheren Grades von Schmerz fähig als alle mir bekannten Menschen ... er ertrug ihn schlechterdings nicht«, der Graf Tilly, der »ungeheuer gut« spricht: »Ich bin ihm ein Sprechsaal, er mir eine Art von |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000066 Lebenaufführer«; daneben die Jugendfreunde, der jüdische Arzt David Veit und Wilhelm von Burgsdorff, der seine Zeit mit jenem vornehmen Dilettantismus verbrachte, der von jeher das Vorrecht des Adels war, jetzt aber als Selbstbildung neuen Wert und Rang bekommt; dazwischen die berühmten Schauspieler, Fleck und die Unzelmann, in die alle verliebt sind, die Christel Eigensatz, die Geliebte von Gentz, und die berühmte Sängerin Marchetti; dazu die Originale, die böhmische Gräfin Pachta, die ihrem Mann weglief und mit irgendeinem Bürgerlichen zusammenlebte, und die Gräfin Schlabrendorf, die zuweilen Männerkleider trägt und mit Rahel zusammen nach Paris muß, weil sie ein illegitimes Kind erwartet; viel selbstverständlicher war, daß die bekannten Schriftsteller und Publizisten der Zeit sich nahezu vollständig bei ihr versammelten, die Brüder Humboldt, wiewohl beide sie nicht leiden mochten, Friedrich Schlegel, Brentano, Fouqué, Ludwig und Friedrich Tieck, Chamisso, Gentz, Schleiermacher, der Altphilologe Friedrich August Wolf, Jean Paul, der ihr schön und gerecht schmeichelte: »Sie behandeln das Leben poetisch, und das Leben daher Sie.« Man könnte die Liste beliebig verlängern, denn Varnhagen hat alles getreulich gesammelt, die Personen wie die von ihnen stammenden Komplimente an Rahel, und seinen Denkwürdigkeiten und der Galerie von Bildnissen einverleibt. Eines ist klar: für eine kurze Zeit hat sich alles, was in der Gesellschaft Rang und Namen hatte, den gesellschaftlichen Ordnungen und Konventionen entzogen, war ihnen entlaufen. Der jüdische Salon in Berlin war der soziale Raum außerhalb der Gesellschaft, und Rahels Dachstube stand noch einmal außerhalb der Konventionen und Gepflogenheiten auch des jüdischen Salons. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
163 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die Berliner Ausnahmejuden in ihrer Jagd nach Bildung und Reichtum haben drei Jahrzehnte lang Glück gehabt. Der jüdische Salon, das immer wieder erträumte Idyll einer gemischten Geselligkeit, war das Produkt der zufälligen Konstellation in einer gesellschaftlichen Übergangsepoche. Die Juden wurden zu | Die Berliner Ausnahmejuden in ihrer Jagd nach Bildung und Reichtum haben drei Jahrzehnte lang Glück gehabt. Der jüdische Salon, das immer wieder erträumte Idyll einer gemischten Geselligkeit, war das Produkt der zufälligen Konstellation in einer gesellschaftlichen Übergangsepoche. Die Juden wurden zu | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
164 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | So wenig wie die deutsche Bildung in irgendeiner Gesellschaftsschicht verankert war, so wenig waren die jüdischen Salons, obwohl Zentren gebildeter Geselligkeit, ein Zeichen für die gesellschaftliche Verwurzelung der deutschen Juden. Das genaue Gegenteil ist der Fall: gerade weil die Juden | Sowenig wie die deutsche Bildung in irgendeiner Gesellschaftsschicht verankert war, sowenig waren die jüdischen Salons, obwohl Zentren gebildeter Geselligkeit, ein Zeichen für die gesellschaftliche Verwurzelung der deutschen Juden. Das genaue Gegenteil ist der Fall: gerade weil die Juden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
165 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
166 | ||||
Denn | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
167 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Schleiermacher | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
168 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 5. Kapitel
Wie kann man weiter leben? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
169 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] |
Schleiermacher.
| [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
170 | ||||
Vielleicht ist das, was einem Menschen geschieht, nur dazu da, seine Eigentümlichkeit zu vollenden. | Vielleicht ist das, was einem Menschen geschieht, nur dazu da, seine Eigentümlichkeit zu vollenden. | Vielleicht ist das, was einem Menschen geschieht, nur dazu da, seine Eigentümlichkeit zu vollenden. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
171 | ||||
Hier scheint es | Hier scheint es in der Ordnung, | Hier scheint es in der Ordnung, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
172 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
173 | ||||
Was hat man denn, wenn man nichts hat als sich selbst? Was ist denn gewonnen, wenn man das Leben ausschaltet, das | Was hat man denn, wenn man nichts hat als sich selbst? Was ist denn gewonnen, wenn man das Leben ausschaltet, das | Was hat man denn, wenn man nichts hat als sich selbst? Was ist denn gewonnen, wenn man das Leben ausschaltet, das | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
174 | ||||
Man | Man | Man | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
175 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] |
Schlegel.
| [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
176 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Schlegel | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
178 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Friedrich Schlegel | Friedrich Schlegel | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
180 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
181 | ||||
In der »romantischen Verwirrung« lag eine Chance, die Realität einbrechen zu lassen. Schlegel hat sie in den Wind geschlagen, weil er selbst seine Verwirrung nur in der Phantasie, in der verzauberten Stimmung | In der »romantischen Verwirrung« lag eine Chance, die Realität einbrechen zu lassen. Schlegel hat sie in den Wind geschlagen, weil er selbst seine Verwirrung nur in der Phantasie, in der verzauberten Stimmung | In der »romantischen Verwirrung« lag eine Chance, die Realität einbrechen zu lassen. Schlegel hat sie in den Wind geschlagen, weil er selbst seine Verwirrung nur in der Phantasie, in der verzauberten Stimmung | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
182 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
183 | ||||
Humboldt hat | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
184 | ||||
Als Goethe achtzehn Jahre alt war, war, nach einem Wort von ihm, »Deutschland auch erst 18 ... Ich danke dem Himmel, dass ich jetzt in dieser durchaus ganz alten Zeit nicht jung bin. Ich würde nicht zu bleiben wissen.« Er brauchte nur er selbst zu sein, um das zu sein, was die Welt von ihm forderte. |68 Humboldt und seine Generation scheint die Welt im Stich zu lassen. Die Geschichte droht durch Goethe und nur durch ihn ihren Weg zu nehmen, und für die, die nach ihm kommen, scheinen »alle Wege verrannt«. »Angeborenes und Erfahrung« lassen sich nicht mehr vereinigen. Humboldt, der aufgeklärte Sohn des Adels, weiss so wenig, wo er die ihm gemässe Erfahrung finden soll wie Schlegel. Da beginnt er die Erfahrung zu suchen um jeden Preis: | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
185 | ||||
»Der Grundsatz, | »Der Grundsatz, | »Der Grundsatz, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
186 | ||||
Es spricht | Es spricht | Es spricht | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
187 | ||||
Das Glück, dem Humboldt es verdankt, weiterleben zu können, ein langes Leben abwarten zu können, ist mehr als nur ein einzelner Glücksfall. Der Zufall, der im Glück zu ihm kam, wird ihm zur göttlichen Macht - »es gibt nichts Göttlicheres als Glück und Unglück«. Das erste Glück ist gleich die Garantie für ein ganzes Leben, | Das Glück, dem Humboldt es verdankt, weiterleben zu können, ein langes Leben abwarten zu können, ist mehr als nur ein einzelner Glücksfall. Der Zufall, der im Glück zu ihm kam, wird ihm zur göttlichen Macht - »es gibt nichts Göttlicheres als Glück und Unglück |74 «. Das erste Glück ist | Das Glück, dem Humboldt es verdankt, weiterleben zu können, ein langes Leben abwarten zu können, ist mehr als nur ein einzelner |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000073 Glücksfall. Der Zufall, der im Glück zu ihm kam, wird ihm zur göttlichen Macht - »es gibt nichts Göttlicheres als Glück und Unglück«. Das erste Glück ist | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
188 | ||||
Im Glück hat sich die Welt | Im Glück hat sich die Welt zu einem | Im Glück hat sich die Welt zu einem | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
189 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
190 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
191 | ||||
Unglück und Schande ist es, wenn alles, was man hat, nur dazu da scheint, klar zu machen, was man nicht hat; wenn »trotz der ungeheuren Gaben und Geschenke« | Unglück und Schande ist es, wenn alles, was man hat, nur dazu da scheint, klar zu machen, was man nicht hat; wenn »trotz der ungeheuren Gaben und Geschenke« | Unglück und Schande ist es, wenn alles, was man hat, nur dazu da scheint, klarzumachen, was man nicht hat; wenn »trotz der ungeheuren Gaben und Geschenke« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
192 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Alles, was man nach dem Unglück noch tut, hat immer den Anstrich des Unedlen, weil das Unglück das Weiter zu verbieten scheint |77 Nur wer am Unglück stirbt, bleibt edel; nur dann ist es keine Schande. »Ich habe etwas Schreckliches erlebt eben weil es mich nicht umbrachte.« Wer einmal Unglück hatte, ist gezeichnet; und Gezeichnetsein ist nicht nur Ausgezeichnetsein. Der, den das Schicksal | Alles, was man nach dem Unglück noch tut, hat immer den Anstrich des Unedlen, weil das Unglück das Weiter zu verbieten scheint | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
193 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
194 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Ich weiß, die Sache geht weiter«. - Welche Sache denn? Was ihr geschehen ist, ist vorbei; wie kann das, was vorbei ist, weitergehen? Sie fährt nach Paris, denn »alle, die ich hier liebte, haben mich mißhandelt«. Wer hat sie mißhandelt? Haben nicht alle sie geschätzt, bewundert, überschüttet mit der schmeichelhaftesten Anerkennung? Hat sie nicht mehr erreicht als alle anderen, obwohl sie nicht reich, nicht schön, ohne Stellung in der Welt, nicht einmal verheiratet ist? Hat sie nicht nur durch den Zauber, die Faszination der Person alle an sich gelockt, die nur irgend bekannt in der damaligen Gesellschaft waren? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
195 | ||||
So lebt Rahel weiter, obwohl sie nicht vergessen kann, was ihr geschehen ist. Dass sie weiter lebt, dankt sie gerade nicht dem, was ihr geschehen ist, sondern der albernen Regelmässigkeit, die sich gleich bleibt; die schon war, bevor ihr etwas |73 widerfuhr, die über alle Verzweiflung zur Tagesordnung übergegangen ist, und die über alles, was noch kommen kann, doch noch kommen kann, immer wieder zur Tagesordnung übergehen wird. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
196 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
197 | ||||
Sie hat kämpfen wollen, um die Wahrheit zu sagen. Sie hat sich zu etwas Undurchdringlichem gemacht. Nichts hat sie | Sie hat kämpfen wollen, um die Wahrheit zu sagen. Sie hat sich zu etwas Undurchdringlichem gemacht. Nichts hat sie tun wollen, nur immer »strenger« | Sie hat kämpfen wollen, um die Wahrheit zu sagen. Sie hat sich zu etwas Undurchdringlichem gemacht. Nichts hat sie tun wollen, nur immer »strenger« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
198 | ||||
Darum hat die Welt sie | Darum hat die Welt sie | Darum hat die Welt sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
199 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
200 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | So geschoben fährt Rahel nach Paris im Juli 1800. Sie | So geschoben fährt Rahel nach Paris im Juli 1800. Sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
201 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
202 | ||||
Bitterkeit ist nur die | Bitterkeit ist nur die | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
203 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Leicht ist es, das Leben in der Fremde zu lieben. Nie sonst ist man so Herr seiner selbst, als wenn keiner einen kennt | Leicht ist es, das Leben in der Fremde zu lieben. Nie sonst ist man so Herr seiner selbst, als wenn keiner einen kennt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
204 | ||||
Rahel beginnt das Leben zu lieben, sie fängt an Paris zu lieben, indem s sie anfängt sich um die Mode zu kümmern. Hier in Paris hat sie Zugang zu den Dingen der Welt, denn hier ist sie ganz fremd und es ist darum gleich, dass sie Jüdin ist. Ihre Genauigkeit, die sie als junges Mädchen allen Dingen der fremden Welt gegenüber hatte, ihre Neugier kehrt wieder. Sie schreibt an die Boye, ihre Freundin, ausführliche Modebriefe | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
205 | ||||
Sie beginnt, sich wieder aus der Ferne an Menschen zu binden an die Kinder iherer Brüder, um die sie besorgt ist, als wären sie ihre eigenen. Sie liebt an ihnen ihre Unschuld und ihre selbstverständliche Freude; die Freude, die sie ihnen machen kann, scheint wie eine Legitimation ihrer eigenen neugeborenen Lebensfreude, die sie dauernd verteidigen muss, Sie hängt sich an die Kinder, wie sie sich später an jedes Stück Natur hängt, an alles, was von Welt, Gesellschaft und persönlicher Geschichte unberührt bleibt; sie muss ausserhalb ihres Lebens die Bindung finden, die sie wieder zurückruft, die sie genesen lässt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
206 | ||||
»Von mir sprecht keinem, lasst reden ich käme gar nicht wieder.« Wenn sie wiederkommt, will sie nicht erwartet werden; in eine fremde Welt will sie kommen; bis dahin ist es aber noch Zeit, Zeit, um gesund werden zu können. Keiner darf von ihr wissen, damit kein Wissen sie bindet. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
207 | ||||
»Fremdsein ist gut« | »Fremdsein ist gut« | »Fremdsein ist gut« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
208 | ||||
Dass sich in Paris ihre Starre löst, hat sie nächst Caroline von Humboldt, die Rahel liebt und ihrer Faszination nicht erliegt, der sie sich also vertrauen kann wie sie ihr vertraut, dem jungen Hamburger Bokelmann zu danken. Ihm zeigt sie sich ohne Vorstellung wie vorher nur David Veit. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
209 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Aus der Ferne, aufgelockert, | Aus der Ferne, aufgelockert, ist es leichter, natürliche Bindungen zu halten. Die Brüder und deren Kinder werden zum Gegenstand von Freude und Besorgnis. An den Kindern findet sie noch am ehesten die eigene Lebenslust in Unschuld wieder, eine Legitimation der eigenen, schwer erworbenen und dauernd zu verteidigenden. Sie hängt sich an die Kinder, wie sie sich später an jeden Fetzen Natur hängt, an alles, was von Welt, Gesellschaft, persönlicher Geschichte unberührt bleibt. An alles, was nicht in ihr eigenes Leben als Geschichte eingehen kann. »Ein | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
210 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 7. Kapitel
Die schöne Welt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
211 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | In der Fremde, in der Distanz zu Wünschen, Hoffnungen, | In der Fremde, in der Distanz zu Wünschen, Hoffnungen, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
212 | ||||
»Bis jetzt | »Bis jetzt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
213 | ||||
Schnell gehen sie auseinander. Bokelmann reist fort von Paris. »So werden | Schnell gehen sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
214 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
215 | ||||
Sie kann ihn nicht halten, sie hat keinen Anspruch auf | Sie kann ihn nicht halten, sie hat keinen Anspruch auf | Sie kann ihn nicht halten, sie hat keinen Anspruch auf | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
216 | ||||
So unabhängig ist sie in Paris geworden. »Es gibt ein Verzweifeln, in welchem man | So unabhängig | So unabhängig | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
217 | ||||
Der Verzicht auf alles, was man festhalten möchte, den Schmerz und die Freude, die Hoffnung auf Besitz und den Besitz ist mehr als nur der Verzicht auf Glück, als jene Resignation, die Rahel schon zu Beginn | Der Verzicht auf alles, was man festhalten möchte, den Schmerz |89 und die Freude, die Hoffnung auf Besitz und den Besitz | Der Verzicht auf alles, was man festhalten möchte, den Schmerz und |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000084 die Freude, die Hoffnung auf Besitz und den Besitz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
218 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
219 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
220 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 8. Kapitel
Zauber, Schönheit, Torheit | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
221 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Zauber • Schönheit • Torheit1802-1804 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
222 | ||||
Türpitüde. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
223 | ||||
Bald wird wirklich | Bald wird wirklich | Bald wird wirklich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
224 | ||||
Nicht mehr sich um sich selbst kümmern, nicht mehr nach Glück und Unglück fragen, sondern etwas sein, das so unbefragbar ist wie die Erde, von deren Realität jeder Zeugnis gibt, wenn er auf ihr geht. Wenn sie alles weiss, so wird sie der Zusammenhang sein zwischen allem Einzelnen, das als solches zu leugnen, zu dementieren, durch das Leben selbst ungeschehen zu machen ist. Sie will sich nicht mehr verstricken lassen in die Realität, sie will selbst Realität sein, der Grund und Boden, der unwandelbar alles in sich aufsaugt; sie will allen Schmerz bewahren, der den Menschen geschieht, den sie aber nicht festhalten können, weil das Weiter des Lebens selbst ihn ihnen entreisst. So wie sie sich ausserhalb alles Irdischen stellt, gleichsam nur Behälter für das Irdische sein will, so glaubt sie an den Zusammenhang mit »anderen Wesen«, an ihren Zusammenhang mit Gott, der die letzte Garantie für ihre Existenz sein soll. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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[keine Entsprechung vorhanden] | So wie sie selbst | So wie sie selbst | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
227 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Ende des Jahres 1801 lernt Rahel Friedrich Gentz kennen. In den wenigen Monaten, die sie in der gleichen Stadt leben - Gentz | Ende des Jahres 1801 lernt Rahel Friedrich Gentz kennen. In den wenigen Monaten, die sie in der gleichen Stadt leben - Gentz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Gentz | Gentz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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Gentz konnte | Gentz konnte | Gentz konnte Unsichtbarkeit nicht ertragen. Er war ungeheuer eitel; nicht weil er sich selbst belog, um »Schmeichelvisiten bei sich selbst abzulegen« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Aber Gentz war nicht nur eitel, er brauchte mehr als nur ein »Asyl in der Welt«. Ihm ist gelungen, was weder Friedrich Schlegel noch im Grunde Humboldt gelang, nämlich tätig in die Wirklichkeit, sich stets den Umständen fügend, einzugreifen. Es gelingt ihm, in der Welt, die er keinen Augenblick verändern wollte, etwas zu tun und etwas darzustellen. | Aber Gentz war nicht nur eitel, er brauchte mehr als nur ein »Asyl in der Welt«. Ihm ist gelungen, was weder Friedrich Schlegel noch im Grunde Humboldt gelang, nämlich tätig in die Wirklichkeit, sich stets den Umständen fügend, einzugreifen. Es gelingt ihm, in der Welt, die er keinen Augenblick verändern wollte, etwas zu tun und etwas darzustellen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Gentz | Gentz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Als Rahel mit Gentz zusammentrifft, | Als Rahel mit Gentz zusammentrifft, | Als Rahel mit Gentz zusammentrifft, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
234 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Hochmut diesen Dingen gegenüber | Hochmut diesen Dingen gegenüber | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Was aber selbst im günstigsten Fall bleibt, ist die Notwendigkeit, »sich immer erst legitimieren zu müssen! darum ist es nur so widerwärtig, eine Jüdin zu sein!« Die notwendige Legitimation hindert, sich direkt in die Welt und die gegenwärtigen Umstände zu ergeben; sie hindert, eine Welt konservieren zu wollen, in der so widerwärtiges Verhalten notwendig ist. Rahel wird es immer von Gentz trennen, | Was aber selbst im günstigsten Fall bleibt, ist die Notwendigkeit, »sich immer erst legitimieren zu müssen! darum ist es | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Es wird sie mit Gentz auch verbinden | Es wird sie mit Gentz auch verbinden | Es wird sie mit Gentz auch verbinden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Gentz hat sie tausendfach verraten. Er schreibt an Brinckmann: »Noch nie hat eine Jüdin - ich spreche ohne alle Ausnahme - die | Gentz hat sie tausendfach verraten. Er schreibt an Brinckmann: »Noch nie hat eine Jüdin - ich spreche ohne alle Ausnahme - die wahre Liebe gekannt«, und | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
238 | ||||
Gentz hat | Gentz hat | Gentz hat | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel hat ihm das, was sie das | Rahel hat ihm das, was sie das | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahel lernt zur gleichen Zeit den | Rahel lernt zur gleichen Zeit den | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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Seit sie Gentz kennt, lockt sie die Wirklichkeit wieder. Seit sie sieht, | Seit sie Gentz kennt, lockt sie die Wirklichkeit wieder. Seit sie sieht, | Seit sie Gentz kennt, lockt sie die Wirklichkeit wieder. Seit sie sieht, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Gentz | Gentz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Der Mensch kann sich dem Schönen ausliefern, wie er der Natur ausgeliefert sein kann. Unabhängig von all dem, was das Leben gibt oder versagt, ist das schrankenlose Entzücken über | Der Mensch kann sich dem Schönen ausliefern, wie er der Natur ausgeliefert sein kann. Unabhängig von all dem, was das Leben gibt oder versagt, ist das schrankenlose Entzücken über | Der Mensch kann sich dem Schönen ausliefern, wie er der Natur ausgeliefert sein kann. Unabhängig von all dem, was das Leben gibt oder versagt, ist das schrankenlose Entzücken über | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Urquijo ist Ausländer | Urquijo ist Ausländer | Urquijo ist Ausländer | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Die Bezauberung | Die Bezauberung | Die Bezauberung | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Gott hat mir in die Seele gelegt, was Natur und Umstände mir für das Gesicht versagt haben. Ich | »Gott hat mir in die Seele gelegt, was Natur und Umstände mir für das Gesicht versagt haben. Ich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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Urquijo macht ihr | Urquijo macht ihr | Urquijo macht ihr | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Als Urquijo eifersüchtig wird, merkt Rahel, | Als Urquijo eifersüchtig wird, merkt Rahel, | Als Urquijo eifersüchtig wird, merkt Rahel, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Obwohl er innerhalb | Obwohl er innerhalb | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Rahel | Rahel | Rahel | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Der Mangel an Grazie liegt nicht darin, | Der Mangel an Grazie liegt nicht darin, | Der Mangel an Grazie liegt nicht darin, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Es war ein langes Morden | »Es war ein langes Morden | »Es war ein langes Morden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Das Schlimmste für ihn ist, er wird sie nicht los. Sie will nicht mehr annehmen, was ihr gegeben wird; sie will nicht mehr fahren lassen, was ihr genommen wird. Sie ist voller Rebellion und voller Angst: »Mais je te demande en | Das Schlimmste für ihn ist, er wird sie nicht los. Sie will nicht mehr annehmen, was ihr gegeben wird; sie will nicht mehr fahren lassen, was ihr genommen wird. Sie ist voller Rebellion und voller Angst: »Mais je te demande en | Das Schlimmste für ihn ist, er wird sie nicht los. Sie will nicht mehr annehmen, was ihr gegeben wird; sie will nicht mehr fahren lassen, was ihr genommen wird. Sie ist voller Rebellion und voller Angst: »Mais je |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000102 te demande en | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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[keine Entsprechung vorhanden] | »Ich log. Die schönste Lüge, die einer wahren | »Ich log. Die schönste Lüge, die einer wahren | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
259 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Es ging aber um den Wert | »Es ging aber um den Wert | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Als ich endlich, niedrig behandelt, mein eigen Herz auf das Schild legte, und wie mit dem Schwert das › | »Als ich endlich, niedrig behandelt, mein eigen Herz auf das Schild legte, und wie mit dem Schwert das › | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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»Die dunkelsten Sachen und alles, was wir je gelesen haben, werden an uns wahr | »Die dunkelsten Sachen und alles, was wir je gelesen haben, werden an uns wahr wie die trivialsten Sprichwörter.« Rahel ist nicht ein Exempel für das Besondere, für das | »Die dunkelsten Sachen und alles, was wir je gelesen haben, werden an uns wahr wie die trivialsten Sprichwörter.« Rahel ist nicht ein Exempel für das Besondere, für das | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Ich bin so einzig als die | »Ich bin so einzig als die | »Ich bin so einzig als die | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
263 | ||||
Auf diese Einzigkeit hätte sie verzichten müssen, wenn sie ihr Leben »richtig | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
264 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Sicher aber ist, | Sicher aber ist, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | 9. Kapitel
Resultate | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Resultate • Der große Glücksfall1805-1807 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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5. Kapitel
Assimilation. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Seit der Zeit | »Seit der Zeit | »Seit der Zeit | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Nichts rührt sie mehr an. Sie ist sich selbst fremd geworden, und ihre eigene Realität ist ihr gespenstisch. Denn obwohl sie von nichts berührt wird, behext von dem »grässlichen Schmerz«, sind doch Welt und sie selbst noch da, nur ohne Beziehung. Jede ihrer eigenen Bewegungen wie jedes alltägliche Ding sind aus ihren Zusammenhängen gerissen, in dem allein sie mit ihrer Funktion auch ihren Sinn hatten. Diese Isoliertheit, der Zwang, alles so zu sehen, als ob es ohne Zusammenhang wäre, lässt die Welt und sich selbst gespenstisch werden. Es ist der Wahnsinn. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
272 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Spielend mit den Bausteinen der eigenen Geschichte, rückt Rahel Ereignisse, Welt und Dinge unerbittlich auseinander, | Spielend mit den Bausteinen der eigenen Geschichte, rückt Rahel Ereignisse, Welt und Dinge unerbittlich auseinander, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
273 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
274 | ||||
Damals | Damals als es mit Finckenstein zu Ende war, wollte sie die Wahrheit direkt sagen | Damals als es mit Finckenstein zu Ende war, wollte sie die Wahrheit direkt sagen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Als Rousseau in den Konfessionen sein Leben erzählte, berichtete |111 er die Gefühle, die er bei allem, was ihm geschah, gehabt hat. Er berichtete nicht eine Geschichte, sondern die ungeheuerlichen guten und bösen Möglichkeiten des Menschen. Selbst die Realität der Geschichte verwandelt sich in der wehmütigen Erinnerung zurück in die Möglichkeit. Diese Erinnerung, die auf den sentiments besteht, tilgt jede Erfahrung. So war für Rahel ihr eigenes Leben unerzählbar, solange sie nur auf dem Schmerz bestand - auf dem Schmerz, der ihr ihre eigene Existenz garantierte. »Denn der Schmerz, wie ich ihn kenne, ist auch ein Leben«. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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»Mit tausend Banden ist der Mensch an die Welt geheftet; mit sich selbst beschränkt, findet er sich im engsten Gefängnis. Wer ihn also losmacht von sich selbst, wer seinen Kräften ein freies munteres Spiel verschafft, der ist sein Gott, sein Erwecker.« Herder weiss, dass das Leben, welches der Mensch in der Welt lebt, das engste Band ist, mit dem der Mensch an die Welt geheftet ist. Das Loskommen von sich selbst ist das Freisein für das Weiter des Lebens, und es ist zugleich die einzige Möglichkeit des Verstehens, der Distanz des Verstehens. Als Rahel direkt und ohne Distanz zu dem Erlittenen ihre Wahrheit, das, wofür sie Wahrzeichen war, der Welt mitteilen wollte, stand sie »jenseits« und war erhaben über die geschichtlich gewordene Welt, in der sie lebte. Ihre Wahrheit kam uneingegliedert von aussen in die Welt hinein, blieb eine Meinung unter anderen Meinungen. Vielleicht war sie wirklich »das Sprachrohr der ewigen Gerechtigkeit«; aber in der Welt konnte sie nur als eine gelten, die sich ausspricht. So konnte sie interessant und faszinierend sein, wie Rousseaus Konfessionen, wie Schlegels Lucinde bis auf den heutigen Tag interessant und faszinierend sind. Aber für die Welt blieb ihre Erzählung unverbindlich und ohne Konsequenz. Herder wendet sich gegen Konfessionen |112 aller Art, in denen sich nur ein Mensch ausspricht. Er fordert statt ihrer Lebensbeschreibungen. Diese sollen nicht »über sich urteilen, noch weniger entscheiden«, sondern nur »erzählen«. Im reinen Erzählen der Begebenheiten, der wirklichen Geschehnisse unabhängig von allen Sentiments, die bei ihnen entstanden sein mögen, tritt allein die einmalige Realität gerade dieses Menschen zutage, der identisch ist mit seinem Leben. Zugleich aber stehen diese Lebensbeschreibungen selber wieder in der Geschichte, von der sie zeugen. Ziel ist nicht, einen Menschen zu schildern, wie er wirklich war, sondern »Mitbürgern«, »Kindern« usw. »einen Erbteil an seinem Leben zu hinterlassen.« Auf dem Weg des Schicksals liegt auch dieses Leben, das, indem es sich erzählt, sich der zukünftigen Geschichte als erinnerbar anheimgibt. In der reinen Erzählung, die sich an jemanden wendet, macht sich der geschichtliche Mensch noch einmal ausdrücklich geschichtlich. »Lebensbeschreibungen dieser Art sind wahre Vermächtnisse der Sinnesart denkwürdiger Personen, Spiegel der Zeitumstände, in denen sie lebten, und eine praktische Rechenschaft, was sie aus solchen und aus sich selbst gemacht haben«. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
279 | ||||
Aber wem soll Rahel ihr Leben vermachen? An wen in der Welt soll sie sich wenden? Wie soll sie, die keine Herkunft hat, ihre Herkunft jedenfalls nur vergessen will, der Zukunft so vertrauen, dass sie sich ihr anheimgibt? Denn man kann im reinen Erzählen nur in der Gegenwart dem Zukünftigen erzählen, um in die Geschichte einzugehen, der es überlassen bleiben muss, ob sie bewahren will oder verlieren, ob sie Konsequenzen ziehen will oder alles im Unverbindlichen lassen. Rahel weiss: »Ich sehe also der Welt zu. Das Leben, die Natur ist für mich da. Berechnen sie also die lutte in meinem Leben, die grossen, die kleinen bittern Momente. Mit dem schärfsten Bewusstsein über mich |113 selbst. Mit der Meinung, dass ich eine Königin (keine regierende) oder eine Mutter sein müsste: erlebe ich, dass ich gerade nichts bin. Keine Schwester, keine Geliebte, keine Frau, keine Bürgerin.« Was hilft dann das Bewusstsein über sich selbst, wenn es dauernd programmatisch widerlegt wird? Welcher Tradition soll sie ihr Leben anheimgeben, wenn sie keine Tradition hat? Welcher Geschichte, wenn sie keine Geschichte hat? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
280 | ||||
Hat sie wirklich keine Geschichte? Stehen dagegen nicht die Worte, die Varnhagen von ihrem Sterbebett überliefert: »Welche Geschichte! - Eine aus Ägypten und Palästina Geflüchtete bin ich hier und finde Hilfe, Liebe, Pflege von Euch! ... Mit erhabenem Entzücken denke ich an diesen meinen Ursprung und diesen ganzen Zusammenhang des Geschicks, durch welches die ältesten Erinnerungen des Menschengeschlechtes mit der neuesten Lage der Dinge, die weitesten Zeit- und Raumentfernungen verbunden sind. Was so lange Zeit meines Lebens mir die grösste Schmach, das Leid und Unglück meines Lebens war, eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möchte ich das jetzt missen«. Diese wenigen Worte genügen nicht, ein ganzes Leben, das stets und in jedem Augenblick derartige Verwurzelungen dementiert hat, zu erklären. Aber selbst wenn sie genügten; sie haben in sich eine böse Zweideutigkeit, eine schlimme und schwer zu beschwichtigende Fragwürdigkeit, wenn sie aus dem Munde eines Menschen kommen, der weder jüdische Tradition noch jüdische Herkunft wirklich kennt, der immer in einer fremden Geschichte gelebt hat - und sei es auch als Geschichtsloser - der aufgeklärt ist im Sinne europäisch-deutscher Aufklärung, und sich damit einer Geschichte anheimgegeben hat, die seine eigene unwiderruflich zerstörte. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahel kann sich nicht mehr in ihre eigene, die Geschichte der Juden retten, weil diese Geschichte den Juden, sofern sie sich überhaupt assimiliert und das Ghetto verlassen haben, erst |114 zurückgegeben wird, im Zuge der fremden Geschichte auch für sie erst neu entdeckt wird. Herder ist der erste, der in Deutschland wieder in den Juden mehr sieht, als nur ein unterdrücktes Volk, dem die Menschenrechte gegeben werden müssen; der in den Juden die Geschichte des jüdischen Volkes sieht und diese so versteht, wie die Juden einst selbst ihre eigene Geschichte deuteten. Herder gibt den Juden ihre Geschichte als verstandene Geschichte zurück. Diese indirekte Rückgabe zerstört die Vergangenheit im Sinne der Juden restlos. Denn war für Herder diese wie jede Vergangenheit an eine einmalige, nie wiederkehrende Zeit gebunden, so war sie für die Juden gerade das immer wieder dem Vergehen zu Entreissende. Er gibt ihnen ihre Geschichte im Sinne ihrer eigenen Interpretation zurück - sie können nicht mehr wie noch David Friedländer auf Dohm sich berufen und behaupten, ihre Geschichte sei nur die Geschichte der Unterdrückungen durch die jeweiligen Wirtsvölker; aber er gibt ihnen eine Geschichte ohne Gott. Er vernichtet ihre Freiheit nicht anders als die der Aufklärung, indem er sie und ihre Autonomie der Macht der Geschichte unterstellt und der Macht des Schicksals. »Alles ist grosses Schicksal: von Menschen unüberdacht, ungehofft, unbewirkt - siehst du, Ameise, nicht, dass du auf dem grossen Rad des Verhängnisses nur kriechst?« Die Allherrlichkeit des Menschen ist zu einem Nichts geworden vor der Allmächtigkeit der Wirklichkeit. In der »Zusammenwelt eines Augenblicks« steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt, geschweige denn »der aufgeklärte Mensch der späteren Zeit, Allhörer nicht bloss will er sein, sondern selbst der letzte Summenton aller Töne, Spiegel der Allvergangenheit und Repräsentant des Zwecks der Komposition in allen Scenen! - Das altkluge Kind lästert.« So scheint der Mensch in einen Abgrund gefallen, in den Wirbel aller Mächte und Kräfte, die unabhängig von ihm unerbittlich und unerforschlich über sein kleines Nichts entscheiden. Was den Menschen |115 aus diesem Abgrund rettet, ist nicht die Fülle seiner Gaben, weder die Vernunft noch das Genie, sondern es ist die Bedeutung, die er - selbst ein reales Geschehen - im Gesamtgeschehen hat. Denn in der Geschichte geht nichts Wirkliches verloren, es stiftet weiter das strenge Kontinuum der Zeit. Dass jeder »an seiner Stelle etwas bedeute«, das ist die Rettung vor der absoluten Nichtigkeit. Damit bekommt der Mensch wie die Geschichte einen neuen Sinn. Es gibt keinen übersehbaren Endzweck der Geschichte mehr, und es gibt keine steigende Vollkommenheit des Menschen. Aber das Geschehen selbst, unabhängig von allen Zwecken, unabhängig von allen absoluten Werten, die es vielleicht garnicht hat, die der Mensch jedenfalls nicht zu durchschauen vermag, das menschliche Leben als solches, unabhängig selbst von der Person, die es trägt, unabhängig von allen Zielen in seiner schicksalhaften, Geschichte erleidenden und Geschichte stiftenden Konkretheit, Einmaligkeit und Vergänglichkeit ist sakrosankt geworden. Damit ist über die absolute Hiesigkeit und Diesseitigkeit des Menschen entschieden. Damit ist zugleich die Eigenständigkeit des Menschen wieder aufgegeben. Er ist der Geschichte anheimgegeben, ohnmächtig gegen ihre Unwiderrufbarkeit. Gewonnen ist ein Neues, die Bedeutsamkeit menschlichen Lebens, menschlichen Schicksals und menschlichen Geschehens. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
282 | ||||
Die Rettung, dass jeder an seiner Stelle etwas bedeute, rettet die Juden nicht. Sie kennen nicht das Kontinuum der Zeit, und ihre Gegenwart ist nicht die Konsequenz ihrer eigenen, sondern die Konsequenz der fremden Vergangenheit. Die Juden sind wieder gezwungen, in einer Ausnahmestellung zu existieren. Inmitten eines Wirtsvolkes, das zum Bewusstsein nicht nur seiner Geschichte, sondern der Geschichtlichkeit menschlichen Daseins überhaupt gekommen ist, ist ihr notwendiges Unverständnis für Geschichte nicht mehr zu verbergen. Die völlige Gleichheit Lessings verlangte von den Juden |116 nur das Menschsein, das sie schliesslich, zumal in der Mendelssohnschen Auslegung, auch leisten konnten. Bei Herder aber wird eine Sonderstellung von ihnen gefordert, nachdem durch Bildung, d.h. durch die Distanz des Verstehens alle Gehalte zerstört sind, an die sich diese Sonderstellung klammern konnte. So werden die Juden die Geschichtslosen in der Geschichte. Gelingen oder Misslingen ihrer Assimilation hängt nicht mehr nur - wie noch in der Aufklärung - von der Rezeption der fremden Kultur überhaupt ab, sondern davon, ob sie geschichtlich werden können oder nicht. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
284 | ||||
Unglück, Schmerz | Unglück, Schmerz | Unglück, Schmerz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Nicht nur der ist einer, der hassen kann und irren, nicht nur der ist eitel und voller Ressentiments, der wirklich und immer hasst, irrt, eitel ist und Ressentiments hat, sondern jeder auch, der noch fähig, noch klug genug ist, sie zu bemerken, der noch schlau genug ist, hinter dem Urteil des Anderen nur Ressentiments zu wittern und hinter seiner Grossmut Eitelkeit. Keiner hat das Recht, |118 sich fern zu glauben von den Menschen und ihrer Gemeinheit, der sie bemerkt. Im Bemerken und selbst im Kampf noch zeigt sich seine Solidarität. »Über Frau von Eibenbergs Eitelkeiten und Adelsstolz können Sie garnicht weg! Ich schäme mich immer vor der Fähigkeit, dergleichen noch bemerken zu können. Mir der sicherste Bürge der noch unausgerotteten Gemeinheit in mir«. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
286 | ||||
Rahel erzählt ihr Leben | Rahel erzählt ihr Leben | Rahel erzählt ihr Leben | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
287 | ||||
» | » | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
288 | ||||
Sie behält nichts für sich, | Sie behält | Sie behält | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
289 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
290 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Man sieht: was das Leben lehren kann an abgezogenen Resultaten, die von dem verzweifelten Spiel mit zusammenhanglosen Erinnerungsstücken übrig bleiben, ist dürftig genug, sind Trivialitäten. Leuchtet man mit dem Licht der Vernunft und der Absicht der Mitteilung in das dunkle Gespenstertreiben der Zusammenhanglosigkeit hinein, so fällt der Plunder unheimlicher Rätselhaftigkeit, der dem Chaos eine Art Konsistenz verschafft, in Nichts zusammen, und es bleiben nur Lebensweisheiten. Auch aus solcher Armseligkeit kann nur die Solidarität mit Menschen retten, die aus bestimmten Gründen gerade die Banalität nicht von Haus aus kennen, denen die »infame Geburt« gerade solche bittersten und banalsten Erfahrungen vorgezeichnet hat. | Man sieht: was das Leben lehren kann an abgezogenen Resultaten, die von dem verzweifelten Spiel mit zusammenhanglosen Erinnerungsstücken übrigbleiben, ist dürftig genug, sind Trivialitäten. Leuchtet man mit dem Licht der Vernunft und der Absicht der Mitteilung in das dunkle Gespenstertreiben der Zusammenhanglosigkeit hinein, so fällt der Plunder unheimlicher Rätselhaftigkeit, der dem Chaos eine Art Konsistenz verschafft, in Nichts zusammen, und es bleiben nur Lebensweisheiten. Auch aus solcher Armseligkeit kann nur die Solidarität mit Menschen retten, die aus bestimmten Gründen gerade die Banalität nicht von Haus aus kennen, denen die »infame Geburt« gerade solche bittersten und banalsten Erfahrungen vorgezeichnet hat. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
291 | ||||
»Lassen Sie mich für | »Lassen Sie mich für | »Lassen Sie mich für | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
292 | ||||
Sie lässt sich nicht laufen, und sie erlaubt sich nichts. Täte sie es, so hätte sie nicht nur für die Zukunft verspielt, die doch ohne Aussicht ist, sondern auch für die Vergangenheit. Es wäre zu nichts gut gewesen, was ihr geschah. Sie versucht, ihre Vergangenheit den Gegenwärtigen, denen, die noch Leben, Atem und |122 Aussicht haben, zu übermitteln. Sie gibt als Preis sich selbst und alles, was ihr geschah. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
293 | ||||
Man kann sich bluffen lassen von der eigenen Aussichtslosigkeit und das Leben lassen. Man kann aber auch auf dem bestehen, was sich im Geschehen gezeigt hat, auf der »Wahrheit, dass es wahr in mir war und bleibt«. Man kann darauf bestehen, dass das, was einmal war, auch bleibt, d.h. in die Geschichte eingeht. Man kann sich wehren gegen alle Zerstreuung und in sich selbst das einzige Gefäss des Bewahrens sehen. Das ist ein böser und schwerer Weg, denn er gestattet nicht, dass man sich aussucht, was man bewahren und übermitteln will. Er zwingt, hat man ihn erst einmal beschritten, unerbittlich alles zu »lieben was einmal ist«. Und er zwingt zur dauernden Nachbarschaft mit der Vergangenheit. Kein Schritt auf ihm führt vorwärts, der nicht verdunkelt ist von den Schatten dessen, was war. Wenn man nichts vergisst, ist der Weg wie zugemauert von Bekanntem, und selbst das Zukünftige, selbst das, was erst kommen wird, das Unbekannte wird dem gespenstisch vertraut, der alles schon weiss und nicht geneigt ist, sich von dem plötzlichen Schreck des Nochnichtgesehenhabens etwas aus der Hand schlagen zu lassen. Alle werden bekannt, denn allen hat man nur das Bekannte mitzuteilen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
294 | ||||
Rahel hat nichts mehr zu erfahren, aber sie ist gezwungen, das Erfahrene im Wort zu wiederholen. Sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
295 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 10. Kapitel
Der grosse Glücksfall | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
296 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Weder Rahels dürftige Resultate noch die Schicksalsgenossen hätten ausgereicht, ihr eine Art geschichtlicher Existenz zu sichern. Ihr Versuch der Mitteilung wäre aussichtslos und ohne jede Direktion geblieben, hätte sie nicht für sich einen »Vermittler« gefunden, dem sie sich | Weder Rahels dürftige Resultate noch die Schicksalsgenossen hätten ausgereicht, ihr eine Art geschichtlicher Existenz zu sichern. Ihr Versuch der Mitteilung wäre aussichtslos und ohne jede Direktion geblieben, hätte sie nicht für sich einen »Vermittler« gefunden, dem sie sich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
297 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
298 | ||||
Es ist der | Es ist der | Es ist der | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
299 | ||||
»Alles | »Alles was Goethe zeigt, ist ein Inbegriff | »Alles | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
300 | ||||
Die Allgemeinheit des Dichterischen ist nur verbindlich, wenn sie aus der letzten und schärfsten Genauigkeit des Wortes entspringt, wenn sie jedes Wort beim Worte zu nehmen | Die Allgemeinheit des Dichterischen ist nur verbindlich, wenn sie aus der letzten und schärfsten Genauigkeit des Wortes entspringt, wenn sie jedes Wort beim Worte zu nehmen | Die Allgemeinheit des Dichterischen ist nur verbindlich, wenn sie aus der letzten und schärfsten Genauigkeit des Wortes entspringt, wenn sie jedes Wort beim Worte zu nehmen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
301 | ||||
Sie dankt ihm vor allem den Wilhelm Meister. »Das ganze Buch ist für mich nur ein Gewächs, um den Kern herumgewachsen | Sie dankt ihm vor allem den Wilhelm Meister. »Das ganze Buch ist für mich nur ein Gewächs, um den Kern herumgewachsen | Sie dankt ihm vor allem den Wilhelm Meister. »Das ganze Buch ist für mich nur ein Gewächs, um den Kern herumgewachsen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
302 | ||||
Wilhelm Meister ist für | Wilhelm Meister ist für | Wilhelm Meister ist für | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
303 | ||||
Rahel sieht von dem Ganzen immer zu wenig oder zu viel. Sie sieht entweder nur die Verhältnisse der Personen, Meisters Abschied von | Rahel sieht von dem Ganzen immer zu wenig oder zu viel. Sie sieht entweder nur die Verhältnisse der Personen, Meisters Abschied von | Rahel sieht von dem Ganzen immer zu wenig oder zu viel. Sie sieht entweder nur die Verhältnisse der Personen, Meisters Abschied von | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
304 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
305 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel lernt bis zur Meisterschaft die Kunst, das eigene Leben darzustellen: nicht die Wahrheit zu sagen und nur sie, sondern sich | Rahel lernt bis zur Meisterschaft die Kunst, das eigene Leben darzustellen: nicht die Wahrheit zu sagen und nur sie, sondern sich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
306 | ||||
Vielleicht hat sie auch an Mignon gelernt, | Vielleicht hat sie auch an Mignon gelernt, | Vielleicht hat sie auch an Mignon gelernt, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
307 | ||||
Sie hat gelernt, | Sie hat gelernt, | Sie hat gelernt, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
308 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Sie hat gelernt, | Sie hat gelernt, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
309 | ||||
Sie hat gelernt, | Sie hat gelernt, | Sie hat gelernt, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
310 | ||||
Wenn sie leben will, | Wenn sie leben will, | Wenn sie leben will, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
311 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Um »äusserlich eine andere Person zu werden«, muss Rahel wie mit einem Kleid vorerst die Blösse des Judentums verdecken - »so vergesse ich doch die Schmach keine Sekunde. Ich trinke sie im Wasser, ich trinke sie im Wein, ich trinke sie mit der Luft; also in jedem Atemzug. .. Der Jude muss aus uns ausgerottet werden, das ist heilig wahr, und sollte das Leben mit gehen.« Voller Illusionen über die Möglichkeiten der äusseren Welt, traut sie Verkleidungen, Tarnungen, Namensänderungen eine ungeheure umbildende Kraft zu. Dass sie statt Rahel Levin |143 plötzlich Rahel Robert heisst, das wird die Stellung der Gesellschaft zu ihr ändern, meint sie, das wird sie endlich passieren lassen, das wird ihr helfen, wie ein Zauberwort, ein Mensch unter Menschen zu werden. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
312 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 11. Kapitel
Assimilation | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
313 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sie entschließt sich, dem Beispiel ihres Bruders Ludwig zu folgen und sich Rahel Robert zu nennen. (Den gleichen Namen nehmen alle ihre Brüder an, als sie sich taufen lassen.) Das ist im Jahre 1810, vier Jahre, bevor auch sie sich zur Taufe entschließt und ihren Vornamen dem Brauch der Zeit gemäß in Friederike umtauscht. Nicht Rahel Levin, Friederike Robert - - wie ein Zauberwort wird der neue Name ihr helfen, ein Mensch unter Menschen zu werden. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
314 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Assimilation1807-1808 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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3. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Der Salon, in dem das Intime | Der Salon, in dem das Intime in der Mitteilung objektiviert wurde | Der Salon, in dem das Intime in der Mitteilung objektiviert wurde | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Die Salons | Die Salons | Die Salons | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
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» | » | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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[keine Entsprechung vorhanden] | Solche ursprünglichen Lebensumstände wirkten stärker als alle Meinungen einer längst patriotisch gewordenen Umwelt. Noch |149 viele Jahre später | Solche ursprünglichen Lebensumstände wirkten stärker als alle Meinungen einer längst patriotisch gewordenen Umwelt. Noch viele Jahre später | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
323 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Man | Man | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
324 | ||||
»Napoleon siegt: und an den Sieger | »Napoleon siegt: und an den Sieger | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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Ohne zu optieren | Ohne zu optieren kann man aber in Deutschland nicht mehr leben. Sie sieht es an ihrer Isolierung, die noch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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»Wer an ein festes beharrliches und totes Sein glaubt, der |141 glaubt nur darum daran, weil er in sich selbst tot ist«. | »Wer an ein festes beharrliches und totes Sein glaubt, der glaubt nur darum daran, weil er in sich selbst tot ist«. | »Wer an ein festes beharrliches und totes Sein glaubt, der glaubt nur darum daran, weil er in sich selbst tot ist« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
328 | ||||
In dieser neuen Welt wird vielleicht jeder willkommen sein. | In dieser neuen Welt wird vielleicht jeder willkommen sein. | In dieser neuen Welt wird vielleicht jeder willkommen sein. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
329 | ||||
Um zu | Um zu | Um zu | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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» | » | » | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | Erst in Prag, wo sie die Jahre des Krieges 1813/14 | Erst in Prag, wo sie die Jahre des Krieges 1813/14 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
332 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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1. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Rahel | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
335 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Aber gleich ob Lüge oder Wahrheit - was sie sagt und ausspricht bestimmt das Leben des Tages, zwingt es zu einer bestimmten Einhelligkeit und Eindeutigkeit des Weiterlebens und Weitergehens. Das andere, das sie vage verschweigt, braucht niemanden etwas anzugehen, weil es »unsäglich« ist; es geht niemanden an, obwohl sie weiß, daß es das |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000139 |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000140 |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000141 »Wesentliche« ist. Die Scham, die sich schämt, das letzte Unglück zu nennen, darf nicht angetastet werden; sie ist der einzige Schutz, den das Leben hat. Nur mit dem Tage haben es die anderen, hat Rahel selbst es zu tun. Nur »Glück oder Tod«, so meint sie, könnten ihr »den Mund öffnen«. Glück, weil es das Unglück historisiert, es zu der Epoche des Unglücklichgewesenseins bagatellisiert. Tod, weil es dann nicht mehr auf das Weiter ankommt und die Scham jeden Sinn verloren hat. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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Unglück verschwindet nicht ganz, | Unglück verschwindet nicht ganz, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
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Sie schreibt die Träume, die sich durch Jahre wiederholen, erst auf, als sie aufhört, sie zu träumen. Sie hatte sie durch all die Jahre der Stummheit für dich behalten. Die Doppelheit von Ta und Nacht, die heilsame Doppelheit des Lebens zwischen dem Weiter des Tages und der immer gleichen Nacht wurde schon zur Zweideutigkeit, als die Nacht eine bestimmte Nacht wurde. Die Träume die Wiederholung der Träume, machen auch den Tag zweideutig, hindern ihn an seinem Weiter, verdüstern seine Helle, schlagen ihn, ohne die Jlarheit der Erinnerung immer wieder zurück auf Vergangenes. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
340 | ||||
»Ich befand mich immer in einem vornehmen bewohnten Palast, | »Ich befand mich immer in einem vornehmen bewohnten Palast, |161 | »Ich befand mich immer in einem vornehmen bewohnten Palast, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
341 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Das Unerträgliche solcher Träume liegt nicht in der Klarheit ihrer Bedeutung. Was soll der Traum anderes klar machen, als was der Tag ohnehin klärt? | Das Unerträgliche solcher Träume liegt nicht in der Klarheit ihrer Bedeutung. Was soll der Traum anderes klar machen, als was der Tag ohnehin klärt? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
342 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Zwei solcher viel harmloserer Träume, trotz der ungleich schrecklicheren Traumfabel, die nur den Tag zu Ende träumen, zeichnet sie auf; der eine handelt von Finckenstein, der andere von Urquijo. Der erste: | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
343 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
344 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Dieser Traum | Dieser Traum | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
345 | ||||
Dieser Traum, von dem sie weder erzählt, dass er sich wiederholt, noch das Datum angibt, an de sie ihn geträumt hat, den sie anscheinend nur gelegentlich mitaufzeichnet, diser Traum lässt sich ohne weiteres in den Tag mitnehmen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
346 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
347 | ||||
Was hilft | Was hilft | Was hilft | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
348 | ||||
Rahel träumt: | Rahel träumt: | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
349 | ||||
»Ich lag auf einem breiten Lager mit [gap] | »Ich lag auf einem breiten Lager mit | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
350 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Niemals wieder und nirgends sonst hat Rahel so brutal, so ungeschminkt ausgesprochen, was sie von den anderen hoffnungslos trennt, als in diesem Traum, den sie Alexander von der Marwitz erzählte. Nur die Nacht, nur die Verzweiflung, die in die Nacht sich geflüchtet, läßt als tiefsten Grund erscheinen, was der Tag versucht hat zu zerstreuen, zu umgehen, zu verbessern. Unentwirrbar ist in solch wahrem und in höchster Allgemeinheit Geträumten die Verwirrung von Tag und Nacht, unentwirrbar die Verstrickung von Wahrheit und Lüge, unergründbar, wo Heimat ist und wo Fremde, undurchschaubar, was gesagt, was verschwiegen wird. Die Nacht und der Traum bestätigen und reproduzieren, was der Tag umlügt oder verschweigt; der Traum schrickt vor nichts zurück, zeigt die nackten Phänomene und kehrt sich nicht an ihre Unverstehbarkeit. Spielend besiegt er den guten Willen, der nicht annehmen will, was er nicht verstehen oder nicht verändern kann. Alle Verborgenheit zerrt er ans Licht. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
351 | ||||
Aber | Aber die Nacht bestätigt lügenhaft; denn sie lügt die Last des Tages zum Grund des ganzen Lebens um. Der Tag ist zwar von sich aus verschwiegen | Aber die Nacht bestätigt lügenhaft; denn sie lügt die Last des Tages zum Grund des ganzen Lebens um. Der Tag ist zwar von sich aus verschwiegen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
352 | ||||
So | So | So | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
353 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
354 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Im Frühjahr des Jahres 1808 lernt Rahel in Berlin August Varnhagen kennen und ist wenige Monate später seine Geliebte. Charakteristisch für die plötzlich veränderten Sitten der Zeit ist, daß hiervon nur zwei Menschen wissen, während ihre Affäre mit Urquijo Stadtgespräch war; charakteristisch aber auch, daß, als sie es zugibt, sie hinzusetzt: »Ich würde mich schämen es zu leugnen; ich kann es ordentlichen Menschen nicht leugnen.« In Rahels Umgebung war offenbar die Zahl der »ordentlichen Menschen« auf zwei gesunken. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
355 | ||||
Der Tag ist nicht nur eine Illusion. Das, was er bringt, ni nicht nur erkauft mit der Lüge und dem Verschweigen der viel zu |155 gesprächigen Nächte, da der Tag trotz allem besteht, kann auch die Nacht als Illusion erscheinen: dass Rahel Urquijo nicht vergessen kann, sieht am Tag wie eine fixe Idee aus; und die Schande, die keiner kennt, kann das Leben, ein wenig Glück, verschwinden lassen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
356 | ||||
2. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
357 | ||||
Varnhagen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
358 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
359 | ||||
Des knapp sechzehnjährigen August Varnhagen | Des knapp sechzehnjährigen August Varnhagen | Des knapp sechzehnjährigen August Varnhagen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
360 | ||||
Varnhagens Gedichte sind schlecht, sein Roman ist nicht nur dilettantisch, | Varnhagens Gedichte sind schlecht, sein Roman ist nicht nur dilettantisch, | Varnhagens Gedichte sind schlecht, sein Roman ist nicht nur dilettantisch, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
361 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Er schildert sich selbst ausgezeichnet: »Mein Gemüt ist ganz arm auf die Welt gekommen und | Er schildert sich selbst ausgezeichnet: »Mein Gemüt ist ganz arm auf die Welt gekommen und | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
362 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
363 | ||||
Der Bettler am Wege ist niemand; er ist ohne Namen, ohne Geschichte und ohne Gesicht. Er ist der Unbekannte schlechthin. Wirklich sprechen kann man nur zu dem Unbekannten, bei dem das Risiko des Zuwissengebens nicht mehr besteht, weil es unabsehbar ist und nicht | Der Bettler am Wege ist niemand; er ist ohne Namen, ohne Geschichte und ohne Gesicht. Er ist der Unbekannte schlechthin. Wirklich sprechen kann man nur zu dem Unbekannten, bei dem das Risiko des Zuwissengebens nicht mehr besteht, weil es unabsehbar ist und nicht | Der Bettler am Wege ist niemand; er ist ohne Namen, ohne Geschichte und ohne Gesicht. Er ist der Unbekannte schlechthin. Wirklich sprechen kann man nur zu dem Unbekannten, bei dem das Risiko des Zuwissengebens nicht mehr besteht, weil es unabsehbar ist und nicht | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
364 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
365 | ||||
Rahel gibt Varnhagen alles was sie hat, alle Tagebücher, alle Briefe, die an Finckenstein, | Rahel gibt Varnhagen alles was sie hat, alle Tagebücher, alle Briefe, die an Finckenstein, | Rahel gibt Varnhagen alles | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
366 | ||||
Wenn der Bettler | Wenn der Bettler auf das Leben, das der Mensch nur leben kann | Wenn der Bettler auf das Leben, das der Mensch nur leben kann von Geburt bis Tod, das nur einsichtig wird in der Erfahrung, das in seiner Allgemeinheit nur sichtbar wird in dem Weiter von Tag zu Tag, wenn er auf dies, das jedem eigentlich zusteht, verzichten | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
367 | ||||
Der Bettler am Wege hat nichts | Der Bettler am Wege hat nichts | Der | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
368 | ||||
Varnhagen hat nichts zu verlieren | Varnhagen hat nichts zu verlieren | Varnhagen hat nichts zu verlieren | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
369 | ||||
Es ist | Es ist | Es ist | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
370 | ||||
Sie kann und darf ihm das nicht ausreden. Obwohl sie | Sie kann und darf ihm das nicht ausreden. Obwohl sie | Sie kann und darf ihm das nicht ausreden. Obwohl sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
371 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
372 | ||||
Varnhagen in Tübingen, allein, nur auf sich angewiesen ohne Geselligkeit, ohne Anregung, | Varnhagen in Tübingen, allein, nur auf sich angewiesen | Varnhagen in Tübingen, allein, nur auf sich angewiesen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
373 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
374 | ||||
Die Distanz ermöglicht es, ihm zu sagen, was unerträglich an ihm ist. | Die Distanz ermöglicht es, ihm zu sagen, was unerträglich an ihm ist. | Die Distanz ermöglicht es, ihm zu sagen, was unerträglich an ihm ist. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
375 | ||||
Da geschieht etwas Erstaunliches: Varnhagen reagiert auf ihre Kritik mit Einsicht. Er ist nicht verletzt, | Da geschieht etwas Erstaunliches: Varnhagen reagiert auf ihre |183 Kritik mit Einsicht. Er ist nicht verletzt, zieht sich nicht zurück, | Da geschieht etwas Erstaunliches: Varnhagen reagiert auf ihre Kritik mit Einsicht. Er ist nicht verletzt, zieht sich nicht zurück, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
376 | ||||
Es gibt nichts Beruhigenderes, als | Es gibt nichts Beruhigenderes, als | Es gibt nichts Beruhigenderes, als | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
377 | ||||
Vernunft, Einsicht, Humanität, | Vernunft, Einsicht, Humanität, | Vernunft, Einsicht, Humanität, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
378 | ||||
Varnhagens Einsicht rettet nicht nur in einer bestimmten Krise ihre Beziehung | Varnhagens Einsicht rettet nicht nur in einer bestimmten Krise ihre Beziehung | Varnhagens Einsicht rettet nicht nur in einer bestimmten Krise ihre Beziehung | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
379 | ||||
Indem sie | Indem sie | Indem sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
380 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
381 | ||||
An den Unbekannten, dem sie ihr Leben | An den Unbekannten, dem sie ihr Leben | An den Unbekannten, dem sie ihr Leben | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
382 | ||||
Je mehr Varnhagen | Je mehr Varnhagen | Je mehr Varnhagen versteht, desto mehr ist | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
383 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
384 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Unter Varnhagens zahlreichen Bekannten, die er Rahel zuführt, befindet sich auch ein junger, sehr begabter Student, der bei Wolf Altertumswissenschaften studiert; er heißt Alexander von der Marwitz und ist der jüngere Bruder jenes märkischen Junkers, der Hardenbergs Reformen am schärfsten und intelligentesten bekämpfte und dessen Idee vom Adel und seiner Erneuerung eines der interessantesten Dokumente dieses Standes überhaupt ist. Als Rahel ihn 1809 kennenlernt, ist er zweiundzwanzig Jahre alt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
385 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Alexander hat wenig mit seinem Bruder gemein. Er interessiert sich nicht für die Interessen der Junker, er will keine | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |
386 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Wenn es ihm gelänge sich zu fügen, auf alles | Wenn es ihm gelänge | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
387 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel hört seinen Klagen zu, als wären es ihre eigenen. Sie antwortet mit allem, was sie | Rahel hört seinen Klagen zu, als wären es ihre eigenen. Sie antwortet mit allem, was sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
388 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die Freundschaft zwischen Rahel und Marwitz mutet an wie ein Bündnis gegen alle | Die Freundschaft zwischen Rahel und Marwitz mutet an wie ein Bündnis gegen alle | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
389 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Zum | Zum | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
390 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Im selben | Im selben | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
391 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Durch die legitime Verachtung | Durch die legitime Verachtung | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
392 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Ganz gelingt es ihm nie, sie zu sich herüberzuziehen, sie gegen das »Wüste und Beziehungslose« ihrer Umgebung, gegen »Leute ohne richtigen Sinn für menschliche Verhältnisse« rebellisch zu machen. Er | Ganz gelingt es ihm nie, sie zu sich herüberzuziehen, sie gegen das »Wüste und Beziehungslose« ihrer Umgebung, gegen »Leute ohne richtigen Sinn für menschliche Verhältnisse« rebellisch zu machen. Er | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
393 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Der Kampf der Bundesgenossen gegeneinander ist heimlich, nicht direkt, gebraucht den Umweg über Rahels Freundschaft mit Varnhagen. Varnhagen ist in diesem Zusammenhang nicht der »Bettler am Wege«, sondern der Aufgeklärte, Liberale, Bürgerliche, mit dem immer wachen | Der Kampf der Bundesgenossen gegeneinander ist heimlich, nicht direkt, gebraucht den Umweg über Rahels Freundschaft mit Varnhagen. Varnhagen ist in diesem Zusammenhang nicht der »Bettler am Wege«, sondern der Aufgeklärte, Liberale, Bürgerliche, mit dem immer wachen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
394 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die Entscheidung gegen Marwitz fällt nicht gleich und ist auch nicht nur Varnhagens | Die Entscheidung gegen Marwitz fällt nicht gleich und ist auch nicht nur Varnhagens | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
395 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Sie macht also nicht mehr die Nacht zum Tage und den Tag zur Nacht. Indem sie die Nächte erzählt, zeigt sie: sie hat auch etwas Reelles in der Hand, das sie der Welt, ihren Forderungen und Abweisungen entgegenstellt; eine Zuflucht, von der her sie Marwitzens Verachtung zu der ihren macht. Zu Hilfe kommt ihr hier - wie auch sonst - jene ins Prinzipielle übersteigerte Naturliebe, die der hat, dem man alles nehmen kann, nur nicht die Sonne, die | Sie macht also nicht mehr die Nacht zum Tage und den Tag zur Nacht. Indem sie die Nächte erzählt, zeigt sie: sie hat auch etwas Reelles in der Hand, das sie der Welt, ihren Forderungen und Abweisungen entgegenstellt; eine Zuflucht, von der her sie Marwitzens Verachtung zu der ihren macht. Zu Hilfe kommt ihr hier - wie auch sonst - jene ins Prinzipielle übersteigerte Naturliebe, die der hat, dem man alles nehmen kann, nur nicht die Sonne, die | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
396 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Sie hat einiges | Sie hat einiges | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
397 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Vieles in ihr kommt Marwitz und dem Bild, das er von ihr hat entgegen. Ist ihr Leben nicht | Vieles in ihr kommt Marwitz und dem Bild, das er von ihr hat | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
398 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Das geht alles ganz schön und gut, solange sie nur ihn reden | Das geht alles ganz schön und gut, solange sie nur ihn reden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
399 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Auf diesen Brief gibt es keine Antwort. Ein | Auf diesen Brief gibt es keine Antwort. Ein | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
400 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Gerechtigkeit ist keine Qualität, die Marwitz unmittelbar aus seiner Welt vertraut wäre, ist überhaupt keine Eigenschaft mehr, eher schon eine Art sich zur Welt zu stellen und sich von ihr zu distanzieren. Marwitz | Gerechtigkeit ist keine Qualität, die Marwitz unmittelbar aus seiner Welt vertraut wäre, ist überhaupt keine Eigenschaft mehr, eher schon eine Art | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
401 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Gerechtigkeit kann auch eine Eigenschaft des Alters sein. Wenn es keinen Sinn mehr hat zu wünschen und zu hoffen, kann man gerecht werden. Rahel aber war immer schon gerecht, auch als sie noch jung war. In aller Leidenschaft, in all ihren Wünschen und Hoffnungen lag immer ein Wissen um Unerfüllbarkeit und eine letzte Gleichgültigkeit gegen alles Einzelne, einzeln Erfüllte. Deshalb kann sie mit Recht sagen, | Gerechtigkeit kann auch eine Eigenschaft des Alters sein. Wenn es keinen Sinn mehr hat zu wünschen und zu hoffen, kann man gerecht werden. Rahel aber war immer schon gerecht, auch als sie noch jung war. In aller Leidenschaft, in all ihren Wünschen und Hoffnungen lag immer ein Wissen um Unerfüllbarkeit und eine letzte Gleichgültigkeit gegen alles Einzelne, einzeln Erfüllte. Deshalb kann sie mit Recht sagen, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
402 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Zu Asche ist mein Herz ..; ich | »Zu Asche ist mein Herz .. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
403 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Marwitz greift diese Solidarität nicht auf. Nicht nur, weil |208 er | Marwitz greift diese Solidarität nicht auf. Nicht nur, weil er | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
404 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | So greift sie als Antwort wirklich zurück auf ihre »Seele«, auf das Wenige, was sie von sich | So greift sie als Antwort wirklich zurück auf ihre »Seele«, auf das Wenige, was sie von sich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
405 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Verschlagensein ist keine Qualität und Unglück kein Verdienst. Und beides haben sie zu dem gemacht, was sie ist. Man kann auch ohne vollständiges | Verschlagensein ist keine Qualität und Unglück kein Verdienst. Und beides haben sie zu dem gemacht, was sie ist. Man kann auch ohne vollständiges | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
406 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Auf seine tröstende Antwort: »Der Berg gehört auch zur Erde; der frische | Auf seine tröstende Antwort: »Der Berg gehört auch zur Erde; der frische | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
407 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Mit Marwitz also ist sie fertig. Der will sie nicht mitnehmen |211 , will nichts für sie tun. Besser ist es noch, eine Anekdote zu werden, einsam mit einem | Mit Marwitz also ist sie fertig. Der will sie nicht mitnehmen, will nichts für sie tun. Besser ist es noch, eine Anekdote zu werden, einsam mit einem | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
408 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
409 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Das Leben vergeht und ehe man sich umsieht, ist die Jugend weg und das Alter nahe. Rahel ist inzwischen | Das Leben vergeht | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
410 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Dabei kann sie sich nichts vorwerfen. Sie hat nicht am falschen Ende angefangen und sie hat sich nicht töricht versperrt. Sie war von der Wichtigkeit » | Dabei kann sie sich nichts vorwerfen. Sie hat nicht am falschen Ende angefangen und sie hat sich nicht töricht versperrt. Sie war von der Wichtigkeit | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
411 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Allen ihren Freundinnen, allen die aus der gleichen Situation kamen und aus dem Judentum herauswollten, ist es gelungen | Allen ihren Freundinnen, allen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
412 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Nur ihr ist alles | Nur ihr ist alles | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
413 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Kein Zweifel, | Kein Zweifel, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
414 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
415 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Dies scheint unverständlich, wenn man sich die Biographien der jüdischen Generationen nach ihr ansieht. Seit Heine und Börne ist aus den Besten des assimilierten Judentums das | Dies scheint unverständlich, wenn man sich die Biographien der jüdischen Generationen nach ihr ansieht. Seit Heine und Börne ist aus den Besten des assimilierten Judentums das | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
416 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
417 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Assimilation gab es nur und | Assimilation gab es nur und | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
418 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
419 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Direkte, gesellschaftliche und persönliche Beziehungen hatten die Juden nicht | Direkte, gesellschaftliche und persönliche Beziehungen hatten die Juden nicht | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
420 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel gehörte zu der ersten | Rahel gehörte zu der ersten | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
421 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die gemischte Geselligkeit zwischen Juden und Adligen war nur ein Übergang, wenn sich auch Reste davon bis in | Die gemischte Geselligkeit zwischen Juden und Adligen war nur ein Übergang, wenn sich auch Reste davon bis in | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
422 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die soziale Stellung der Juden hatte sich inzwischen so weit entschieden, | Die soziale Stellung der Juden hatte sich inzwischen so weit entschieden, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
423 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Erst in der kompletten gesellschaftlichen Isolierung begannen sich die Juden mit revolutionären Bewegungen zu solidarisieren. Das geschah in einer Zeit, da Rahels Entwicklung schon abgeschlossen war. Sie selbst kann gar nicht anders als auf einen individuellen Ausweg sinnen, nachdem sie enttäuscht, verlassen und eigentlich verständnislos sehen muss, wie alles sich zu ihren Ungunsten verändert. Ihr einziger Ausweg ist Varnhagen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
424 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Je unsicherer Rahels ökonomische Situation wird, desto geneigter wird sie, die letzte Chance zu ergreifen. Die Notwendigkeit einer raschen Lösung öffnet ihr die Augen für Möglichkeiten, die sie bisher nicht übersah, für neue Menschen, neue Chancen. Sie verzichtet zwar nicht | Je unsicherer Rahels ökonomische Situation wird, desto geneigter wird sie, die letzte Chance zu ergreifen. Die Notwendigkeit einer raschen Lösung öffnet ihr die Augen für Möglichkeiten, die sie bisher nicht übersah, für neue Menschen, neue Chancen. Sie verzichtet zwar nicht und hat nie verzichtet, in die Gesellschaft der Arrivierten eingereiht zu werden; aber sie beginnt sich anderer Mittel zu bedienen: anstatt sich von irgendeinem, der schon oben ist, heraufheben, versucht sie sich von einem, der noch unten ist, mitnehmen zu lassen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
425 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen ist der erste Mensch in ihrem Leben, der ganz arm |220 ist, ganz unbekannt, ohne Namen, ohne Stand. Wenn sie sich | Varnhagen ist der erste Mensch in ihrem Leben, der ganz arm ist, ganz unbekannt, ohne Namen, ohne Stand. Wenn sie sich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
426 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Nicht weil sie | Nicht weil sie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
427 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Weil sie ärmer geworden ist, liegt eine Solidarität mit dem, der nichts hat, näher. Weil sie alle Chancen, von oben gerettet zu werden, verspielt hat, bleibt ihr nichts anderes mehr als zu versuchen, mit einem, der auch nichts hat - noch nichts - zusammen in die Höhe zu kommen. Der einmal | Weil sie ärmer geworden ist, liegt eine Solidarität mit dem, der nichts hat, näher. Weil sie alle Chancen, von oben gerettet zu werden, verspielt hat, bleibt ihr nichts anderes mehr als zu versuchen, mit einem, der auch nichts hat - noch nichts - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
428 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Vermutlich ist sie schon zu alt und zu verbraucht, um auch | Vermutlich ist sie schon zu alt und zu verbraucht, um auch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
429 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Später als ihre Ehe mit Varnhagen ihr schon so selbstverständlich geworden ist, | Später | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
430 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 16. Kapitel
Geschichte einer Karriere | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
431 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Aber jetzt nur gegen den Feind! Ich | »Aber jetzt nur gegen den Feind! Ich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
432 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen | Varnhagen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
433 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Aber | Aber | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
434 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen gehorcht nicht gleich. Er kann sich nicht | Varnhagen gehorcht nicht gleich. Er kann sich nicht | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
435 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Der gräfliche Aufenthalt bringt ihm noch etwas anderes und wirklich | Der gräfliche Aufenthalt bringt ihm noch etwas anderes und wirklich | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
436 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Für einen Liberalen, für einen erklärten Adelshasser eine etwas komische Entdeckung. Er | Für einen Liberalen, für einen erklärten Adelshasser eine etwas komische Entdeckung | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
437 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Nach einem kurzen Urlaub in der Prager Garnison nimmt Varnhagen endlich Urlaub von seinem »derangierten Grafen« | Nach einem kurzen Urlaub in der Prager Garnison nimmt Varnhagen |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000192 endlich Urlaub von seinem »derangierten Grafen« und fährt, um Adel und viele Beziehungen bereichert, nach Berlin, holt Rahel und fährt mit ihr zusammen nach Teplitz. In Teplitz ist wieder einmal alle Welt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
438 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Der gemeinsame Aufenthalt war von beiden Seiten | Der gemeinsame Aufenthalt war | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
439 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | In Prag tut Varnhagen eigentlich nichts als Menschen sehen. Er erzählt immer noch von Rahel Wunderdinge, allerdings auch nicht mehr so uneingeschränkt wie früher. Die Teplitzer Zeit gibt ihm wohl die Legitimation, sich zu ihr zu rechnen, als ihr Verlobter aufzutreten, andererseits aber will er vorwärtskommen | In Prag tut Varnhagen eigentlich nichts als Menschen sehen. Er erzählt immer noch von Rahel Wunderdinge, allerdings auch nicht mehr so uneingeschränkt wie früher. Die Teplitzer Zeit gibt ihm wohl die Legitimation, sich zu ihr zu rechnen, als ihr Verlobter aufzutreten, andererseits aber will er vorwärtskommen und merkt auch, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
440 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | In all diesen lächerlichen[metamark |]und unwichtigen Klatschereien hat Varnhagen Rahel einen so | In all diesen lächerlichen und unwichtigen Klatschereien hat Varnhagen Rahel einen so | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
441 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ein Brief von Goethe: das war mehr als eine persönliche Freude. Das war durchaus ein Schritt vorwärts zur Bekanntheit, zum Arrivieren. Goethe wurde für Varnhagen zur Beziehung, und er erreichte damit all das, was Rahel ihr ganzes Leben nicht erlangt hatte, weil sie es nicht wollte. »Seit Goethen’s Brief vor mir liegt. Wie eine Überschwemmung ist es über mich gekommen: ein Meer ist alles; und es muß sich erst jedes nach und nach daraus bilden. Ob ich Dir danke - Du weißt es; Du wirst es erfahren. Du weißt, ob ich eitel nach Beifall strebe, den ich mir nicht selbst gebe; ob ich große Bemühungen anstelle, um gelobt zu werden. Aber meine wirklich namenlose Liebe und bewundernde Verehrung dem herrlichsten Mann und Menschen einmal zu Füßen legen zu können, war der geheime, stille Wunsch meines ganzen Lebens, seiner Dauer und seiner Intensität nach. In Einer Sache hab’ ich meinem tiefsten Innersten gefolgt, mich von Goethe scheu zurückzuhalten.« Rahel wird auch dies nicht ausnutzen, für ihr Leben bleibt die Anerkennung Goethes gänzlich ohne Konsequenzen. Er ist, könnte man sagen, der einzige Mensch, den sie nie hat kennenlernen wollen, nie auch nur den Versuch gemacht hat, kennenzulernen. Denn die flüchtige Bekanntschaft des jungen Mädchens in Karlsbad mit dem schon berühmten Mann kann man schwerlich als ein Kennen oder auch nur als ein Treffen bezeichnen. Wenige Jahre, nachdem Varnhagen diesen Brief für sie erreicht hat, begegnet sie ihm wieder. Durch Zufall sieht sie, daß er gleich ihr auf Reisen in Frankfurt ist und schreibt ihm ein kurzes Billet. Darauf kommt er, ohne sich vorher anzusagen, sie besuchen. Als er ihr gemeldet wird, ist sie nicht angezogen. »Ich lasse ihn eintreten und nur so lange warten, als man Zeit braucht, einen Überrock überzuknöpfen; es war ein schwarzer Wattenrock; und so trete ich vor ihn. Mich opfernd, um ihn nicht einen Moment warten zu lassen. ... Im ganzen war er wie der vornehmste Fürst: aber wie ein äußerst guter Mann; voller aisance, aber Persönlichkeiten ablehnend ... Er ging sehr bald. ... Es war mir recht. Ich fühle, daß ich mich im ganzen so betragen habe, wie damals in Karlsbad. ... Aber wenn man einen nur einen Moment nach so langjähriger Liebe und Leben und Beten und Weben und Beschäftigung zu sehen bekommt, dann ist es so. ... Als er weg war, zog ich mich sehr schön an, als wollt’ ich’s nachholen, |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000196 redressieren! Ein schönes weißes Kleid mit hohem schönen Kragen: eine Spitzenhaube, einen Kantenschleier, den Moskauer Shawl ...« Ein größeres Kompliment, eine größere Selbstbescheidung als sich nicht zurechtzumachen, um den Mann auch »nicht einen Moment warten zu lassen«, kann eine Frau einem Manne wohl nicht erweisen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
442 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
443 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Prag war in jenen Jahren eine Art Mittelpunkt sowohl der politischen wie der Schriftstellerwelt. Stein, der von Napoleon aus | Prag war in jenen Jahren eine Art Mittelpunkt sowohl der politischen wie der Schriftstellerwelt. Stein, der von Napoleon aus | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
444 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Erst als | Erst als | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
445 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Doch, eines hat sich geändert: | Doch, eines hat sich geändert: | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
446 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Bei Rahel geht diese Umstellung erheblich langsamer. Sie hört nicht auf zu mahnen: » | Bei Rahel geht diese Umstellung erheblich langsamer. Sie hört nicht auf zu mahnen: » | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
447 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel ist für den Krieg so nicht zu gewinnen. So lange es in der Initiative | Rahel ist für den Krieg so nicht zu gewinnen. So lange es in der Initiative | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
448 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | So beginnt ihre Vaterlandsbegeisterung | So beginnt ihre Vaterlandsbegeisterung mit der enthusiastischen Bewunderung aller Proklamationen, in denen dem französischen Volke nicht Unrecht getan wird, in denen man »den Feind zu ehren | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
449 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagens Patriotismus | Varnhagens Patriotismus | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
450 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Für das | Für das | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
451 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Der ganze Patriotismus hindert Rahel nicht, aus Berlin zu fliehen, als der Krieg immer näher kommt, nach Österreich und Prag zu fahren, das sich den verbündeten Truppen noch nicht angeschlossen hat. Die Flucht gilt weniger dem Kriege noch als der Familie. Denn als der Krieg schliesslich auch Österreich mit hineinzieht, und Massen von Soldaten und Verwundeten Prag überschwemmen, ist sie keineswegs unglücklich, bleibt da und wird mit jedem Tag begeisterter für Preussen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
452 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Flucht aus der Familie: »Nach Hause aber habe ich beschlossen, gehe ich ohne neue | Flucht aus der Familie: »Nach Hause aber | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
453 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Jüdin-sein ist ihr nun eine Situation, eine schlechte Lage in der Welt, nichts sonst. Nirgends zeigt sich das deutlicher als |237 hier. Sobald alle in ihrer Situation sind - Fremde - ist sie nicht mehr identisch mit sich. Sie vergleicht ihre Lage mit der alten schönen Zeit bis 1806, da sie gesellschaftlich besser, unbehelligt und unbelastet lebte. Und es scheint ihr jetzt, | Jüdin-sein ist ihr nun eine Situation, eine schlechte Lage in der Welt, nichts sonst. Nirgends zeigt sich das deutlicher als hier. Sobald alle in ihrer Situation sind - Fremde - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
454 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Zu lange haben die Kränkungen gedauert, zu verzweifelt und unabsehbar war ihre Einsamkeit gewesen, zu unsicher ist auch jetzt noch die Zukunft, als | Zu lange haben die Kränkungen gedauert, zu verzweifelt und unabsehbar war ihre Einsamkeit gewesen, zu unsicher ist auch jetzt noch die Zukunft, als | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
455 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Sie wird richtig dumm und platt vor lauter | Sie wird richtig dumm und platt vor lauter | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
456 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen hat es wirklich inzwischen zu etwas gebracht | Varnhagen hat es wirklich inzwischen zu etwas gebracht | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
457 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen hat keine | Varnhagen hat keine | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
458 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen hat es erreicht und ist ausgeschieden aus der Klasse derer, die die Welt ändern wollen und daher nicht zugeben können, | Varnhagen hat es erreicht und ist ausgeschieden aus der Klasse derer, die die Welt ändern wollen und daher nicht zugeben können, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
459 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | 17. Kapitel
Parvenus | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
460 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ||
461 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Ich habe einen Trieb, den ich gar nicht hemmen kann, in den Vorgesetzten mich selbst zu ehren und ihren guten Eigenschaften auf die Spur zu kommen, um sie zu lieben.« So berichtet Varnhagen von sich selbst und berechtigt, was Karriere anlangt, wirklich zu den schönsten Hoffnungen. Es ist auch wahrlich nicht seine Schuld, wenn er es | »Ich habe einen Trieb, den ich gar nicht hemmen kann, in den Vorgesetzten mich selbst zu ehren und ihren guten Eigenschaften auf die Spur zu kommen, um sie zu lieben.« So berichtet Varnhagen von sich selbst und berechtigt, was Karriere anlangt, wirklich zu den schönsten Hoffnungen. Es ist auch wahrlich nicht seine Schuld, wenn er es | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
462 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagens Trieb kennen alle Parvenus, alle, die sich in eine Gesellschaft, in einen Stand, eine Klasse hinaufschwindeln müssen, zu der sie nicht gehören. Der angestrengte Versuch zu lieben | Varnhagens Trieb kennen alle Parvenus, alle, die sich in eine Gesellschaft, in einen Stand, eine Klasse hinaufschwindeln müssen, zu der sie nicht gehören. Der angestrengte Versuch zu lieben | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
463 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Auch Varnhagen wird für seine Liebe und Ehrfurcht belohnt. Rettet er | Auch Varnhagen wird für seine Liebe und Ehrfurcht belohnt. Rettet er | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
464 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Er begann als Sekretär auf dem Wiener | Er begann als Sekretär auf dem Wiener | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
465 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Man sagt mir, .. | »Man sagt mir, .. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
466 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen ist erst durch sie zum Parvenu geworden. Er hat es darin nie zur Vollkommenheit gebracht | Varnhagen ist erst durch sie zum Parvenu geworden. Er hat es darin nie zur Vollkommenheit gebracht und sie wie in so vielem kopiert. So stammt die unleidliche Familiarität der »Liebe« zu den Vorgesetzten eigentlich von ihr. Seine natürliche | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
467 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Es ist nichts was die Juden nicht erreichen«, weil sie | »Es ist nichts | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
468 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Nicht nur die Juden, | Nicht nur die Juden, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
469 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Vorerst aber scheint es beiden leichter und einfacher zu glücken. In Baden, in der Fremde, avanciert Rahel zur | Vorerst aber scheint es beiden leichter und einfacher zu glücken. In Baden, in der Fremde, avanciert Rahel zur | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
470 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Dem Parvenu wird alle unschuldige Sympathie zum Erfolg, alle unschuldige Antipathie zur Kränkung. Mit der Herzogin von Sagan zu baden - »wenn das Gentz | Dem Parvenu wird alle unschuldige Sympathie zum Erfolg, alle unschuldige Antipathie zur Kränkung. Mit der Herzogin von Sagan zu baden - »wenn das Gentz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
471 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel hat sich ebenso redlich um das alles bemüht, wie sie es zugleich dauernd in Frage gestellt hat. Ihre Vergangenheit mit ihren Erfahrungen ist | Rahel hat sich ebenso redlich um das alles bemüht, wie sie es zugleich dauernd in Frage gestellt hat. Ihre Vergangenheit mit ihren Erfahrungen ist zu teuer erkauft und zu exakt bezahlt, als | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
472 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Dagegen beginnt Rahel bereits kurz vor Varnhagens Berufung, gleich nach ihrer Heirat, höchst eifrig ihre Vorkehrungen zu treffen. Die erste und wichtigste ist der Auftrag an Varnhagen, der zu den Friedensverhandlungen in Paris | Dagegen beginnt Rahel bereits kurz vor Varnhagens Berufung, gleich nach ihrer Heirat, höchst eifrig ihre Vorkehrungen zu treffen. Die erste und wichtigste ist der Auftrag an Varnhagen, der zu den |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000210 Friedensverhandlungen in Paris | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
473 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Pauline Wiesel ist der einzige Mensch, gegen den Varnhagen schon zu Rahels Lebzeiten aufs heftigste | Pauline Wiesel ist der einzige Mensch, gegen den Varnhagen schon zu Rahels Lebzeiten aufs heftigste | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
474 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Der Paria will in leerer Allgemeinheit alles erreichen, wie er von allem ausgeschlossen ist. Er kann es sich nicht leisten, bestimmte Wünsche zu haben. Der Parvenu wird immer entdecken |253 , | Der Paria | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
475 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Ein ehrlicher Parvenu, der sich eingesteht, | Ein ehrlicher Parvenu, der sich eingesteht, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
476 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die Tendenz, rückgängig zu machen, was sie erreichte, verstärkt sich in dem | Die Tendenz, rückgängig zu machen, was sie erreichte, verstärkt sich in dem | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
477 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die drei Jahre in Karlsruhe sind Rahels glücklichste, ungekränkteste Zeit. Sie hat | Die drei Jahre in Karlsruhe sind Rahels glücklichste, ungekränkteste Zeit. Sie hat | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
478 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Da sie es aber nie, und sicher nicht nach der Rückkehr nach |256 Berlin zu jener Virtuosität bringt, welche sich selbst | Da sie es aber nie, und sicher nicht nach der Rückkehr nach Berlin zu jener Virtuosität bringt, welche sich selbst | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
479 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Solch leidenschaftlicher Protest, solch wütender Versuch, alles wieder rückgängig zu machen, alles Erreichte als nie Gewünschtes abzuleugnen, erhält sie in einer sonderbaren | Solch leidenschaftlicher Protest, solch wütender Versuch, alles wieder rückgängig zu machen, alles Erreichte als nie Gewünschtes abzuleugnen, erhält sie in einer sonderbaren Jugendlichkeit. Je älter sie wird, desto starrer hält sie daran fest, » | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
480 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Jungbleiben, sich nicht ändern, in Meinungen wenigstens ungebunden sein, nur die alten »Jugendgenossen« schätzen, mit |257 sechsundfünfzig Jahren noch »Leidenschaft der Liebe« für das » | Jungbleiben, sich nicht ändern, in Meinungen wenigstens ungebunden sein, nur die alten »Jugendgenossen« schätzen, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
481 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Verzweifeln oder den Bankrott erklären | Verzweifeln oder den Bankrott erklären | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
482 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Es ist überreichlich dafür gesorgt, | Es ist überreichlich dafür gesorgt, | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
483 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel Varnhagen und die Assimilation der deutschen Juden |
484 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Diese Eigenschaften - und Rahel nennt sie ihre beiden »unaussprechlichen Fehler« - muss der Parvenu ablegen. Er darf nicht dankbar sein, weil er alles seinen eigenen Kräften schuldet; er darf keine Rücksicht für menschlich Angesicht kennen, weil er sich selbst als eine Art Übermenschen der Tüchtigkeit, als ein besonders gutes und starkes und intelligentes Exemplar, als ein Leitbild seiner armen Pariabrüder einschätzen muss. Der Parvenu bezahlt den Verlust der Pariaeigenschaften damit, dass er endgiltig unfähig wird, Allgemeines zu erfassen, Zusammenhänge zu erkennen, sich für anderes als für seine eigene Person zu interessieren. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
485 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel ist ihre Fehler nie losgeworden. Sie haben sie gehindert, ein richtiger Parvenu zu werden, sich als Parvenu glücklich zu fühlen. Ihre Beziehung zu Varnhagen, die | Rahel ist ihre | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
486 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | |||
487 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel Varnhagen in ihrer Zeit | [keine Entsprechung vorhanden] |
488 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel machte als junges Mädchen ihre erste Reise nach Breslau; zu den | Rahel machte als junges Mädchen ihre erste Reise nach Breslau; zu den jüdischen Provinzverwandten, durch die damals noch jeder assimilierte | Rahel machte als junges Mädchen ihre erste Reise nach Breslau; zu den |
489 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Wenn es für | Wenn es für | Wenn es für | |
490 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Sich | Sich | Sich | Sich |
491 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Ohne Kulisse kann der Mensch nicht leben. Die Welt, die Gesellschaft ist nur zu bereit, sofort eine andere zu stellen, hat man erst einmal die natürliche und durch Geburt mitgegebene in die Rumpelkammer zu werfen gewagt. | Ohne Kulisse kann der Mensch nicht leben. Die Welt, die Gesellschaft ist nur zu bereit, sofort eine andere zu stellen, hat man erst einmal die natürliche und durch Geburt mitgegebene in die Rumpelkammer zu werfen gewagt. | Ohne Kulisse kann der Mensch nicht leben. Die Welt, die Gesellschaft ist nur zu bereit, sofort eine andere zu stellen, hat man erst einmal die natürliche und durch Geburt mitgegebene in die Rumpelkammer zu werfen gewagt. | Ohne Kulisse kann der Mensch nicht leben. Die Welt, die Gesellschaft ist nur zu bereit, sofort eine andere zu stellen, hat man erst einmal die natürliche und durch Geburt mitgegebene in die Rumpelkammer zu werfen gewagt. |
492 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Anderssein - Makel oder Auszeichnung? | [keine Entsprechung vorhanden] |
493 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Vielleicht liegt es nur an den Juden selbst, aus | |||
494 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Denn sonst, in jedem alltäglichen Umgang, in jeder gewöhnlichen Umgebung ist es kein | Denn sonst, in jedem alltäglichen Umgang, in jeder gewöhnlichen Umgebung ist es kein | Denn sonst, in jedem alltäglichen Umgang, in jeder gewöhnlichen Umgebung ist es kein | Denn sonst, in jedem alltäglichen Umgang, in jeder gewöhnlichen Umgebung ist es kein |
495 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | In der Fremde hieß ihre Herkunft: Berlin, in Berlin hieß sie: Judengasse. Um also Berlinerin zu werden, »Bürgerin«, Preußin, mußte sie weg aus Berlin, alles verlassen - wie in Paris, dann in Prag, schließlich mit Varnhagen in Karlsruhe. Leider halfen solche Fluchtversuche nur auf sehr kurze Zeit - nicht nur, weil man aus seiner Haut schlecht heraus kann -, sondern weil Jude-Sein kein Berliner Problem ist, weil es in Paris, Prag und Karlsruhe gleichfalls Juden gibt, die zumindest die anderen deutlich genug an die wahre Herkunft erinnern. Man wird kein zweites Mal geboren. |
496 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Aus dem geheimen Wissen um die Unentrinnbarkeit des | Aus dem geheimen Wissen um die Unentrinnbarkeit des | Aus dem geheimen Wissen um die Unentrinnbarkeit des | Aus dem geheimen Wissen um die Unentrinnbarkeit des |
497 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Die Welt bevölkert sich mit bösen Dämonen, die aus jeder Ecke, bei jeder Gelegenheit | Die Welt bevölkert sich mit bösen Dämonen, die aus jeder Ecke, bei jeder Gelegenheit | Die Welt bevölkert sich mit bösen Dämonen, die aus jeder Ecke, bei jeder Gelegenheit | Die Welt bevölkert sich mit bösen Dämonen, die aus jeder Ecke, bei jeder Gelegenheit |
498 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Die auf sie herabregnenden Kränkungen zwangen Rahel, das als voll zu verantwortendes Schicksal zu übernehmen, was - hätte sie nicht ihr ganzes Leben um die »Schande«, die »infame Geburt« zentriert - als nebensächliches Beiwerk, an dem sie unschuldig ist, sich hätte abwickeln lassen. Voll und ganz und ohne Zweideutigkeit Nein zum Jude-Sein sagen, hätte die gleiche Wirkung gehabt wie ein unzweideutiges Ja; Jude-Sein konnte aus einer politisch-geschichtlichen Gegebenheit zu einem individuell-privaten Problem nur werden, wo - gleich aus welchen Gründen - alles in der Zweideutigkeit eines »Zu gleicher Zeit Jude sein und Jude nicht sein wollen« (wie es der zeitgenössische liberale Theologe H. E. G. Paulus unübertrefflich formulierte) verblieb. Als persönliches Problem war die Judenfrage unlösbar, und darum endete alles, was Rahel unternahm, immer bei dem »Wahnsinn von Unmut, Schreck und sich für die Ewigkeit aufwindender - wie Schlangentiere - Verzweiflung, die über meinen Stand, über meine Lage.« Unter Umständen ist die Existenz von Mauern nur an wundgestoßenen Köpfen nachweisbar. |
499 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Kampf um das natürliche Dasein | [keine Entsprechung vorhanden] |
500 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Die | »Die | »Die | »Die |
501 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Um dies gestohlene »natürlichste Dasein« kämpfte Rahel, ohne sich je beruhigen zu können, forderte es von jedem Beliebigen, versuchte mit allen Mitteln, es sich anzulocken - und erreichte »die verkehrte Krone auf meinem Schicksal«. Je weiter sie sich treiben läßt, je hartnäckiger sie auf ihren Rechten, Menschenrechten besteht, je entschiedener sie ablehnt, das allgemeine Schicksal der Juden zu teilen, und auf politische Maßnahmen, die allen zugute kommen sollen, ihre Hoffnung zu setzen, desto typischer jüdisch wird ihr Schicksal, desto einleuchtender für den Beschauer - und schließlich auch für sie selbst -, daß sie allen Leuten zum Bewundern deutlich vorexerzierte, was alles ein Jude anstellen kann, ohne aufzuhören, ein Jude zu sein. Alle Wege, die in die fremde Welt führen könnten, ist sie entlang gelaufen und auf allen Wegen hat sie ihre Spur hinterlassen, sie zu jüdischen Wegen, zu Paria-Wegen gemacht, endlich ihr ganzes Leben zu einem Stück jüdischer Geschichte in Deutschland. So versteht sie schließlich ihr »ganzes Schicksal (als) ein historisches, nicht abzuwendendes, alttestamentarisches, ja (als den) Fluch, dem die Kinder seiner Anhänger vergeblich auf allen Erdpunkten entfliehen.« |
502 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Nie denkt sie, daß irgend etwas davon hätte voraussehbar, abwendbar sein können. Nur an dem überzeugten und zu allen Konsequenzen bereiten guten Glauben konnte sich die Heuchelei der Gesellschaft, die vorgab, assimilierte Juden zu behandeln, als ob sie keine Juden seien, offenbaren. Nacheinander galt es | Nie denkt sie, daß irgendetwas davon hätte voraussehbar, abwendbar sein können. Nur an dem überzeugten und zu allen Konsequenzen bereiten guten Glauben konnte sich die Heuchelei der Gesellschaft, die vorgab, assimilierte Juden zu behandeln, als ob sie keine Juden seien, offenbaren. Nacheinander galt es alles zu versuchen: den Namen zu ändern, ist »entscheidend wichtig«; dadurch wurde sie ihrer Meinung nach »äußerlich eine andere Person«. Danach kam die Taufe, da der Verlust des Namens nicht genügt und »keine Ursache (besteht), in dem Scheine des Geburtsglaubens bleiben zu wollen |
503 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Aber ist Rahel wirklich bereit, alle Konsequenzen zu ziehen und die eigene Identität radikal auszulöschen? Nachdem sie der Freundin alle diese Maßnahmen vorgeschlagen hat, die ja nur aus Scham entspringen können, mahnt sie auf einmal, sich ihrer »jüdischen Geburt nicht (zu) schämen und die Nation, deren Unglück und Mängel Sie dadurch genauer kennen, darum preis(zu)geben, damit man nicht sage, ›Sie haben noch Jüdisches an sich!‹« Nachdem man den Vorurteilen der Gesellschaft so weit entgegengekommen ist, daß man sich beinahe aus der Welt geändert hat, soll man plötzlich doch nicht mit einstimmen dürfen in den »neuern Judenhaß«, und wiewohl man an der eigenen Person kein Kennzeichen des Jude-Seins übriggelassen hat, soll man verpflichtet bleiben, »immer den unseligen Überbleibseln (ich möchte sagen Warnungszeichen für Staatengründer) einer großen, begabten und weit in Gotterkenntnis vorgeschrittenen Nation bei(zu)stehen«! |
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[keine Entsprechung vorhanden] | ||||
505 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | »Ich war Jüdin, nicht hübsch, ignorant, ohne | »Ich war Jüdin, nicht hübsch, ignorant, ohne | »Ich war Jüdin, nicht hübsch, ignorant, ohne | »Ich war Jüdin, nicht hübsch, ignorant, ohne |
506 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Von Varnhagen gerettet, bürgerlich etabliert, findet sie sich in einer ihr »unbekannten« Existenz, »fast ohne Zusammenhang mit meinem alten Sein«. Wo und mit wem sollte sie denn auch leben? »Man sollte glauben, Berlin bestände aus lauter Innungen. Der Hof und die Minister, das diplomatische Corps, die Civilbeamten, die Kaufleute, die Offiziere usw., alle geben sie eigene Bälle, worauf nur ein zu ihrem Kreis gehöriges Personal erscheint ... |Arendt-II-010-00000004 Alle Bälle der vornehmen Klasse streben mit mehr oder minder Glück, den Hofbällen oder fürstlichen Bällen ähnlich zu sein« (Heine). So exklusiv die »Innungen« gegeneinander waren, so exklusiv waren sie insgesamt gegen die Juden. Es war in Berlin nicht anders als in der Provinz: die »christliche Mittelklasse unerquicklich, mit einem ungewöhnlichen Rischeß, die höhere Klasse ebenso im höheren Grade ...« (Heine). |
507 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Da also die Welt sehr schlecht eingerichtet | Da also die Welt sehr schlecht eingerichtet | [keine Entsprechung vorhanden] | Da also die Welt sehr schlecht eingerichtet |
508 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Wie leicht kann das Alter verführen, sich Platz zu suchen auf einem anderen Planeten, da ja jedes »Herz Heimat überhaupt will«. Wie leicht kann Müdigkeit trügen und das Eintönige als Unabänderliches darstellen, seit zwei Jahrtausenden immer das Gleiche - » | Wie leicht kann das Alter verführen, sich Platz zu suchen auf einem anderen Planeten, da ja jedes »Herz Heimat überhaupt will«. Wie leicht kann Müdigkeit trügen und das Eintönige als Unabänderliches darstellen, seit zwei Jahrtausenden immer das Gleiche - » | [keine Entsprechung vorhanden] | Wie leicht kann das Alter verführen, sich Platz zu suchen auf einem anderen Planeten, da ja jedes »Herz Heimat überhaupt will«. Wie leicht kann Müdigkeit trügen und das Eintönige als Unabänderliches darstellen, seit zwei Jahrtausenden immer das Gleiche - » |
509 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Das | Das | [keine Entsprechung vorhanden] | Das |
510 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Nur die Galeerensklaven kennen sich« | [keine Entsprechung vorhanden] |
511 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Rahel ist Jüdin und Paria geblieben. Nur | Rahel ist Jüdin und Paria geblieben. Nur | Rahel ist Jüdin und Paria geblieben. Nur | Rahel ist Jüdin und Paria geblieben. Nur |
512 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Über diesem Versprechen kann sie ruhig wegsterben. Sie hinterläßt einen Erben, dem sie viel zu vermachen hat, die Geschichte eines Bankrotts und ein rebellisches Herz. »Keine Wohltätigkeitsliste, kein Vivat, keine Herablassung; keine gemischte Gesellschaft, kein neues Gesangbuch, kein bürgerlicher Stern, nichts, nichts konnte mich je beschwichtigen ... Sie werden dies herrlich, elegisch, phantastisch, einschneidend, äußerst scherzhaft, immer gesangvoll, anreizend | Über diesem Versprechen kann sie ruhig wegsterben. Sie hinterläßt einen Erben, dem sie viel zu vermachen hat, die Geschichte eines Bankrotts und ein rebellisches Herz. »Keine Wohltätigkeitsliste, kein Vivat, keine Herablassung; keine gemischte Gesellschaft, kein neues Gesangbuch, kein bürgerlicher Stern, nichts, nichts konnte mich je beschwichtigen ... Sie werden dies herrlich, elegisch, phantastisch, einschneidend, äußerst scherzhaft, immer gesangvoll, anreizend oft hinreißend sagen; nächstens sagen. Aber der Text aus meinem alten beleidigten Herzen wird doch dabei der Ihrige bleiben müssen.« | Über diesem Versprechen kann sie ruhig wegsterben. Sie hinterläßt einen Erben, dem sie viel zu vermachen hat, die Geschichte eines Bankrotts und ein rebellisches Herz. »Keine Wohltätigkeitsliste, kein Vivat, keine Herablassung; keine gemischte Gesellschaft, kein neues Gesangbuch, kein bürgerlicher Stern, nichts, nichts konnte mich je beschwichtigen ... Sie werden dies herrlich, elegisch, phantastisch, einschneidend, äußerst scherzhaft, immer gesangvoll, anreizend |
513 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] |
Philologische Nachbemerkung
| [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
514 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Benutzt wurden für die vorliegende Biographie ausser der bekannten, publizierten und leicht zugänglichen Briefliteratur der Zeit eine grössere Zahl unveröffentlichter Dokumente aus dem Varnhagen-Archiv der Berliner Staatsbibliothek. Alte Exzerpte, die vor Jahren dort genommen wurden, konnten aus bekannten Gründen nicht nochmals überprüft und ergänzt werden. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um unveröffentlichte Briefe der Rahel an Rebecca Friedländer, Pauline Wiesel und ihre Geschwister; ferner um einige wichtige Stellen der Briefe von Gentz an die Rahel, die nur auszugsweise publiziert worden sind. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
515 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | Alle zitierten Stellen, bei denen eine andere Autorschaft nicht ausdrücklich vermerkt ist oder aus dem Zusammenhang ohne weiteres hervorgeht, stammen aus den Briefen und Tagebüchern der Rahel Varnhagen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
516 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Aus Rahels Briefen und Tagebüchern [Anhang II] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
517 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An David Veit | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
518 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, den 18. Februar 1794 Nachmittags. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
519 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich darf Ihnen doch etwas erzählen? - denn mein Brief wird wieder recht lang. Diesen Mittag bei Tische nahm Markus die Kinder in großes Verhör, weil er wirklich eine große Unart gefunden hatte, nämlich den Namen Levin oben in meinem Flur auf die Wand geschmiert. Röschen sagte frei und lachend: »Ich war es nicht«; Ludwig ebenso: »Ich auch nicht«; nur Moritz leugnete, der sagte nämlich: »Ich hab’ ja gar kein Bleistift« und dabei blieb er; das antwortete er wohl sechzehn- bis siebzehnmal, auf jede Frage, die nun in die Kreuz und Quere wie ein wirkliches Verhör und mit Verstand ihn ängstigend von allen Seiten hin und her getan wurden; seine Farbe zeugte wider ihn, aber selbst das Rotwerden unterdrückte er und blieb recht hübsch dabei: »Ich hab’ ja kein Bleistift«. Er hatte es nun endlich so gut wie gestanden, und obgleich ein Flor von Spaß über der ganzen Geschichte war, so wollten sie ihn doch zum völligsten Geständnis ängstigen; so sagt’ ich: »Nun gestehen kann er’s doch nun nicht, genug, daß er’s geleugnet hat.« Das gefiel mir sehr. Kaum hatt’ ich die Worte gehört, so mußt’ ich selbst entsetzlich lachen. (Sagen Sie mir, wie kann ich selbst lachen? Ich dachte sie doch erst, eh’ ich sie sagte! Nun ja! der Klang! -) Es gingen noch sehr hübsche Dinge bei der Geschichte vor, zuletzt wie er es denn wirklich gestanden hatte, so sagte Mama: »Man leugnet nicht, man sagt lieber, ich war’s und ich habe nicht gewußt, daß es unrecht ist, nun werd’ ich’s nicht mehr tun«; darauf sagt’ er ganz bieder: »Ich habe erst sehen wollen, ob’s so geht.« Überhaupt hat er recht hübsch geleugnet; Sie hätten’s sehen sollen. Ich habe dabei viel gedacht; auch mäßigte ich das Verhör so viel als möglich, und bei meiner ganzen Mühe, ein dickes Gewand darüber zu halten, brachten sie es doch dahin, mir es zu Flor zu zerreiben; denn dieses Leugnen gefiel mir nicht, denn der Junge (wie ein Kind) war seiner Sache nicht gewiß, und das große crime, das man ihm immer entgegen wälzte, erschreckte ihn alle Augenblick von neuem, so gut er sich auch faßte, und dieser Schreck und Verlegenheit haben immer eine sehr schlechte Wirkung im Charakter, und darum war’s mir auch so höchst peinlich mit anzusehen, ich gab mir alle Mühe, dieses unbedachtsame Verhör, so viel als möglich war, in ein exercice des Ausredens zu verwandeln, mit öffentlicher Bewilligung: um so mehr wurd’ |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000236 ich fast mißverstanden, aber es ging noch toll genug, Markus ahndete so ziemlich. - Warum verbietet man den Kindern so ausdrücklich Leugnen und Ausreden, die man (zwar leider! aber) doch braucht? Man erzieht sie ja für den Tummel der Welt, und nicht für einen positiven Himmel, der ein rotes Herz und ungeflecktes Gewissen genau belohnt. Morgen weiter. Adieu, ich muß plötzlich zu Visite. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
520 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Abends nach 10 Uhr | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
521 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Nun komm’ ich wieder mit meinen Kindern. Warum lehrt man sie nicht Lügen, Leugnen und Ausreden sagen, als ein notwendiges Übel, und zeigt es ihnen dabei, wie andre schwere Arbeit, die man schon von selbst wegläßt, wenn man’s nicht nötig hat, und sich zarte Hände schont, - so würde man denn sein Gewissen schon pflegen. Fürchterliche Moral, bei mancher gebildeten Inquisition könnte mein Renommee wenigstens langsam gebraten werden? Und das wäre nicht einmal das Schlimmste; sie hat auch hier das Ansehen von Torheit oder Dummheit, denn sie scheint unausführbar; im genausten Verstande der Worte wohl, das fühl’ ich so gut als jemand, der’s hört; aber daß man sie Kindern begreiflich machen kann, ohne sie zu predigen und sie ihnen predigen kann, ohne sie ihnen lieb zu machen, und grade als Predigt sie ihnen nützlich, ohne schön, vorzustellen, alles durch Handlungen und Widerwillen, am rechten Orte gezeigt, - das glaub’ ich doch; bis Sie oder einer mir das Gegenteil ordentlich beweisen! Bon soir! Morgen geht’s immer Ihren Brief entlang fort. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
522 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Karl Gustav von Brinckmann in Hamburg | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
523 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, Juli 1800 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
524 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Lieber Brinckmann! denken Sie sich meinen Verdruß, wie ich das Formular vom Gebrauch des Guajac gar nicht im Brief finde: künftige Post sollen Sie’s haben. Herz ist grade heut im Tiergarten. Ich weiß nichts Neues zu bitten! - Schreiben Sie nicht, will ich nur sagen; nicht mehr; kommen Sie vor Schweden. - Wie befinden Sie sich? schwebt mir auf den Lippen. - Was hilft mir alles, Sie bleiben Seidenwurm, ich auch ein Wurm. So sind wir alle Würmer. Glücklich sind die, die da spinnen. Spinnen tu’ ich redlich: und was das Rühmlichste, das Köstlichste, das Glücklichste ist, noch an dem ersten selben Faden. Das sind die Erwählten, die so wurmartig sind. - Sonntag war Jean Paul bei mir: ich war launig - ich hatte grad acht sehr launige Tage, voller kurioser Ausdrücke und Bonmots - nicht er. Das war gut. Er hat überaus etwas |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000237 Beruhigendes an sich. Vor dem könnt’ ich mich gar nicht schämen. Nie hat ein Mensch so ganz anders ausgesehen, als ich ihn mir denken mußte. Keine Ahndung vom Komischen. Er sieht scharfsinnig, und die Stirn von Gedanken wie von Kugeln zerschossen aus. Er spricht so ernst, sanft und gelassen und geordnet, hört so gern - süß möcht’ ich sagen - und väterlich zu - daß ich nie geglaubt hätte, es sei Richter. Und blond ist er! »Sie sind es nicht!« möcht’ ich immer zu ihm sagen. Das reizt mich nur noch mehr: denn nun ist er Richter, und hat die neuen rührenden Eigenschaften noch obenein. »Die wenigsten Menschen sind etwas wert, außer die wenigen, die eben Richters sind«. Er sagt: »Die wenigsten Menschen haben Geld (Geld!) außer eben diese wenigen.« Die sind auch immer noch besser, als man sie schon kennt. Er hat mir heute ein kleines, aber Jean-Paul’sches Billet geschrieben - es ist auch Brinckmann’sch, Sie sollen gleich hören; wir sagten’s alle - es war eine Antwort, ich mußt’ ihm schreiben: denn Fleck wollte Antwort haben, welchen Tag er Wallenstein sehen will: er hat Fleck noch nicht gesehen, - pensez! Ich habe das Glück, die Glorie, für mich, meinen Fleck Richtern zu zeigen: in meine Loge geht er. Iffland hat er gesehen; bei einem Haar hätte Deutschland den für den Ersten gelesen. Das durft’ ich nicht zugeben. Er wollte schon wegreisen. Aber - er bleibt - um Fleck, auf mein Treiben. Ich halte es in der Tat für wichtig, solch einen Mann au fait zu setzen. Ich schreib’ Ihnen das Billet zum Amüsement ab; in der Gewißheit, daß ich Ihr Ehrenwort habe, daß Sie es niemandem sagen und zeigen; alle Menschen sind zu plump; und prahlen damit, und prahlen weiter; ich kann nicht leiden, wenn man eine Seele wie Richters - denn die lieben wir - wie ein ausländisch Tier behandelt, welches man herum promeniert: - »Berlin - und die Schauspieler - und die zwei Stücke - und Ihre gütige Verwendung gefallen mir so sehr, daß ich freitags und montags, und - wenn Gott die Schöpfung von Haydn noch einmal schafft - sogar dienstags hier bin. Ich dank’ Ihnen recht innig, daß Sie meine Bitte zu der Ihrigen gemacht haben.« Das war ein Freundschaftsstück. Adieu! Nicht wahr, man muß nur in Berlin bleiben; hier kommt noch alles her, Bonaparte mit allen Franzosen, bin ich überzeugt; Pyramiden und Berge mit, wenn man nur bis darauf zu warten versteht. Ich geh doch bald weg. Anderwärts müssen sie auch etwas haben. Adieu! Wenn Sie kämen!!! und nachher mit dem König sprächen. Wir hören beide nicht auf zu spinnen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
525 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Wilhelm Bokelmann in Cadix | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
526 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, den 2. Juli 1801 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
527 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Sie irren sich, mein teurer Freund! Ich bin nicht mehr - nicht mehr klingt hier so dumm - so leidenschaftlich, als Sie mich sahen. Der Stoff fehlt mir: und für die Ewigkeit: wenn ich das Gedächtnis nicht verliere. Sie hat sich anders wenden müssen, diese Leidenschaftlichkeit; sie existiert. Eine Sonne hat alle falsche Richtung hinweggebrannt, sie ist als tiefer reiner Quell nur da, ein Reichtum für mein ganzes Leben. Sie sind nicht mehr allein ruhig: freuen Sie sich, mein liebes Wesen. Sie haben sie mir mitgeteilt, die nicht mitzuteilende Ruhe. Ich wollt’ es Ihnen schon schreiben, ehe ich Ihren Brief erhielt. Wenigstens bei mir war es so! - Man muß den Glauben an sich in dieser Welt mit dem Glauben an einen anderen austauschen können; es muß ein Augenblick wirklich werden, wonach sich unser Busen hebt, worum wir weinen, betrogen werden können. Es muß sich einer an dem freuen, was in uns notwendig war und unser niemals ruhendes Gewissen uns schaffen hieß: und so müssen wir wieder an seiner Arbeit uns freuen. Hierin liegt für mich die Notwendigkeit der Liebe. Man darf und kann nicht lieben, in sich, was man fordern muß. Und es ist moralische Unzucht, wenn man sich selbst darum liebt; so ist es auch mit unserer organischen Existenz; notwendig ist uns die Schönheit - sie ist die völligste Gesundheit - und genießen darf sie nur ein anderer. Wie lieblich sind Sie mir dieser andere! Was fordert man nicht noch alles, in den tiefen Verschanzungen der Brust heimlich! Wie schön wird’s mir gewährt! Wie nur das Glück beschenkt! Eh’ ich fordern kann. Lieber! haben Sie keine Furcht! Vom Leisten kommt oft Fordern; diesmal nicht. Ich wollt’ es Ihnen schon lange sagen; werden Sie niemals bedenklich wegen meiner leidenschaftlichen Art mich auszudrücken: meine außerordentliche Haltung im Leben und Gemüt kontrastiert dagegen sonderbar, und Sie können das nicht vorher wissen, eh’ Sie ein Stück mit mir gelebt haben. Es entsteht nie eine Verlegenheit durch mich; keine oberflächliche in der Gesellschaft, noch eine tiefere in der Seele. Ich bin schnell, das wissen Sie, sehr gut, das wissen Sie auch, mit Seel’ und Aug’, und kenne nichts Fürchterlicheres als eine Verlegenheit; nun urteilen Sie, ob ich sie immer für andere vermeide. Die Sprache steht mir aber nicht zu Gebote, die deutsche, meine eigene nicht; unsere Sprache ist unser gelebtes Leben; ich habe mir meines selbst erfunden, ich konnte also weniger Gebrauch, als viele andere, von den einmal fertigen Phrasen machen, darum sind meine oft holperig und in allerlei Art fehlerhaft, aber immer echt. Wenn ich also von meinen Empfindungen spreche, so trage ich eigentlich doch |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000239 immer ein schon verflossenes Leben vor; und dies geschieht denn ganz in meiner Sprache. Man hat aber nichts zu befürchten. Ich bin gelassen im handelnden Leben, wie Polonius nach dem Tod. Verstehen Sie’s? Meine Ausdrücke verbinden zu nichts, ich sprach dann immer nur von mir, wenn’s auch anredend geschieht, wenn’s auch Titel sind, - immer nur so viel als man davon brauchen kann! Zu dieser Nachrede bewogen mich, wie mich dünkt, meine letzten Briefe; und die, die ich schreiben will: denn ich mag mich nicht genieren. Nehmen Sie dies gut auf, Bokelmann! Warum sollen Sie nicht, soviel es möglich ist, au fait von mir sein, als ich selbst. Manches kann man nicht erraten; und da sag’ ich’s lieber. Trotzdem, daß es den Schein der Plumpheit wider sich hat. Ich befolge mir aber hier ein Gesetz und überwinde mich; weil bei Plumpheit der Schein auch schon plump ist. Sie werden schon alles verstehen ... | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
528 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ihre R. L. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
529 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Aus einem Brief an den Grafen zu Lippe
vom 24. Januar 1803 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
530 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Werden Sie kein preußischer Offizier, dann sind wir ganz für einander verloren; in Krieg und Frieden. Jetzt sind Sie so gut als nichts; und das - den cavalier d’embassade nämlich - lassen Sie so ausgehen wie ein Licht. Dann leben Sie von Ihren 1500 Talern und seien Sie nichts, das ist am besten. - - Millionen Grüße an meinen Gentz, unsern holden, geliebten, schwachen, aufrichtigen, liebenswürdigen, geliebten, dummen lieben Gentz. Und daß ihm niemand in der Welt bestellen könnte, wie ich ihn liebe, wie ich ihn kenne, und wie schön er mir ist, und wie notwendig, und wie un, un, unersetzlich!!! - Der muß mir bleiben, denn ich kenne ihn. Doch hat er mich schändlicher vergessen als alle übrigen. Aber es ist in der Natur der Sache: diese Sorge übernehme ich ganz. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
531 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
532 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Den 8. März 1803 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
533 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Die Menschen, die die kleinen Gefälligkeiten des Lebens nicht deutlich fordern, von denen denkt man leicht, daß sie sie gar nicht bedürfen, vermissen und zu genießen verstehen. Hieraus lassen sich Klugheitsregeln zum Gebrauch ziehen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
534 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | März 1803 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
535 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Das Fühlen ist etwas Feineres, als das Denken: das Denken hat das Vermögen sich selbst zu erklären, das Fühlen kann das nicht und ist |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000240 unsere Grenze, diese Grenze sind wir selbst; es weiß nur, daß es existiert. Mit Grenzen ließe sich alles definieren; und die Grenze, die das nicht mehr erlaubt, umschließt unser eigenes Wesen und ist folglich ein Teil desselben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
536 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 1803 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
537 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Und am Ende braucht Liebe nur zu lieben. Können muß sie dies; sonst kommt jeder günstige Zufall umsonst. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
538 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Don Raphael d’Urquijo | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
539 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mon Urquijo! c’est avec ton billet qu’on m’a éveillé. Certainement que je t’aime! c’est un incendie dans mon sein; la moitié de la nuit je n’ai pu dormir, et que n’ai-je pas pensé! Ja, ja! ich fühlte mich mit ungeheuren Banden an Dich gefesselt. O! wer sagt es, was ich fühlte. Ich gebe Dir den größten Beweis meines unzuveräußernden Herzens. In welchem Augenblick des Zerreißens wirft sich mein ganzes Wesen in Deine Arme; ganz!!! abhängig von Dir. So ist wahre Liebe, so wirkt der heftige Zauber. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
540 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich werde, unterdessen Du bei Chevalier B. bist, einen Besuch machen. In die Komödie geh’ ich nicht, weil mir das unbequem ist. Und in diesem Fall kann ich Dich vorher sehen: ich bin jetzt gieriger als je! Du hast von diesem Sehnen keine Vorstellung! Ich würde es sonst nicht wagen, Dir so lästig zu sein; es ist aber, als ob Du mich von einem Schmerzensgefühl durch Deine Gegenwart rettetest! Und ach! nur zu bald wird Dir das nicht immer möglich sein! Leb’ wohl, zu geliebter Sterblicher! - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
541 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Wie es auch sein möge, und was immer werden könne, mein Herz gehört für das ganze Leben Dir! Ich kenne es besser als Du, ich fühle es, es ist ja meines. Und ich habe auch nachgedacht! Ewig, ewig, schöner Gegenstand, bezauberst und besitzest Du es. Mon Urquijo! Adieu. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
542 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | R. L. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
543 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Aus einem Brief an Rebecca Friedländer
vom Dezember 1805 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
544 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Hoffen Sie auf Kräfte, die Sie noch nicht haben! Das ist doch das Unmöglichste, und ist doch möglich; wie verhältnisreich ist doch die Welt, wie voll Ereignisse, deren Geschichte und Zusammenhang wir nicht fassen, und sie Zufälle nennen! Ist das Größte, Ertötendste nicht: atemlos still zu stehen, aus Furcht vor der ganzen lebendigen Welt und |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000241 ihrem eigenen Pulsschlag? Mir ist kein Zucker gereicht worden! Aber ich wage noch eins! auf dieselbe Gefahr! Nur muß ich es kennen; und sollt’ es auch Schmerzen enthalten; kommt man doch glühender und gediegener heraus. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
545 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Rebecca Friedländer | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
546 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 1806 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
547 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Lieben Sie nicht Ihren Schmerz! Die Welt ist noch größer an Ereignissen als unser Geist. Schmerzen erleben, heißt auch leben. Heftig und tief ist die Jugend, aber was es alles gibt, weiß sie noch nicht. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
548 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Frau Regine Frohberg (Rebecca Friedländer) in Berlin | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
549 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, den 13. Dezember 1807. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
550 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Lesen Sie diesen Brief, als käme er erst in acht Tagen an. Ich hatte ihn gestern geschrieben. Es ist ein guter. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
551 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Obgleich Sprechen und Schreiben zu gar nichts hilft, so sollte man gar nicht aufhören zu sprechen und zu schreiben! Diesen finstern Satz, wovon jede Hälfte nur für sich allein wahr ist, nur zum Scherz! Ich bin diesen Morgen nicht deutlich gewesen; und Sie haben mich auch nicht recht verstanden. Mir ist das, wovon die Rede war, zu wichtig, auch ist es auf einen Punkt gekommen, wo es deutlich werden muß - um so mehr, da vom nunmehrigen Halbverstehn nur ein Falschverstehn entstehen müßte, - um es nicht nach allen meinen Kräften und meiner besten Einsicht mit Ihnen zu verfolgen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
552 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Was wir eigentlich unter dem Worte Mensch verstehen, ist doch die Kreatur, welche mit ihresgleichen in vernünftiger Verbindung steht, in einem Verhältnisse mit Bewußtsein, an welchem wir selbst zu bilden vermögen, und auch genötigt sind, immerweg zu bilden. Wir mögen sein wie wir wollen, wir mögen machen, was wir wollen, wir haben das Bedürfnis liebenswürdig zu sein. Diesem schönen, reinen, menschlichsten, lieblichsten Triebe folgen wir alle. Im höchsten Sinne genommen - aber auch bis auf das Zersplittertste hinab - das ganze Lebensgewebe der Menschen, als Menschen, ist nichts als dies ins Unendliche modifiziert. In Ihnen, als in einem zarten, lebhaften Gemüte, ist dieses Bedürfnis dann auch sehr lebhaft. Was in der Welt ist aber liebenswürdiger - und glücklicher - als eine aufgeschlossene Seele für alles, was Menschen betreffen kann! Und was hinwieder gibt eine reinere Laune, |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000242 als eben dieser Zustand, der sich selbst durch seine Dauer, durch sein bloßes Dasein, erhöht und propagiert! Die ganze Welt gewinnt Sie; und Sie die ganze Welt! Kommen Sie davon zurück - welches die Irrmeinung noch so vieler Guten ist - daß man nur eines mit ganzer Seele fassen kann. Prägen Sie sich recht ein, es entsprosse Ihnen einen Augenblick die Überzeugung, was liebenswürdig ist, und Sie sind es! nicht, wie Sie mir heute schrieben, »eine Arbeit ist es,« die ich fordere - wozu Sie jetzt unfähig sind, wozu man immer unfähig ist - sondern einen Augenblick von Überzeugung, einen Augenblick gesunder Ansicht fordere ich. Mehr gedemütigt als ich, wird man nicht, mehr Kummer genießt man nicht; größeres Unglück in allem, worauf man den größten und kleinsten Wert setzt, erlebt man nicht, mehr sieht man nicht untergehen; eine gepeinigtere Jugend bis zu achtzehn Jahren erlebt man nicht, kränker war man nicht, dem Wahnwitz näher auch nicht; und geliebt habe ich. Wann aber sprach die Welt mich nicht an, wann fand mich nicht alles Menschliche, wann nicht menschliches Interesse: Leid und Kunst und Scherz! In dem Augenblick, wo Schmerz und zerreißendes Vermissen die Seele auseinanderzerrt, kann man, muß man nicht Geistesschätze ergraben wollen. Alsdann muß man vom Vorrat zehren, von Vorrat an den Schätzen, von Vorrat an dem höchsten menschlichen Interesse, am menschlichen Interesse. Antworten Sie mir nicht, daß Gaben der Natur nur dazu fähig machen; und zum Beispiel, daß ich mich nicht mit Ihnen vergleichen soll. Wer so raisonnieren kann, wie Sie über manche Gegenstände, der hat Kräfte: nur sein Interesse ist falsch gerichtet. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ein gebildeter Mensch ist nicht der, den die Natur verschwenderisch behandelt hat; ein gebildeter Mensch ist der, der die Gaben, die er hat, gütig, weise und richtig und auf die höchste Weise gebraucht: der dies mit Ernst will; der mit festen Augen hinsehen kann, wo es ihm fehlt, und einzusehen vermag, was ihm fehlt. Dies ist in meinem Sinne Pflicht, und keine Gabe; und konstituiert, für mich, nur ganz allein einen gebildeten Menschen. Darum wende ich Sie, endlich mit Ihren Augen auf das zu sehen, was Sie eigentlich verabsäumen. Dies ist, sich mehr zum Allgemeinen - à généraliser - zu erheben; daß nicht Allgemeines Sie immer auf Einzelnes führe, sondern umgekehrt. Dies ist höchst liebenswürdig; dies würde Sie ganz liebenswürdig machen. Dies können Sie erlangen; denn dies kommt plötzlich, durch einen Gedanken; wie bei Ihnen das Gegenteil auch nur durch einen Gedanken. Auch wiederhole ich, was ich schon gesagt habe: sogar gesund werden Personen wie wir nur, wenn sie den höchsten Ekel vor Kranksein fassen; wenn sie durchdrungen davon sind, daß Gesundsein höchst liebenswürdig ist. Sie |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-00000243 können sich meinen Drang nicht denken: mit einem Trank möchte ich Ihnen diese Überzeugung eingeben! Aber es gelingt, ich bin sicher! Sein Sie nur recht kokett! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Montag, den 14. Bis hieher hatte ich schon gestern abend geschrieben; aber dann bekam ich, wie aus blauer Luft, plötzlich einen Fieberanfall; er dauerte bis 2 in der Nacht; mit allem Zubehör, außer Kopfweh; ich erspare Ihnen die Beschreibung, bitte Sie aber, heute nicht zu kommen, ich bin ihn mir als den dritten Tag gewärtig, und diesmal außerordentlich schreckhaft dabei: mit Lachen und Weinen. Morgen ist’s vorbei; und dann besuchen Sie mich: das geringste Erblassen, jedes Zucken von Ihnen, würde mich unleidlich machen. Gestalten hinderten und erschreckten mich gestern bis zu Herzklopfen und Schweiß. Ich habe ein Bad genommen; fühle aber schon jetzt, daß ich’s heute abend noch habe. Sehen Sie auch meine verschiedenen Hände. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
555 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich habe Ihren Brief gelesen und schicke meinen doch ab! Eben schrieb ich Ihnen meine Gesundheit ab, als ich Ihren erhielt. Fassen Sie sich: denken Sie nicht immer an Tollheit; es kann eine Liebhaberei werden. Zerstreuung! Mir wird der Kopf immer schwerer! Kommen Sie morgen! Ich bin ja sanft, dünkt mich; sanfter kann ich auch nicht sein: ich verstehe nur das zu sagen, was ich denke, anderes sehr schlecht: und was ich Ihnen sage, Liebe, sagte ich, beim Allmächtigen! mir selbst, und habe es mir gesagt. Leben Sie wohl! über mich sein Sie ganz ruhig, ich habe nur einige schlechte Stunden. Leben Sie wohl! Es ist gut, daß Sie sich gestern mit den Menschen zwangen und sie unterhielten und im Gang erhielten. Es zerstreut, weil es beschäftigt. Sie werden schon immer geschickter werden. Ich denke viel an Sie! Adieu. Ich kann gar nicht mehr! Lesen Sie meinen großen Brief, als käm’ er erst in acht Tagen an! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August Varnhagen in Dresden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Montag früh, den 26. September 1808 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Lieber Englischer! Gestern morgen gab man mir Deinen Brief. Im Gegenteil! Du schreibst hundertmal leichter, zusammenhängender und besser als ich! - Auch bin ich hier sehr zerstreut, sehr unterbrochen: muß für tausend Unwürdigkeiten sorgen, die mir den Kopf auseinandermachen: aber alles besser, als in Berlin geblieben ohne Dich; denke ich an die Straßen und an die Orte von uns beiden, und daß ich dahin zurück muß, so zieht sich mir das Herz! - Dein herrlicher, herrlicher Brief! Wie unendlich freut es mich, daß Du mir über Wolf schriebst, und Dein schöner Ausdruck: »daß sein Talent zerriß«. Du Lieber, teile |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000244 mir alles mit; Du kannst mir alles sagen, und wie stolz, wie zufrieden macht es mich! Du gabst mir Festigkeit! Kurz, wir tun uns gut. (Wie sonderbar, wie schneidend und schmerzend war unser Umgang im Anfang!) Wie verlassen, ja wie ausgelacht komme ich mir ohne Dich vor. Mit Dir, neben Dir, hatte ich zu allem Mut; Du lehrtest mich ausführen, was ich für gut halte; Du lehrtest mich, was ich wohl in der Welt hätte haben können: Du bist der Einzige in der ganzen Welt, der mich je lieb hatte, der mich behandelt wie ich andere. Ja, ich bekenne es Dir gerne mit dem ganzen Drang der Erkenntlichkeit; von Dir lernte ich geliebt sein, und Du hast Neues in mir geschaffen. Nicht Eitelkeit - auch ist die nicht so schlecht, als man sie macht: nur das Lügen durch und für sie ist schlecht - ist es, die ewig mein Wesen mit Befriedigung durchdringt, Du wirst es wissen, Du! - bei dessen rechter Vorstellung die Tränen mir in die Augen dringen - es ist das endlich gesunde, kräftige, wahre, wirkliche Empfangen der Seele. Sie nimmt und gibt, und so wird mir ein wahres Leben geboren! Freue Dich, wenn Du wirklich etwas von mir hältst und mein Leben und Sein für ein außerordentliches nimmst; Du hast es zu einem menschlichen gestempelt: durch Dich erkenne ich an, daß es eines war. O! Lieber, könntest Du jetzt meine Rührung, meine Tränen sehen; meine Demut; und könnt’ ich Dir mit würdigen deutlichen Worten meine Befriedigung ausdrücken! Mit Dir war es mir anders als mit allen Menschen. Oft machte ich mir Vorwürfe: ich fühlte oft, wenn Du mich nicht liebtest oder eine andere, ich würde ruhig sein. Aber es ist richtig. Ich liebe in Dir, daß Du mein Wesen erkennst, und daß das Erkennen sich in Dir ausdrückt, und wirkt, und äußert, wie es geschieht. Ich liebe Dich überaus zärtlich wieder, Du hast es hundertmal gesehen; ich könnte mein Leben mit Dir zubringen; es ist mein sehnlichster, ernster, jetzt einziger Wunsch; ich weihete Dir es in Freude und der größten Befriedigung; ich erkenne Deinen ganzen Wert, und nicht ein Pünktchen Deiner Liebenswürdigkeit und Deines Seins - Skala hinauf und Skala hinunter - entgeht mir. Ich bin Dir treu aus Lust, Liebe und der gelassensten Wahl. Ich habe keine Forderung über Dich. Ich bin Dein Freund, wie es ein Mann sein könnte. Du bist durch mich in nichts gebunden, ich möchte Dir mit meinem Blute dienen. Und ist es nicht natürlich, daß ich endlich - und es geschieht deutlich nur durch Dich - erkannt sein will: ich würde ja in Dir lieben, jedes Erkennen, und tue es auch. Ich habe genug allein, und Schatten von meinem Feuer koloriert, geliebt: endlich umfang’ ich Dich, Du lebst; und bist Du! Denke aber nicht, daß ich Dich ganz ohne Unruhe liebe. Dein Besitz ist mir nötig in jedem Sinn. Aber wo Befriedigung war, da bleibt sie. Und in jedem Verlust, in jedem Darben, würde |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000247 sie mir ewig Nahrung bleiben. »Ich habe es besessen, das Lebensglück.« Kindische Menschen echauffieren sich noch nach diesem Besitze. Hat der Himmel eine Zeit ausgesetzt? Ein Schmachten nach diesem Glück trage ich im Herzen: aber so lange ich lebe waren Pfeile, Leid und Schmerzen nur die Antwort, die Nahrung, und soll ich nie mehr etwas haben, so denk’ ich an unseren Sommer und Dich. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August Varnhagen in Tübingen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonnabend morgen, den 5. November 1808 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Endlich bin ich verdrießlich. Weißt Du, was das heißt! Aber was kommt auch zusammen. Die Jahreszeit selbst wird toll: und schon seit dem Juli - Du wirst es lächerlich finden - konvulsiert der Winter in den Sommer hinein! Jetzt aber, heute, waren die Rinnen gefroren: noch beinah konvaleszent, muß ich mit meinem angeborenen Feind, dem - dezidiertesten, den ich je erlebte - Nordostwind kämpfen; der schon der Sonne allein eine Helle gibt, der mir die Nerven, wie es ein Strick ist, zusammendrehet. Es ist nur schade, aber nicht wunderbar, daß das mit meinem Innern und meiner ganzen Lage mir nicht den Tod gibt. Seit gestern quäle ich mich damit, ob ich Dir schreibe oder nicht. Lügen kann ich gar nicht: bei Dir gerade tritt die ganze Wahrheit hervor. Und doch habe ich Dir auch Hübsches zu schreiben. Mein ganzes Leben ist eine Marter, wie ich Dir mein ganzes Leben mitteilen will. O! die Gaben, die ich habe, hat man nicht umsonst! Dafür muß man ausstehen. Mein scharfes Wissen, Sondern und Scheiden, das große Meer in mir, mein präziser, tiefer, großer Zusammenhang mit der Natur; kurz, das bißchen Bewußtsein darüber, was hier doch so viel ist, kostet mich was! Welche Schmerzen, welche Unruh, welches Vermissen läßt das aufschießen; und wie muß ich es verarbeiten! Ich zweifle, daß Du selbst einen Begriff davon hast! Und wie ekelhaft, herabziehend ärgerlich, beleidigend, unsinnig, schwächlich, niedrig meine Umgebungen, denen ich nicht entfliehen kann; und die, so lang ich es nicht kann, mich auch verfolgen: ein gelindes Ausweichen hilft gar nichts. Ein einziges Besudeln, eine Berührung macht mich schmutzig, stört meinen Adel. Dieser Kampf dauert ewig! So lang ich gelebt habe und leben werde! Wodurch soll er enden? Diese Einsicht, nicht daß es bleibt, aber daß meine Konvulsionen umsonst sind, und doch nur mit all meinen Kräften aufhören können, bringt mich hart an Raserei! Alles, was mir Schönes im Leben begegnet, geht mir fremd, als Besuch vorüber; und mit Unwürdigen soll ich, von der Welt, wie sie ist, ganz und gar, anerkannt leben, wohnen müssen! |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000248 Das Kroppzeug braucht mich nur. Und gesellig stellen wir uns beiderseits; sie, weil sie mich brauchen; und ich, weil ein Zweikampf, einer mit Blut, es nicht enden kann. Du siehst, ich bin außer mir! So nennt man es, wenn das wahre Herz spricht. Gottverlassener ist kein Mensch. Die Narren und Lügner beschützen sich untereinander. Ich habe aber kein Gesetz, keinen Verwandten, keinen Freund. Und bei dieser Ungerechtigkeit ärgert mich sogar der Tadel. Keiner, nicht einer tadelt mich, der nicht in ihrer Meinung selbst gegen alle gefehlt hat: meiner nimmt sich keiner an; mich verfolgen sie, weil ich für jeden bei dem anderen sprach. So kann ich doch alles mit Exempel vor Exempel belegen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich will Dich mit den kleinlichen - und auch mich - Geschichten verschonen, die mich aus der Entfernung her dieser Ansicht zudrängen. O! wie entwachsen wäre ich ihnen durch Deine Nähe! durch die Nähe eines Freundes. Einer befreundeten Kreatur. Erfunden habe ich, daß die Gute ein sehr geringes Geschöpf ist. Ein- für allemal. (Wenn ich über einen Menschen ein- für allemal etwas denken will und muß, kann ich es mit Recht erfinden nennen.) Anekdoten von meinen Brüdern, meiner Mutter, und jener Frau, wären doch so, daß Du Dich noch wundern müßtest. Mündlich, wenn’s jemals Gottes Wille ist! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
563 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August Varnhagen in Tübingen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonntag gegen Mittag, den 19. Februar 1809 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
565 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Diese Woche habe ich erfunden, was ein Paradox ist. Eine Wahrheit, die noch keinen Raum finden kann, sich darzustellen; die gewaltsam in die Welt dringt, und mit einer Verrenkung hervorbricht. So bin ich leider! - Hierin liegt mein Tod. - Nie kann mein Gemüt in schönen Schwingungen sanft einherfließen, wozu dies Schöne in der Tiefe meines geistigen Seins wie in den tiefen Eingeweiden der Erde verzaubert liegt. O! Gott! jede Äußerung - und je kräftiger sie ist! - Ein Schmerz! Ein Schmerz, auf den ich nicht mehr immer hinhöre, weil er chronisch ist. So, mein Freund, hast Du wieder einmal geglaubt, daß ich Dich »Undankbarer« nennte, sei Deiner Wut ähnlich. Nein Geliebter! Ich sagte es, wie es steht; wie das Weib zum blinden Manne. Du sahst nur meine letzte Kraftäußerung, und nicht mein sanftes, längst verschwiegenes Leid: und Liebe nicht sehen, sie aber fordern, und nur halb leisten - wie es war - ist undankbar. Wie richtig, Geliebter - und wie traurig - vergleichst Du mich - wie überaus witzig, nie hat man etwas erschöpfend Ähnliches über mich gesagt!! - vergleichst Du mich zu einem Baume, den man aus der Erde gerissen hat, und dann seinen Wipfel |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000249 hineingegraben; zu stark hat ihn die Natur angelegt! Wurzel faßt der Wipfel, und ungeschickt wird Wurzel zu Wipfel! Das, Lieber, leider! leider! bin ich. Dies ist der Durchmesser meines Lebens. Seine erste Verschlingung zum Wirklichen. Laß dies mein Epitaph sein, und dies ist dasselbe, was mein »Paradox« ist: und das ist tausendmal witziger - obgleich unendlich tief unter Deinem Baum als mein: »Ich arbeite viel. R. Fr. Sie arbeitet viel! Rahel.« Damit meinte ich weiter nichts, als die Indignation: »die denkt noch sie arbeitet! Sie, arbeiten!« und dann gleich hinterher: »Ja! bei ihr ist auch alles Arbeit!« und das alles drückt’ ich aus Eil und Überdruß kurzmöglichst aus. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 5. Juli 1809 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
568 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Welch ein fürchterlicher Tag! Gestern morgen nahm ich meine Brieftasche, wollte Varnhagens Briefe durchsehen: las nur ein Billett. Wozu mehr! da keine Farbe hervorspringen will; auch aus dieser Gruppe nicht. Ich fand einen Brief von Rose. Und da ich gar mir nicht denken konnte, was der hier vorstellte, und er sehr kurz war, las ich ihn. Verfolgende Götter! ihr allein wißt, in welchen namenlosen Schmerz sich mein unseliges sich immer gleiches Herz ausdehnte! Der Brief lebt! sie schrieb mir, Urquijo’s Bild, welches ich ihr geschickt hatte, gefiele ihr: sie freue sich, daß ich einen Geliebten habe! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
569 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Den Nachmittag sollt’ ich ihn sehen. Ich erwartete ihn wieder. Er sieht verändert aus. In der Nase sehe ich den Neid: zwischen Aug’ und Mund nach der Nase die Wangen herab, die Ungewißheit der Meinung. Die Sprache fand ich überaus undeutlich und ungebildet. Er sang aber in Gedanken ein wenig - mit zu viel angewohnten Manieren - und da kam er auf Töne, die die - Überzeugung - die Liebe hervorriefen, für mich ist er geschaffen: ich ihn zu lieben! O! Tränen. O! ewiges Schicksal! wahr wirst du bleiben, so lange ein Bestandteil einer Faser zusammen von mir bleibt: wahr wirst du ewig gewesen sein. Wahr! Wahr war das Ewig, was ich dem Tauben ewig schrieb. Wahr die unwiderrufliche Sentenz. Wahr, daß ich das Bild für meine Sinne fand: mein Herz für ewig zu ihm schleuderte; wahr, daß er mich nicht empfand; wahr die schreckliche Disharmonie. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
570 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Wie wenige lieben! Unter Generationen nur einer. Treue liegt in den Sinnen, im Schauen des Geistes in das Herz; in seiner Mächtigkeit. Dies große Geschehen hab’ ich Elende ohne des Glückes Krone, ohne seinen Einklang. Wehe! Welche Tränen, welche Herzensschreie, Anreden an Gott, seit gestern! heute scheint’s, Gott spottet, wenn ich zu ihm flehe! Nur um |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000250 einen Blick in mein Herz! Wer mir solches Unglück beschloß, scheint’s mir, muß lachen, wenn ich um Nachlaß, um Erleichterung bitte. Wie fühl’ ich’s noch einmal! - - In seiner Gegenwart nur Verwunderung. Wie kalt, wie fremd. Wie die Wahrheit, die Vergangenheit mit dem Fuß ausgetreten! Und doch verlegen! Er sieht mich nicht an, wenn wir allein sind. Ist grob gegen mich. Weil er fürchtet, jedes menschliche Zeichen könnte für Liebe ausgelegt werden. Will sich noch in meine Wirtschaft mengen. Will, daß ich spare: in seiner Zerstreuung. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
571 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich hatte so geweint, und das Herz hatte so in Todeskrampf Schleusen geöffnet, daß ich heute im Abendtee auf’m Wasser, den ich in meiner Unpäßlichkeit nicht ertragen kann, ein Spannen im Herzen bekam, und mich defaillieren fühlte: weil es vom Herzen kam, wünschte ich den Tod: ein Aufhören. Das Herz tat mir mehr als eine Stunde weh: und dreimal mußte ich bitter weinen, als hätte ich einen Gedanken und hatte keinen. So weint ich sonst in Sehnsucht: und wenn er mich kränkte. Heute hatte ich keine Gedanken. Aber gestern nach Rosens Brief: eh er kam! O! Gott! Welche Tage, gestern und heute! Alle Gedanken: Aller Menschen Charaktere mußt’ ich denken. Er ist so stupid. Weiß nichts von mir: ist so flach geworden! und noch, wenn er mich nur nicht so epileptisch, so gehässig furchtsam ansähe, könnte ich die Seligkeit der Erde durch ihn erhalten! Doch bin ich nicht treulos! Liebte mich einer: und ich hätte ihn geliebt, so würde ihm mein Herz treu sein: empfänden den höchsten Zauber auch meine Augen nicht. Ich habe es versucht. Aber -! Wenn ich nur wüßte, wie er über die Vergangenheit denkt: ob er noch denkt, ich habe ihn betrogen. Denkt er, ich liebte ihn, so verdient er die Folter. Keiner weiß, wie es mit meiner Seele steht: was ich sage, ist eine Lüge; ohne meine Schuld. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
572 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich stand auf gestern, blieb zu Hause, las. Nachmittag kam er und Bielefeld. Um halb 9 gingen sie. An Varnhagen dacht’ ich millionenmale, und wünschte ihn vor- und nachher. Ich kann ihm mein Herz, meinen Schmerz zeigen. Mir fehlt aber jetzt alles. Heute stand ich verlassen, verwüstet auf: überlegte alles noch einmal! Rang, Stand, Zerstreuung, Freunde, Gesellschaft, alles fehlt mir. Ich weiß, das hilft; hindert das Wiederholen! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
573 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ging am Bord im Garten. Lerchen, Luft, dunkelnder Wald, alles half mir nur halb. Ich ging nach dem Kuchenladen, nach Hause essen. Schlafen; zur Guten. Zu Wasser mit ihr und Herrn Baron Klugen; zu ihr; hierher. Wer kann’s ausdrücken, wie man Tage durchschmerzt und durchdenkt! Nur verlassen will man mich. Bei mir will keiner bleiben. Ich habe es nicht nötig, denken sie: tadeln bitter die andern; und gehen. Wie macht es Varnhagen wieder! Und ich ekle mich vor den |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000251 vergeblichen Worten, und Denken, und den Bewegungen des Herzens. Rache möcht’ ich endlich an mir, an ihnen; an meinen Richtern: allen Umständen. - Tat, harte! mich malträtieren. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
574 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August Varnhagen in Prag | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
575 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Donnerstag, den 22. Februar 1810 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Keiner von uns will mehr, daß mein ehrliches Leben auch geschaut werde von solchen, die es selbst sind; und genug findet man immer, unter Deutschlands Lesern, wenn man nur drucken läßt. Immerfort erzeugt die Erde auch wieder solche. Ich weiß, welche Freude, welches Behagen mir ein Fünkchen Wahrheit in einer Schrift aufbewahrt macht! Nur davon bekommt die Vergangenheit Leben, die Gegenwart Festigkeit und einen künstlerischen Standpunkt, betrachtet zu werden; nur Empfindungen, Betrachtungen durch eine Historie erregt, schaffen Muße, Götterzeit, und Freiheit; wo sonst nur allein Stoßen und Dringen und Drängen und schwindliches Sehen und Tun möglich ist; im wirklichen Leben des bedingten beschränkten Tages, wie er vor uns steht! Nicht, weil es mein Leben ist, aber weil es ein wahres ist; weil ich auch vieles um mich her oft, mit kleinen unbeabsichtigten Zügen, für Forscher, wie zum Exempel ich einer bin, wahr und sogar geschichtergänzend aussprach. Und endlich, weil ich ein Kraftstück der Natur bin, ein Eckmensch in ihrem Gebilde der Menschheit, weil sie mich hinwarf, nicht legte, zum grimmigen Kampf mit dem, was das Schicksal nur konnte verabfolgen lassen; jeder Kampfgesell der Natur, der größeren Geschichte, ist in einen Geschichtsmoment geworfen, wo er kämpfen muß, wie bei einem Tiergefecht in der Arena; glückliche Veteranen wirken weiter, zu ihrem und der Menschen Bewußtsein; unglückliche zerschellen; mich trugen Gedanken und Unschuld, als ich zerschellt schon war, empor, zwischen Himmel und Erde. Kurz, wie es mit mir ist, kann ich nicht sagen; ich will nichts mehr. Kein Plan, kein Bild; es schwankt und schwindet die Erde mit den Lebensgütern; der Lebensschatz ist alles! Sehen, lieben, verstehen, nichts wollen, unschuldig sich fügen; das große Sein verehren, nicht hämmern, erfinden und bessern wollen: und lustig sein, und immer güter! So wie ich war und werde, mögen meine Brüder mich sehen! Ich aber selbst will aus meinen Briefen alles suchen und verwerfen; und nicht in vierzig, fünfzig Jahren, wie Du der Guten schreibst, sondern viel früher; ich will noch leben, wenn man’s liest. Ich mache mir nichts aus der Welt. Ich habe keinen Plan; wer den nicht auszuführen hat, hat keine Rücksicht; und Schande kann ich nicht |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000252 haben: Schande, die mir das Leben hemmte; andere achte ich, wie Du weißt, nicht. Nur meine Billigung ist mir wichtig, und nötig. Adieu, Lieber! Diesen Sommer, und das früh und wahrscheinlich sehr bald, komme ich nach Teplitz, und auch wohl vorher nach Prag. Lebe wohl! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | R. L. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
578 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
579 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Freitag, den 9. März 1810 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
580 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Unglück bringt Schande; Glück Ehre. Es ist heute sehr schönes Frühlingswetter. Ich bin gepeinigt und darf den Frühling nicht empfangen, wie ich könnte. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
581 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 11. März 1810 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
582 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
583 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Pauline Wiesel | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
584 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, den 12. März 1810, abends halb 9. Dienstag. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Es ist eine Schandtat, daß ich Ihnen nicht schrieb: ein Unglück; ein Unglück wie jede Schandtat! Teure geliebte Freundin, und Freund! Weh! - Mein wundes Herz weint dieses Weh! - Weh! daß unser Leben wegrinnt, ohne daß wir zusammenleben. Sie sind allein, getrennt von mir, und ich bin allein, entfernt von Ihnen. Nur einmal konnte die Natur zwei solche zugleich leben lassen. In diesem Zeitalter. Alle Tage sehe ich Sie, und die Natur, und mich, mehr. Entfernt von Ihnen tue ich nichts, als mir jedes Wort, jede kleine Tat von Ihnen repetieren, jede Äußerung, und glauben Sie, zu nennen weiß ich die Prinzipien Ihres ganzen Wesens, Ihres Seins besser als Sie selbst: es ist nur ein Unterschied zwischen uns, Sie leben alles, weil Sie Mut haben und Glück hatten: ich denke mir das meiste; weil ich kein Glück hatte und keinen Mut bekam; nicht den, dem Glücke das Glück abzutrotzen, es ihm aus den Händen zu ringen; ich habe nur den des Tragens erlernt, aber groß verfuhr die Natur in uns beiden. Und wir sind geschaffen, die Wahrheit in dieser Welt zu leben. Und auf verschiedenem Wege sind wir zu einem Punkt gelangt. Wir sind neben der menschlichen Gesellschaft. Für uns ist kein Platz, kein Amt, kein eitler Titel da. Alle Lügen haben einen: die ewige Wahrheit, das richtige Leben und Fühlen, das sich unabgebrochen auf einfach tiefe Menschenanlagen, auf die für uns zu fassende Natur zurückführen läßt, hat keinen! Und somit sind wir |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000253 ausgeschlossen aus der Gesellschaft, Sie, weil Sie sie beleidigten. (Ich gratuliere Ihnen dazu! so hatten Sie doch etwas; viele Tage der Lust!) Ich, weil ich nicht mit ihr sündigen und lügen kann. Ich weiß ganz Ihre innere Geschichte. Jede Beleidigung, die Sie der Gesellschaft zufügten, obgleich sie in Ihnen gerechtfertigt war, verwunderte Sie selbst: ich weiß Schritt vor Schritt, wie es gekommen ist. Gerne wären Sie »ein häusliches Weib, herzten und küßten den Mann«, wie Goethe im Distichon sagt; aber es ging nicht. Und wohin mit dem entsetzlichen Vorrat, mit dem Apparat von Herz und Leben! Empfindsam sich selbstzerstörende, opfernde Nonnen sind nicht alle Menschen. In den Krieg möchte man ziehen, ich auch so, um Nahrung für den Anspruch zu suchen, mit dem einen die Natur hinaus ins Dasein geschickt hat. Beim allgerechten, allmächtigen Gott auf hohem Richterstuhl, man zieht für weniger in den Krieg! und geehrt wird man dafür! Hätten Sie ein Herz in Wiesels Busen gefunden, Sie hätten nimmer ein anderes gesucht. Dieser aber räsonnierte in seinem Mangel und seinem unglücklichen Überfluß von Worten Ihren zu spät ausgebildeten und zu furchtsamen Geist weit in die Irre. Ihr besseres Bewußtsein lebte immer nebenher. Ich weiß alles. Zum Leiden ist Ihr starkes Herz nicht gemacht. Es muß gleich andere Beschäftigung haben: so auch Ihre Augen, Ihre Sinne. Ich kenne Sie ganz: weit mehr, Pauline, als Sie, als je ein Mensch denkt, daß man einen Menschen kennen kann. Auch über Prinz Louis hatten Sie recht. Sie wissen, wie ich ihn liebte: auch den studier’ ich noch nach; »er hat nichts Generöses«, sagten Sie oft. Im Augenblick geben, meinten Sie, und allerlei. Aber ich kenne das Prinzip in ihm, was Sie eigentlich kränkte. Ich verstehe alles nach. Auch er konnte den Grundwillen, die Grundwünsche seines Wesens nicht gewaltig genug vor seinen Geist führen, um daß ein einziges Handeln draus hätte entstehen können. Von momentanen Zwecken war er oft wie umstrickt; und was er sich vor zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren in den Kopf gebläut hatte und woran sein jetziges Inneres gar keinen Anteil mehr hatte, danach glaubte er noch handeln zu müssen, oder vielmehr, ihm fehlte oft der Mut, zu zeigen, daß er ein anderes Inneres hatte, andere Sehnsucht, andere Zwecke. So verwirrte er beinah jede seiner Lebensstunden mit dem feinsten, richtigsten und tüchtigsten Gemüte; und muß natürlich der klaren Geliebten minutlich Wunden geschlagen haben. Dies nun brachte Sie wieder in Gärung und, da das Wahre hierüber nie erörtert werden konnte, auch eine Menge Falsches von Ihnen zur Sprache. Nun seh’ ich alles ein, da ich, unermüdet, in mir grabe und bei den lichterlohen Flammen meiner Affekte mein Inneres immer mehr und mehr erschaue. So steht’s mit uns; und ich kann nicht zu Ihnen! Aufgegeben aber, Pauline, habe ich es nicht. All mein |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000254 Tun ist ein Arbeiten daran. Bis jetzt konnt’ ich nichts tun. Nun aber habe ich die Hoffnung, daß sich etwas von unserm Vermögen realisiert, und denken Sie sich! Moritz wird wahrscheinlich heiraten. Dann bin ich wieder ganz allein auf der Erde. Von nun an seh ich auch die Friedländer - die den Namen Frohberg angenommen hat - nicht mehr, sie ist zu unleidlich, unnatürlich pauvre von Natur, mit Prätentionen. In Gesellschaft bin ich dann und wann; keine fixierte wie sonst, die mir gefiele, habe ich nicht. Nicht einen Menschen, weder Mann noch Frau, mit dem ich spazierengehen kann, noch je ins Theater. Unfähiger werd’ ich von Tag zu Tag, mir dergleichen mit Mühe zu suchen. Auch zu stolz. Was ich so hatte, was mir so zukommt, vermiß ich lieber aufs herbste ewig, als einen Schritt drum tun. - Moritz wohnte, außer sechs Wochen, die er in Königsberg war, den ganzen Winter bei mir und noch. Ich habe wenig Genuß und vielerlei Ungemach davon. Ich existiere für ihn nur beiläufig. Obgleich er in pekuniärer Hinsicht für mich sorgt und en gros edel gegen mich ist. Andere Last für mein Herz! Nun hab’ ich noch den einen jungen Mann, von dem ich Ihnen vorigen Frühling schrieb, daß ich mit ihm auf dem Felde gegangen sei und nach Ihnen geschrien habe: meine ganze Seele liebt ihn, muß ihn lieben, weil seine Eigenschaften sie in Anspruch nehmen. Er liebt auch mich, wie man das Meer, ein Wolkenspiel, eine Felsschlucht liebt. Das genügt mir nicht. Nicht mehr. Wen ich liebe, muß mit mir leben wollen, bei mir bleiben. (Campan schreibt mir noch oft, und erst kürzlich, Liebesbriefe, ich soll kommen.) Ich reiße mir also gewiß auch diesen Pfeil aus dem Herzen und laß eine Wunde mehr schmerzen und heilen und narben. Und lägen jetzt, wie eine miserable Visitenkarte, zweihundert Louisd’or neben mir, so reist’ ich morgen ohne Abschied. Meine Freunde, außer Sie, denken alle, ich kann von der Luft lieben und leben. Sie freuen sich, ein Herzspiel zu sehen wie das meinige, und ich soll ohne Liebe leben! Es ist vorbei, es ist zu viel! - Noch eins, Pauline! Ich werde alle Tage mehr wie Sie. Ich kenne noch hier und da angenehme Menschen, aber in acht Tagen kenne ich sie ganz, und dann ist’s gut! <Der Rest fehlt.> | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
586 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Alexander von der Marwitz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonnabend abend gegen sieben, hellster Mondschein in meine Stube hinein, den 25. Oktober 1811. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
588 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Teuerster, lieber Freund, welche Worte aus Ihrem Briefe soll ich erst aufnehmen? Sie stürmen alle auf mich ein und bewegen, rühren und |Arendt-II-001-00000255 beruhigen mir das Herz. Als ich ihn zuerst las, waren mir die liebsten, heilendsten, treffendsten, wie ein goldglänzender Pfeil. Das Ende Ihres ganzen Briefes: »Gleich Antwort. Ihre Briefe sind mir unentbehrlich.« Ich bekam aber den Donnerstag geschriebenen Brief (wenn er auch erst Freitag abgegangen wäre; wie schrecklich langsam gehn die Briefe. Meine auch?) erst heute, als man bald Licht anzünden mußte (mit einem von Barnekow zugleich). Als ich ihn ohne Schlüssel sah und so schwer, so wußte ich, er mußte viel für mich enthalten, aber ganz Liebes kommt einem immer ganz unverhofft. Vieles, liebster Freund, habe ich viel einfacher gesagt, als es ausgesehen haben muß. Nämlich grade das, was Sie anführen. Und haben Sie mich mißverstanden, oder ich Sie, o, so ist es mir göttlich lieb! Freilich seh’ ich Ihnen in die Augen, aber zu meiner größten Ehre eher, als Sie mir es sagten, unbefangen, mit voller Liebe. In die Augen, wo ich alle Menschlichkeit finde, wahren Trost, Sicherheit, Ersatz. Ich erlasse Ihnen viele Worte des echtesten, strömendsten Wohlwollens; sie strömen besser als alle Vorwürfe. Aber Sie sollen frei davon sein; ich will sie allein, selbst bekämpfen, diese Flut. Ich sagte es ganz ehrlich, zwingen Sie sich nun nicht mehr, mir zu schreiben. Nun, da ich so lange trotz Ihrem Versprechen gleich zu schreiben hatte warten müssen. Zwingen Sie sich nun nicht, da ich dies ausgehalten habe, wo es mir so notwendig war, Sie es so einsahen. Die übrigen Stimmungen, in denen man nicht schreibt, sollte dies heißen, kenne ich. Und dies selbe sollte es auch heißen, wenn ich die Briefe gleich zurückforderte, ohne ein Wort von Ihnen. Böse, Marwitz, war ich nicht, denn haben Sie nicht den offenbaren Vorwurf gelesen, wie er aus meinem Herzen kam, ganz wie er mich nur drin schmerzte? Sie sahen, fühlten mein Bedürfnis, so daß Sie selbst es mir zum Trost versprachen, und der Brief kam nicht! Dies sagte ich Ihnen klar; und haben wir nicht längst verabredet, daß arge Vorwürfe gar nicht gemacht werden können? Sehen Sie bis auf meinen schwarzen Herzensgrund; ich freue mich, daß ich Sie quälte, aber, bei Gott, ich wollte es nicht und dachte es nicht. Verzeihen Sie mir aber überhaupt meine Stimmungen jetzt! Ich habe ergründet, was es ist. Meine Brüder haben mich zu sehr gekränkt. Es waren die Letzten, die es konnten. Sie wissen, wie ich gegen Menschen stehe und was ich erwarte und wie hoch abgewandt ich mich von einem jeden zurückziehen kann. Wie anders aber ist es mit Geschwistern, wo Eltern, Vergangenheit, Blut, Gott und die Welt, Gesetz und Staat sie so vereinigt haben, ganz ohne Wahl, daß ein Trennen ein Zerreißen eben so vieler organisch-lebendiger Fäden wird. Ich sehe sie noch, diese Geschwister; äußerlich hängt noch alles zusammen, ich fühle aber eine Beleidigung, wie ich sie nie von nichts fühlte. Verletze ich sie, so |Arendt-II-001-00000256 verletze ich mich mit, und völlige Trennung von ihnen, da ich ihre Fasern so kenne und sie ewig meiner Hilfe bedürfen werden und wahnsinnig drauf rechnen, verletzt und trifft mich wieder. So lauf’ ich, wie Sie mich schon gehämmert kennen, dumpf, mit geschlagenem Herzen in dieser Stadt umher, wo nichts ist, wie Sie auch wissen, als was ich Ihnen beschrieben, ärmer in allem, als ich sonst war (mit physisch krankem Herzen). Nun nicht mehr, Lieber. Schon vor Ihrem Brief überlegt’ ich’s mir oft. Die Einsamkeit ist nicht für mich; trotz meiner regen, tätigen Sinne ist der stärkste, ich sehe es nun wohl (kurz vor meinem Ende beinah) mein Herz; soll das schweigen und ohne Gegenstand sein, so entsteht die Kerkerangst bei mir (der wahre Tod ist Kleinigkeit, der ist ein Aufhören einer Natur in die andere hinein, er sei nun, wie und was er wolle), verdumpfen tun alle meine Sinne und Funktionen, und das ganze Leben zieht in die Angst diese hinein, über diesen Zustand. Ich seh’ es ja; darf ich hoffen Sie zu sehen, sind Sie hier, wäre Pauline hier, die mich tausendfach erheitert, die ich vielfältig lieben kann, die ganze kadavereuse, verstaubte Stadt wäre mir belebt, und voll wären meine Tage, ich vermißte nichts, obgleich ich alle sterblichen Güter zu genießen wüßte. Ihre ehrenvolle, herrliche Anrede an mich paßt also nicht auf mich, mein lieber, lieber Freund. Mein Geist und Gefühl sind andere Helden. Ich kann mir die Herrlichkeit des wahren Lebens nur schaffen an der Seite eines Sterblichen, den ich lieben kann. Aber der Gott in mir wird mich aufrichten; denn ich schaffe mir gewiß, was ich brauche, aber beweine es. In Dumpfheit wird mich mein Schöpfer nicht lassen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
589 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Jetzt muß ich Sie verlassen. Ich bin zu Madam Frohberg auf ihre Schwester Julie gebeten. Wegen des Landrechts habe ich schon zu Hitzig geschickt, es ist mir erst zu Montag versprochen, ich bin aber mit Marcus in Unterhandlung drüber, von dem ich’s vielleicht bekomme. Nach Polen, reise ich nicht; Meyer reist Montag (übermorgen) über acht Tage dahin. Und ich freue mich auf Marwitz! Adieu. Die Anekdote von dem sächsischen Handwerksburschen ist eine der großartigsten; es ist mir unendlich lieb, daß sie Ihnen begegnet ist, dem einfachsten Menschen. Ich gönne sie Ihnen mehr als mir. Sie sind nicht böse. Ich freue mich in der Seele, daß Sie es waren. Adieu, Liebster! Lieber Hamlet, welch ein Zufall! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Alexander von der Marwitz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonnabend vormittag halb zwölf Uhr, den 23. November 1811 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sagen Sie, Liebster, Bester, warum schreiben Sie mir wieder nicht? Ein Wort. Ich bat Sie darum, Sie haben mir auch zu antworten, wenn Sie |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000257 wollen. Sie sind aber nicht ganz herkulisch, nicht sehr entfernt vom Flußfieber in unleidlichem Wetter hier abgereist. Das verdiente wohl zwei Zeilen. Ich erwartete sie immer und wollte nicht mit meiner Stimmung und meinen Angelegenheiten so zuplatzen. Gestern aber hätte ich Ihnen doch geschrieben, wenn mich nicht H. Kleists Tod so sehr eingenommen hätte. Es läßt sich, wo das Leben aus ist, niemals etwas darüber sagen; von Kleist befremdete mich die Tat nicht, es ging streng in ihm her, er war wahrhaft und litt viel. Wir haben nie über Tod und Selbstmord gesprochen, - Sie wissen, wie ich über den Mord an uns selbst denke, wie Sie. Und niemals hör’ ich dergleichen, ohne mich der Tat zu freuen. Ich mag es nicht, daß die Unglückseligen, die Menschen, bis auf den Hefen leiden, denn Wahrheit, Großes, Unendliches, wenn man es konzessiert, kann man sich auf allen Wegen nähern; begreifen können wir keine, wir müssen hoffen auf die göttliche Güte, und die sollte grade nach einem Pistolenschuß ihr Ende erreicht haben? Unglück aller Art dürfte mich berühren? Jeden Abend Fieber. Jedem Klotz, jedem Dachstein, jeder Ungeschicklichkeit sollte es erlaubt sein, nur mir nicht? Siech auf kranken und Unglückslagern sollt’ ich müssen, und wenn es hoch und schön kommt, zu achtzig Jahren ein glücklicher imbécile werden, und wenn dreißig schon mich ekelhaft deteriorieren? Ich freue mich, daß mein edler Freund - denn Freund ruf’ ich ihm bitter und mit Tränen nach - das Unwürdige nicht duldete; gelitten hat er genug. Sehen Sie mich! Keiner von denen, die ihn etwa tadeln, hätten ihm zehn Rtl. gereicht, Nächte gewidmet, Nachsicht mit ihm gehabt, hätt’ er sich ihnen nur ungestört zeigen können. Der ewige Calcul hätte sie nie unterbrochen, ob er wohl recht, ob er wohl unrecht, ob er wohl Recht, ob er wohl nicht Recht zu dieser Tasse Kaffee habe. Ich weiß von seinem Tode nichts, als daß er eine Frau und dann sich erschossen hat. Es ist und bleibt ein Mut. Wer verließe nicht das abgetragene, inkorrigible Leben, wenn er die dunklen Möglichkeiten nicht noch mehr fürchtete? Uns loslösen vom Wünschenswerten, das tut der Weltgang schon, dies von denen, die sich nichts zu erfreuen haben; forsche ein jeder selbst, ob es viele oder wenige sind. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Friedrich de la Motte-Fouqué in Nennhausen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
594 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Freitag, 2 Uhr Mittag, den 29. November 1811. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ein leichtes Flußfieber, welches mich Montag befiel, hinderte mich, Schriftzüge zu machen, was seit einer großen Nervenkrankheit mir |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000258 immer schwer wird, und auch immer das erste wird, was ich unterlassen muß; diese Schwierigkeit geht dann auf Gedanken, Empfindung und Ausdruck über; sonst hätte ich wohl gleich auf Ihren Brief geantwortet, den ich Sonntag Abend, als ich meine Nichten zu einem Ball anzog, erhielt. Ich möchte Ihnen danken, wenn man dergleichen bekommen könnte, ohne es zu verdienen; in dieser Antwort will ich Ihnen von neuem zeigen, daß ich es wohl verdiene, so von Ihnen bedacht und angeredet zu werden! Und diese Erkenntlichkeit wird Ihnen der wahrste wirklichste Dank sein. Ich gratuliere Ihnen aus dem teilnehmendsten, einsichtsvollsten Herzen, daß Ihnen jene schöne Erscheinung begegnete; und mir, daß Sie mir nach so langem Schweigen davon sprechen mußten. (Ich merke, daß ich noch nicht schreiben kann, und hunderttausend bessere Briefe Ihnen während fünf Tagen geschrieben habe, als dieser hier. Auch hat man mich hier mit einem Besuch und einem Brief und Einlage gestört. Jetzt also - wie zur Unzeit, hör’ ich auf: doch nein! noch ein bißchen!) Könnt’ ich Sie nur für verliebt halten! - was Sie mir verbieten - von der Liebe kann man nichts Absurdes sagen, sagt Chamfort; und so ist es auch wahr, daß sie die tiefste Überzeugung ist. Ich freue mich also Ihres Glücks, daß Sie ein Geschöpf von Angesicht zu Angesicht sahen, welches jeden Ihrer Blicke von neuem reizt, und die Überzeugung in Ihnen zum Leben hervorruft, daß es ein reiner, lieber, verstehender Engel ist. Je vollkommener das Geschöpf, je weniger von unserm eignen Herzensglanz beschienen, je »freudenreicher«, »ruhiger«, je weniger »Verlangen« flößt es ein. Lieben ist ein außerirdisches Verhältnis; eine Empfindung. Ein Glück. Alles Übrige, was sich auf Besitz, außer dem Herzen, bezieht, Verhältnis; schlecht und peinigend. Ich tadle hier niemand: ich bedaure uns alle! Ich gönne Ihnen diese helle Sonne im Leben, die das Graue, erstickend-tötende, verscheucht, und die zum Erstaunen weckenden Kinderfarben wieder hervorruft; das Herz zum neuen Umschwung alles Lebens und Seins berührt! Es hängt von Ihnen ab, ob Sie es verliebt nennen wollen, das erfrischte Sein; ich beneide es Ihnen; ich gönne es Ihnen. Ich möchte es auch haben; ich freue mich, daß Sie von dem Zauber getroffen sind. Ohne das Glück, namenlos zu lieben, ist die Erde mir ein unverständlicher, ängstlicher Klumpen; entweichender himmelaufsteigender Dunst alles Denken! Ihnen wird alles doppelt gedeihlich; und des Herzens und der Augen Liebling, wird Ihnen gütige Göttin, Muse; die wohl weiß, was Liebe ist, und es nicht verschmäht, sich den Augen, dem Herzen zu fügen, in der geliebten Erscheinung! Also vielfach glückauf! Warum aber sprechen Sie von der Schönen wie von einer wirklichen Bewohnerin des Himmels; warum sollte sie nicht wiederkommen? Sie sie nicht besuchen |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000259 können oder finden, treffen? Wäre das Glück zu groß? Fassen Sie es! Wollen Sie durch Leben nichts an der Empfindung, an dem Eindruck stören? Lassen Sie’s gehen wie Gott will. Bleibt es so, so bleiben Sie wie Sie sind; muß es anders werden, so konnt’ es anders werden; ist der letzte Fall, so wünsch’ ich Ihnen mit aller seiner Sehnsucht, den ersten; und so tun Sie auch. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich habe viel die Zeit her an Sie gedacht: ich habe Undine gelesen, den Todesbund: und eine Geschichte eines jungen Wahnsinnigen in einem Almanach von 1812, der Name ist mir entfallen. Dies letzte halte ich für das Gelungenste in betreff des Vollkommenen und Tadellosen. In Undine sind die größten, ja die witzigsten Elemente zum Großen; es sind aber drei verschiedene darin, die sich nicht ergänzen und harmonisch organisch zum Leben bringen, sondern sie leben nebeneinander; und hindern sie sich nicht zu sichtbar, so hindern sie mich. Sie heißen Liebe, Sittlichkeit und Spekulation, über die Möglichkeiten des menschlichen Seins, bis zu den Grenzen anderer Wesen. Welch schönes neues Sujet! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | (Sechs Uhr abends, mir ist sehr unwohl; ich werde den Brief nicht fertig bekommen; er soll aber weg, damit Sie nicht länger warten, und mich nicht für undankbar halten müssen. Künftig will ich Ihnen alles schreiben, was er enthalten sollte.) Der Todesbund ist aber für jemand, der Sie so kennt wie ich, das Interessanteste; und eben wo es nicht Buch ist, wo Fouqué durchbricht und dies auseinanderspaltet. Mich dünkt, ich habe tiefe Blicke seit diesem Buche in Ihnen - in Sie, wie sagt man denn? - geschickt. In allen dreien aber fand ich liebe herrliche Züge, wie sie nur Ihnen entschlüpfen können. Ich gebe Ihnen hier meine Kritik, wie Sie der Welt Ihre Bücher geben; zur Kritik. Alles schlecht: alles kurz, roh, erbärmlich! wie ich unpaß bin! Nachsicht! Einsicht! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Gestern war ich kränklich, und allein von 3 bis nachts 1 Uhr auch zu lesen nur halbstundenweise fähig. Da kramt’ ich in einer kleinen, kleinen! Kinderkommode, und fand inliegendes Billet, mit Schnallen von meinem Vater, manches von meiner Mutter, und Trümmern alten Lebens aller Art. Damit man die Karte nach meinem Tod erkennen soll, schrieb ich drauf, was auf der Rückseite steht: als ich es aber unvorsichtigerweise auf die Karte selbst geschrieben hatte, gefiel sie mir nicht mehr, und ich steckte sie gleich zu Ihrem letzten Briefe. Hier ist sie nun: Ihnen kann sie dadurch nicht unangenehmer sein, und muß Ihnen ein doppeltes Geschenk gewähren. Sie ist ein Wechsel, worauf Ihnen die Tücher sogleich ausgeliefert werden sollen. Auch sollen Sie die Briefe und Billetts haben, die ich von Louis konserviert habe: weil Sie sie am |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000260 meisten lieben werden. Sie aber vermachen sie mit den Tüchern wieder Ihrem liebsten Verwandten, und so der weiter, und immer der Liebste dem Liebsten. Er ist ein geschichtlicher Mann. Er war die feinste Seele: von beinah niemand gekannt, wenn auch viel geliebt; und viel verkannt. Es ist nicht Eitelkeit, daß ich mich so mit hinüberspielen möchte. Meine ehrenvollsten Briefe sind verbrannt, daß Feinde sie nicht lesen! Denn alles schrieb der Vielverworrene der vertrauten Freundin, oft auf einen Bogen, auf einer Blattseite. Mit wahrhaftem Vollgefühl sag’ ich Ihnen aber: »Schade, daß meine Briefe an ihn nicht da sind!« Gerne ließ ich der Welt das Exempel, wie wahrhaft man mit einem Königlichen Prinzen, der schon vom Ruhm geführt und hoch geliebt war, sein kann. Er hat alles, was er schriftlich besaß - wie ich - vor dem letzten Ausmarsch in Schricke verbrannt, weiß ich vom Major Möllendorf. Auch hat sich nichts gefunden. Sonst hätte man das Geklatsche schon gehört. Man kann Fürsten die Wahrheit sagen; und verschweigt man sie bei einem Wüterich, um Martern auszuweichen: so wird er dies schon merken. Mißhandelt wurde Louis oft - zur Empörung - aber schmeicheln taten sie ihm doch, und die Wahrheit hab’ ich ihm nicht sagen hören, wenn nicht Persönlichkeit dazu trieb; und großartig dies, nur von einer; von Paulinen <Pauline Wiesel, Geliebte des Prinzen>. Mir aber machte er es möglich, sie ihm jedesmal, wie ich sie einsah, zu zeigen. Halb, gewiß, gebührt diesem menschlichsten Menschen dieser Ruhm! Das Menschlichste im Menschen faßte er auf; zu diesem Punkte hin wußte sein Gemüt jede Handlung, jede Regung der andern zurückzuführen. Der war sein Maßstab, sein Probierstein; in allen Augenblicken des ganzen Lebens. Das ist das Schönste, was ich von ihm weiß. Nie sprach er darüber mit mir, nie ich mit ihm. Ich sah es aber ein, lebenslang. Er errötete, wenn Menschen von andern zum Narren gehalten wurden: das sah ich, als man dies einmal ziemlich gelinde mit einem verrückten Juden Schapse in seiner Gegenwart vornahm: er schenkte ihm Wein ein und behandelte ihn geschwind als Gast. Mein Verhältnis zu ihm war sonderbar: beinah ganz unpersönlich. Obgleich er seine letzte Lebenszeit mit und bei mir zubrachte (mehr als die letzten drei Jahre). Von uns zu einander, war nicht die Rede. Doch mußt’ er mir alles sagen: komponierte er, sollt’ ich bei ihm sitzen; spielte er - am Ende gezwungen - Karten, auch. Mein Greuel! Ich werde Ihnen noch viel von seinem Innern sagen, wie ich’s weiß, was Sie aufschreiben können. Wir hatten einmal, er und ich, und Pauline, eine Kontestation, wo denn häufig drin vorkam, was er mir gesagt hatte und nicht hätte sagen sollen; und er machte ihr dieselben Vorwürfe. Mit einem Male, gelangweilt, sagte ich zu ihm: »Prägen Sie sich fest ein, daß Sie mir alles |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000261 wiedersagen, und daß mir Pauline auch alles wiedersagt; ich kann das nicht behalten, was ich sagen, oder was ich verschweigen soll, solchen Kopf habe ich nicht. Sie sagen es mir ja dann doch beide zusammen.« Er lächelte ganz fein und unvermerkt, und schwieg. Einmal schrieb ich ihm eine Antwort nach Schricke, sehr aus dem Herzen, worin ich ihm sagte, »wenn ich Ihnen die Wahrheit nicht sagen soll, so hab’ ich Ihnen gleich gar nichts zu sagen; dies ist unser einzig Verhältnis«. Ich schrieb ihm »Gnädiger Herr«; und »Königliche Hoheit«; - und »Sie«. Im Gespräch ebenso, nur in sehr guter Laune, im Scherz und urgenten Fällen anders. Er nannte mich Kleine, Levi, oder Rahel, oder Mlle. Levi vor Leuten. Vor vielen Jahren, als wir noch nicht so sehr liiert waren und er nur viel zu mir kam, attakiert’ er mich über Goethe. Ich sprach nie von Goethe. Fing mich in einer Türe, und dozierte, wie schlecht Egmont sei, sehr lange, mir zur marterndsten Langenweile, weil ich nur der Schicklichkeit fünf Worte opferte und gar nicht antwortete. Wie Goethe einen Helden habe so schildern können! In einer miserablen Liebschaft mit solchem Klärchen etc. Ein Jahr vor seinem Tod schrieb er aber seiner Geliebten, er sei vom Herzog von Weimar mit Goethen zu Hause gegangen, habe sich in sein Bette gelegt; Goethe davor; und da wäre er denn bei Punsch aufgetaut, er habe über alles mit ihm gesprochen, und nun habe er gesehen, was es für ein Mann ist; mit noch vielem Lobe; welches er so beschließt: »Laß dies ja der Kleinen lesen; denn alsdann bin ich ihr gewiß unter Brüdern dreitausend Taler mehr wert.« Dies, Fouqué, war mein größter Triumph in der Welt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ein großer Prinz, mein Freund, der Vetter meines Königs, der Neffe Friedrichs des Zweiten, der noch von Friedrich selbst gekannt war, mußte mir das schreiben; ohne daß ich je von Goethe mit ihm gesprochen hatte. Es mußte der menschlichste Prinz seiner Zeit, in seinen eigenen leibhaften Freunden dem größten Dichter huldigen. Dies schreib’ ich Ihnen aus Eitelkeit. Nun aber setzt’ ich mich hin und schrieb Louis einen großen Brief, worin ich ihn bat, sich zu erinnern, daß ich nie mit ihm von Goethe gesprochen hätte, nie ihm gesagt, er soll etwas von ihm lesen; jetzt aber möcht’ er es tun, und nicht einzelnes um Goethens Werke kennenzulernen, sondern alles von ihm um Goethe kennenzulernen, aus ihrem Zusammenhang. Jetzt sei er’s wert, denn jetzt liebe er etc. Er hatte mir erzählt: wie er sonst gar sich nicht hätte zu lieben unterstanden, wenn es nicht eine berühmte Elegante war; wie er war, wie französische Koterien und Familien sind. Eine Menge! Mündlich. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sie Glücklicher. Ein Kind, eine Familie, eine Muse, Muße, ein schönes Feenbild, alles haben Sie! Ich - bin ziemlich herunter. Wozu leb’ ich wohl. Gott weiß es wohl: doch fühl’ ich es nicht. Ich bin nichts, tu |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000262 nichts, erfreu niemand mehr; und mich auch nicht. Und will ich ein Narr werden, so will ich’s aus alter Gewohnheit nicht leiden. Eine Dummheit. Labsal ist Narrheit, für arme Leute, sollen die ihr Stück Welt sehen wie es ist? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Für Ihr Kind möcht’ ich die Bibel, wie Rousseau für alle, Lafontaine’s Fabeln, verbieten. Welche Reife gehört dazu, dieses Buch nach der neusten Mode - nach der neusten, oder nach der neusten; wie Sie wollen - zu verstehen! Es muß es für ein Buch von Geschichten halten. An die Anfänge der Dinge, mein’ ich, sollen wir nicht Kinder, sondern sie uns erinnern. Sie meinen das auch; und es ist Lohn, für die Kleine solche Geschichten zu lesen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
602 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Gerne käm’ ich nach Nennhausen! Bin ich aber nicht furchtsam in einem fremden Hause? Nicht bequem? An mein Mädchen gewöhnt? Ist nicht trübes Wetter? Sie haben recht, lieber Fouqué, daß Sie sich voraus entschuldigen: Sie werden wohl in den vierzehn Tagen nicht zu mir kommen! Kommt Frau von Fouqué nach Berlin? Legen Sie mich ihr zu Füßen: ich könnte wohl vor ihr knien und mir erzählen lassen, nach den Augen sehen: und auch ihr vom Sommer erzählen. Ich empfehle mich dem ältesten Fräulein, wie alle Meinigen tun. Robert will ja mit dem Fest zu Ihnen schliddern. Adieu! Trauen Sie mir wie bis jetzt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
603 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ihre Freundin R. R. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
604 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich habe den ganzen Sommer mit Varnhagen gelebt: im Anfang schlecht; und dann sehr gut. Heute sähe ich ihn sehr gerne. Ich lieb’ ihn. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
605 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August Varnhagen in Prag | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
606 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonnabend, den 1. Februar 1812 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
607 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Ich bin in meinem Leben nur dreimal beleidigt worden, einmal von einer Frau, das zweitemal von einem Mann, das drittemal von Clemens. Bei mir entsteht das Gefühl von Beleidigtsein nur dann, wenn ich sehe, daß man sich eine Behandlung untersteht, die man nur glaubt mir unbestraft zufügen zu können: denn sich die Hölle anzutun, fühlen sich die Menschen genug aufgelegt; sie fürchten sich nur. Im Anfang dacht’ ich, ich hätte etwas aus Clemens’ Brief gelernt; nämlich, daß ich nicht soll klüger sein wollen, als alle Menschen, und glauben, ich habe eine besondere exquisite Manier auch Verrückte zu zwingen, und daß ich den hätte für boshaft halten sollen, den man so boshaft nennt; Freund und Feind. So ist es aber nicht: ich habe nichts gelernt; und muß künftig doch wieder selbst untersuchen; dumm wär’ es gewesen, Clemens auf |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000263 Hörensagen so zu glauben, und borniert, nicht jedes, was vorkommt, dreist, und Lust selbst vorzunehmen. Ich schwöre Dir, daß ich nicht gewußt habe, daß es solche Bosheit außer den schlechten Büchern, worin ich sie immer falsch fand, gibt. Er spricht mir ja mit einem wütenden Wünschen von meinem Tod, als wär’ ich eine böse alte Kaiserin, die ein Serail von jungen Schönheiten hätte totmartern lassen, worunter ihm eine Geliebte war. Er ist ein Esel; und weiter nichts. Und sag mir um Gottes willen, wo nimmt er das her, daß ich so sehr ambitioniere, unglücklich sein zu wollen? Hunger wünscht er mir auch sous cape. Ich habe mich sehr geärgert - nachher die Ursach -, aber zweimal mußt’ ich doch lachen; als er sagte, »ich sei sitzen geblieben« - und »ich sei nicht schön«, damit meint er häßlich. Jetzt erst find’ ich es so gemein, wie in dem Bierhause hinter dem Teplitzer Garten; besoffen. Lachen mußt’ ich, weil es so fehl schoß mit dem großen Effort. Betrübt aber, wie Du meinst, hat mich nichts. Mein Brief muß ihn gräßlich geärgert haben; und da er ihn nicht gut zu nehmen vermochte, so ist das recht, und freut mich. Ich habe Deinen und seinen Brief Linen gegeben, daß sie sie in ihren Koffer legt; damit kein Bruder, kein Freund, kein Sterblicher ihn finden kann; ich will nicht erleben, daß sie mich könnten so beleidigen lassen: und will auch nicht, daß um solche Lumpensache einer Verdruß hätte. Il y a des offenses qu’il faut dissimuler. Erschöpft haben Franzosen alle gesellschaftliche Verhältnisse. Du mußt aber komplett die Besinnung verloren haben, daß Du ihn diesen Brief abschicken ließest! So pronierst Du mich! und so läßt Du mich beleidigen, wenn einige Hiebe mich schützen können? Du wirst begreifen, daß es jetzt dazu durchaus zu spät ist: und das Ridikül auf unserer Seite wäre. Denn die Sprache würde dadurch divulgiert; und Jesus und alles käme zur Sprache! Warum sprachst Du ihm von Pauline? Warum trägst Du mein Inneres zur Schau! Bedenke ja! jetzt, daß seinem Buckel eine Tracht Prügel nicht mehr schadet, als schon geschehen ist, und daß in Deinem Stande eine Berührung Dich entehrt. Warte also lange auf eine andere, ganz günstige Gelegenheit. Nun kein Wort mehr der Schmach, in Kot getreten zu sein. Darum schrieb ich auch noch heute zur morgenden Post, damit heute alles darüber vorbei sei. Ich danke Dir für Deine Besorgnis; obgleich ich Dir für was anderes danken möchte. Ich begreife nicht, wie Du Dich hast so beleidigen lassen können! Leb wohl! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
608 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | R. R. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
609 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Alexander von der Marwitz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
610 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Freitag nachmittag sechs Uhr vorbei, schneeig, hell, etwas blau am Himmel, den 9. April 1812. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
611 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sittliche Menschen, die keine Narren sind, gestellt wie wir (das bißchen Modifikation rechne ich nicht), werden rein vom Tod berührt. Ich habe mich längst gewundert, keinen solchen Brief von Ihnen zu erhalten; die Gründe dieses Wunders und meiner Behauptung sind zu oft, zu lange dargelegt in allen meinen Briefen an Sie! »Grau in Grau.« Dies sind meine Worte schon vor Jahren an Varnhagen. So sollen die frischesten, biblischsten, ich meine frömmsten, lebendigsten Gemüter ausdauern müssen? Mit mir ist es nur noch schrecklicher! Sie wissen, wo ich mit meinem Vergehen, meinem Verzweifeln hielt; nun hat grenzenlose Angst und Sorge den Fuß auf mich gesetzt. Angst vor Exzessen - von denen welche, einige, vorfallen, und Sorge, wie ich es nur bestreiten soll. Diese beiden niedrigsten Affekte, oder was es sonst ist, steht meine Seele, wie sie ist, lebendig nicht aus, sie schrollt in Untätigkeit zurück, und dies nur fühl’ ich. Die edlern Klagen, das gerechte Vermissen schweigen; und wenn ich auch jetzt für Ruhe Glück und Seligkeit dem Himmel verpfände, so weiß ich von allem doch, wie es ist. Wie mir ist, ist keinem Gefangenen und keinem König im übelsten Zustand; entwickelt, dies nur mündlich! Ich habe einen Kommissär und einen Bedienten als Einquartierung; der Herr aber durch das größte Ungefähr wohnt wo anders! Reines Glück, welches sich in jeder Viertelstunde ändern kann. Ich sehe niemand, gehe nicht aus und fürchte mich unvernünftig. Sie haben mir vortrefflich geschrieben, und das Gefühl darüber wend’ ich dazu an, daß es mir wenigstens die Kraft geben soll, einen Brief zu schreiben, wenn auch nicht zu antworten. Ja, mein teurer Mitmensch - mehr noch als zufälliger Freund -, Sie drücken es aus, wie man über Gott nicht sprechen kann. Wenn der Begriff eines solchen Daseins nicht die Grenze des unsrigen ist, was ist er denn? Eine grenzenlose Unterwerfung muß es sein jedesmal, von etwas Unendlichem erzeugt, was in uns vorgeht, was wir auffassen! - Schneidende Messer sind es mir, wenn sie so dreist weg von Gott sprechen wie von einem Amtsrat und grade den Stummen, Übererfüllten von ihm (ihm!) abwendig glauben. Diese Empfindungen machen mir auch jetzt wieder in der Bibel alle Reden und Gesetze in der Wüste. Ich werde meiner Nation ganz abgewandt; wenn ich auch Moses die Gerechtigkeit muß widerfahren lassen, daß er’s mit sechsmalhunderttausend Jungvolk nötig |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000265 hatte. Gräßlich geschrieben und vorgetragen ist es gewiß. Nur bis nach Josephs Geschichte ist es schön; so weit ich bin. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
612 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Diese Woche wollte ich einen Morgen Madam Schleiermacher besuchen; sie hatte Klavierstunde, und Nanny, die aus der Küche kam, führte mich mit Gewalt zu ihm, wo ich aus der reinsten Bescheidenheit weder hinein noch bleiben wollte. Er las in einem neuen Buche eines hiesigen Menschen, der die lutherisch-evangelische Vereinigung will, ich brachte ihm einen Teil von Heinrich Kleists Erzählungen wieder und wollte von ihm ein Buch und griff Spinoza. Ich lese ihn. Den habe ich mir zeitlebens anders gedacht. Ich verstehe ihn sehr gut. Fichte ist viel schwerer. Es ist sonderbar, mir kommt immer vor, als sagten alle Philosophen dasselbe, wenn sie nicht seicht sind. Sie machen sich andere Terminologien, die man ehrlich gleich annehmen kann; und den Unterschied find’ ich nur darin, daß sich ein jeder bei einem andern Nichtwissen beruhigt, entweder aus einem solchen seine Deduktion anfängt oder sie dahin führt oder weniger streng es mit drunter laufen läßt. Spinoza gefällt mir sehr; er denkt sehr ehrlich und kommt bis zum tiefsten Absolutesten und drückt es aus, und hat den schönen Charakter des Denkers, unpersönlich, mild, still, in der Tiefe beschäftigt und davon geschickt. Von den Gemütsbewegungen ennuyiert mich, weil das Wichtige im Vom Geiste schon vorkommt und, wie sich’s weiter fortbewegt, mir und uns allen genug bekannt ist, den abstrakten, einsamen Mann aber unterhielt, wie es scheint. So viel ich von Spinoza. Ich lieb’ ihn aber sehr, den Mann. Wissen Sie, was Faust Gretchen antwortet, als sie ihn frägt: »Glaubst du an Gott?« Das schönste Gebet! Welch schöne Gebete strömten schon durch eine Seele, die dies antwortet; wie wälzte da der Geist schon Gedanken empor! - Über Gerlach haben Sie recht. Ich bin es überzeugt, Sie haben ihn göttlich beschrieben; wie unschuldig, wie ehrlich und wie wirklich gesehen, das erfindet man noch schwerer, als man’s sieht. Das Abspeisen neumodischer Art mit dem Glaubenswesen ist meiner tiefsten Seele zuwider. Einzeln steht dieser Befehl, auf keinem Grund und Boden erwachsen, nicht auf Güte, nicht auf keuschem Auffassen der Geschichte, nicht auf Enthusiasmus des göttlichen Exempels, nicht auf kinderhaftem Glauben an das, was Eltern und Lehrer meinen und lehren; auf schlechte Weise, wie Theater und Galerien besucht werden, hausen sie und disputieren und verschanzen sie sich gegen les ennuis (den »großen Verdruß«) ins neuerfundene Glaubenswesen hinein und herum! Und kaum paßt dies zur Wahrheit, die Sie mir von Gerlach loben, und die ich glaube. Sie lieb’ ich doppelt wegen Ihrem Brief und Ihren Gebeten darin. Es gibt nichts anders! Wer nicht in der Welt wie in einem Tempel umhergeht, der wird in ihr keinen finden. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
613 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich kann Ihnen nichts schreiben, - als: trösten Sie mich! Machen Sie mir Hoffnung zu Sommer, zu Luft, zu »Grünem«! Zu anderm, als ich sehe, was mich ganz erdrückt. Leben Sie wohl! Varnhagen hat mir wieder einen Liebesbrief geschrieben, mit einer Einlage von Hrn. von Nostitz an mich, recht artig in jeder Art. Antworten konnt’ ich dem aus Unseligkeit nicht. Varnhagen nur wenig, damit er nicht denkt, ich sei böse. Was ihm Graf Goltz geantwortet hat, weiß ich nicht, da Neumann seit zehn Tagen bei Fouqué ist und erst morgen wiederkommen soll. Zu Herrn von Winterfeld werd’ ich schicken, ich danke Ihnen. - Ich wünsche Sie wohl zu sehen! - aber nicht zum Zeugen meiner Angst. Kommen Sie! Adieu! Ach, wär’ ich auf einem schönen, ruhigen Berg und sähe glückliche Familien! Adieu! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
614 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | R. R. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
615 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Schleiermacher<> fragte mich gleich höchst freundlich nach Ihnen, pour me plaire glaub’ ich. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
616 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August von Varnhagen in Koblenz | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
617 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Montag abends 6, den 14. Februar 1814. Es war schöner heller Sonnenuntergang, bei angenehm scharfem Frost. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
618 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Obgleich zwei Briefe von Dir vor mir liegen, auf die ich mit unruhvoller Ungeduld lang wartete bis vorgestern; und die tausend Schönheiten enthalten von Dir, für mich und Dich; obgleich ich Dir meine Genesung zu melden habe und Millionen Dinge zu sagen: obgleich ich seit Freitag von unserer gewonnenen Schlacht in Frankreich weiß, so daß ich ganz Rahlchen und all ihr Leid vergaß: so laß uns doch zuerst von unserem verehrten Lehrer und Freund sprechen, dem ich Ehre und Leben in die Hand gegeben haben würde, ohne noch hinzusehen; dem ich das tausendmal in die Augen hineindachte und nie sagte, welches ich jetzt grimmig bereue, weil einem Menschen von anderen edlen, denkend, nichts Höheres werden kann, und wozu ich Elende nie den Mut hatte! Laß uns von Fichte sprechen! - Deutschland hat sein eines Auge zugetan; wie ein Einäugiger zittre ich nun erst für das andere! Ich nenne keinen; wie die Griechen die Furien umgehen und wahre Herzensangst es immer tut! Nun kann ja Unverstand, Lüge, Irrtum auf dem ganzen Grund und Boden der Erde umherwuchern, und, wie üppiges, ungesteuertes Unkraut, ihr alle Kräfte nehmen und sich |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000267 aneignen: keiner rottet es mehr aus; pflanzt, befördert, macht ihm Platz, säet ihn aus, den reinen nährenden Weizen, der Geschlecht zu Geschlecht verbessernd zu geleiten vermag! Fichte kann umfallen und faulen! Das ist nicht Zauber? Krank wie ich war, fand ich es vorgestern unvermutet in der hiesigen Zeitung »aus Berliner Blättern«. Ich weiß nicht, ich war beschämter als erschrocken. So gedemütigt! Fast beschämt, daß ich leben geblieben bin: und dann wieder eine wahre Furcht vor dem Tod empfindend. Wenn Fichte sterben muß, dann ist niemand sicher. Mich dünkte immer, Leben schützt vor dem Tode: wer lebte mehr als der! Tot ist er aber nicht. Gewiß nicht! Wenn ich Dir die Torheiten sagen sollte, die ich mir schon gewiß gedacht! Ich rief ihn an; ihm zu! O! Und was dachte ich noch alles. (Fürs erste bitte ich Dich, da Du nun auch in die Sphäre der Nervenfieber kommst, - sie gehen gräßlich raffend hier in Deutschland umher - mach Dir provisorisch, wie mein Arzt, eine spanische Fliege! Nimm Dich sehr in acht. Für mich, August! Ich bitte: aus dem Krankenbette; für mich schone Dich!) Fichte konnte also nicht erleben, daß sich die Länder vom Krieg erholten, Zäune wieder aufgebaut würden, dem Bauer geholfen, den Gesetzen nachgeholfen, daß die Schulen sich wieder herstellten und füllten; daß gewitzigte Staatsleute ihnen von den Fürsten Schutz verschafften! Daß Gesetze erfunden und ausgefeilt würden, daß die Denker frei, ohne den Augenblick zu schaden, sie Volk und Regenten zur Geistesprüfung vorlegen dürften; dies selbst ein Glück, zu aller Zukunft Glück! Der Mann, der dies, und also Deutsches, was allein so genannt werden dürfte, nur einzig und allein beabsichtigte, mißverstanden von den meisten Mitlebenden! Also auch er soll nicht aufgehen sehen, was er aus den dunkeln Schluchten, im Schweiße seines Angesichts, in dem ganzen Aufwand seiner Seelenkraft, hervortrieb? - Lessing! Lessing liegt auch; von wenigen nur nicht vergessen; und mußte kämpfen um das, was jetzt platt in jeder Zeitung stehen darf, um das, was solcher Gemeinplatz geworden ist, daß sie den Erfinder vergessen und es in stupider Albernheit nur ihm nachsprechen dürfen! Und was würde er jetzt wieder den anderen vorsprechen! Wie würd’ er sie über ihren Dünkel abkappen; sie polemisch, lebendig überführen, ihnen zur rechten Minute Völker und Geschichte vorrücken; in die blinde Aufgeblasenheit Löcher reißen und ihnen die Aussicht für Tat und Sache öffnen und frei machen: mit Ernst und Spott. Dieser Mann mußte sich mit einem Goeze abringen; und Schutt wegräumen, der damals fest und gerade stand wie unsere Gebäude. So auch Racine, und Voltaire, und all die anderen, die sie jetzt verachten wollen; weil sie die Zeit nicht fassen, in der jene leben mußten. Racine mußte große Kränkungen erleben, große Korrespondenzen führen, weil |Arendt-II-001-Lebensgschichte-1959-00000268 sein Sohn Manschetten angehabt hatte und in einer gewissen Schule darum nicht mehr geduldet werden sollte, und mußte diesen jungen Menschen deshalb schelten und sich anklagen und entschuldigen! Die berühmte blinde Französin, Mad. du Deffand glaub’ ich, wurde krank, von ihrer Tochter verfolgt, weil diese rechtgläubig und die Mutter es nicht war! Mit Gewalt schickte man einem der Dichter, der krank war, die Sakramente! Und diese Leute sollten davon sprechen und schreiben, was jetzt vorgeht? Die Religion der Jetzigen ist prahlerischer als der Abscheu jener vor den nur herrschenden Ceremonien derselben. Lessing, Fichte! und ihr Ehrlichen alle, möget ihr unsere Fortschritte sehen und uns mit euren starken Geistern segnen! So denke ich mir Heilige; begabt von Gott, geliebt von ihm, ihm treu. Selig sei unser ehrlicher Lehrer! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
619 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Pauline Wiesel in Paris | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
620 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Frankfurt am Main, den - September 1815 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
621 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Einzige! ich kann Ihnen nicht besonders schreiben. Reden Sie alles mit Varnhagen ab. Es gibt nur ein Wesentliches, da wir ganz so sind, wie wir ewig waren und sein werden, einzig wahr. - »Alle die andern armen Geschlechter der Erde winden und wandeln im dunklen Genuß«, sagt Goethe vom Vieh, gegen den Menschen genommen; ich meine alle andern Weiber - daß wir uns sehen: ehe ein kalter unverständlicher Tod uns umfängt. Kommen Sie hierher: eiligst! Was kostet Sie eine Reise! - Ihren Brief vom vorigen Jahr, den Sie Ihrem Bruder mitgaben, habe ich durch meinen Bruder Ludwig erhalten. Antworten konnt’ ich nicht mehr, weil ich mit Ihnen nur das Leben leben kann. Hören Sie aber nie mehr in der Welt von mir, so wissen Sie, daß ich mich nicht verändert habe, und mich nur in unserer schon gekannten Art ausbilden kann: daß Sie nun und ewig mein Matador, meine Einzige bleiben. Fragen Sie Varnhagen. Er weiß alles von uns. Zum Beweis, wie Sie und ich bei ihm stehen, schicke ich Ihnen den Brief zurück, den er mir schrieb, als er Sie in Paris entdeckte. Ich bin völlig frei bei ihm, sonst hätte ich ihn nie heiraten können. Er denkt über die Ehe wie ich. Ich bin ganz wahr mit ihm: in allem. Und davon liebt er mich, also mich. - Gentz - trägt seine Veränderung auf sich; an sich. Glauben Sie nicht, daß er irgend etwas in Ihnen sieht; keine Pauline! Er will von Ihnen - neue Subsidien, Hilfstruppen zur Lust; welche er in Erfindungen zu finden glaubt, während sie in den Empfindungen einer feinen richtigen Organisation allein gefunden wird, wenn diese bis in den tiefsten Herzensfasern und Bestandteilen ihr richtiges Spiel hat. Von |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000269 mir sagen Sie ihm, daß kein Mensch mit dem andern unzufriedener sein kann, als ich mit ihm. Und dies hört er nur von mir, nicht weil er’s verdient, denn er verdient dies nicht; aber weil bis in der letzten Herzenswand für ihn etwas in mir war, welches er so, wie es nun da ist, destilliert hat. Mag er sich nun stellen, wie er will! - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
622 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sagen Sie dies Gentz, weil Sie es sind, die es ihm sagt. Pauline, Sie kommen zu mir! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
623 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August von Varnhagen in Paris | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
624 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Frankfurt a. M., Mittwoch, den 11. Oktober, Nachmittag halb 5 Uhr, 1815. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
625 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Ach August, wie ist’s mit unserem Leben, mit seiner Optik der Zeit! Ein Gedanke hämmert mir jetzt bald den Kopf entzwei. Der nämlich, daß die Zukunft uns nicht entgegen kommt, nicht vor uns liegt, sondern von hinten uns über das Haupt strömt. Da wehre sich einmal einer! Tausendfältig bedenk’ und bestätige ich mir dies und kann es mit und aus allem, in der Geschichte, und einzelner Leben, bestätigen. Gestern, und das war eigentlich die erste Veranlassung zu der Herzensschwäche, hab’ ich so über Goethe geheult, geschrieen, weil mir das Herz barst. Ich nahm ein Bändchen Lieder zur Hand, weil es mir an einem Buche gebrach, und las manches Lied, mit großem neuen Anteil, weil mir sein Leben, welches ich eben gestern hier wieder ausstudiert hatte, ganz gegenwärtig war; und las, bis ich an das kam: »Mit einem gemalten Bande.« Ich freute mich, weil er selbst schreibt, er habe das Band gemalt und der Tochter in Sesenheim geschickt; ich kannte das Gedicht sehr gut; doch war mir nicht alles, und nicht das Ende gegenwärtig. Und so endet’s: Fühle, was dies Herz empfindet, Reiche frei mir deine Hand, Und das Band, das uns verbindet, Sei kein schwaches Rosenband! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
626 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Wie mit verstarrendem Eis auf dem Herzen blieb ich sitzen! Einen kalten Todesschreck in den Gliedern. Die Gedanken gehemmt. Und als sie wiederkamen, konnt’ ich ganz des Mädchens Herz empfinden. Es, er mußte sie vergiften. Dem hätte sie nicht glauben sollen? Die Natur war dazu eingerichtet. Und wie muß er gewesen sein, er Goethe, hübsch wie er war! Ich fühlte dieser Worte ewiges Umklammern um ihr Herz; ich fühlte, daß die sich lebendig nicht wieder losreißen; und wie des |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000270 Mädchens Herz selbst, klappte meins krampfhaft zu, wurde ganz klein, in den Rippen; dabei dacht’ ich an solchen Plan, an solch Opfer des Schicksals; und laut schrie ich, ich mußte, das Herz wäre mir sonst tot geblieben. Und zum erstenmal war Goethe feindlich für mich da. Solche Worte muß man nicht schreiben; er nicht. Er kannte ihre Süße, ihre Bedeutung; hatte selbst schon geblutet. Gewalt antun ist nicht so arg. Sieh so geht es mir. »Aus der Leidenschaft kann ich nicht«; im Gegenteil, das Herz wird schwächer. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
627 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Deine R. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
628 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Astolf Grafen von Custine in Fervaques | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
629 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mon-endroit, Dienstag, den 17. Dezember 1816 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
630 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Gestern, lieber Astolf, in der größtens Einsamkeit. Morgens war Mad. Brede abgereist, es stürmte wie auf dem Meere, kein Mensch öffnete meine Tür, von jeder Seite sind zwei Zimmer bis zu meinem leer, alle sehen nur über Dächer weg; meines geht nach unserm Hof, wo ich über Seitengebäude nach einem Wald, Fasanerie genannt, sehe; aber vorher mit meinen Augen erst vor einem kleinen Nachbarsgarten vorbei muß, der bis jetzt allem frühen Schnee, dem ungebührlichsten tobendsten Sturm und allen Sorten von wütendem Regen, Reif und Frost widerstanden hat und unbefangen seinen grünen Boden zeigt, in der größten Sommerordnung, in gradgezogenen Salatstreifen oder sonstigen Küchenkräutern, die ich nicht ganz unterscheiden kann. Dieses Gärtchen und vier bis fünf Sonnenblicke, die ich, seit ich hier bin, teils auf den Wald fallen sah, und teils auf die Türme, die ich aus meinen Vorderfenstern sehe, kann ich schwören, ist alle Sinneserfrischung, die ich hier genoß; diese Blicke knüpfen mich an mein voriges Leben, und dieses nur bringt mir noch eine sinnliche Ahndung von Zukunft hervor, und auch wie ein Hell- und Dunkelschein, schnell durch die Seele ziehend. Dieser Umstand erinnert mich an die Geistesaufschlüsse, die Jakob Böhme beim Anblick eines blanken zinnernen Tellers gehabt haben soll, welches mich schon vor fünf oder sechs Jahren, wo ich es zuerst hörte, nicht wunderte, weil ich von jeher Ähnliches in mir erfahren hatte. In Beziehung auf meinen Zustand und meines Gärtchens hier, freute es mich zwiefach, in Ihrem Briefe zu lesen, daß Sie in Ihrer Normandie, in Ihrer Einsamkeit, eines ähnlichen Anblicks genießen, der Ihnen auch Ähnliches - wenigstens - in der Seele aufregen muß. Solches nun und die Briefe, die ich hier erhalten, erregen mich auch hier nur allein. Und nun kein Wort mehr, von meinem Aufenthalt, von Schicksal und all solchen |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000271 Dingen! Ich habe es mir bis zur Evidenz durch mein langes Leben durch erörtert, daß es stärker ist als wir und alles; und unterwerfe mich nun, wenigstens stumm. So sehr lange mein Recht ihm zu beweisen, ennuyiert mich auch bei dieser hohen Person: und ich habe schon längst im Scherz gesagt und im Ernst gemeint: »Ich stelle mich den Jüngsten Tag nur, um mein Unrecht zu vernehmen, zu büßen, gut zu machen; das was mir geschehen ist, ist mir zu verjährt.« Zu lange muß nichts dauern, was nicht schön ist; je suis trop blasée sur ce qui me déplaît. Unser Schicksal ist eigentlich nichts als unser Charakter; unser Charakter nichts als das Resultat, in aktivem und passivem Dasein, der Summe und Mischung all unserer Eigenschaften und Gaben. Das sind wir - am tiefsten genommen - selbst: und was ist daran zu ändern? Oder vielmehr, wir selbst können grad daran nichts ändern. Der Zeitpunkt, in den wir nun mit unserer Persönlichkeit fallen, ist wieder ein fest gegebener; eine solche Mischung - wenn Sie wollen - im Größern. Deren und unserer Person Aufeinanderwirken nennen wir Schicksal; dem können wir wirklich nur zusehen, und unser Agitieren ist nur ein illusorisches. Das Gitter, woran wir ewig mit dem Kopf stoßen, eben weil wir eine Aussicht hindurch haben, ein Witz der höheren Mächte, uns zur Entwicklung eines ethischen Daseins gegeben. So explizier’ ich mir die Sache und verstehe leicht und willig die Erklärungsart jedes Menschen, wenn er’s nur ehrlich und gut meint; weil sie doch alle auf eins, auf Unterwerfung ins Unbegreifliche, hinauslaufen; mit dem wir uns bei der verliehenen Begriff-Fähigkeit nicht begnügen können, und ohne sie nicht einmal etwas vom Unbegreiflichen wüßten. Sie auch, lieber Freund, schrieben mir in einer andern Tonart dasselbe; muß man nicht immer nach der Tiefe hin? Aber mit ihr allein kann ich nicht leben; wäre meine Seele weniger umfangen, getragen von einem Meer, einer Atmosphäre von Ruhe und Klarheit - die ich nicht bin und nicht mache, die ich mir andern Orts erworben haben mag - so müßt’ ich sterben wollen für diese Tiefe; ich bin aber ins Leben gestellt mit allen meinen Sinnen, und vermag durch sie hindurch zu fühlen nach unendlichem Genuß der Dinge und meiner und des Daseins, mir bekannt und freundlich und intim, durch sie und diese Welt und beider Bewegung: die mir auch eine gottgegebene bleibt, so gut als diese Zeit eine Ewigkeit, und schon eine Zukunft, so gut als die zukünftige Zukunft; ich lasse diese Welt nicht ohne Schmerz und nichts in ihr. Bin ich zur Buße hier, so ist sie das; aber meine Anweisung, die Möglichkeit, auch hier zu leben, verlaß’ ich nicht. Es kann hier unendlich alles gelingen: und es gibt sehr gelungene Menschenleben, im Leben - nicht im Lassen des Lebens - von denen wir nichts wissen und erfahren oder es nicht beachten. Auch ist die bloße |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000272 Möglichkeit ganz genug. Schöne harmonische Gaben gehören dazu - wir wie ich uns beschrieb - gestellt in harmonische rein wiederklingende Lage. Klima, Eltern, Land, alles mitgerechnet. Womit hab’ ich mir, zum Beispiel, hier wohl das Glück verdient, von dem ich vorhin sprach, mich ohnerachtet aller Geisteszweifel und Fragen, die wir nicht befriedigen können und ich nie mit stupider Willkür hemme, mich wie auf Meeren von tiefster innrer Ruhe getragen zu fühlen, als regiert’ ich mit. Ein solch Gefühl zu haben, das bracht’ ich mit; das ist alter Erwerb: und sollte man nicht hoch und reich begabt auch hierher kommen können? Solchen Unterschied denk’ ich mir auf keiner Stelle des unendlichsten Geistes Schöpfung. Allenthalben ist ein ewiges Entwickeln und Sein; Leiden, Wissen, Werden, Genießen; und Höllenpfuhle wie Paradiese können allenthalben und zu allen Zeiten entstehen. Tragen wir nicht alles in der ewigen, verliehenen Seele? Unendliches können wir erfahren! Und kein Gehege, kein Bollwerk, kein refuge, von uns erfunden, wird halten. Sehen Sie, wenn ich anfange zu schreiben, hör’ ich gar nicht mehr auf; das nenne ich vom Schicksal nicht mehr sprechen. Drei Seiten! Jedes Wort, welches ich nicht französisch schreibe, geht mir durch die Seele, weil es dann nicht an Mama gerichtet scheint: Sie übersetzen ihr aber alles! Dies mit meinen Briefen vorgenommen, ist das größte exercice, deutschere, konfusere gibt es nicht; Bärstecher hilft! - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
631 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Adieu, lieber Graf! Nun schreibe ich ehstens Mad. Schlegel. Das Blut steigt mir so nach dem Kopf. Mir müssen Sie Schweigen nach entsetzlich Plaudern nicht übelnehmen! Die Fervaquer haben meine treuste Liebe und Freundschaft fürs Leben! R. Ihren Brief goutierte ich sehr! Mehr solche! Schreibt Wilhelm? Malt Mama? Ist sie wohl? Nach Karlsbad? | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
632 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August von Varnhagen in Berlin | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
633 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Frankfurt a. M., Freitag, den 14. November 1817. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
634 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Nebel, der schon von der Sonne durchdrungen wird; kotig, nicht kaltes Wetter. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
635 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... lieber August! Wie arm ist die Welt, wie stumpf die Menschen und faul im Aufregen ihrer selbst, wenn ich so viel gelten soll?! Erst neulich sagt’ ich im hastigen Reden zu Scholz: »Ja, ich habe viel Verstand; aber ich merke es nur an der andern große Dummheit; es deucht mir eigentlich nicht!« Bei dem Wort Verstand unterbrach er mich mit den Worten: »Sie dürfen auch nur das sagen.« Du aber, mein eingenommener, |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000273 ehrlicher - ehrlich, weil Du eingenommen sein kannst - August, glaub den andern nicht, wenn sie mich loben: im Augenblick müssen sie sich mich wohl gefallen lassen - Schlegel sagt, ich verstünde manches nicht: nämlich Brüderschaften, als Freimaurer und dergleichen Getreibe, weil ich so éminemment eine Person wäre - wenn Du mich grade und all meine Persönlichkeiten erwähnst; aber sie lieben mich gar nicht: ich entgehe ihnen ganz: ich bin ihnen durch Güte, und Übersicht ihrer, und nur so hinzunehmenden deutlichen Vortrag, durch Freundlichkeit und Prätentionslosigkeit zu bequem; und gar nicht wie da! Werden sie mich aber gewahr, so hassen sie mich eher. Ein Wahrhaftiger ist fast so verhaßt, als Wahrheiten: so lange ich mit meinem Generalisieren ihnen Belege für ihre Wünsche, kleine Leidenschaften und Geschichten gebe, ist es ihnen recht; und sie meinen, sie hätten die Gründe der Rechtmäßigkeit dazu mit den Begierden so obenein gefunden; widersprechen ihnen einmal diese Gründe, so bin ich ihnen fatal als unbequemer Rebell, der ungebeten auch da ist. Glaub mir; ich schmeichle mir nicht; und darum seh’ ich sie durch. Harscher z. B. hält jetzt Stücke auf mich. Weil ich ihm ganz als Abstraktum durch Briefstellen und Dein Reden, Dein Bezeugnis, Dein glücklich Leben mit mir, gegenwärtig werde; und wie er mit mir lebte, war er schlaff genug, mir Begueulen vorzuziehen. Geschöpfe, die sich keine wahre Rechenschaft über sich selbst zu geben vermögen, kein promptes Gefühl haben, hartherziger sind als ich, die eitel sind: und aus dieser Eitelkeit nach Lob und Beifall streben und handeln, die ihnen gezollt werden. Ganz gut. Nur bleibe man dabei: und schwelge nicht an zwei Tafeln. Almosen kann man von meiner haben. Die Beschreibung, die ich hier von meinem Effekt mache, wiederholt sich nun mein ganzes Leben durch, durch alle Nüancen, die bei einem jeden Verhältnis zu Menschen aus diesen hervorgerufen werden, aber immer nach derselben Regel. Die Regel hier bin ich: die sich längst einsieht, aber gar nicht ändern kann. Es mag andern auch so gehen; aber noch niemals fand ich jemand, der mich ganz übersah, ganz meine Konstitution und meine Seele verstand, jedes einzelne, die widersinnigsten Äußerungen aus dem ganzen; sonst müßte es sich ändern, und ich würde eine andere Regel. Du nimmst mich mit Liebe auf im ganzen und verstehst mich, und gleich ist es anders. - Was Herr von Zerboni mit dem treffenden Wort meinen kann, das ich soll gesagt haben, und das einen ganzen Menschen unwidersprechlich bezeichnen soll, weiß ich wirklich nicht: besonders aber, weil es ihm Herr von Stägemann soll erzählt haben. Dem erinnre ich mich nicht etwas gesagt zu haben; sonst sage ich dergleichen grade sehr viel; »in dem Fach bin ich ein Ignorant«, und Gentz wollte darüber vor achtzehn Jahren schon verzweifeln; wenn |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000274 ich ihm mit einem Wort Menschen vorhielt, die er alle Tage in den großen Häusern sah und nicht kannte. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
636 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An die Schwester Rose, im Haag | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
637 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Karlsruhe, Freitag, den 22. Januar 1819. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
638 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mittag 12 Uhr. Warmes Regenwetter. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
639 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Teuerste Herzensrose! Wie hat es mich gekränkt, daß Dein so erwünschter Aufenthalt in Brüssel so unglücklich und quälend gestört war! Der arme Karl! Das ist ja die Krankheit, die ich hatte, als Du mit Louis niederkommen mußtest, und wo ich dreizehn Wochen zu Bette und ein Jahr konvaleszent war. Gott behüte! Was soll man dazu sagen! Das sind Schicksalsprügel; wovon die Flecke nicht vergehen. Ich spreche auch von Dir. Ich würde sagen, schone Dich, erheitere Dich; wenn ich nicht wüßte, daß dies ganz unnütz ist. Man tut es doch nicht: im Gegenteil, man will sparen nach großen Ausgaben und meint schon viel schuldig zu sein, wenn man nur jappt! So rinnt das Leben der Vernunfts- und Schuldigkeits-Knechte hin! Ich aber esse doch jetzt jeden Tag ein halbes Huhn, weil nichts so leicht Nahrung gibt, und feinen lädierten Organisationen diese so sehr nötig ist. Mache dir auch Zerstreuung bei Deiner Eselsmilch: d. h. geh an Orte, wo neue Gegenstände, Worte und Menschen Dich berühren, Dir Blut, Leben, Nerven und Gedanken auffrischen. Wir Frauen haben dies doppelt nötig; indessen der Männer Beschäftigung wenigstens in ihren eignen Augen auch Geschäfte sind, die sie für wichtig halten müssen, in deren Ausübung ihre Ambition sich schmeichelt; worin sie ein Weiterkommen sehen, in welcher sie durch Menschenverkehr schon bewegt werden: wenn wir nur immer herabziehende, die kleinen Ausgaben und Einrichtungen, die sich ganz nach der Männer Stand beziehen müssen, Stückeleien vor uns haben. Es ist Menschenunkunde, wenn sich die Leute einbilden, unser Geist sei anders und zu andern Bedürfnissen konstituiert, und wir könnten z. E. ganz von des Mannes oder Sohns Existenz mitzehren. Diese Forderung entsteht nur aus der Voraussetzung, daß ein Weib in ihrer ganzen Seele nichts Höheres kennte, als grade die Forderungen und Ansprüche ihres Mannes in der Welt: oder die Gaben und Wünsche ihrer Kinder: dann wäre jede Ehe, schon bloß als solche, der höchste menschliche Zustand: so aber ist es nicht: und man liebt, hegt, pflegt wohl die Wünsche der Seinigen; fügt sich ihnen; macht sie sich zur höchsten Sorge und dringendsten Beschäftigung: aber erfüllen, erholen, uns ausruhen, zu fernerer Tätigkeit und Tragen, können die uns nicht; oder auf unser |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000275 ganzes Leben hinaus stärken und kräftigen. Dies ist der Grund des vielen Frivolen, was man bei Weibern sieht und zu sehen glaubt: sie haben der beklatschten Regel nach gar keinen Raum für ihre eigenen Füße, müssen sie nur immer da hin setzen, wo der Mann eben stand und stehen will; und sehen mit ihren Augen die ganze bewegte Welt, wie etwa einer, der wie ein Baum mit Wurzeln in der Erde verzaubert wäre, jeder Versuch, jeder Wunsch, den unnatürlichen Zustand zu lösen, wird Frivolität genannt oder noch für strafwürdiges Benehmen gehalten. Darum müssen Du und ich ein wenig angefrischt werden! Varnh., gleich nachdem wir deinen Brief gelesen hatten, vergaß alle Verabredungen mit manchen Freunden für künftigen Sommer und schlug mir gleich vor, zu dir zu gehen - nach Gesundheit und Jahreszeit. Ich stellte ihm die Sache vor, wie sie ist: und er sah es gleich ein. Mit Dir aber, teure liebe Rose, mag ich jetzt noch von keiner Reise reden: wozu dies im Januar, da es bis Juni Zeit hat. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
640 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | - Auch ich tue nichts Unsinniges und Verschwendrisches: bei der größten Freiheit: und bin ein untergehender Sklave der Vernunft, so nennt man mit Recht das, was man fürs Ersprießlichste erkennt: nur beurteilt man dies zu oft aus nicht hohem Gesichtspunkt genug und zu untergeordnet: das ist auch mein Fehler: und ich schade Gesundheit und besserm, höhern Leben damit; weil die nur im höheren Leben gedeihet. Seit Mitte November war ich zweimal aus: ich mußte das Wetter meiden: und bin doch nur passabel gesund: wie du’s kennst: jedoch hab’ ich große Anfälle vermieden. Varnhagen ist seit dem Tag vor Sylvester an einer Grippe zu Bette gewesen: recht krank. - Ich hatte es schlimm: sein Zimmerchen war warm und klein, und ich mußte immer durch Kälte dahin. Das tat mir Schaden. Auch bin ich krank und imbécile von Ideen- und Zerstreuungslosigkeit. Das kann ich nicht: konnte es nie!!! - Doch geht’s jetzt: par ci par là kommt einer. Ich kann wegen Blutsteigen und meiner Augen nicht stets lesen. Doch lese ich viel. Du siehst meine Handschrift, nachgrade nun werde ich nervig. - Schreibe mir bald, Geliebte! Daß Du die Catalani hörtest, ist mein Trost! Auch freut mich sehr Dein Schiller und Goethe. Studiere den letztern sehr! Ist sein Leben und alles von ihm dabei? - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
641 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Adieu. Liebes Kind! Schreibe mir bald! Von zu Hause krieg’ ich auch nur so wenig Briefe, und so wenig drin als möglich: auf dem Ort ist mein Herz hart gebrannt, Adieu. Deine R. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
642 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dore grüßt schön! Auch Hrn. Asser. Ich auch noch einmal! Er soll sich noch lange pflegen und schonen und Champagner trinken und Eisentropfen gebrauchen. Das waren damals meine guten Mittel. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
643 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, den 3. November 1819 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Es wird eine Zeit kommen, wo Nationalstolz eben so angesehen werden wird, wie Eigenliebe und andere Eitelkeit; und Krieg wie Schlägerei. Der jetzige Zustand widerspricht unserer Religion. Um diesen Widerspruch nicht einzugestehen, werden die entsetzlichen, langweiligen Lügen gesagt, gedruckt und dramatisiert. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Geschichte ist in närrischen Händen sehr schädlich, und ein Grundirrtum über sie in Umlauf; man hört überall den höchsten fast bis zu den niedrigsten Ständen empfehlen, sie möchten die Geschichte fragen und die studieren. Wer ist denn vermögend, Geschichte zu schreiben oder zu lesen? Doch nur solche, die sie als Gegenwart verstehen! Nur diese vermögen das Vergangene zu beleben und es sich gleichsam in Gegenwärtiges zu übersetzen. Daher ist das Wort von Friedrich Schlegel: »Der Historiker ist ein rückwärtsgekehrter Prophet«, so sehr richtig; darum Goethe ewig und stets von neuem so groß belebend und lebendig: alle Zeiten, Religionen, Ansichten, Extasen und Zustände begreifend und darstellend und erklärend. Diejenigen aber, welche mehr Geschichte lesen, als selbst leben, wollen nur immer eine gelesene aufführen oder aufführen lassen: daher der seichte Enthusiasmus, die leeren Projekte, und dabei das Gewaltsame; weil der große Lebensgang, einem Gewächs gleich, nicht herabgehalten noch erdwärts gebogen werden kann, sondern nach eignem Himmelsausspruch emporwächst und aller Anstrengung, es anders zu gebrauchen, mit größter Kraft widersteht. Römische Geschichte aufführen wollen, mit Intermezzos aus Ludwigs des Vierzehnten Leben, half Napoleon entthronen. Es wird gewiß bald dahin kommen, daß Schriftsteller der Geschichte, die bloß durch Geschichte ins Leben blicken, von denen, welche die Geschichte durch das gegenwärtige Leben auffassen und darstellen, scharf und klassenweise werden unterschieden sein. Dann werden die leider doch noch zu geistreichen Faselbücher nicht gelesen werden können und bald nicht mehr geschrieben ... | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
647 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Karoline Gräfin von Schlabrendorf in Dresden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, Sonnabend den 22. Juli 1820 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
649 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Teure Gräfin! Sichere Freundin. Die Lebenswellen schleichen, laufen, stürmen, wallen vorüber, und sitzen die Freunde nicht in einem und demselben Schiffe, nicht an demselben Ufer, so bleibt es vergeblich, jene |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000277 für einander auffangen zu wollen; erhascht sind sie tot, einzeln, ohne Strom, ohne Bedeutung, Leben oder Beziehung. Darum ist Trennung so hart: weil für die am meisten Gewitzigten dann auch, wie für andere, die Mitteilung starrt: nur dieser große Gewinn bleibt ihnen, daß der Lebensstrom in einem jeden von ihnen dieselben Tiefen durcharbeitet hat, wenn sie sich wiedersehen; und noch einen Vorteil müssen wir uns nicht entschlüpfen lassen! Diesen nämlich, wenn uns ein wirklich geistiger Fund entgegenschwimmt, daß wir ihn nicht in Stummheit für uns allein fischen, sondern unvergessen und gleich ihn den Geistesverwandten zuschiffen. In dieser ununterbrochenen Gesinnung schicke ich Ihnen, geehrte Freundin, beikommendes Büchlein: Angelus Silesius. Ein Schatz von Gedanken, Kleinode erhabenen Stolzes, der mich bis zum Lächeln erfreut; gedachte und daher einzig wahre Demut; einzig wahre Religion, da es Fragen an Gott sind; getrostes Verzweifeln; Unschuld in höchster Kraft bewahrt! Dies alles in bereiter, gebildeter, glücklicher Sprache, die ihr Bestes und alles dem Gedanken verdankt, und nicht wie ein Kleid des Gedankens, sondern wie dessen lebendige aus ihm erwachsene Behauptung lebt. Kurz das Gegenteil der Zeitavortons; in Religiosität, Denken, Gesinnung und Ausdruck von allem diesen! Darum, teure Gräfin, schicke ich es Ihnen! Mir stärken diese Sprüche den ganzen Geist und Kopf, wie Bergmorgenluft die zu wenig beachtete Natur des Körpers. Möge es Sie ebenso erfreuen, und Sie mich es wissen lassen! Ich dachte diesen Sommer gewiß nach dem Rhein zurückzugehen. Mein Bestes, meine Vernunft, muß einwilligen, hier zu bleiben. »Nur Geister können gezwungen werden«, sagt Novalis. Machen Sie von diesen wenigen Worten Ihr Facit! Fast fürcht’ ich mich, noch etwas Höheres zu werden im Verlauf der Zeiten. Welcher Zwang mag da erst eintreten! Doch bin ich seit heute getroster: weil ich ein paar Zimmer im George’schen Garten, der an der Spree liegt, als Absteigequartier habe. Und Luft, Grünes, Wasser, Leben, - welches auf dem Schiffbauerdamm ist, - mich gleich heilend berührt und mir wirklich so nötig als Atemluft ist. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
650 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Adam von Müller in Leipzig | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
651 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Den 15. Dezember 1820 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
652 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Angelus’ tiefste, erhabenste, schönste, kühnste Sprüche sind und bleiben nur unschuldige Fragen und demütiges Verzichten. Die ersten bis zur kühnsten Keckheit eines geistvollen Kindes. Ich muß hier noch sagen: es findet sich schon in Kindern diese Sitte, wie ich es nicht anders zu nennen weiß: die ganze Anlage, der ganze Keim zu Moralität. Wie |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000278 sollt’ ihnen auch sonst verständlich werden, was sich darauf bezieht? Aber verschieden sind die Kinder; grad nur darin. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
653 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Und ich möchte sagen, was ist am Ende der Mensch anders als eine Frage! Zum Fragen, nur zum Fragen, zum ehrlich kühnen Fragen und zum demütigen Warten auf Antwort ist er hier. Nicht kühn fragen, und sich schmeichelhafte Antworten geben ist der tiefe Grund zu allem Irrtum: und ist man in diesem auch ehrlich und irrt nur, so ist es doch Verzärtelung und Mangel an Klarheit; und bei beiden können wir nicht immer verweilen: Die große allgütige Einrichtung Gottes, das wirkliche Verhalten der Dinge untereinander und der Gedanken zu den Dingen wird uns doch zum schwereren, demütigern Werk mit fortreißen. Auf solche Weise, glaub’ ich, sind wir zum ganzen hiesigen Dasein gekommen. Wir mußten es durchmachen. Wie überhaupt Menschengeister lernen. Mit eigener Mühe; dabei fängt die große Mitgift, Persönlichkeit an. Dies ist für mich »der Gedanke aller Gedanken, die Menschwerdung Gottes«; die Gnade, uns eine Person werden zu lassen, und in dieser Gnade find’ ich auch gleich ihren eigenen Grund; sie enthält ihre Bedingung in sich selbst. - Den Urgeist beurteile ich nur nach meiner Mitgift von ihm, im Verhältnis von mir zu ihm: nicht ungemessen, ungebührlich, was er sein kann. Der Gedanke Sein schwindet mir sogar bei solchen Möglichkeiten. Wie ein Adjektiv komme ich mir vor. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
654 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Sie glauben gar nicht, was ich alles untereinander lese. Kennen Sie Madame Guion? Deren Leben las ich vorigen Winter und noch vieles von ihr. Die hat den metaphysischesten Kopf. Mit welcher Kraftmacht - vigueur - spekuliert, malt die ins Leere. Von dem großen Charakter noch gar nicht zu sprechen. Sie werden gewiß laut lachen: aber für mich ist sie ein Gegenstück zu Fichten. Beide lassen Welt und Natur ganz ausfallen und senden den starken Geist in die Weite. Fichte verfolgt die Tätigkeit desselben bis an die Grenze des Seins: die Guion schwingt sich neben ihren Vater in die Werkstätte der Welt, wie die Bibel sie erzählt. Mit einer Gemütskraft und einer Ergebung voll Zutrauen, die mich sie mit Verwandtschafts-Zärtlichkeit lieben macht. Mir äußerst merkwürdig. Nur krankhaft; unsäglich großartig aber. Darnach las ich Fénelons und Bossuets Leben von Beausset. Fénelon lieb’ ich: den muß jeder nach seiner Art lieben. Bossuet zwingt sich selbst: warum sollte er nicht andere zwingen wollen? Das ist seine Ehrlichkeit. In seinen Briefen an Freunde find’ ich ihn liebenswürdig. Ich glaube, kein gebildeter Franzose damaliger Zeit konnte in näherem vertraulichen Umgang der Liebenswürdigkeit entgehen: sonst wäre er mit niemand dazu gekommen. Soviel Echtes enthielt ihre damalige Gesamtbildung und das, was in der Gesellschaft herrschte. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
655 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
656 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, den 29. Januar 1822 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
657 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich habe jetzt Wilhelm Meisters Lehrjahre wieder gelesen. Wie ist es möglich, einen zweiten Don Quichotte zu fassen, zu erfinden und darzustellen! Küßt euch, Cervantes und Goethe! Beide sahen mit ihren reinen Augen: verteidigten das Menschengeschlecht; sahen den Ritter durch, durch seine Torheiten und Irrsale, konnten ihrer Augen edlen Blick bis in seine tiefste Seele tauchen und dort seine eigentliche Gestalt sehen. Wie jenem Don Quichotte geht es Meistern; einen Narren nennen ihn die Leute »ohne Tadel«, einen Herumtreiber, der sich mit nichts Wirklichem beschäftigt, der sich mit Bettlervolk abgibt, nichts zuwege bringt; nicht einmal weiß, was er denken soll; der für einen Helden in einem Roman nicht einmal gut genug ist; von welcher Sorte man schon tausendmal bessere bei den Fieldings aller Länder gehabt hat, die doch noch ein Resultat geben! Während unser Weiser die edelste, reinste, ehrlichste Seele in ununterbrochenem Bemühen und Kampfe geschildert hat mit der Welt, wie sie leibt und lebt; ohne je einen Moment in ihre unreine Verwirrung zu geraten; immer im Bemühen, sich zu tadeln und zu bessern; immer in der Unschuld, die andern besser zu sehen, als sie sind, und meist sie sich vorzuziehen; immer aufgelegt zu lernen und nachzugeben, außer dem evident Unedlen: rührenderes, verehrungswürdigeres Benehmen, vortrefflichere Gesinnung kann man nicht erfinden; und je mehr man ihn sich deutlich macht, je mehr ehrt und liebt man ihn und Goethe’n. Don Quichotte mußte mit eben solcher Seele eine - also eine einseitige - Eigenschaft, die des Ritters, wählen, und mußte sie in Ausübung bringen wollen. Meister mußte den ganzen Menschen ausbilden wollen; und mir ist’s, als ob Goethe dem Cervantes nur die Feder abgenommen hätte, weil die Menschen sich in der Zeit folgen. Was die beiden Meister sonst noch in den Werken gelehrt und gezeigt haben, ist ihre Zeit: und das so rein und wahr, daß sich die künftigen gleich daran anschließen für den Geschichtsblick, für wahre Augen überhaupt. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
658 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Oelsner in Paris | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
659 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, den 28. November 1822 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
660 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Donnerstag, 11 Uhr, in meinem Bette. Dunstiges, feuchtliches, graues Wetter: noch kein Frost, noch kein Schnee. Dies letzte, damit Sie nicht denken, daß Sie auch dies in Paris voraus hätten; das erste, um Ihnen |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000282 gleich zu zeigen, daß ich Rheumatismus zu pflegen habe, und Sie mir sowohl mein Nichtschreiben als mein Schreiben zugute halten! »Ich wünschte meine Schuld in Person abzutragen«, schreiben Sie mir in Ihrem letzten Briefe, »denn die Empfindung bedarf der Gebärde und der Stimme.« Sie bedarf - und sie allein - der ganzen Welt und vermißt am meisten Gebärde und Stimme. Wie soll es mir nun aber gehen, da ich ohne weiteres stupid bin, wenn mich das Herz nicht aufrührt, was soll ich nun mit tonloser Feder und stiller schwarzer Tinte anfangen, wenn ich einen Brief seit Juli habe liegen lassen; in welchem Monat ich schon leidend und gestört auf manche Weise war. Grau in grau kommt mir die Welt vor: hab’ ich recht, oder stecken sie mir meine Haare bloß an? Mich dünkt, die politischen Fragen und die den geselligen Umgang betreffenden, sind abgesprochen, abgewitzt und abgelebt. Die Führer und Verwalter der erstgenannten suchen sich zu sichern und zu schanzen, weil die heiligen Haine, hinter denen sie thronten, durchschritten und gekannt sind. Die Arbeit geht nun an ein paar andere große Institutionen - die man für Religion ausgab und hielt und von ihr borgte - dünkt mich. Es wird nichts helfen; man wird in allen Winkeln des Geistes und des Herzens wahr sein müssen, und sich das große, allgemein herrschende Defizit des Nichtwissens eingestehen müssen. (Dies ahnt die größte Menge gar nicht. Viele von den andern wollen es nicht gestehen; noch wenigere denken, sogar dagegen noch handeln und wirken zu können. Unnützes Versuchen! Erstlich ist man immer selbst in der wahren Schöpfung - Entwicklung - man drehe sich Kopf vorne, Kopf hinten, mit einbegriffen; und jeder mittendrin; und zweitens, wo sollte es hinführen? Rückwärts? Wir müßten wieder vorwärts.) Man wird aufhören müssen, da für die menschliche Gesellschaft bauen zu wollen, wo kein Grund als selbstgemachte Fabeln zu finden sind, und sich das Herbe eingestehen, daß man Mangel fürs erste kennen muß und ihm nicht mit Verleugnen abhilft. Seinen Himmel wird sich jeder einzelne ausdenken müssen zur Unterhaltung - wahre Poesie - schaffen wird er ihn sich müssen, in seinem Gewissen: und daß er das muß, wird er wissen müssen: Gesetze für den Lebensverkehr werden klarer, intensiver - mit dem innersten des menschlichen Geistes und seiner ganzen Natur - treffender und wirkender ausgedacht werden; und das, daß niemand einem Gesetze entgehen kann, ganz allgemein und herrschend werden. Dahin, dünkt mich, will die Welt und die häusliche Gesellschaft: und vor diesem großen Werke - groß nur weil es endlich erkannt wird - steht sie jetzt stockend still: und darum ennuyieren wir uns! Das nenn’ ich ausgeholt: weit ausgeholt! Aber so ist’s: will man nahe kommen, muß man weit ausholen, mir geht’s immer so. Ich hoffe, |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000283 Sie ennuyieren sich auch. Nämlich, man wird weder erschüttert, noch angenehm hingehalten; und muß auch dies für sich allein übernehmen. Sie tun es gewiß: ich auch. Ich lese: es fällt mir dabei etwas ein; das amüsiert mich. Ich gehe, ist’s möglich - nur irgend einträglich - ins Theater; sehe wo möglich noch passable Menschen; und liebe Gedanken, Denken und Einfälle immer mehr: ich glaube, je weniger ich habe; sie ergötzen und stärken mich ungemein, sie heilen und flicken mich aus. Schreiben Sie uns also! Ohne alle Hoffnung - weil das überhaupt am meisten beruhigt - vielleicht sehen wir uns doch in dem ersten oder zweiten Jahr! lieber in Paris als in Berlin. Für die Fürstin von Salm-Kyrburg hab’ ich wahrlich gar nichts tun können, worüber ich noch in Reue bin! Der schwülste Sommer; Staubstraßen, leere, ganz leere Stadt; fast keine Gegend; ich ohne Pferde, ohne Mut; sehr unwohl! Hat die Fürstin durch alles dieses meinen guten Willen durchgesehen und mich in diesem ungünstigsten Zustand nicht ganz übersehen, so ist sie noch klüger und besser, als ich sie hier schon fand. Sie ist artig, klug, angenehm, voll Welt, die ihr nicht schadete: kurz, sehr gut. Sein Sie gut gegen diesen Unbrief! - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mittwoch, den 4. Dezember 1822 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Es ist nicht allein sehr schwer, die Wahrheit hier in der Welt zu finden; sondern man muß sie auch noch verleugnen! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mai 1823 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich konnte über Goethes Wahlverwandtschaft heute gar nicht mitsprechen. Ich habe das Meisterwerk erst kürzlich wieder gelesen, mit neuer Bewunderung des Ganzen, mit neuem Staunen über jedes Detail; aber mit dem Stoff bin ich diesmal nicht besser zufrieden als sonst, er ist mir zuwider. Das Leichenhafte des Ausgangs zieht sich rückwärts bis in den Anfang hinein, wo einem schon etwas beklommen zu Mut ist. Ganz besonders aber ist mir Ottilie zuwider mit ihrem halbseitigen Kopfweh, ihrer dunklen Naturbeziehung, ihrem Mangel an Talent. Daß sie mit dem Kind auf dem Arm im Spazierengehen noch nebenher liest, empört mich bis zur Grausamkeit. Gerechter Gott, wie kann einem das einfallen, wenn man ein holdes Kind zu besorgen hat und im Freien ist! Die wäre mir schön angekommen, auch ohne allen Unglücksfall. In diesem bedauer’ ich sie wieder unendlich, das arme Geschöpf, dies Unglück ist gräßlich. Und gerade diese Schilderung wie meisterhaft! - Ich |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000284 durfte aber alles das nicht sagen, die andern hätten sich nie ausreden lassen, daß ich doch nicht ihrer gemeinen Ansicht bin. Was ich gegen Goethe habe, geht die andern nichts an. - Noch mancherlei haß’ ich in dem Buch, so ganz besonders die lebenden Bilder, eine wahre Verirrung der Kunst, mit der ich mich nie versöhnen kann. Goethe beschreibt und gebraucht sie aber vortrefflich, und ich fürchte, doch mit etwas Vorliebe, die ihm vielleicht durch gesellschaftliche Eindrücke gegeben worden. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
666 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Karl Gustav von Brinckmann in Stockholm | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, Freitag den 24. April 1824 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonnenhelles, seit drei Tagen, warmes Wetter; nur noch leichtes Knospengrün: die Straßen immer breiter, immer heller. Jedoch heute erfrischender, und viel Morgentau auf der Erde. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich lebe noch. Nun wissen Sie alles. Da Sie doch auch wissen, daß man sich, umgekehrt wie gesagt wird, nicht ändert - garstig werden u. dgl. abgerechnet -. Was aber schlimmer ist, unser Schicksal ändert sich auch nicht: denn woraus besteht es, als aus uns selbst! Und nun wissen Sie noch einmal alles: und noch obenein, daß sich unser Stil auch nicht ändert; dies zeigt uns das still- und tiefere Studium Goethens und aller andern Menschen; und dann noch einmal, ich. Hab’ ich Ihnen wohl je andere Morgenbilletts geschrieben, als das hier über Meer und über Zeit? Es wird uns nach ihr (nach der Zeit) weiter gar nichts fehlen - zu hier -, als daß wir wissen, daß Sie Brinckmann heißen und ich Rahel. Eines sollen Sie nur noch wissen, weil Sie es, glaube ich, sonst nicht genau wußten. Meine größte Kränkung besteht darin, daß ich in keinem Garten lebe; in keiner Gegend; mit einem Wort, auf keinem Ort, wo ich aus der Tür’ ins Grüne trete: aus dem Fenster dahin sehe. Es liegt nicht in meinem Schicksal, mir das zu schaffen, was mir das Wichtigste ist; nur das liegt drin, daß ich das bin, was mir das Wichtigste ist. Verstandum? (kein Witz auf dumm, nur eine lateinische Frage, aus Spott und Verzweiflung) diese Kränkung aber greift in alle Stunden ein: und darum halte ich sie für eine. Große Herzensschläge, die man nur mit sich abmacht, existieren für mich nicht mehr. Nur Ungemach; und Privationen - der »fünf nötigen Dinge«. Nie wird etwas gesprochen oder gelesen, was Sie hätten hören oder sagen müssen, wo ich Sie nicht laut nenne: und Varnhagen kennt Sie und spricht von Ihnen, wie wir |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000285 andern. (Ich bin einmal treu gemacht: mir treu; und so auch allem.) Daran können Sie nun wissen, daß, geschieht ein Loslassen, es kam immer von den andern; Ihr Katholischwerden allein macht es bei mir nicht einmal: Sie müssen noch aparte ausspannen. So lieb’ ich Gentz als größten Publizisten; - ich würd’ ihn Privaten nennen - noch immer. Er trägt das Kind noch in sich, das liebe: und er mag sagen, was er will: er liebt Wahrheit: und er - ist nie eine Lüge. So ist’s mit vielen andern, die sich öffentlich über ihn stellen, bei weitem nicht. Ich wohne von Humboldts nur sechs Häuser weit, und meine Augen sehen sie nicht. Die Herz öfter: und alle alten, die nicht tot und weg sind. Pauline ist in Paris und die alte, nur älter: ich vermisse sie täglich und oft im Tag. Sie liebt das Freie - die Natur nennen sie’s - wie ich. Ich habe Mad. Benedix bei Abraham Mendelssohn gesehn; ich beneide sie; so gefällt sie mir: so jung; so selbständig, so frei im Ausdruck, und so sanft und graziös dabei. Ich - ewig lâche; oder ein Ausbruch wie Erdsturz; Gewitter ist mir zu gut. Ich gönne sie Ihnen in Stockholm; aber ihr: air natal: und anderes! - Welches sie nicht in Gedanken gefaßt hat, also nicht wünscht. Ich sehe auch oft Frau von Helvig, sie ist eine Nachbarin von uns (wir wohnen Friedrichs- und Französische Straßen-Ecke, sehr nah wo die Bethmann wohnte; Humboldts, wo O’Farils wohnten; Frau von Helvig vorne in der Behrenstraße), nur die andere Ecke. Und wir stehen gut. Eine wesentliche Frau; ohne ihre bekannten Eigenschaften zu rechnen! Ist Ihnen diese Paranthese nicht zu labyrinthisch: ich verlasse mich auf Ihren Faden! Er, Varnhagen, grüßt Sie schön und schickt Ihnen hier ein Buch, welches vorigen August erschien, und wozu er erst jetzt Gelegenheit findet, es Ihnen zukommen zu lassen mit der Bitte, Sie möchten ihn doch zum zweiten Band so bald als möglich mit Beiträgen erfreuen: hauptsächlich in Ihren eigenen Papieren stöbern, wo sich gewiß noch Unendliches zu diesem Behuf vorfinden muß; von Ihnen und tausend andern. Schicken Sie von Schweden, Deutschen; von was Sie nur können: hauptsächlich von sich. In dem Band, der hierbei liegt, sind die Seiten von 207 bis 222 (»Ungenannt« überschrieben) von mir. Aus meinen Briefen und Papieren genommen; die nie anderes Tageslicht, als das, wo sie geschrieben waren, vermuteten. Varnhagen stöbert aber alles durch: und ich bin nicht heikel: ich finde andern ihr Bereitetes nicht so sehr viel besser; und oft viel schlechter. Niemanden hat Goethe so durchströmt, wie Herzensblut selbst, als mich. Das finde ich interessant dabei. Il n’existe point de plus franchement, que ce franchement-ci! Das Buch ist amüsanter, als ich mir vorstellte, daß es werden würde. Wieland, Fichte: vortrefflich. Und alles unterhaltend. Nun schicke ich Ihnen noch einen kleinen Angelus, den ich vergöttre. Eine Kinderseele |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000286 voll Mut. Der Mensch eine reine Frage; voll Witz, Menschenwitz, den er nicht los werden kann; die höchste Art von Ergebung. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Nun muß ich ausgehn. Zu Ihrer Ergötzlichkeit sollen Sie hören, wohin. Zu meiner Nichte Fanny; das Kind, was Sie kennen. Die ist seit gestern acht Tagen im Kindbett mit einer hübschen Tochter. Ihre Mutter, »die junge Madame«, seit einem Jahr tot. Ich war viel und bis die letzte Minute bei ihr. Nettchen ist tot; im Juli wird’s drei Jahre. - Ja, man wird einsam, trotz der neuen Kinder. »Und der Rest ist Schweigen.« Shakespeare wußte es; Hamlet mußt’ es sagen, (Melancholisch gesagt!) Also weiter! Adieu lieber Freund. Wenn ich treu bin, sind Sie’s auch. Antworten Sie ja. Generalkonsul Dehn schickt mir gern den Brief. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | (Rahel, damit Sie mich kennen;) Friederike Varnhagen. Meine Namen sind: Rahel, Antonie, Friederike; mit dem letzten unterschreibe ich alles Offizielle. Der Zug R bleibt mein Wappen. Mein Bruder Ludwig Robert hat eine sehr schöne Frau geheiratet, auf die Sie hundert Gedichte machen würden: sie ist auch liebenswürdig und dichtet auch: Lieder. Mein jüngster Bruder hat eine hübsche talentvolle Polin und zwei Knaben; der älteste elf Jahre. Als riß’ ich Gräber auf und mein Herz und bestürmte mit zwanzig neuen Leben meinen Kopf, so ist es mir, muß ich einem Alten schreiben! Man muß beieinander bleiben: man ist zu dumm, man sucht Fortüne und verläßt Glück. Wir sind getrieben. Ich werde je klüger, immer dümmer. Ruhe, Garten! Garten! Vieles ist nicht von hier: darunter gehören Blumen, Düfte, Stille. Wenn das Leben aufplatzen wird, was ist dann? Neue Jugend: Wunder. Gewiß. Adieu. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
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[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Donnerstag früh bei Fichte, den 27. Januar 1825 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
674 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Wahres Unglück ist nicht das, welches einem Menschen als Unglücksfall überkommen muß, und welchem wir als solche stets ausgesetzt sind. Unglück ist das Unangenehme, in allen Lebensmomenten Drückende und Hemmende, welches notwendig aus einer gegebenen Lage sich entwickeln muß: aus Geburtsstellung, aus der Charaktermitgift - Konstellation unsrer Eigenschaften in jedem Sinn, - Körperschönheit und Gesundheit; oder deren Mangel u. s. w. Dagegen kann der Mensch nicht selbst an; sondern ein Höherer; wir können nur diese Fälle erkennen lernen, als Fakta, die uns als diesen besondren Menschen begegnen müssen: und uns darein ergeben als in ein Unvermeidliches und ein doch Trost enthaltendes, als eben so notwendig auf Neues, Hohes und Unbekanntes sich Beziehendes und darauf Begründetes. Und weil wir die |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000287 Gründe zu diesen Fakta nicht erkennen können, sie also blind annehmen müssen, d. h. geistlos, so muß da dann immer das Gemüt eintreten; heißt: sich aus Bedürfnis - welches eigentlich wir selbst sind - einen Grund, eine Voraussetzung in einem andern Gebiete schaffen - fast erschaffen, - und das mit Recht. Wo wir herstammen und wo wir hinströmen, das sind so gut Glieder von uns, als die, welche wir im zeitigen Gebrauch haben. »Wer nicht verzweifeln kann, der muß nicht leben!« sagt auch der Mann, der - und auch aus diesem Gesichtspunkt mein’ ich - am vielfachsten, was uns Menschen betrifft, gehandhabt, erwogen und ergründet hat, mit Herzens- und Geisteskräften, und der ein gesundes Menschenkind geblieben ist, wie er anfing, mit allen derben natürlichen Ansprüchen. Goethe sagt’s. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
675 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 1825 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
676 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Was ist das innerste Streben aller Kunst und dieses Strebens Grund? Dem hiesigen beschränkt- und bedrängten Zustand zu entgehen durch die Tat. Wir würden eine andere Welt schaffen, wenn wir könnten. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
677 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Pauline Wiesel in Paris | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
678 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mitten im Sommer, den 8. Juni 1826 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
679 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Donnerstag vormittag, schönes munkliches Wetter. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
680 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Vormittag 11 Uhr. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
681 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Einzige Pauline: immer und ewig! Diese Worte allein wären genug und ein Brief für Sie. Aber! Über ein Jahr quäl’ ich mich mit einer Antwort an Sie, die ich nicht schreibe. Den vorigen Frühling erhielt ich Ihren Brief und den im Herbst von der Schwester Meyer, die ihn selbst brachte. Ich kann Ihnen, teure Mitleidende, nicht schreiben: denn Ihnen möchte ich alles, jeden fliehenden Tag mit seinen fliehenden Minuten beschreiben; wie er mir das Leben in den Busen einkerbt. Alles, was ich wünsche, nicht: und dabei weiter, immer weiter gelebt! - Endlich ordentlich krank, so daß ich mich nur leidlich befinde, wenn ich zu Hause bleibe, oft Brustbeschwerden habe - jetzt stark - schreiben gar nicht kann: und dabei ausgehe und alle geselligen Pflichten erfülle und alle geselligen Verbindungen habe. Mitunter Theater. Nicht einmal, wie wir’s hatten. Nichts von Pauline und mir. Keine Freiheit. Wollen Sie noch mehr wissen? Oft wundere ich mich, daß ich lebe, dieselbige bin und so weit von mir ab kam. Ach! und in einer anderen Art geht’s Ihnen auch so. Aber darin sind und bleiben wir und wollen wir einzig bleiben, daß wir |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000288 noch wissen, wer wir waren, wissen, was wir wünschen; noch dasselbe wünschen, wollen und meinen. Ewig und bei allem, bei jeder Gelegenheit denke ich an Sie; und schrieb doch nicht: aus Ingrimm, denn wenn ich das Papier für Sie vor mir habe, dann ist alles zu lebendig und ich fühle meinen Untergang; und will ihn Ihnen beschreiben, und dazu langen meine Kräfte nicht hin. Diesen Brief, diese Worte zerreißen Sie gleich! - In meiner Seele und in meinem Geiste bin ich ruhig. Der Gedanke des Existierens - nicht als Pauline oder Rahel - überhaupt, das Dasein irgendeines Dinges oder einer uns möglichen Vorstellung ist so groß, so überragend kolossal, daß ich in der Grübelei und Anschauung untergehe in Ruhe. So mit meinem Geist und mit meinen Gedanken hab’ ich noch Pläsier. Und so ist’s auch ganz gewiß mit Ihnen. Auch bin ich noch zu allem wahren Vergnügen fähig und aufgelegt. Es kommt nur nicht, und ich bin nicht frei; und nun nicht gesund genug mehr, um es mit Inkommodidäten zu erkaufen. Man ist nicht frei, wenn man in der bürgerlichen Gesellschaft etwas vorstellen soll; eine Gattin, eine Beamtenfrau usw. Und Sie und unser Kreis fehlen mir ganz. Die Dummheit, Leerheit, Pedanterie, Frömmelei herrscht. Ihr Brief vorigen Herbst, wo Sie mir von den drei verschiedenen Gesellschaften schrieben, in denen Sie leben, ergötzte mich! In vieler Art geht’s mir auch so; jeder meint, ich meine wie er: ach! ich meine wie Sie und ich! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
682 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Diesen Winter hielt mich auch Wiesels Mordkrankheit und sein Tod ab, Ihnen zu schreiben. Bis in der letzten Minute hatte er alles von mir. Essen, Gelee, Getränke, was nur erfunden werden kann für einen Kranken und für dessen Appetit und Bedürfnisse, vier-, fünfmal täglich wurde hin- und hergeschickt. Ich konnte, weil er drei Treppen hoch im Hirsch unter den Linden wohnte, nicht hinauf mit meinem Atem und Brust. Er wollte es auch nicht leiden. Dore war zweimal den Tag dort. Er empfand es und schrieb es mir. Varnhagen besuchte ihn noch zwei Tage vor dem Tod; das war viel, denn der selbst war an einer Gallenentzündung auf den Tod diesen Winter. Ich erlebte alles! Nein! Nein! Es kann noch mehr Schrecklicheres geben und kommen. Sähe ich Sie nur noch. Aber auch das werde ich noch erleben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
683 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Nun Ihren Brief gelesen! Den dritten seit einem Jahre. Er liegt noch unerbrochen neben mir. Mlle. Bauer, eine Aktrice, von Karlsruhe kommend, schickte ihn mir mit einem von Robert aus Paris. Und heute eben wollte ich Ihnen schreiben, weil Varnhagen gestern Crayens bei Stägemann sah und Victoire ihm sagte, Sie wüßten Wiesels Tod. Ja! Pauline, alles herunter nach der stummen Erde: und erst hier Bewußtsein und Schmerz. Dahinter muß ein herrliches Geheimnis stecken, wovon wir hier nichts wissen. Herrlich, wenn es auch schrecklich ist. Oh! Könnte |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000289 ich jetzt mit Ihnen sprechen! Zu Ihrem Brief! Also, meine Herzenstochter, Sie waren in Wien. Leben jetzt auf Montmartre. Glück zu! Oh! wie verstand ich das, daß Ihnen alle unsere Menschen, die Sie in Wien gekannt, lebendig wurden und nur Sie sich wie eine Tote dagegen fühlten. Gentz scheint mir nach Ihren Äußerungen sehr herab zu sein! Ich liebe ihn und kenne ihn: wie tiefrichtig schreiben Sie in wenig Worten ihn - sozusagen - ab. Nur wir sind ganz geblieben, wie wir waren, Grünes, Kinder, Liebe, Musik, Wetter, alle wahren Realitäten lieben wir, empfinden wir noch, weil wir nur ewig das wollten und nie den Schein und Vorstellen. Und die glückliche Organisation. Mut fehlte mir nur von je, mich in unselige Lagen zu stürzen: darum duldete ich, was ich nicht mochte und verabscheute; davon bin ich krank; das ist der ganze Unterschied zwischen uns beiden: der mit seinen Folgen und Nüancen: sonst keiner. Ich bin, wie der Arzt meint, nicht bedenklich: was macht mir das! Ich finde alle Lebendigen in Lebensgefahr: und Leiden ist das Schlimme. Daß ich nicht auf dem Lande lebe, ist meine innigste immerwährende Krümmung. Nämlich ein Landhaus im Sommer. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
684 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ludwig Robert mit Frau ist in Paris. Rabes Mädchen sind gut; der Sohn bei einer umherziehenden Truppe: ich finde, für ihn übergut. - Meine Adresse: Mad. de V. - meinen Namen - Rue Francaise Nr. 20. - Sparen Sie mir Postgeld. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
685 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Vorigen Sommer war ich unverhofft mit Varnhagen und meinem ältesten Bruder in Baden-Baden; ich dachte an Sie; in Karlsruhe und allerwärts. Reise ich diesen Sommer, sollen Sie’s wissen; vorher vielleicht ein Rendez-vous. Wäre ich frei, käme ich nach Paris. - Hanne und Fanny haben jede zwei herrliche Kinderchen. Hanne einen Emil von fünf Jahren, eine Marie von drei, Fanny eine Elise - Göttin - von zwei Jahren, eine Pauline von acht Monaten. Alle blond und schön und meine Freude. Varnhagen grüßt. Ich küsse und liebe Sie. - Jettchen Mendelssohn ist bigott - katholisch - und liebt stumm und still, was wollen Sie mehr? Aber mich wundert nichts dabei, als daß sie gegen Leidenschaft der Liebe spricht, als wäre das nicht das einzig Ewige auf Erden; und als hätte sie nie geliebt; es mag auch so sein: die meisten schwindelt’s nur so, und vergessen kann man’s nie. Wieder geliebt sein wollen und Treue verlangen, ist dumm - und von den Vorfahren uns eingebläut -, aber Bezauberung durch die Augen, Glück durch Sehen, das ewig Schöne, Paradiesartige auf der Erde. Nur darum möchte ich noch einmal leben, um zu lieben und es nie zu gestehen. So lang’ es eine Empfindung, ist es göttlich; so wird’s ein Verhältnis, eine Geschichte - halbe Ehe - gemeine Werkeltagslast. Jette Mendelssohn ist dabei doch noch lieb und gut. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
686 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mein Bruder ist Rue Bergère Nr. 6 bei dem Herrn Vallentin zu erfragen. Machen Sie aber nicht, als wüßten Sie seinen Aufenthalt und seine Wohnung von mir. Beileibe nicht! Wie von ungefähr, wenn Sie ihn sehen wollen. Hugo Hatzfeldt ist bei Verwandten in oder bei Mainz. Adieu, Herze! Alles stirbt, es ist ein Wunder, daß wir noch leben. Wiesel starb an Brustwassersucht. Schwerer, langsamer Tod. Er starb den 16. März. Aß den Tag vorher noch meine Suppe und Apfelgelee, und Kalb- und Rindfleischgelee. Ein Trost für mich! Er empfand es, und schrieb mir öfters. Welche Liste von Toten haben wir! Wir wollen uns doch noch sehen! Ewig, wie Sie mich kannten! Die größte Liebe zu Ihnen! R. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
687 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August von Varnhagen in Bonn | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
688 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | <den 11. März 1829> | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
689 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Guten Morgen! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
690 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mittwoch halb 10 Uhr, helle, wärmliche Sonne: auch an meinem Fenster, im Wohnzimmer, wo ich noch mit dem gestrigen Einheizen behaglich sitze. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
691 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Heine sehe ich fast nicht; er wälzt sich so in sich herum; sagt, er muß viel arbeiten; ist fast erstaunt, daß ihn so etwas Reelles als des Vaters Tod, der Mutter Leid darüber, betraf; meint, er hätte außerordentlich mit diesem »herrlichen« Vater harmoniert, sei ganz von ihm verstanden gewesen; und wohnt tief in der großen Friedrichsstraße, über die Brücke hinweg, dem Klinikum und den Kasernen gegenüber, - eine Art Festung - viel zu weit. Aussehen tut er gesünder; klagt beinah nicht wieder; aber es ist manche sonst vorüberfliegende Miene festgestellt zwischen seinen Zügen, die ihnen nicht wohltut; so im Munde ein Zerren, wenn er spricht, was ich sonst - auch schon - fast als eine kleine Grazie bemerkte, obgleich es nie schön Zeugnis gab. Glaube nicht, daß ich persönlich zu klagen habe; die Wahrnehmungen gewinnen nur, wenn sie zur Mitteilung gestaltet werden müssen, eine festere Form, als all dergleichen haben kann und soll: im Leben selbst fließt alles, wie sein großer Strom. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
692 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
693 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Viertel auf 2. Heine war hier, als ob er gekommen wäre zu bestätigen, was ich schrieb. Er ist so zerstört von des Vaters Tod. Ein anderer empfindet das nicht so: z. B. seine Geschwister. Er wollte gegen Goethe |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000291 sprechen: ich mußte lächeln; es ging nicht. Er wollte Gans tadeln; es ging nicht. Er wollte Wit-Döring loben; das machte ich ganz zu Schanden, und ihn mit. Er wollte Lindners Schreiben tadeln. Ich bewies ihm das Gegenteil. Lauter kurzgestellte Persönlichkeiten. Proben. Vor allem diesen las ich ihm Deinen Gruß, der machte ihn betreten: er dachte, es hätte Dir jemand etwas von ihm gesagt: da Du schriebst, er solle sich auf Dich verlassen etc. Das war der einzige Ernst bei ihm. Dabei rochen seine Stiefel nach Schuster, seine Kleider nach stockig. Also Fenster nach ihm aufsperren. ... | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
694 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August von Varnhagen in Bonn | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
695 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | <den 15. März 1829> | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
696 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Guten Morgen, es ist Sonntag, Vormittag, 10 Uhr vorbei, der 15. ... | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
697 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... - Von Heine’n - wollte ich Dir schreiben. Das Resumé, was ich heraus habe, ist und bleibt sein großes Talent: welches aber auch in ihm reifen muß, sonst wird’s inhaltleer und höhlt zur Manier aus. Aber begründete Kritik hat er nicht; weil ihm in der Tiefe der Ernst und das höchste Interesse fehlt; welches allein Zusammenhang und zusammenhängenden Überblick gewährt. Er kann sich und Goeth’n, seinen und dessen Ruhm verwechseln: denkt überhaupt an Ruhm! - kann Dich, Gentz und den Lump zusammennennen. Denkt überhaupt, was ihm entschlüpft, was er sagen mag, ist für die Menschen gut genug. Hat klätrige Geschichten - auch daher - die er verschweigt, und deren Lücken ihn in das größte Unbehagen versetzen. Will noch immer ausziehen, sucht Quartiere; will nach Potsdam, Freienwalde etc. etc. Vorgestern kam er schon um halb 7 zu mir. Ich nahm ihn, ohnerachtet der Stunde, doch an: weil ich mich nicht mit Lesen quälen wollte und Ludwigs und Moritzens bestellt hatte. Er sprach und sprach; und zeigte sich mir, wie ich ihn Dir nur schildere. Rike kam um 8. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
698 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Wir sprachen alle viel. Einer oft à tout hasard: welches er aber doch noch anders meinen muß; ich nur, wenn es mit mir durchlief, wegen damaligem Hustenkrampf. Die Rede kam auf Fräulein von Schätzels Auswärtsstehen. Rike erwähnte die ägyptischen Bildwerke. Ich nahm ihre steifen Haltungen in größten Schutz: ein Strom ergoß sich aus mir - ein längst zurückgedämmter - ich erwies, die Natur im Vagen und alles, was die versucht und zu tun gezwungen ist, aus lauter nur für sie geltenden Gründen nachahmen zu wollen, sei durchaus falsch und daher untunlich; in eine menschliche Schranke müsse Kunst sich engen; |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000292 in einen solchen, für den höchsten gehaltenen Menschenzustand; in Beschränkung, in Grenze ihre Einwilligung geben, das allein sei ihre Freiheit; und so seien der Ägypter Stellungen eine Art Bild ihres geselligen Daseins; nicht arbeitend, nicht strebend, nicht noch bewegt. Der Gegensatz davon sei der Wiener Walzer; der oft so unsinnig angebracht schiene, nach jedem ernsten Kampf oft; mir aber immer guten Eindruck mache und gefalle - ohne daß ich lange den Grund deutlich gewußt - so wie ein Leid, ein Kampf, eine Verwirrung, ein Vollbrachtes geschehen sei: gewalzt! Was will der Mensch mehr. Schweben, Leben, Sein, Fertigsein! Heine schlug über die Fauteuil-Lehne, blutrot, ganz weg vor Lachen; er brach wider Willen aus. »Tollheit!« schrie er, »toll, ganz toll; o wie toll! Tollheit, nein, das ist rasend: solcher Unsinn ward noch nicht gesagt«: und so blieb er lachend. Sowie er wieder zu sich war, war es reinster, lichter Neid. Ich sagte ihm auch: »Den Unsinn möchten Sie gemacht haben.« Ich lachte auch. Die letzte Hälfte, die vom Walzer, mußte ich ihm erklären: er frug ganz ernsthaft; und fand es dann sehr gut. Aber dies Lachen! So natürlich sah ich ihn nie. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
699 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Deine F. V. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
700 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An August von Varnhagen in Kassel | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
701 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dienstag, den 24. März 1829. Bald 11 Uhr. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
702 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Helles Wetter, welches eben bei diesem Worte dunkelt; wieder hell. Südostwind: | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
703 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ... Pauvre humanité. Niemandem wird etwas gereicht, der nicht herzhaft den bitteren Kelch vor die feine Zunge nimmt; und herunter, herunter; alles hinein! Unverhofft wird’s veilchenartig, aromisch, süß genug; und hell um uns her und ruhig; und das nur, weil wir das Bittere abgetrunken, was wir selbst hinaufgehäuft; Ungesehenes, Unwahres, Falsches sogar; nach dem herben mutverlangenden Abtrinken ist reiner Grund und Wahrheit da; und in uns; und diese ist Himmelselement: weil ihr Wesen darin besteht und zu erkennen ist, daß sie zu den nächsten Gliedern passen muß; und dadurch bis zum Himmel hinauf passen kann. Alles was wir tun können, besteht in einem richtigen Erschauen, nach innen und außen hin; daß wir uns wiederfinden neuem bereichernden Erfassen! Der Faule muß alles nachholen, noch einmal beginnen, bei harter Strafe und Scherz; bei hartem Befinden. Wir versuchen alle und oft, faul zu sein; aber wir müssen es nicht bleiben: Clemens ruht |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000293 sich wieder zu sehr beim Katholizismus aus; vorwärts, armer Clemens! je eher je lieber. So viel Klügere auch wollen das große Defizit nicht ertragen: und mit Goethe’n nicht »verzweifeln, wenn sie leben wollen.« Beugt euch, Menschen, tief: dann könnt ihr euch erheben. August, ich prahle hier nicht: ich sträube mich alle Tage unartigst im einzelnen. Was heißt das aber? Ich sträube mich in den Momenten des Lebens, wo aus Zorn oder Einzelwunsch mein Auge, erhitzt oder verblindert, das Ganze nicht erfaßt; aber - wenn wir ans Ganze denken, das vor unseren Sinn gebracht haben, und dann uns nicht beugen, nicht rein werden, nicht verzweifeln wollen, nicht unterwürfig sind; in der eigenen Brust und in dem Drang nach Vernunft, Recht und Richtigkeit keine Bürgen finden, dann müssen wir erst noch recht leiden - und werden. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
704 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Deine R. ... | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
705 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Heinrich Heine in Hamburg | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
706 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dienstag, den 21. September 1830 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
707 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 5 Uhr Nachmittag. Sonnentag, nach einer kleinen Ausfahrt, einem kleinen Diner, einem kleinen Nachmittagsschlaf. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
708 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Vielleicht zerstreut es Sie in dem jetzigen Leben und bringt Sie zu sehr hohen allgemeinen Betrachtungen, indem es Ihnen die Befriedigung unseres kleinen Herzens als das Wichtigste zeigt, wenn ich Ihnen sage, klage, erzähle, daß ich ein zerschlagenes Herz im Busen habe, weil ich heute meine Kinder Caspers wieder abgeben mußte. Rein abgeben, als wenn es ihre wären; und ich liebe sie. Ich lebte endlich acht Wochen, von morgens 7 bis 9 - und auch des Nachts mit zwei-, drei-, viermal nach ihnen sehen - abends mit, für und nur durch sie. Ich machte ihnen Fleisch durch Pflege; und ließ ihre Seelen wachsen, ihren Geist sich heben und regen. Den ganzen Tag hatten die drei, wovon Sie meine älteste, Elise, gewiß kennen, Prätentionen an mich; den halben war ich mit ihnen in Wald und Feld und Gärten. Nun ist’s aus. Alles aus; und ich in Eifersucht allein; daß andre haben, was ich besitzen sollte; und sie nicht genießen, aber verderben; und daß kein Despot, keine Armee, kein Gericht existiert, welches mir dies Gut zuspräche: und der liebe Gott wohl weiß, was mir gebührt; und was ich leide. Sehr gut. Und ich soll wieder elend warten, bis ich denken muß: er hatte recht; sonst wär’ es ärger gekommen. Es hilft mir nichts, aus der Zeit der verliebten Liebe zu sein; ich leide doch. Und Sie mit, - denn ich mag nicht - so sehr |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000294 kann ich nicht - schweigen; und Ihnen will ich grade heute schreiben. Auch scheint es mir verstockt, ein Verrat und freundlos Benehmen, einen schweren, schwarzen Klumpen Leid im Herzen zu tragen, es in Schmerzen überschwemmt zu fühlen, und dies - schriftlich - zu verheimlichen, ganz zu übergehn; und vom Tag oder anderm Ernst und Scherz zu sprechen. Wissen Sie, daß ich einen Todschreck von den Schneidergesellen - wegen falscher Berichte eines erschrockenen Domestiken, der während des Tumults, wie Roller vom Galgen, zu mir stürzte, um mir die Stadt als saccagiert vorzustottern - hatte, einen Tag, wo ich wegen Nervenaffekt und Rheuma ein Schwefelbad mit all den Übeln in dem Körper hatte; und nur aus ungefähr nicht davon tot blieb; gleich nachher bekam ich den Brief, der mir die Ankunft, durch die ich die Kinder wieder missen sollte, zum surlendemain ankündigte! - Gemelkt fühlt’ ich mein Herz. Unfähig meinen Körper. Seitdem hab’ ich gelacht, geredet, gedacht, die Honneurs der Tage gemacht, wie immer. Und bin durch nichts in meinen Ansichten und Meinungen gestört. Hepp ist mir so wenig unvermutet, als alle andre Unducht. Kein großer Trumeau, kein »Jungfernkranz«, kein Elephant über Theaterbrücken; keine Wohltätigkeitsliste, kein Vivat, keine Herablassung; keine gemischte Gesellschaft, kein neues Gesangbuch, kein bürgerlicher Stern, nichts, nichts konnte mich je beschwichtigen. Die Pockenmaterie muß raus; Schminke hilft nichts; und wäre sie mit Hausanstreichpinseln aufgeklext! Nur Despoten können uns helfen; die Einsicht haben: oder - so gesagt, so geschehn! Unversehens hab’ ich Sie hier gegrüßt, mit allem, was ich jetzt, über jetzt zu sagen weiß. Sie werden dies herrlich, elegisch, phantastisch, einschneidend, äußerst scherzhaft, immer gesangvoll, anreizend, oft hinreißend sagen; nächstens sagen. Aber der Text aus meinem alten beleidigten Herzen wird doch dabei der Ihrige bleiben müssen. Und auch hier wiederhole ich: Gott weiß das alles; sieht was uns fehlt; und schickt gewiß den trefflichen Despoten mit Bedacht aus weisem Grunde nicht. Dieser Grund ist Geschichte; und das mindeste bißchen Einsicht davon schon genug zu Geschichtserzählung. Unsre Krankengeschichte ist allein unsre Geschichte. Alle haben wir mit gefressen; und das muß wieder heraus. Kommen Sie bald; schreiben Sie noch früher! Ich leide schrecklich an Ungewaschenem, was jetzt auch sonst Gescheitere und Gewaschnere hervorlassen. Wie wenig wird echt gesehn und gedacht. Adieu. Gesundheit und heitre Tage. Ich mußte mich mit Ihrem Brief gestern freuen ... Schicken Sie mir einen recht argen <Brief>, aus tiefstem Herzen, ganz nachlässig. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
709 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Friedrich von Gentz in Wien | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
710 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonntagmorgen 8 Uhr, den 3. Oktober 1830. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
711 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Das schönste Sonn- und Mondwetter. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
712 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Der Himmel hat Sie gesegnet, sah ich völlig ein, als Fluten von Segen aus meinem Herzen für Sie strömten, nachdem ich Ihren paradiesischen Brief eben gelesen noch in Händen hielt. Ich fühle eine ewige Fortdauer, köstlicher reiner Freund, in dieser Übereinstimmung: die ist tiefer gegründet, bezieht sich auf Höheres, Unerschütterlicheres als auf diesen Weltwirrwarr - im höheren Sinne dieses Wort! - keine unserer Strebungen sind hier rein; das heißt, können unmittelbar sein, als die freie, von uns selbst nicht zu bändigende Liebe zu Gegenständen, die sie ins Leben zu reizen vermögen. Dieses Leben des Herzens ist allein wahr, reell. Das wußt’ ich, als ich ein Kind war, ein wirkliches Kind dem Alter nach: und Triumph! ich weiß es noch. Höchster Triumph! - Triumph ist nicht Sieg; Triumph ist Glück - mein bester Freund weiß das nun auch; bestätigt’s sich und mir, durch glückliches Erleben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
713 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Gutbestellte Herzen können immer verliebt sein, wollen es immer sein. Nur richtige Gegenstände dazu finden sie selten: daher das Liebesunglück all. Auch ist das Herz aus einem andern Dasein und für ein anderes: und schafft sich auch in seinem Dunkel immer ein anderes: wie ursprünglich ein jeder Mensch ein komplettes Original sein könnte und, unverdorben, dies auch in Gestalt und Wesen zu zeigen vermöchte; und also gediehen, ein vollkommener Gegenstand der individuellsten Liebe zu sein fähig wäre. Aber alles ist unter dicker Rinde der höchsten Verwirrung, in einem Aufruhr von Gemengsel und Verfehlung: sonst müßten alle Menschen lieben können, nur lieben wollen; und auch in unserm Alter lieben. Glück auf, köstlicher Freund! und auch dazu dieser Zuruf; weil dieser Lebenszustand Ihre Tage erfüllt, erhellt; reich macht, ihnen Bedeutung, Grund gibt; alle Augenblicke darin Beziehung und Zweck erhalten: nicht allein also des kostbaren Urgrunds dieses Zustandes wegen, der das reinste höchste Geschenk des Himmels ist; ja, ein Stück von ihm selbst, auf der Irr- und Probebahn mitgegangen. Hier ist meine ganze Religion ... ausgesprochen. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
714 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Und welch ein Glück haben Sie mir noch verkündet! Wie fehlt mir dieses Glück. - Sie sagen mir: Sie haben nun meinen letzten Brief verstanden, der die Antwort auf die großen Urfragen enthielt; der eigentlich aussprach, daß wir nur so viel Gottheit erkennen könnten, als uns im Busen mitgegeben ist; daß unsre Vernunft, oder vielmehr der Durst |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000296 danach, der einzige Bürge für Urvernunft überhaupt sei. Das, geliebter Freund, wollten Sie mir zur Zeit etwas verübeln: und jetzt getraue ich mir Ihnen zu sagen, daß kein System der Philosophen - ich kenne sie -, kein Urpunkt einer Religion zu einem andern Ergebnis hingelangen kann. Philosophie kann nur den Zustand und die Fähigkeit unseres Geistes klar darlegen (und, wie Goethe in der röm. Elegie sagt: »den düstern Wegen unseres Geistes nachspüren«, dies ist wenigstens der Sinn seiner Worte -): die Religion sich nur am Ende dieser Untersuchung einfinden, und mit - aus uns selbst geschöpftem - Vertrauen gnädigst, gütigst und durch inneres Gefühl zuversichtlich, weiter verweisen; sauf neuer Offenbarungen, die ich nicht hier den alten entgegensetze, sondern - wünsche. Tief abgeschnitten hielt mich Ihre letzte Antwort an Varnhagen auf diesen meinen hier erwähnten Brief: was konnte ich sagen, weiter sagen, wenn Sie diese Worte, tief aus Herz und Geist geschöpft, nicht verstanden! Gelöst ist die Welt, die da zwischen uns lag; und auch von der Seite sind Sie mir gewonnen: wie nichts je mich von Ihnen trennen kann und konnte; fehlten Sie auch (fehlen heißt hier nicht, einen Fehler begehen, sondern nicht da sein); ich übersah uns; und wußte, daß in jeder Zukunft Sie zu mir mußten. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
715 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Welche Ehre, daß Sie in dem Zustand, in dem vornehmen, besten, mir schreiben mußten! Keine zweite existiert, ich weiß es selbst; und leugne es Würdigen nicht. Aber woher das? Jeder könnte so sein; einzig sein. Wenn er den Mut, den Sinn hätte, »original«, er selbst zu sein: wenn ihm an fremder Zustimmung nicht mehr läge, als an seiner: wenn er sein tiefstes Wollen abfrüge. Wie einem aber dieser Mut, dieser Sinn abgehen kann, ist mir eigentlich durchaus unverständlich: gestehe ich’s nur! Menschen, denen diese bedeutend fehlen, sind mir eigentlich vortreffliche Marionetten; zur Verwunderung aus Fleisch und Blut. Nochmal Glück auf, zu unserer Frische! Unsre Jugend war kein Blendwerk. Wir lieferten ihr Grüne und Leben; sie bestand nicht nur aus Unkunde und ungekränkter Haut, sondern aus Fülle, Tiefe, Leben und Keimdrang; zum ewigen Weiterleben sind wir aufgelegt; vermögen zu lieben; und begründeter nur wird unsre alte Freundschaft, die nicht altern kann. Einen Tempel möchte ich in ewiggrünem Hain stiften, um für Ihre erneute Gesundheit zu danken; ja, mit Ruhe und Ungestörtheit (Grundlage aller Pflege) kann man sie wieder erlangen; sogar die verlorne. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
716 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Auch ich habe noch ein Liebeherz. Ich liebe mit neuer, niegekannter Zärtlichkeit einen reinen Tautropfen des Himmels, ein sechsjähriges Nichten-Kind. Aber auch in dieser Liebe erfahre ich Störung, Kontradiktion. Und muß meinen Gegenstand oft leiden sehen! Das Mädchen |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000299 gehört mir nicht und fällt oft der Unvernunft zu. Aber das Kind gehört, höheren Ortes her, mir. Mein Blut, meine Nerven: meine Schnelligkeit: herzweich und herzstark. Vernunftkind nenne ich es; fromme Tochter. Aber sie ist hübsch, graziös: reizend, leichtsinnig: und ganz anders als ich. Vor Gott und Menschen angenehm. Sechs Jahre segne und pfleg’ ich sie mit allen meinen Kräften. Ich denke in meiner tiefen Überzeugung und Religion: daß das Kind und ich immer wieder zusammenkommen werden. Wie Schönes wußte ich Ihnen gestern darüber zu sagen; aber leider hatte ich keine Feder in der Hand. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
717 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Nur so viel in diesem Brief. Den Ihrigen erhielt ich gestern abend. Von Heine, von allem andern künftig. Sie sollten nur geschwind Antwort haben. Wie ganz kindisch, lieblich Ihre Furcht, Ihre Zweifel! Von mir könnte ich Ihnen nur mündlich Rechenschaft geben: wie ich bin, hab’ ich Ihnen gesagt: wie es mir geht, könnte ich nur erzählen. Wissen Sie soviel: noch find’ ich mich immer wieder; und bin ich nur einigermaßen ungestört, find’ ich auch einen stillen See in der Seele: Natur, Luft und Wetter fühl’ ich wie zu fünfzehn Jahren; und Menschenseelen auch; wenn ich sie finde. Die schöne Tänzerin werde ich sehen: Keine Mühe soll mir zu groß dazu sein! Auch will ich sie kennenlernen ... Ich liebe sie schon jetzt: aber seien Sie meines reinen Urteils dennoch gewiß. ... Ich liebe Sie wie immer. Ich eile, daß Sie diesen Brief erhalten, und umarme Sie aufs zärtlichste! Welche große schöne Ursach muß der Himmel haben, uns getrennt zu halten! Ich beuge mich. Nochmals Dank, daß Sie mir schrieben! Ewigen Dank, wie ewige Liebe. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
718 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Fr. V. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
719 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Friedrich von Gentz in Wien | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
720 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlin, Montag abend 9 Uhr, den 7. Februar 1831. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
721 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Feuchtes Tauwetter. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
722 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Geküßt hab’ ich Ihren Brief; nach tiefer Verstummung, regungslos in meinem Bette aufrecht bleibend; aus Rührung, Liebe, Zärtlichkeit für Sie, Drang und Plan zum Helfen, Staunen, Betroffenheit. Liebes, teures - wie es sein muß - ewiges Kind! So wirft sich nur Goethens Tasso andern hin in die Hände, an den Busen, nur Sie, und die Besten, und ich, wenn ich einen bessern Busen wüßte, als den meinen! (Großes, hartes, ein noch nie ausgesprochenes Wort.) Sie sind nicht unglücklich; glauben Sie es mir, bis Sie diesen Brief ausgelesen haben. Lassen Sie |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000300 mich mit dem Unabweislichsten, Wunderbarsten, Schwärzesten anfangen, mit dem Tod. Sind wir es nicht schon? Ist er wunderbarer als das Leben? Dies Leben, mit den innern, geistigen Lücken? Dieses zerrissene Bruchstück? Wo er am Ende doch steht? Wer mir durch den dunklen Mutterleib half, bringt mich auch durch dunkle Erde! Ich will leben; also muß ich auch leben. Mein Lebensgefühl, mein Glücks-, Ordnungs-, Vernunftbedürfnis sind mir auch die Bürgen für dies alles; wie käm’ ich sonst darauf? Diese sind mein Gott in mir und außer mir; mein letzter Winkel, wo auch mein Tempel und meine Religion ist. Wenn ich jeden Augenblick sterben kann, so bin ich schon tot, d. h. ich lebe tot weiter. Und ich fühle ja mein Leben, und nicht den Tod; wie sträubt sich unser Innerstes bei jeder Probe, wo ihm nur Einhalt, Hemmung getan werden soll; jeden Widerspruch eines gerechten Anspruchs von uns fühlen wir nur darum so empfindlich, ja eigentlich so unleidlich! Das Leben läßt sich nicht betasten; nur erregen, fördern, bereichern, durch Stoff und Geist; und wirds mit dem Mordgewehr erfaßt, so fliehts, flieht aus der ganzen Sphäre, wo ihm das geschehen konnte. Gewiß werden wir wieder jung. Herrliches physisches Gefühl: nämlich ganz fertiges, nicht erst zusammengedacht, gemacht, von uns selbst erst bereitet, sondern gleich passend, gehörend zu dem Ort, wo wir zu sein haben: das ist Jugend; darin besteht sie: einschlürfend das Dasein, ausströmend, erregend wieder ausströmend: und eine neue, viel gesteigertere Jugend müssen wir wiederkriegen: in ihr fortleben: und in einer, in einer innern, leben wir schon fort! Und nur vielbehäutete Köpfe können es lächerlich finden, wenn Alte noch wollen wie Junge. Wollen sollten sie auch nicht? Ist es nicht Erde genug, daß sie nicht können? Soll im Leben ein Oberzeremoniemeister wie an Höfen herrschen? Wahrhaftig, das Volk aller Klassen versiegelt sein Leben und alle Pulse und ergibt sich darein; noch ganz voll Sittlichkeitsstolz. Wie stupid sehen sie auch alle aus! Über vierzig nicht mehr zu ertragen. Ich will sie auch nicht sehen, nicht kennen. - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
723 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sie sind jung, lieber Freund; lieben, sind glücklich, haben eine reizende Geliebte; einen Freund - mich - das herrlichste Kindergemüt: alle Ihre Jugendschwächen; wollen Rat und finden Rat; wie vor dreißig Jahren auf meinem Kanapee, ehe Sie zu Ihrem Vater gingen, um aus Berlin zu gehen. Nichts ist verloren; Einkünfte kommen wieder; andre. Die Welt - die olle politische - schwingt sich um: und Sie stehen ihr wieder en face. Nur mißkennen Sie ihre Entwicklung nicht so, daß Sie selbst sagen, Sie kennten sie nicht mehr. »Dieser paradoxe Satz wird bald ein Gemeinplatz werden«, muß man von Hamlet nie vergessen. Es sind jetzt andere Gemeinplätze in Umlauf; nie wird man die wieder für |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000301 Paradoxe halten wollen. Der Geist der Zeit ist nichts als die jedesmal allgemein gewordene Überzeugung. Horchen Sie dahin: agieren Sie mit der, durch die! - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
724 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dienstag früh | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
725 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich Ihnen Politik! - Sie, die allgemeine Überzeugung muß Ihnen dienen, sie sei Ihnen ein Instrument. Überwinden Sie den Abscheu: kommen Sie ihr zuvor: Lenker bedarf eine jede. Denn ist wohl noch je eine Überzeugung der Masse ihr klar? Machen Sie face; lassen Sie das Heft nicht aus den Händen, senken Sie Kopf, Feder, - wie Krieger das Schwert - nicht als überwunden: sprechen Sie sich das besonders nicht selbst aus! Und sehen Sie nicht nur die Unordnung, sondern - eben nach »den vierzig Jahren Arbeit« - was die in der Zeit sich folgenden Menschen nun jetzt zu wollen haben. Denken Sie nicht an das, was Menschen ewig wollen sollten: sondern fassen Sie ins Auge, was Weltwirrwar, alte Sünden, längst Verfehltes nun erlaubt, und wohin eben dies drängt. Im ganzen gewiß auch nach dem, was der Mensch soll: aber maskiert. Scheuen Sie diese Maske wie jede andere nicht! Behalten Sie das Heft in Händen! Sein Sie großartig. »Vous en parlez bien à votre aise!« werden Sie denken. Fanny lebt noch, fragen Sie die: sie war zugegen, als ich aus blauem Himmel Warschaus Revolution erfuhr - Graf Mocenigo kam, und nach halbstündiger Tagesunterhaltung sagte er uns das - ich glaubte zu sterben. Ein Brustkrampf befiel mich, aufspringen mußte ich, noch bin ich nächtlich krank davon. - In der Welt fürchte ich nichts so als Pöbel, Hornvieh, Unvernunft, bis zur Besinnungslosigkeit und Krämpfen, - ich will nichts mehr als Ruhe. Ich habe längst meinen »Bankrott« gemacht; ich könnte nur noch gemartert und blutarm werden; und hoffe doch. Und nun Sie! - Ein Lenker, wenn Sie wollen. Wem gehören denn die Länder, wer sind denn die Regierungen als solche? O könnte ich mit dem Munde zu Ihnen reden! Gestern als ich Ihren Brief las, machte mein Herz gleich Pläne, nach Wien zu kommen. Ihnen zum Trost. Jetzt wünsche ich es, um Ihnen Vorschläge zu machen. - Nur eine Frau! Keine Maintenon und keine des-Ursins, und doch nähmen Sie einen Rat von mir in Gebrauch. Wie viel sah ich früh ein! Wie viel sagt’ ich vorher von den Dingen, mit denen Sie hantieren. Aber verwesen mußte meine gute Einsicht. Erinnern Sie sich noch, wie Sie mir in Prag erzählten, Sie hätten solchen göttlichen Plan erfunden, solchen herrlichen Gedanken, und wie Sie ihn dem Fürsten Metternich mitgeteilt, wäre er an sein Bureau getreten und hätte aufgeschrieben herausgelangt, was Sie ihm gesagt? Sie wollten nie sagen, was es war. Es war der deutsche Bund, dachte ich nachher. Damals war |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000302 der gut. Erfinden Sie wieder etwas. Ich zweifle nicht. Verzweifeln Sie nicht: und alles ist noch gut. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
726 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Lieben Sie denn Ihre Blumen nicht mehr? Nicht Luft, Wetter? Das Gefühl Ihrer selbst, das Wetter in Ihnen? Wie krank bin ich! Wie gestört! Welche Deboires habe ich Dezennien lang verschlucken müssen, welche Leiden! Und Phönix nach Phönix stieg empor! Nicht, daß es mir so gefällt; nicht, daß ich’s annehme: Nein! Nein! Nein! Und ewig Nein! Aber ehrlich verarbeitet hab’ ich’s. Ich mag wohl in zwanzig Jahren keine persönliche Satisfaktion gehabt haben. Und weiß es wohl. Und schaffe mir menschliche; durch Teilnahme, durch Meditation, Einsicht, Schwung, Fröhlichkeit, Güte, Unschuld - je ne parle pas à mon aise - ich verzweifelte oft, raste, hielt mich schon für toll: denn auch Ruhe und Muße hatte ich nicht. Und Sie sprechen von vierzig Jahr Arbeit. Genuß war die: und was brachte sie Ihnen ein! Allen Lebensgenuß und Wohlhabenheitsfülle, Persönlichkeitsbefriedigung; Ehre, Ansehen, Wohlhabenheit, Geselligkeitsgenuß; Reisen, Garten, Pferde, Anregung, Leben jeder Art. (Ich sollte Ihnen erzählen!!) Wie bescheiden gucke ich aus meinem Winkel hervor und hinauf! Wie tief- und frohsinnig: aber welche Abgaben bekam der Teufel durch meine nun für mich nicht mehr zu fassenden Leiden aller Art! Me voilà. Ich tröste mich und Sie. Und bin überzeugt, daß es mit zum Erdenleben gehört, daß jeder in dem gekränkt werde, was ihm das Empfindlichste, das Unleidlichste ist: wie er da herauskomme, ist das Wesentliche. Das sind die neuen Eigenschaften, die er sich anarbeiten, anleben kann. Darin, geliebtes Kind und Freund, möchte ich Ihnen helfen. Dies ist diesmal mein Schmeicheln: tiefe Wahrheit, wie ich sie mir selbst vorsetze. Daß Ihr Herz sie nur erkennt als aus meinem liebevollsten fließend! Glauben Sie mir noch fürs erste; es wird gut für Sie. Shakespeare sagt sehr klar, klug und erfahren: »Oft ist ein Fall das Mittel, desto glücklicher wieder aufzustehn«; dessen seien Sie eingedenk. Ich hab’s öfter gesehen, kürzlich erfahren. Glück auf, lieber Freund! Mut oben! Einsicht frei! Sie können alles zu allem überreden. Wagen Sie das Neuste, die neuste Behauptung. Sie sollen einmal sehen! - - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
727 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Pauline Wiesel (Vincent) in Baden | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
728 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Freitag, den 29. Juli 1831. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
729 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Morgens 10 Uhr. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
730 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Warmes ängstigendes Wetter mit Feuchtigkeit und jetzt Sonne. Ich sage, die Krankheiten kommen rein daher. Es ist seit Jahren, die ich fühle und leide, die größte Wetterrevolution. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
731 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Wer gibt Ihnen diesen Brief, teure einzige Polle? Ludwig, Rike. Ja, die kommen nach Baden: die bleiben dort. Ich gratuliere Euch allen. Und - unmöglich ist es nicht, daß wir uns diesen Herbst noch sehen. Kommt die Cholera nicht her, so mache ich noch eine Reise. Fragen Sie Robert, Rike aus, die werden Ihnen alles von der armen Rahel sagen. Unglücklich ist sie nicht. Die Zeit ist vorbei. Sie glaubt und hofft nicht mehr auf Glück: kennt die Erde, und was sie beut und bieten kann; sie ist aber glücklich, glückselig, wenn sie nicht grade gequält wird. Und flammend glücklich, sich in dem Zustand zu befinden, Sie alle Jahre besuchen zu können; wenn vom Himmel herabströmende Seuchen es nicht verhindern wollen. Denkt meiner; ich bin bei Euch. So auch noch nach meinem Begräbnis. Ein Traum; ein Schwindel: keine Hand hält die Vergangenheit, sie rinnt durch; keine greift die Zukunft; sie ist nicht da. Aber die Ewigkeit ist da: in den wirklichen Lebensmomenten, in Leidenschaft, in Zorn, Liebe, in edler Überzeugung und ihren Wirkungen, haben wir sie ganz; darum handeln und wollen wir auch in solchen Momenten ohne Rücksicht auf Zeit; darum Glück und Leid der Liebe unendlich. Verstanden? Ja. Lesen Sie’s Robert ... adieu donc ma bonne et unique Pauline, mon trésor de bonté et d’amour pour moi. Meine Einverstandene! Naturfreundin. Wahrheitstochter, die auch mich dafür erkannt hat. Adieu. Bei allen Gelegenheiten denke ich an Sie: rufe Sie laut in Gärten, bei Blumen und Stauden, Wipfeln, Himmel und Scheinen. Solche Gebete hört Gott; - sie kommen bis zu ihm. Die Wahrheit und Natur erkennen, sind seine anerkannten Kinder; sind Geschwister: und, ich denke, bleiben zusammen. Adieu! Adieu! | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
732 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Friedrich von Gentz in Wien | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
733 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mittwoch, den 23. November 1831. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
734 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dunstiges, trübes, feuchtes, nebliges Novemberwetter; hinter welchem, wirklich wie hinter einem weiten Schleier, die Sonne kiekelt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
735 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Und so ist es mit allen uns bewußten Dingen: das Schöne will hervor, das Gute, das Reine, das Freie, Glück (unverletztes), Heiligkeit! Alles ist gestört: Chaos lebt noch. So sehe ich endlich im Alter unsern Zustand, in intellektueller, naturhistorischer, ethischer, politischer Hinsicht an. Das Wort steht da: Alter. Aber nicht unglücklicher bin ich als in der Jugend. Keinen heftigeren Herzenszustand gibt es in dieser Welt als den, glücklich sein zu wollen; dies zu erhoffen; noch zu glauben, daß solche Zustände für irgend jemand existieren, der ganz feinsinnig, tief und blühend intelligent ist und ein starkes und zartes Herz hat; - darunter verstehe ich das ganze Faser- und Nervensystem, mit allen seinen Dependenzen: findet kein Ganzes in irgendeiner Kombination von Umständen, zu einem Zustand gestaltet, der seinen gerechten Forderungen allen genügte: und nicht sogar quälte; oder auch nur: mir war dies nicht beschieden: (wie denn jeder Mensch, der nur Besinnung hat, ein ganz einziges Schicksal hat: ein Moment des Ganzen ist - Gottes, wenn Sie wollen - der nur einmal existieren kann). Einsamer ist man nicht als ich nun in allen Stücken. Ich sehe noch hie und da Menschen; lese, höre. Aber lebe ohne Pairs. Und denke an Vergangenes wie ein Verstorbener. Aber wenn ich mich bedenke, war es zu sechzehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahren nicht anders mit mir: auch wußte ich es in der Tiefe immer: nur überschrieen meine neuen Wahrnehmungen, Empfindungen, den Himmel, Natur und Welt belagernde Forderungen an all diese, die in der Tiefe immer zu findende Evidenz: und Stück vor Stück mußte mir das Ganze genommen werden, ehe ich den Mut, die Kraft, die Möglichkeit faßte, daß ich nichts haben sollte. Nur mich selbst. Auch darauf bin ich nicht stolz: wie weiß ich, daß schon Krankheit uns uns selbst entreißt, zerstört! Es gibt nur einen großen Lehnherrn: und wir alle Kreaturen sind Vasallen. Nur durch Miteinsicht erahnen wir Freiheit, - von der denke ich anders als die Kämpfenden, als je ein Publizist! - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
736 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Unser innerstes Wesen ist sogar gezwungen: unser Wunsch nach einem heiligen, freien, unverletzten Zustand. Müssen wir das nicht wünschen? Sind wir dieser Wunsch nicht selbst? Adieu! à demain! un mal d’yeux qu’il faut ménager, me fait quitter la plume. Bon jour! - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
737 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Heute ist Freitag; und noch trübes Nebelwetter. Ich will fortzufahren suchen. Nun denn; ich bin verarmt; und vermisse den Reichtum nicht, wie ich wohl in meiner reicheren Zeit und in damaligem Mangelgefühl hätte denken können. Auch an mein Alter würde ich nicht erinnert werden, wäre ich nicht leidend; auch das wäre ich erträglich, wäre ich geschont worden. Enfin es ist so geworden, wie es ist. Ich habe alle meine Empfänglichkeit noch - für Gut- und Schlechtes, und freute mich auf Fannys und Theresens Kommen, wie zu sechzehn Jahren; nur verdoppelt, vielfach verdoppelt, und aus allen Sphären her begründet und bestätigt hat sich mein Haß und meine Liebe. - Und faux-frais zu Vergnügen und Glück kann ich nun durchaus nicht mehr machen; überhaupt keine frais; da ich Glück und Vergnügen missen kann, so müssen die beiden mir die Cour machen, wenn sie etwas mit mir zu tun haben wollen - es sei unter welcher Menschenmaske es wolle!! Sie wollen aber nicht: und ich bin einsam!!! Aber nicht aus diesem Grund allein: in der höchsten aktiven und passiven Aktivität konnte mir das geschehn: meine Einsicht, meine Gedanken sind zu abwärts: und in den größten Details noch mehr. Wie drücke ich das nur Ihnen verständlich aus! Sie haben mich jung gekannt und kennen meine Ignoranz: aber ich weiß alles: durch Selbsttätigkeit. Mit den größten Schriftstellern finde ich mich überein. Komme zu ihnen auf ihren hohen Sternen; aber auf meinem Weg: oder durch einen glücklichen Aufschwung. Und so ist es noch wie in der Kindheit: in der schlechtesten Komödie, in der geringsten Gesellschaft oder bei solchen Behauptungen, wird mir die höchste Tragödie, das höchste Beisammensein mit all seinen Bedingungen klar; Polemik bis an ihren Ziel- und Zweckpunkt. Und das in einer Tätigkeit, in einer Schnelligkeit, die mir noch nie vorkam. Dabei den kühnsten Denkmut, und jedes Resultat davon willig - wenn auch verzweifelt - angenommen. Nun denken Sie sich eine solche unter Leuten. Unter reinen Menschen müßte ich wenigstens sein. Nur ein Punkt Mensch im Menschen, und ich hebe uns wie mit dem berühmten Hebel nach allen Welten. Sprechen müßte ich Sie können: und in zwei Worten kennten Sie auch meine politisch-gesellige Lage. Ich rücke und rühre an nichts mehr: seit vielen Jahren; und ab fällt, was nicht hält: wie Blätter von einem gegendbeherrschenden Baum; den ich immer, im Reisen, einen Fürsten nenne; oft mit Familie, Volk; oft allein. Der große Todesgedanke - das viele Sterben aller Bekannten, das man im Alter erlebt - ist das ganze vollständige Gegengewicht dieser Phantasmagorie, dieser gezwungenen Anleihe von Illusion. Dieser, der Tod, ist eins mit dem Leben; wir werden’s in diesem nicht los. Dieses Rätsel, diese Aufgabe des Denkens und des künftigen Seins, löscht mir alle Vorfallenheiten des |Arendt-II-001-Lebensgeschichte-1959-00000306 Lebens, außer Blindheit, Kerker, Martern, überhaupt Schmerzen, ganz aus. Ich verachte nicht das Leben; das Gefühl von Dasein, die Denk-, die Fühlfähigkeit, das große, heilige, amüsante Rätsel: diese Zerstückelung ist zu kolossal, zu augenscheinlich: auch für solche Augen, mit denen wir hier hausen und unsern Verkehr treiben. Ich habe Momente von wahrem Erschauen, wo mir blitzlang alles klar ist; wo ich weiß, was das ist, heilig. Eins ist gewiß, und das kann man hier mit den Jahren schon ergründen und finden. Es steigert sich das Schlechte und Gute; und da das Schlechte doch nur eine Negation ist, so tritt es zurück und selbst wählen würden wir so die Steigerung. Ganz gut kann nichts werden. Warum - da es eigentlich keine Zeit gibt - wäre es nicht jetzt schon ganz gut? - Das alles humainement vu. Wir können ja ein neues Begreifungsvermögen bekommen oder werden! - Schon längst bin ich so durchdrungen, so übersättigt von Geduld und Abscheu, daß ich abends dem Himmel danke für das, was ich nicht weiß: und so mich auf die einzig mögliche Weise der Unschuld freue. (All sich hierauf Beziehendes habe ich längst aufgeschrieben.) So steht’s mit mir: so hatte ich die Influenza wie nur fünf in Berlin; acht Wochen schwach und elend davon; dann die Cholera-Furcht!!! Die Sperre, die Diät; dann ein Augenübel bei all meinen andern. Und doch nicht unglücklicher als sonst. Mein Augenübel ist nervös und leidet wohl Lesen, aber nicht Schreiben. Deshalb aber schwieg ich nicht. Sondern weil Sie nie antworten, wenn Sie auch einmal so gnädig sind zu schreiben. Ich bedarf Antwort. Aber »Ich mache mir wohl noch was aus Ihnen!« Liebe ist Überzeugung, wie Abscheu: unvertilgbar. Aber was tut’s! Ich kann Sie ja lieben; ohne daß Sie danach Nachfrage tun: noch ich selbst in mir. Was Menschen lernen können, habe ich gelernt; und Großes durch Sie. Ich habe auch Sie missen gelernt, seit Prag. Getrennt sind wir ohnehin. Kindisch habe ich mich vorvorgestern mit Fanny gefreut; und mit dem Schwan. Armer Freund. Armer Glücklicher, dem noch solch Glück entzogen werden kann. Sehn Sie, daß Wunder möglich sind; noch in diesem Erdengefängnis. - Und was kann noch kommen. Waren Sie je in der Jugend so beglückt: so glücklich in der Seele? - | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
738 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Tagebuch | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
739 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | März 1832 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
740 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Abends atemreine Luft, von der tiefen Erde aus durch der Sterne Strahlen hin, bis zu ihrer Höhe. Tages von der Sonne erhellt und gereinigt durch sie, so weit nur Auge und Atem reichen: das wünsch ich mir und Dir; und miß es sterbend. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
741 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | An Leopold Ranke in Berlin | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
742 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Sonnabend, den 15. Juni 1832 | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
743 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ich kann, ich darf diesen Tag nicht vorbei lassen, ohne Ihnen zu schreiben. Wie falsch, wie schief sagen wir alles, was wir ausdrücken wollen; nichts kann auch verstanden werden, wenn es der andre nicht vorher weiß. So können Sie nicht wissen, daß ich meinen verschwundenen Freund nur dann, nur deshalb liebte, wenn er recht etwas Kindisches sagte oder tat. Da liebt’ ich ihn; deshalb wiederholte ich es, daß er sagte: er sei so glücklich in Prag der erste zu sein, daß alle oberste Behörden, große Damen und Herren zu ihm schicken müßten! etc. mit entzücktem Lächeln und in die Augen Sehn! So klug, dies zu verschweigen, ist jedes erzogene, verlogne Vieh: aber wer hat die hingebungsvolle Seele, das liebe Kinderherz, es zu sagen? Seine Perfidien - er übte sie reichlich gegen mich - sind anders, als der andern ihre: er glitt wie in einem Glücksschlitten fliegend auf einer Bahn, auf der er allein war; und niemand darf sich ihm vergleichen; auf diesem Wege dann, sah er, nicht mehr wie auf der Erde, weder rechts noch links: hatte er Schmerz, litt er Widerspruch, dann war er nicht mehr auf dieser Bahn; und dann verlangte er Hilfe und Trost; die er nie gab. Keiner aber darf dies wagen, und doch liebenswürdig und liebenswert sein. Ungestraft ließ ich’s, solange er lebte, nicht hingehn. Nun aber, beim Fazit, bleibt mir nur reine, lebendige Liebe. Dies sei sein Epitaph! Er reizte mich immer zur Liebe: er war immer zu dem aufgelegt, was er als wahr fassen konnte. Er ergriff das Unwahre mit Wahrheitsleidenschaft. Viele Menschen muß man Stück vor Stück loben: und sie gehn nicht in unser Herz mit Liebe ein; andre, wenige, kann man viel tadeln, aber sie öffnen immer unser Herz, bewegen es zur Liebe. Das tat Gentz für mich: und nie wird er bei mir sterben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
744 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Übrigens glaube ich jetzt, wir werden nach dem Sterben voneinander wissen: oder vielmehr, uns zusammen finden. Dies gesagt, grüße ich Sie, und bin überzeugt, mein Schreiben freut sie. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
745 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Fr. Varnhagen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
746 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Lebensdaten Rahel Varnhagens | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
747 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 1771. 19. Mai In Berlin geboren als ältestes Kind des wohlhabenden Kaufmanns Levin Markus. Jüngere Geschwister: Markus (1772), Ludwig (1778), Rose (1781), Moritz (1785). Im Elternhaus, das orthodox, aber ungebildet war, wurde das Judendeutsch der Zeit gesprochen. Rahels früheste Briefe an die Familie sind in hebräischen Lettern geschrieben. 1780er Jahre Jugendfreundschaft mit dem gleichaltrigen David Veit. Regelmäßiger Briefwechsel in den Jahren 1793-1796. um 1790 Tod des Vaters. Bruder Markus übernimmt nach und nach das väterliche Geschäft. 1794 Erste Reise zu Verwandten nach Breslau. etwa 1790-1806 Rahels Salon in der Dachstube in der Jägerstraße, in dem sich die bedeutenden Männer des geistigen Berlin nahezu vollständig versammeln: die Brüder Humboldt, Friedrich Schlegel, Friedrich Gentz, Schleiermacher, Prinz Louis Ferdinand von Preußen und seine Geliebte Pauline Wiesel, der Altphilologe Friedrich August Wolf, Jean Paul, Brentano, die Brüder Tieck, Chamisso, Fouqué ... 1790er Jahre Beginn der Freundschaft mit dem Schweden Karl Gustav von Brinckmann. 1795 Sommer Rahel lernt Wilhelm von Burgsdorff kennen. 1795 Sommer Sie reist mit der Schauspielerin Unzelmann nach Teplitz, wohnt dort bei der Gräfin Josephine von Pachta. Auf einige Tage nach Karlsbad, dort erste Begegnung mit Goethe. 1795/96 Winter Rahel lernt den Grafen Karl von Finckenstein kennen. Verlobung. Die Liebesbeziehung zieht sich bis 1800 hin. 1796 Sommer In Teplitz und Karlsbad. Burgsdorff gleichfalls dort. um 1800 Taufe des Bruders Ludwig, der den Namen Robert annimmt, unter dem er als Schriftsteller bekannt wurde. 1800 Juli bis 1801 Mai Rahel reist mit der Gräfin Karoline von Schlabrendorf nach Paris, wo sie den Hamburger Kaufmann Wilhelm Bokelmann kennenlernt. 1801 Schwester Rose heiratet den Justizbeamten Asser aus Amsterdam; von dort holt Rahel ihre Mutter im Mai ab, um mit ihr zusammen nach Berlin zurückzufahren. 1801 Ende Rahel lernt Friedrich Gentz kennen. 1801/02 Sie lernt den spanischen Legationssekretär Don Raphael d’Urquijo kennen und verlobt sich mit ihm. 1804 Bruch mit Urquijo. 1806. 27. Okt. Napoleon zieht in Berlin ein, das bis 1808 unter französischer Besatzung bleibt. Sprengung des Freundeskreises durch die Kriegsereignisse. 1806/07 Schädigung des Vermögens der Familie. Einschränkungen, Auseinandersetzungen mit den Brüdern, die sich bis 1812 hinziehen. 1807/08 Winter Fichtes Vorlesungen Reden an die deutsche Nation. 1808 Frühling Beginn der Beziehung zu Varnhagen. 1808 Herbst Die Spannung zwischen Rahel und ihrer Mutter, die aus den eingeschränkten finanziellen Verhältnissen herrührt, erreicht ihren Höhepunkt mit dem Auszug der Mutter aus der Wohnung in der Jägerstraße. Rahel kann die teure Wohnung allein nicht halten und zieht in die Charlottenstraße, wo sie bis 1810 wohnt. Varnhagen geht nach Tübingen. Rahels kurze Reise nach Leipzig. 1809 Frühjahr Rahel lernt Alexander von der Marwitz kennen. Varnhagen bei Rahel in Berlin. 1809 Juni Varnhagen zum österreichischen Kriegsschauplatz; 1810 mit dem Grafen Bentheim nach Paris, von dort über Westfalen nach Wien (1811). 1809 Oktober Tod der Mutter. 1810 Sie nennt sich Rahel Robert. 1811. 25. Mai Finckensteins Besuch bei Rahel, die ihn seit Lösung der Verlobung nicht gesehen hat. 1811 Juni Varnhagen holt Rahel von Berlin nach Teplitz ab. 1811 September Rückreise über Dresden - Wiedersehen mit Alexander von der Marwitz - nach Berlin. 1812 Veröffentlichung der auf Goethe bezüglichen Stellen aus dem Briefwechsel zwischen Varnhagen und Rahel im Cottaschen Morgenblatt. 1813. 9. Mai Zusammen mit der Familie ihres Bruders Markus nach Breslau, um den Kriegswirren zu entgehen, von dort über Reinerz nach Prag (30. Mai 1813). Aufnahme bei der Schauspielerin Auguste Brede, einer Freundin des Grafen Bentheim. Wiedersehen mit Gentz und Marwitz. 1813/14 Winter Schwere Krankheit. 1814 Sommer Wiedersehen mit Varnhagen in Teplitz. 1814 Ende August Varnhagen nach Berlin voraus. 1814. 5. September Rahel trifft in Berlin ein, wohnt bei ihrem Bruder Moritz. 1814. 27. Sept. Taufe und Vermählung mit Varnhagen. Namen: Antonie Friederike. 1814 Oktober Varnhagen als Mitglied des diplomatischen Korps zum Kongreß nach Wien. Rahel folgt ihm im gleichen Monat. 1815 Juni Varnhagen verläßt Wien, und Rahel verbringt einige Sommerwochen bei der Familie Arnstein in Baden bei Wien. 1815 August Rahel reist nach Frankfurt. 1815. 8. Sept. Goethes Besuch bei Rahel in Frankfurt. 1815 November Varnhagen kommt in Frankfurt an. 1816 Juli Varnhagen und Rahel ziehen nach Karlsruhe, wo Varnhagen preußischer Geschäftsträger geworden ist. 1819. 22. Juli Varnhagen wird von seinem Posten in Karlsruhe abberufen. 1819 Oktober Varnhagens kehren nach Berlin zurück. 1821 Frühjahr Rahel lernt Heine kennen. 1826 Ende Bruder Markus stirbt. 1829 Sommer Erholungsreise nach Baden, dort Zusammentreffen mit Pauline Wiesel. 1831 Ende August Die Cholera bricht in Berlin aus. 1832. 5. Juli Bruder Ludwig stirbt. 1832 Dezember Gentz stirbt. 1833. 7. März Rahel stirbt, wird auf dem Dreifaltigkeitskirchhofe vor dem Halleschen Tor in einem Gewölbe beigesetzt und dreißig Jahre später zusammen mit Varnhagen dort begraben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
748 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Bibliographie | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
749 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel: Briefwechsel, einzelne Briefe | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
750 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Alle Sammlungen von Rahel-Briefen, die aus bereits veröffentlichten Briefwechseln zusammengestellt sind, werden hier nicht erwähnt, hingegen sind Sammlungen, in denen neues Material veröffentlicht ist, nach Möglichkeit mitgeteilt. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
751 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Stern, Ludwig, Die Varnhagen von Ensesche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Berlin 1911. (Vollständige Aufzählung des gesamten Materials mit einer vorzüglichen Einleitung über Varnhagen.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
752 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde. 3 Bde., Berlin 1834. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
753 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefwechsel zwischen Rahel und David Veit. Aus dem Nachlaß Varnhagens von Ense. 2 Bde., Leipzig 1861. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
754 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Assing, Ludmilla, Aus Rahels Herzensleben. Leipzig 1877. (Enthält Briefe von Finckenstein und Rahels Briefentwürfe an ihn, p. 19 ff.; Briefe an Bokelmann, p. 132 ff.; Briefwechsel mit Urquijo, p. 194 ff.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
755 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel und Alexander von der Marwitz in ihren Briefen. Herausg. von Heinrich Meisner, Gotha 1925. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
756 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefwechsel zwischen Varnhagen und Rahel. Herausg. von Ludmilla Assing-Grimelli, 6 Bde., Leipzig 1874/75. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
757 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Atzenbeck, Carl, Pauline Wiesel. o. J. (Enthält u. a. Briefe Rahels an Pauline, Briefe des Prinzen Louis Ferdinand an Rahel, einen Briefwechsel zwischen Pauline und Varnhagen aus dem Jahre 1841.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
758 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefwechsel zwischen Varnhagen von Ense und Oelsner, nebst Briefen von Rahel. Herausg. von Ludmilla Assing, 3 Bde., Stuttgart 1865. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
759 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Louis Ferdinand Prinz von Preußen, Briefe an Pauline Wiesel. Nebst Briefen von Alexander von Humboldt, Rahel, Varnhagen, Gentz und Marie von Meris. Herausg. von Alexander Büchner, Leipzig 1865. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
760 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefwechsel zwischen Karoline von Humboldt, Rahel und Varnhagen. Herausgegeben von Albert Leitzmann, Weimar 1896. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
761 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Brief von Rahel an Clemens Brentano.« Mitgeteilt von Dr. Agnes Harnack, Berliner Zeitschrift für Bücherfreunde. Leipzig, November 1912. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
762 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Ein ungedruckter Brief Rahels an Gentz vom 6. Januar 1832.« Briefe von und an Friedrich von Gentz, Bd. 1. Herausg. von Friedrich Carl Wittichen, 2 Bde., München 1909/1910. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
763 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berend, Eduard, »Ein ungedruckter Brief Rahels an Jean Paul (Paris, 16. Dezember 1800).« Zeitschrift für Bücherfreunde, Jahrgang 1920. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
764 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Arendt, Hannah, »Ein Brief Rahels an Pauline Wiesel«. Deutscher Almanach, 1932. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
765 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel und ihre Zeit. Briefe und Zeugnisse. Ausgewählt von Bertha Badt, München 1912. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
766 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rahel Varnhagen. Ein Lebensbild aus ihren Briefen 1799-1832. Ausgewählt und eingeleitet von Curt Moreck, München. 1923. (Enthält ungedruckte Tagebucheintragungen und Briefe an Bokelmann.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
767 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Burgsdorff, Wilhelm von, »Briefe an Brinckmann, Henriette von Finckenstein, Wilhelm von Humboldt, Rahel, Friedrich Tieck, Ludwig Tieck und Wiesel«. Herausg. von Alfons Fedor Cohn, Berlin 1907, in: Deutsche Literaturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts, Nr. 139, 3. Folge, Nr. 19. (Von den 67 Briefen sind 40 an Rahel, 22 an Brinckmann.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
768 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dorow, Wilhelm, Reminiszensen. 1842. (Enthält einen Brief Ludwig Roberts an Rahel.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
769 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Galerie von Bildnissen aus Rahels Umgang und Briefwechsel. Herausg. von K. A. Varnhagen von Ense, Leipzig 1836. (Mit Briefen von Wilhelm von Burgsdorff, Karoline von Humboldt, Josephine Gräfin von Pachta, Karoline Gräfin von Schlabrendorf, Friedrich Schlegel, Prinz Louis Ferdinand von Preußen, Alexander von der Marwitz, Adam Müller, Friedrich Gentz, Hans Genelli, Peter von Gualtieri, Graf Tilly.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
770 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Geiger, Ludwig, »Aus dem Varnhagen-Chamissoschen Kreise«, Goethe-Jahrbuch, Bd. 24. (Enthält Brief Fouqués an Rahel vom 30. Nov. 1809; Brief Chamissos an Rahel vom Juni 1821.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
771 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Geiger, Ludwig, »Eine unbekannte Charakteristik der Bettina von Arnim«, Frankfurter Zeitung, 61. Jahrgang, Nr. 13, 14. Jan. 1917. (Rahel über Bettina, Oktober 1810.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
772 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Gentz, Friedrich von, »Briefe und Vertraute Blätter« (mit Briefen an Rahel), Bd. I der Schriften. Ein Denkmal. Herausg. von Gustav Schlesier, 5 Bde., Mannheim 1838-1840. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
773 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefe, Briefstellen, Denkblätter Rahels, zu ihren Lebzeiten gedruckt | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
774 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Morgenblatt, Cotta, 1812, Nr. 161, 162, 166, 169, 176. (Goethe veröffentlicht die Briefstellen, die Varnhagen ihm zugestellt hat; Rahel = G; Varnhagen = E.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
775 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Troxler’s Schweizerisches Museum, Aarau, 1816, p. 212-242, 321-375: »Bruchstücke aus Briefen und Denkblättern«, nach Briefen Rahels von 1790-1816. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
776 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ernst’s Nepenthe, 1817. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
777 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | L. Börne’s Wage, 1821. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
778 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Gesellschafter, 1821, Nr. 131-138: »Briefe und Gespräche über Wilhelm Meister«, von Varnhagen. Rahels Beiträge unter Friederike. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
779 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Morgenblatt, Cotta 1825. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
780 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Berlinische Blätter für Frauen. Eine Wochenschrift von Fouqué. 3. u. 4. Bd., Berlin 1829: »Aus Denkblättern einer Berlinerin.« | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
781 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Brinckmann’s Blätter für literarische Unterhaltung, 1833. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
782 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Zeitgenössische Zeugnisse mit Bezug auf Rahel oder Varnhagen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
783 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Anonym, »Der Salon der Frau von Varnhagen. Berlin, im März 1830.« Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften von K. A. Varnhagen von Ense, Bd. 8, Leipzig 1859. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
784 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Anonym, »Rahels Bild«, Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften von K. A. Varnhagen von Ense, Bd. 8, Leipzig 1859. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
785 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Anonym, »Rahel Levin und ihre Gesellschaft. Gegen Ende des Jahres 1801.« Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften von K. A. Varnhagen von Ense, Bd. 8, Leipzig 1859. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
786 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Anonym, »Rahels Theater-Urtheile«, Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften von K. A. Varnhagen von Ense, Bd. 8, Leipzig 1859. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
787 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Anonym, »Über Rahels Religiosität. Von einem ihrer älteren Freunde.« Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften von K. A. Varnhagen von Ense, Bd. 8, Leipzig 1859. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
788 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Brinckmann, Gustav von, »Rahel«, Brief an Varnhagen von Ense, Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften von K. A. Varnhagen von Ense, Bd. 8, Leipzig 1859. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
789 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Briefe von Karl Gustav von Brinckmann an Friedrich Schleiermacher« in: Mitteilungen aus dem Literaturarchiv in Berlin, Neue Folge, 1912. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
790 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Caroline. Briefe aus der Frühromantik. Nach G. Waitz vermehrt herausg. von Erich Schmidt, 2 Bde., Leipzig 1913. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
791 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Chézy, Helmina von, Unvergessenes. Denkwürdigkeiten aus dem Leben der Helmina von Chézy. Herausg. von Bertha Borngräber, Leipzig 1858. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
792 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Custine, Marquis de, »Madame de Varnhagen«, Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften von K. A. Varnhagen von Ense, Bd. 8, Leipzig 1859. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
793 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Geiger, Ludwig, »Varnhagens literarische Verspottung durch Clemens Brentano«, Zeitschrift für Bücherfreunde, Neue Folge, Nr. 10, Jahrgang I, 1918. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
794 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefe von und an Friedrich von Gentz. Herausg. von Friedrich Carl Wittichen, 2 Bde., München 1909-1910. (Bd. 2 enthält Briefe von und an Karl Gustav von Brinckmann.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
795 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Gentz, Friedrich von, Tagebücher. Aus dem Nachlaß Varnhagens von Ense, herausg. von Ludmilla Assing, 4. Bde., Leipzig 1873-1874. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
796 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Herz, Henriette, Ihr Leben und ihre Erinnerungen, herausg. von J. Fürst, Berlin 1850. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
797 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Jugenderinnerungen von Henriette Herz« in: Mitteilungen aus dem Literaturarchiv in Berlin, 1896. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
798 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Henriette Herz, ihr Leben und ihre Zeit. Herausg. von Hans Landsberg, Weimar 1913. (Enthält Briefe von und an Schleiermacher.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
799 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Wilhelm und Caroline von Humboldt in ihren Briefen. Herausg. von Anna von Sydow, 7 Bde., Berlin 1906-1916. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
800 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Pückler-Muskau, Fürst Hermann von, Briefwechsel und Tagebücher, herausg. von Ludmilla Assing-Grimelli, Bd. 1-2, Hamburg 1873; Bd. 3-9, Berlin 1874-1875. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
801 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Leopold von Ranke und Varnhagen von Ense. Ungedruckter Briefwechsel.« Herausg. von Theodor Wiedemann, Deutsche Revue, 20. Jahrgang, 3. Bd. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
802 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Robert-Tornow, Walter, »Ferdinand Robert-Tornow, der Sammler und die Seinigen«, Deutsche Rundschau, Bd. 65, 1890. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
803 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rogge, Helmuth, »Kleist und Rahel«, Jahrbuch der Kleistgesellschaft, 1923 bis 1924. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
804 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Caroline und Dorothea Schlegel in Briefen. Herausg. von Ernst Wieneke, Weimar 1914. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
805 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Herausg. von Josef Körner, Berlin 1926. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
806 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Briefe von Dorothea Schlegel an Friedrich Schleiermacher« in: Mitteilungen aus dem Literaturarchiv, Neue Folge 7 und 8, Berlin 1913. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
807 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dorothea von Schlegel geb. Mendelssohn und deren Söhne Johannes und Philipp Veit. Briefwechsel. Herausg. von J. M. Raich, 2 Bde., Mainz 1881. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
808 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Aus Schleiermachers Leben. In Briefen. 4 Bde., Berlin 1858-1863. (Bd. 3 enthält den Briefwechsel mit Friedrich und August Wilhelm Schlegel; Bd. 4 enthält Briefe von Schleiermacher an Gustav von Brinckmann. Beide Bände herausgegeben von Wilhelm Dilthey.) | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
809 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Varnhagen von Ense, K. A., Biographische Porträts, Leipzig 1871. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
810 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | »Briefwechsel Varnhagens mit J. P. V. Troxler 1815-1818« in: Mitteilungen aus dem Literaturarchiv in Berlin, 1900. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
811 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Allgemeine Literatur | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
812 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Börne, Ludwig, Über die Judenverfolgung, 1819; Für die Juden 1819; Briefe aus Paris, 1830-1833. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
813 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Brentano, Clemens, Der Philister vor, in und nach der Geschichte. Heidelberg 1811. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
814 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Buchholz, Friedrich, Untersuchungen über den Geburtsadel, Berlin 1807. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
815 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Dohm, Christian Wilhelm, Über die bürgerliche Verbesserung der Juden, Berlin, 1781-1783; Denkwürdigkeiten meines Lebens, Lemgo 1814-1819. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
816 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Fichte, Johann Gottlieb, Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters, in Vorlesungen, gehalten im Winter 1804/05, Berlin 1806. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
817 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Fichte, Johann Gottlieb, Reden an die deutsche Nation, Berlin 1808. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
818 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Friedländer, David, Sendschreiben an Seine Hochwürden, Herrn Oberconsistorialrath Probst Teller zu Berlin von einigen Hausvätern jüdischer Religion, Berlin 1799. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
819 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Geiger, Ludwig, »Vom Wiener Kongreß«, Die Zeit, 29. Sept. bis 4. Okt. 1917. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
820 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Grattenauer, Carl, Über die physische und moralische Verfassung der heutigen Juden. Stimme eines Kosmopoliten, Berlin 1791. Besprochen in Allgemeine Deutsche Bibliothek, Bd. 112, 1792; Wider die Juden, Berlin, 1802. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
821 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Herder, Johann Gottfried, Briefe zur Beförderung der Humanität, 1793-1797; »Über die politische Bekehrung der Juden«, in Adrastea und das 18. Jahrhundert, 1801-1803. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
822 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Humboldt, Wilhelm von, »Über die männliche und weibliche Form«, 1795, in Bd. I der Gesammelten Schriften, herausg. von Albert Leitzmann, Bd. I-XVII, Berlin 1903-1936; »Gutachten«, 1809, in: J. Freund, Die Emanzipation der Juden in Preußen, Berlin 1912; »Tagebücher«, in Bd. XIV u. XV der Gesammelten Schriften. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
823 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Jost, J. M., Neuere Geschichte der Israeliten. 1815-1845, Berlin 1846. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
824 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Marwitz, Friedrich August Ludwig von der, »Letzte Vorstellung der Stände des Lebusischen Kreises an den König«, 1811, Werke, herausg. von Meusel, Berlin 1908; »Über eine Reform des Adels«, 1812, ibid.; »Von den Ursachen des Verfalls der preußischen Staaten«, ibid. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
825 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mendelssohn, Moses, »Schreiben an Lavater«, 1769, Gesammelte Schriften, Berlin 1930, Bd. 7; »Vorrede zur Übersetzung von Menasseh ben Israel, Rettung der Juden«, 1782, Gesammelte Schriften, Leipzig 1843-1845, Bd. 3. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
826 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Mirabeau, H. G. R. de, Sur Moses Mendelssohn, London 1788. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
827 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Paulus, Heinrich, E. G., Beiträge von jüdischen und christlichen Gelehrten zur Verbesserung der Bekenner des jüdischen Glaubens, Frankfurt 1817; Die jüdische Nationalabsonderung nach Ursprung, Folgen und Besserungsmitteln, 1831. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
828 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Rousseau, Jean Jacques, »Confessions«, vol. 23-26, Oeuvres complètes, Paris 1788-1793. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
829 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Ruehs, Christian Friedrich, »Über die Ansprüche der Juden auf das deutsche Bürgerrecht«, Zeitschrift für neuere Geschichte der Völker und Staatenkunde, Berlin 1815; Die Rechte des Christentums und des deutschen Volkes verteidigt gegen die Ansprüche der Juden und ihrer Verfechter, 1815. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
830 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Briefwechsel zwischen Schiller und Wilhelm von Humboldt. Dritte vermehrte Ausgabe, mit Anmerkungen von Albert Leitzmann, Stuttgart 1900. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
831 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Schlegel, August Wilhelm und Friedrich, Athenäum, Berlin 1798. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
832 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Schlegel, Friedrich, Lucinde, Berlin, 1799; »Charakteristik des Wilhelm Meister«, Charakteristiken und Kritiken, 1. Bd., Königsberg 1801. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
833 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Schleiermacher, Friedrich, Briefe bei Gelegenheit der politischen theologischen Aufgabe und des Sendschreibens jüdischer Hausväter, 1799; Werke, Abt. I, Bd. 5, 1846; »J. G. Fichte. Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters« (Rezension in der Jenaer Literaturzeitung, 1807), in Aus Schleiermachers Leben, Bd. 4, herausg. von Wilhelm Dilthey, Berlin 1858-1863. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
834 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Zimmer, Heinrich W. B., Johann Georg Zimmer und die Romantiker, Frankfurt 1888. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
835 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Verzeichnis der Briefe und Tagebuchstellen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
836 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | ARH: Ludmilla Assing, Aus Rahels Herzensleben. Leipzig 1877. Atzenbeck: Carl Atzenbeck, Pauline Wiesel. Leipzig 1925. BdA: Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde. 3 Bde., Berlin 1834. engl. Ausgabe: Hannah Arendt, Rahel Varnhagen. The Life of a Jewess. Mit einem Anhang unveröffentlichter Brief- und Tagebuchstellen. London 1957. Marwitz: Rahel und Alexander von der Marwitz in ihren Briefen. Herausgegeben von Heinrich Meisner. Gotha 1925. Varnhagen: Briefwechsel zwischen Varnhagen und Rahel. Herausgegeben von Ludmilla Assing. 6 Bde., Leipzig 1874/75. Veit: Briefwechsel zwischen Rahel und David Veit. Aus dem Nachlaß Varnhagens von Ense. 2 Bde., Leipzig 1861. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
837 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | Empfänger Datum Quelle Seite An David Veit 18.2.1794 Veit [521 f.] An Karl Gustav von Brinckmann Juli 1800 BdA I, 202 ff. [522 f.] An Wilhelm Bokelmann 2.7.1801 ARH [523 ff.] An den Grafen zu Lippe 24.1.1803 engl. Ausgabe, 203 [525] Tagebuch 8.3.1803 BdA I, 259 [525] Tagebuch März 1803 ebenda [525] Tagebuch 1803 engl. Ausgabe, 203 [526] An Don Raphael d’Urquijo ohne Datum ARH [526] An Rebecca Friedländer Dezember 1805 engl. Ausgabe, 203 [526] An Rebecca Friedländer 1806 engl. Ausgabe, 204 [527] An Regine Frohberg (Rebecca Friedländer) 13.12.1807 BdA I, 323 ff. [527 ff.] An August Varnhagen 26.9.1808 Varnhagen I, 44 ff. [529 f.] An August Varnhagen 5.11.1808 Varnhagen I, 96 f. [530 ff.] An August Varnhagen 19.2.1809 Varnhagen I, 296 f. [532] Tagebuch 5.7.1809 engl. Ausgabe, 209 ff. [533 f.] An August Varnhagen 22.2.1810 Varnhagen II, 43 ff. [534 f.] An August Varnhagen 9.3.1810 Varnhagen II, 45 [535] Tagebuch 11.3.1810 engl. Ausgabe, 211 [535] An Pauline Wiesel 12.3.1810 Atzenbeck 140 ff. [536 ff.] An Alexander von der Marwitz 25.10.1811 Marwitz, 115 ff. [538 ff.] An Alexander von der Marwitz 23.11.1811 Marwitz, 156 f. [540 f.] An Friedrich de la Motte-Fouqué 29.11.1811 BdA I, 552 ff. [541 ff.] An August Varnhagen 1.2.1812 Varnhagen II, 325 ff. [545 f.] An Alexander von der Marwitz 9.4.1812 Marwitz, 233 ff. [547-549] An August von Varnhagen 14.2.1814 Varnhagen III, 297 ff. [549 f.] An Pauline Wiesel September 1815 Atzenbeck [551] An August von Varnhagen 11.10.1815 Varnhagen V, 70 f. [551 f.] |Arendt-II-001-00000322 An Astolf Grafen von Custine 17.12.1816 BdA II, 426 ff. [552 ff.] An August von Varnhagen 14.11.1817 Varnhagen V, 299 ff. [555 ff.] An die Schwester Rose 22.1.1819 BdA II, 563 ff. [556 ff.] Tagebuch 3.11.1819 BdA II, 599 f. [558 f.] An Karoline Gräfin Schlabrendorf 22.7.1820 BdA III, 28 f. [559] An Adam von Müller 15.12.1820 BdA III, 30 ff. [560 f.] Tagebuch 29.1.1822 BdA III, 59 f. [561] An Oelsner 28.11.1822 BdA III, 84 ff. [562 f.] Tagebuch 4.12.1822 BdA III, 87 [563] Tagebuch Mai 1823 engl. Ausgabe, 213 [563 f.] An Karl Gustav von Brinckmann 24.4.1824 BdA III, 154 ff. [564-566] Tagebuch 27.1.1825 BdA III, 180 f. [566 f.] Tagebuch 1825 engl. Ausgabe, 216 [567] An Pauline Wiesel 8.6.1826 Atzenbeck, 216 ff. [567 ff.] An August von Varnhagen 11.3.1829 Varnhagen VI, 347 f. [570] An August von Varnhagen 15.3.1829 Varnhagen VI, 356 ff. [570 f.] An August von Varnhagen 24.3.1829 Varnhagen VI 389 f. [572] An Heinrich Heine 21.9.1830 BdA III, 443 f. [572 ff.] An Friedrich von Gentz 3.10.1830 BdA III, 446 ff. [574 ff.] An Friedrich von Gentz 7.2.1831 BdA III, 481 ff. [576 ff.] An Pauline Wiesel 29.7.1831 BdA III, 507 f. [579 f.] An Friedrich von Gentz 23.11.1831 BdA III, 539 ff. [580 ff.] Tagebuch März 1832 engl. Ausgabe, 216 [583] An Leopold Ranke 15.6.1832 BdA III, 576 ff. [583 f.] | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
838 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 🞽 Prinz Louis Ferdinand von Preußen | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
839 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 1 Hier befand sich ein Teil des Nachlasses von Clemens Brentano, den seine
Schwester, Bettina von Arnim, Varnhagen zur Verwahrung übergeben hatte.
Ferner die Originale der Briefe von Friedrich Gentz, die auszugsweise von
G. Schlesier (Briefe und vertraute Blätter von Friedrich von Gentz, 1838) und
von Wittichen (Briefe von und an Gentz, 1909) veröffentlicht sind. Aber auch
Briefe von Hegel und Wilhelm und Caroline von Humboldt, Henriette Herz,
den Mendelssohn-Bartholdys, Adam Müller, Leopold von Ranke, dem
Prinzen Louis Ferdinand, Friedrich und Dorothea Schlegel, Ludwig Tieck - um
nur die bekanntesten Namen zu nennen - gehörten zu den Beständen des
Varnhagen-Archivs. - Siehe Ludwig Stern, Die Varnhagen von Ensesche Sammlung
in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. 1911. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
840 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 2
Mein nach Vergleichung mit den Handschriften korrigiertes Handexemplar
sowie alle sonst in meinem Besitz befindlichen Abschriften und Exzerpte habe
ich dem Archiv des Leo-Baeck-Institutes übergeben. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
841 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 3
Die bekannteste dieser Interpolationen besteht aus einigen Sätzen in einem
Brief Rahels an Varnhagen, die eine nähere Bekanntschaft zu Beethoven
vortäuschen sollen. Die Absicht ist offenbar: es handelte sich darum, noch einen
»berühmten Mann« in Rahels Freundeskreis erscheinen zu lassen. (Die neueste
»Entdeckung« auf diesem Gebiet, die Rahel zu der »fernen Geliebten« Beethovens
ernennt, bedarf wohl kaum einer Erwähnung, da der Autor gar nicht
behauptet, seine These dokumentarisch belegen zu können. Nicht nur in den
veröffentlichten Briefwechseln, in dem gesamten unveröffentlichten Material
gab es nicht eine Zeile, die diese Vermutung nahelegen könnte. Zu Rahels Zeit
war es nicht üblich, aus solchen Dingen ein Geheimnis zu machen; gerade bei
ihr aber ein solches Geheimnis zu vermuten, zeugt von einer außerordentlichen
Unkenntnis ihrer Person.) - Für die Verstümmelung von Briefen und ihre
Motivierung siehe die Episoden mit Clemens Brentano. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
842 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 4
Siehe die Einleitung von Heinrich Meisner zu dem von ihm herausgegebenen Briefwechsel mit
Alexander von der Marwitz, 1925, und Augusta Weldler-Steinbergs Nachwort in
Rahel Varnhagen, Ein Frauenleben in Briefen, 1917. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |
843 | ||||
[keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] | 5
Ungedruckte Tagebuchnotiz vom 11. März 1810. | [keine Entsprechung vorhanden] | [keine Entsprechung vorhanden] |